..der wird mit der Zeit gehen müssen. Ich weiß es ist sinnlos sich darüber aufzuregen, weil das nichts ändern wird. Die Zeit wird alles ändern. Und so sehr die meisten Alteingesessenen glauben daß alles gleich bleibt, egal wie viel sich ändert – wir hatten noch nie eine Zeit wie diese. Ich rede jetzt nicht von der ökologischen Apokalypse, nicht von der Finanzkrise und nicht davon, daß in der letzten Zeit eine Menge Personen anderen Personen in unsrem all zu friedlichen Staat das Leben genommen hat, sei es mit Axt, mit Pistole oder mit Küchenmesser. Nein, wovon ich rede ist Bildung. Wir hatten noch nie so viele Menschen auf dem Planeten die lesen und schreiben konnten wie heute. Wir hatten noch nie kleine alexandrische Bibliotheken die nicht brennen konnten weil sie nicht auf Papier basierten. Noch nie konnten Bilder über so immense Entfernungen binnen Sekunden ausgetauscht werden und dem ein oder anderen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern oder ihn anderweitig zu inspirieren.

Technik die man früher nur aus Fantastereien diverser Schriftsteller oder später auch Filmemacher kannte ist heute allgegenwärtig, sei es WLAN, eine mp3-Bibliothek von mehreren Schränken von CDs in der Hosentasche oder Mobiltelefone die nicht nur eine Kamera haben, sondern auch elementare Bildbearbeitung ermöglichen. Man hat vor etwa zwei Jahrzehnten fast nicht gewagt zu träumen wohin die Technik geht. Und nun haben wir sie. Und was machen wir damit? Alles. Wir tun alles damit, halten Kontakt mit Menschen die wir sonst vier mal im Jahr sehen würden und über Briefe (die ich übrigens nach wie vor sehr schätze) gelegentlich von Neuigkeiten unterrichten könnten. Wir bestellen uns Kleidung, Nahrung und Informationen per Post ins Haus, handeln mit Leuten auf anderen Kontinenten, unterstützen Musiker, Schriftsteller, Künstler und Programmierer von den entlegendsten Ecken der Erde durch Empfehlung, durch Paypal-Spenden oder einfach mal durch einen netten Kommentar im Gästebuch. Wir ordern Hotelzimmer, Flug- und Bahntickets, Briefwahlformulare oder sogar die Schufa-Auskunft zum nach Hause schicken. Wer möchte, kann so viel oder so wenig Technik in seinen Tag einbetten wie er will. Diese Freiheit, diese Wahl haben wir.

Ich kenne so manchen der seine Überweisungen noch handschriftlich ausfüllt, gehöre selbst zu den Leuten die dann und wann im Buchladen auf Entdeckungsreise gehen und mir fallen mindestens fünf Namen von Personen ein, die ausdrücklich und völlig bewusst vermeiden wollen, daß ihr Gesicht, ihr Name und ihre Geschichte, ihre Zitate und ihre Statements im Internet erscheinen. Ja, es gibt Menschen die mögen das nicht und ich nehme auch nicht an jedem Mist teil der für allgemein gehalten wird (wie zB die Abschaffung meines Mobiltelefons oder das Boykottieren des Fernsehens) und das gehört respektiert. Was ich mich aber strikt weigere zu akzeptieren ist die unglaubliche Blauäugigkeit mit der die in die Jahre kommende Generation der Entscheidungsträger in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik an die Probleme unser Zeit herangehen. Verantwortungslos und Gefährlich.

Ich sehe immer wieder Leute die sich für hip halten, meist ab Mitte 30 – nach oben offen, und keine Ahnung haben was in der medialen Welt um sie herum passiert. Sie sind stolz auf sich weil sie sich ihre eMailadresse merken können, wissen daß sie Windows XP benutzen und daß sie mit einem Browser “ins Internet gehen” können. Ach ja, und bei eBay kann man einkaufen, genau. Und da hört es auf, die Kenntnis der Moderne. Ich gratuliere, die Herrschaften! Es ist ein unvorstellbares Maß an Desinteresse nötig, um sich der Tragweite des Phänomens Internet so wenig bewusst zu sein. Und die einzige logische Folge und Konsequenz ist das was wir im Moment an politischem Geschehen haben: Eine Mischung aus Zensurplänen im leckeren Deckmantel, angewandter Willkür und natürlich dem Verschubladen was man nicht versteht.

Theoretisch könnte ich mich jetzt stundenlang darüber auslassen wie rückständig, lern- und beratungsresistent und kurzsichtig ein Großteil der Bevölkerung jenseits Baujahr ’75 zu sein scheint, aber das erspare ich Euch und mir grad mal. Zum einen weil es nichts ändern würde und zum anderen weil sie die jenigen sind, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen in der Hinsicht. Was aber, wie ich finde nicht untergehen sollte ist die Frage wie zum Henker wir erwarten sollen, daß eine Generation uns in die Zukunft leitet, die bereits mit der Gegenwart schon so schwer zu kämpfen hat? Es dauert noch ein oder zwei Jahrzehnte und ein großer Teil dieser Menschen ohne technisches Grundwissen werden in ihren Ruhestand gehen, ihren Tellerrand nie erweitert haben und wie ihre eigenen Vorgänger über die Jugend den Kopf schütteln und sagen “Zu meiner Zeit, da hat es das noch nicht gegeben! Da haben wir noch [beliebigen Anachronismus einfügen] ..”

Der einzige wirklich gravierende Unterschied zwischen jener baldigen Generation an Rentnern und allen ihr vorangehenden ist: Doch. Es hat es gegeben. Und es hat Euch nicht interessiert. Und genau das ist natürlich das was heute ja keiner hören möchte. Man könnte ja sonst auf die Idee kommen, daß wir an bestimmten Positionen Leute brauchen, die es interessiert. Die sich auskennen, nicht nur mit dem was jetzt sache ist, sondern auch mit dem was bald kommt. Leute die keine Angst haben vor ihrer eigenen Brut, ihrem eigenen Volk, ihrer eigenen Freiheit. Was ein Glück, es ist Wahljahr. Eine gute Möglichkeit, einige verstaubte Köpfe und in die Jahre gekommenen Panikmacher aus ihrem Sessel zu hieven. Sicher brennt dem ein oder anderen Leser jetzt die Frage auf den Lippen “Hey, wie kann der eigentlich noch an die Wahlen glauben, bei dem ganzen Beschiss der jedes Mal kommt?” Okay, dann bekommt Ihr meine Antwort: Es spielt überhaupt keine Rolle ob ich an Wahlen glaube – aber wenn ich mich hier hinstelle und meine Meinung vertrete, aber nicht die Eier in der Hose habe ein Kreuzchen auf einem Papierblatt zu machen, was für ein scheinheiliger Arsch müsste ich dann sein? Und – gibts von denen nicht eigentlich schon mehr als genug? Die Zeit tut das übrige.

Hach, herrlich, wieder ein Posting zum auskotzen – wieder ohne Fotos und wieder viel zu viel Aufregung wo andere schon längst aufgegeben haben. Ich sollte mich in die Wälder zurückziehen und jetzt schon in Rente, dann würd ich länger Leben und mich nicht so oft über diesen Scheiß ärgern. ;)

Hail to the Kingdom of Steel!

Brother Arnoc