R:H:O:A 2014

Nach dem entfernungsbedingten Ausscheiden des BYH von unserer Festivalliste, bot sich das Rock Harz Open Air dieses Jahr mit einem solidem Lineup als Alternative an. Die Anreise war ein wenig anders als ich ursprünglich antizipiert hatte: ich hatte vermutet, daß es in der Nähe des letzten Ortes an dem ich es besichtigt hatte liegen würde, aber wie es sich herausstellte, war es mitten im ostdeutschen Hinterharz, an einer Stelle wo noch nicht einmal Google Maps einem weiterhelfen kann (wenn auch zugegeben, in Ermangelung von Empfang). Der Airport, wo das Festival stattfand, war ähnlich straff organisiert, wie das Rock Harz im Jahre 08 – also gar nicht. Die Ordner, die nicht bereits unwillig geworden sind die Ankömmlinge zu betreuen, waren zumindest unfähig genug nicht zu wissen wer wohin sollte, wie viele wann wo noch nachrückten, etc. Gerüchten zufolge hätte es sogar bereits handgreifliche Auseinandersetzungen gegeben zwischen Platzreservierern und dem Personal. Nun gut, das Rock Harz ist berüchtigt dafür, daß sich das Publikum dort schon selbst zu verwalten weiß. Und so suchten wir uns ein Plätzchen wo wir genug Raum haben würden, mogelten etwas hier und etwas dort und schon stand alles.

Arthur sollte später nachkommen, also bauten Göhrk, Jochen, Mark und Björn sich erstmal ihre Zelte auf und ich goss mir einen ein, weil mein Zelt ja bereits stand als ich die Handbremse angezogen habe. Als der Pavillion stand und unsere Krachmöbel einschließlich Lifeline ihren Weg zum Generator gefunden hatten, die kulinarische Zubereitungsstätte bereit war und alle saßen und ein Kaltgetränk zur hand hatten, erklärten wir die Party für eröffnet. Am Abend eröffneten für uns Rhapsody die musikalische Komponente (und nein, ich werd jetzt nicht anfangen die auch „of fire“ zu nennen, nur weil die sich so umbenennen mussten) und das Publikum ließ sich mit großer Freude auf das old school symfonic metal Gedudel ein und wir sangen eifrig mit. Vor allem der Kram aus der Emerald Sword Saga war bei uns noch präsent als wär es gestern gewesen.

Tags drauf begann das große Kochen. Wir hatten uns dieses Mal in drei 2er-Teams geteilt um eine gleichmäßige und qualitativ hochwertige Nahrungsversorgung aufzuziehen. Beginnen sollten Göhrk und ich, bei uns gab es herrliche Käsespätzle auf einer Weißwein-Zwiebelsoße mit gemörsertem Pfeffer und Salat. Tags drauf würde es Wildgeschnetzeltes mit Preiselbeeren geben, ebenfalls auf Spätzle und zum Abschluss würde uns Arthur und Jochen eine köstliche Irish Stew servieren.

Als Konzerthighlight des zweiten Tages würden D-A-D herhalten und am Abend – der Headliner – Sabaton. Die Dänen schlugen sich in gewohnter Manier großartig und verbreiteten klasse Stimmung, nach dem Gig von denen gehts einem einfach super. Ich hab es mir vor einigen Jahren zur Angewohnheit gemacht auf ihren Konzerten aufzutauchen und hab bisher noch nie eins erlebt, bei dem ich nicht zufrieden war. Bei Sabaton war es bei mir ähnlich, zumindest dachte ich das. Leider bestand die Setlist dieses Mal zu 3/4 aus Material von den letzten zwei Alben und gerade mal 3-4 Songs waren aus den älteren Beständen dabei – schade, sind das doch ziemliche Brecher damals gewesen, irgendwie fehlt dem neuen Material ein Bißchen der Pepp, das kann eine noch so tolle Lightshow nicht kompensieren (obwohl man denen echt lassen muss, daß sie einen durchaus ernstzunehmenden Versuch hingelegt haben). Ein paar Idioten im Publikum störten noch mit ihrem blöden „Hallo? Hallo!“ in Dauerschleife – da fragt man sich, ob nicht jemand eine Störung punkto Geltungsdrang in der frühen Kindheit noch nicht verdaut hat – aber wir hatten ja schon öfter festgestellt, daß der durschnittliche Vertreter des homo sapiens idR alles andere als sapiens ist.

Am nächsten Tag ging es erst zu Sonic Syndicate wieder vor die Bühne, alles war durchtränkt von dem strömenden Regen, den der Tag mit sich gebracht hatte und der Schlamm und die nassen Haare flogen zur wogenden Masse. Ich hab die Truppe bisher noch nie live gesehen und normalerweise muss ich in der richtigen Stimmung für diese Art von Beschallung sein – aber der Gig war echt ne Wucht. Keine halben Sachen, einfach derbe auf die Fresse. Wie es sich gehört!

Zwischenzeitig bin ich auch mal bei Maddin, Jens und Sabine im Lager aufgeschlagen, zwecks gepflegtem Gequatsche – die waren ja noch dichter eingebaut als wir vorn an der Straße! Aber die Umgebung um ihr Lager herum wirkte merkwürdig verlassen und auch relativ duster, wenn man das Tageslicht hat erstmal weichen sehen. Am ersten Abend meines Besuches war da noch die komasaufende Glatzenfraktion, die sich unter Gegröhle zunehmend entkleidend immer mehr Bier in die Figur geschraubt hat – die haben es aber anscheinend so sehr übertrieben, daß von ihnen die Tage drauf nix mehr zu hören war. Ist immer wieder nett zu sehen wenn ein paar Vollidioten mit ihren Vorstellungen von dem, was eine Party zu sein hat baden gehen und die Gäste um sie herum auch mal Ruhe haben.

Irgendwann morgens um vier kamen bei uns am Camp ein paar nörgelnde Ordner vorbei, die sich beschwert haben, daß unser Generator noch läuft und jetzt Zeit für Nachtruhe sei. Arthur, voll wie er war, begann die Herrschaften zurechtzuweisen und ihnen hinterherzuschimpfen als sie gegangen waren (beides Dinge an die er sich des Morgens darauf nicht mehr erinnern konnte) – wir haben uns das mit der Nachtruhe jedoch zu Herzen genommen: direkt neben uns war ein großer Beleuchtungsgenerator, deutlich größer und lauter als der bei uns im Camp – nur lief er die ganze Nacht, weil er die Nachtbeleuchtung des Areals sicherstellte. „So, Nachtruhe jetzt.“ [Klack] und der große rote Knopf ließ ihn ausgehen, plötzlich war da nur noch Stille und Dunkelheit. Am nächsten Tag kam einer nach ihm gucken, am Abend darauf ereilte ihn jedoch das selbe Schicksal – Mark hatte es diesmal auf ihn abgesehen, nachdem er nachts zuvor endlich ruhig geschlafen und erfahren hatte wie das kam.

Musikalischen Abschluss boten uns die selbsternannten Rumänen von Powerwolf, epischer und kathedralischer ging es kaum noch. Sie haben zwar ähnlich wie Sabaton nur sehr wenig Material von ihren erstlingswerken von sich gegeben, da deren Songs aber in der Regel extrem Eingängig und von einem Mal hören mitsingbar sind, hat uns das natürlich weit weniger gestört.

Now playing: Powerwolf - Saturday Satan | Stimmung: angestrengt und entspannt
  • Bei allen Göttern! Dass man so das Gesicht verziehen kann… 😀

    Alucard

    17. März 2015

  • Yes indeed, good sir!

    arnoc

    17. März 2015

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