..sind manchmal Dinge die seltsame und gefährliche Früchte tragen. In Berlin ist gerade der JMStV kurz vor der Absegnung und allem Anschein nach hat sich die Politikergeneration der Internetausdrucker und WWW-auf-Diskette-Speicherer dazu entschlossen einen juristischen Alptraum für alle Seitenbetreiber durchzuwinken. Das Problem ist nicht die gewünschte angeblich freiwillige Kennzeichnung der Seiten aus Deutschland von Deutschen (gemacht) für (auch) deutsche Zielgruppen, nein – das Problem ist, daß im Zusammenhang mit der im Telemediengesetz eingeflochtenen ladungsfähigen Anschrift des zB Blogbetreibers ein Gelddruckapparat für die Abmahnanwälte geschaffen wurde, der seinesgleichen sucht.

Ein beliebiger Blogger, der also ein Problem damit hat jeden Monat irgendwelchen Blutsaugern hunderte hartverdiente Euronen in den Rachen werfen zu müssen muss also hunderte hartverdiente Euronen in den Rachen von Institutionen werfen, die ihm dann einen Ablassbrief zur “Ab 16″ oder “Ab 18″ oder “Ab 12″ Genießbarkeit ausstellen. Alternativ dazu kann man seine Seiten nur noch von 22 bis 06 Uhr laufen lassen, was zwar meinem Tagesrhythmus entspricht aber im globalen Internet völliger Käse ist und auch kein Deut besser als das Angebot gleich ganz zu beschränken. Das alles hat dazu geführt, daß zahllose Blogs angekündigt haben als Protest ohne Archiv ihr Angebot bis auf weiteres einzustellen. Ich halte diese Herangehensweise für falsch, weil sie nicht die richtigen trifft (dem Politiker von der CDSU und der SPDS kanns recht wuppe sein, ob Karl-Hartmut seinen Aquaristik-Blog zumacht oder nicht) und einen ordentlichen Hauch von Selbstzensur hat. Nicht mit mir. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten mit der man vermutlich um das gesetzliche drumrumkommt – so heißt es von einigen Quellen, solange keine Werbung geschaltet und somit Einnahmen generiert werden, ist es ein privates Angebot und fällt nicht unter das JMStV-Debakel. Das ist bislang aber unbestätigt, was meine Spezialisten angeht. Hosten im Ausland alleine reicht eigentlich nicht. Theoretisch könnte man im Ausland hosten und auf der Intro-Seite oder im Impressum verkünden, daß man als anonymer deutschsprachiger Kanadier ein Angebot hält über fiktive Personen in Deutschland und fiktiv über ihr fiktives Leben berichtet, als Kunstform dieses Zeitgeistes der Informationswelt. Ob das natürlich ausreicht oder irgendjemand dennoch versucht über einen Provider im Ausland oder Recherche einem ans Bein zu schiffen, steht natürlich in Frage.

Tatsache ist, ich werde mein Angebot entsprechend absichern müssen, wenn das Gesetz verabschiedet wird. Ob das jetzt zur Folge hat, daß ich mich demnächst an meiner Datenbank zu schaffen mache und einfach alle Posts einige Jahrzehnte zurücksetze, sie also offiziell als erschienen gelten bevor das Gesetz in Kraft tritt oder ob ich das WP-JMStV-Plugin installiere, wenn es soweit ist, auf Englisch umsteige und/oder mich auf Zielgruppen im Ausland berufe – das weiß ich noch nicht. Alles davon ist affig. Verdammt affig sogar, aber ich persönlich beabsichtige weder Abmahnanwälten was in den Rachen zu werfen, noch mein Angebot einzustellen.

Was ich nicht verstehe ist, warum diese Trottel auf ihren breiten Stühlen und ohne große Netzahnung sowas machen – haben die es immernoch nicht verstanden? Das Internet ist dabei zur SR-Matrix zu werden, Stück für Stück, und das ist nicht wirklich aufzuhalten. Warum auch. Der einzige Grund der offensichtlich wird ist die Angst vor Dezentralisation und dem damit einhergehenden Machtverlust am einzelnen Knotenpunkt von Verbindungen, ums mal technisch zu umreißen. Noch weniger verstehe ich, wie die Opposition diese Scheiße mitmachen konnte. Offenbar sind sie aus “parlamentarischen Zwängen” mitgezogen – weiß der Henker für welchen Preis wer da wen gekauft hat, aber offenbar lässt sich die Fanbase das nicht ohne weiteres gefallen.

Es bleibt spannend was dabei rauskommt am Ende. So wie ich es einschätze, wird das ganze entweder bis Karlsruhe geschleift und dort versenkt oder aber die Zuständigen raffen endlich was für einen Mist sie da gerade verzapfen. Wobei letzteres unwahrscheinlich ist, weil für sie “das Internet” sowas ist wie “eine Sammlung von Videokassetten” oder “eine Digitale Bücherei” – nicht mehr und nicht weniger. Im Zweifelsfall wird das Ding an der Praxis scheitern, wenn die Leute ihre Abmahn-Anwaltsschreiben in Massen an die Regierung schicken mit dem Kommentar “Wo bleiben die offiziellen Richtlinien für jedermann?” und sie ansonsten Ignorieren – ein nicht ungefährliches Spiel, aber besser als sein Angebot offline zu nehmen.

Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

P.S.: Ich werde mir übrigens in absehbarer Zeit ein Shirt mit Wikileaks drauf bestellen, kost 15 und davon gehn 5 an die Foundation, damit die weitermachen können mit ihrem Aufdecken von Korruption, Kriegsverbrechen und co. Wer also Lust hat sich anzuschließen kann mir gern eine Mail oder IM schicken, SMS oder einfach so bescheidsagen, dann kümmer ich mich um die Sammelorder.