Der Garten brennt erneut..

..oder noch immer? Das diesjährige H:O:A hatte so einige tolle Bands für uns parat – auch wenn ich zugeben muss, daß dieses und letztes Jahr verglichen mit den Jahren davor eher mager gewesen sind und wir einen großteil der Zeit eher in der Sonne gegrillt ausharren mussten als uns das Programm wirklich konsequent mitzunehmen, dafür war es zu sehr verstreut und wenn die Pausen zu lang werden sinkt der Bock, sich doch noch mal aufzuraffen und nach vorn zu schlurfen. Zum Glück ist der Weg nicht weit. Ich persönlich war wegen Wizard, Cage und Death SS dieses Jahr hier und betrachtete den Rest als nette dreingabe.

Die Gesellschaft die wir um uns geschart hatten die vergangenen Jhare war nach wie vor hervorragend und so ließ sich es im Camp ganz gut aushalten, Beschallung war da, ein aufgedrehter Daniel düste von A nach B und brachte seine Platte unter die Leute, es gab Gnocchi mit Weißwein-Gorgonzola-Soße und selbstverständlich die Black Pearl in rauhen Mengen. Anvil hatten sich leider als leichte Enttäuschung herausgestellt, haben sie es doch tatsächlich geschafft gut die Hälfte ihrer Bühnenzeit mit Geschwafel und Drumsoli zuzubringen, da haben andere Bands mehr fürs Publikum rausgeholt – so auch Cage und Wizard, die die Menge in einem wüsten Sturm aus Stahl untergehen ließen – und natürlich fehlten weder bei Cage (I am the king) noch bei Wizard (Defenders of Metal) die entsprechenden Brecher, die für gute Laune sorgten.

Ich weiß nicht, ob es am Wetter lag, daß das zweite Jhar in Folge so gnadenlos runterbrannte oder ob ich einfach zu alt dafür werde ohne vernünftige Unterkunft mit Sonnenschutz draußen herumzueiern – irgendwie schlug mir das gegen die Balalaika. Ich bin ja schon die letzten Male von Festivals nur sehr begrenzt angetan gewesen:

„Ich hasse Festivals. Und ich hasse Menschen. Und ich hasse Menschen AUF Festivals.“
— Arnoc auf dem RHOA 2014

Vielleicht veränderte sich einfach mein persönlicher Anspruch an einen Zeitvertreib in den letzten Jharen in der Form, daß ich mit den Leuten mit denen ich da campe lieber was anderes machen würde als im Feld-, Wald- und Wiesenschiss geübt unter einem halbherzig sonnendichten Plastikdach zu hängen und vier fünftel der Zeit darauf zu warten, daß sie um ist und wieder entweder ein Gig uns naht oder jemand eine ausgebuffte Idee hat, was man machen könnte während man da so sitzt und vor sich hin rottet. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß ich mir nicht mehr so gern die Kante gebe, da mir die Selbstzufriedenheit in der Entgleisung mittlerweile abhanden gekommen ist. Vielleicht ist aufgrund meiner überzüchteten Selbstwahrnehmung aber auch das früher noch existente Verständnis davon, Teil irgend einer Szene zu sein, Gemeinsamkeiten mit den Menschen die da rumlaufen zu haben, etc auf ein Maß zurückgeschrumpft, daß mir realistischerweise zeigt: „Du siehst aus wie einer von denen. Aber das bist Du nicht. Genauso wenig wie von allen anderen. Und es ist okay.“ Ich schätze ich bin mit den Menschen, auch mit den Metallern, einfach nicht mehr auf ein wir zu bringen, was nötig wäre, um solche Veranstaltungen einigermaßen genießen zu können.

Versteht mich nicht falsch, das Festival war alles in allem so cool wie man es hätte erwarten können – einige Abstriche außer Acht, wie die Zunahme rechter Besucherschaft oder das Ansteigen der klassischen Wacken-Idioten auf dem Campground des H:O:A – aber irgendwie fühlte es sich dieses Jhar ganz besonders nicht nach meiner Welt an und wenn so ein Gefühl sich einstellt, sollte man sich überlegen, ob man mit seiner Zeit und seinen Ressourcen etwas anstellt, was einem mehr liegt. Ich muss auch zugeben, musikalisch geb ich mir die Bands ohnehin lieber in kleineren Dosen von 1-3 Bands bei einem gediegenen Konzert, der Sound ist open air ohnehin dürftig und die Stimmung ist in einer Halle auch irgendwie fokussierter auf die künstlerische Darbietung.

Aber genug des Gemotzes, zurück zum Thema – Death SS lieferten einen unheimlichen und beeindruckenden Gig ab. Und unheimlich meine ich an der Stelle genau so – jeder, der sich mit dem okkulten Kram mal befasst hat, dürfte gemerkt haben, daß der Mann auf der Bühne das Publikum schön mit eingespannt hatte – und ich meine jetzt nicht die Mitsing-Passagen. Fair one, jeder hat was er wollte – Musik als angewandte Magie ist ohnehin selten geworden dieser Tage. Das neue Album der okkulten Italiener hat es auch in sich gehabt und davon gab es auch reichlich Material, von Crimson Shrine über Star in Sight – schöne Sache das! Natürlich haben die Heavy Demons und Baphomet nicht gefehlt und an Feuer, Rauch und mystischen Symbolen gab es keinen Mangel. Welch gelungenes Konzert!

Now playing: Death SS - Dionysos | Stimmung: Gemischt

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