Wieder im Wildpark

Die schwarzen Berge sind immer einen Besuch wert. Im Frühjahr sind zahlreiche Jungtiere unterwegs und die einheimischen Viechers genießen die ersten warmen Tage des Jahres. Auch wenn am Samstag verhältnismäßig viele Leute mit ihrem plärrenden Nachwuchs unterwegs sind, gibt es doch die eine oder andere ruhige Ecke, wo man einen Hauch von Natur mitbekommt ohne Störfaktoren, die vermutlich draußen gefressen worden wären.

Badende Bären, sich sonnende Luchse und jede erdenkliche Menge Kröten – vor allem natürlich am Teich. Selbige sind natürlich gefährdet, von Kinderwagen mit rücksichtslosen Fahrern plattgewalzt zu werden, wir mussten des Öfteren einschreiten. Oder von sammelwütigen Kindern, die durch das Gras stapften und mehr von den Viechern sammelten als sie tragen konnten, mit dem Resultat, daß sie ihnen aus den Händen sprangen und um ihr Leben davonhüpften.

Zwischendurch gab es noch eine Runde Platzregen und die Besucher verflüchtigten sich wie Insekten in einer dunklen Grube, wenn man eine Taschenlampe auf sie richtet. Natur? Ja, aber bitte sonnig und trocken und bloß nichts was so riecht wie Tiere oder einem die Frisur oder das Make Up ruiniert. Wie dem auch sei, WIR hatten eine Menge Spaß! Und die Schweinchens auch. 😀


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Im wilden Park

Der Wildpark „Schwarze Berge“ ist ca eine halbe Stunde südlich von HH und beherbergt allerhand sehenswerte und liebenswürdige Tierchen. Wie so oft bei unseren Ausflügen packten wir Sandwiches, Getränke und Knabberzeug zusammen, schwangen uns ins Auto und fuhren eines schönen herbstlichen Sonntagnachmittags dorthin. Das Areal ist hügelig, weitläufig und waldartig, viel natürlicher als der landläufige Zoo oder Park. Regelmäßig kreuzten Hängebauchschweine unseren Weg, überall waren nicht nur die Viecher zu bestaunen, es gab auch jede Menge über die heimischen Wälder und Tiere zu lernen – Edutainment eben.

Hirsche, Rehe, Wölfe, Luchse – klassisches Waldtreiben, aber auch Bären, Eulen, Falken und Elche, sowie Otter und Dachse bekamen wir zu Gesicht. Mein persönlicher Höhepunkt waren die Nilflughunde, die in der Anlage in der sie zuhause waren sich frei bewegen konnten, an uns vorbeiflatterten und ein Mal sogar auf Kiki landeten und entlangkletterten. Ein goldiger Anblick! Leider hatten die Elche für dieses Jahr die Geweihe bereits abgestoßen und wirkten etwas gemütlich (oder zugedröhnt) als wir nach ihnen schauten, ganz im Gegensatz zu dem anderen Wild, welches wild wuselnd durch die Botanik eierte, mal mehr mal weniger interessiert an den geneigten Besuchern.

Ich genieße in solchen Anlagen immer die Luft und Ruhe, etwas abseits der Kinderwagenkohorte und des Eistütenverkäufers – so haben wir uns letztes Mal zum Picknick auf einer Anhöhe oberhalb des Sees an die Spitze einer kleinen Hügelschlucht auf eine Bank gesetzt, während der Wind buntes Blattwerk aus dem Tal hüfthoch in unsere Richtung wehte.

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From Banoi to Palanai..

..oder von Praslin nach LaDigue. Die Seychellen sind auf der Karte östlich von Tansania, direkt oberhalb von Madagaskar – ziemlich genau am Äquator. Sie sind berühmt für traumhafte Strände, die größte Kokosnuss der Welt, wild lebende Flughunde, Piratenübergriffe und riesige Schildkröten. Bis auf die Piraten haben wir auch alles zu Gesicht bekommen, aber ich fange wohl am besten chronologisch an. Als wir gelandet sind, habe ich eigentlich eine ähnlich feucht-drückende Luft erwartet wie auf Mauritius, aber die blieb irgendwie aus. Vielleicht war ich an die klimatischen Verhältnisse bereits gewöhnt, vielleicht aber waren die Inselgrößen ausschlaggebend und der Meereswind sorgte für alles Übrige. Wir warteten an dem süßen kleinen Flughafen auf den Bus zu unserer Fähre und nahmen zahlreiche bunte Vogel- und Pflanzenarten näher in Augenschein. Da wir einen frühen Morgenflug genommen hatten und ich im Flugzeug noch einige Momente schlafen konnte, war ich noch entsprechend Deliriös und kam noch nicht auf die Idee zu viel berichtenswerten Unfug anzustellen. An dem Fährhafen angekommen, schnappten wir uns die dicken Plastiktickets und gingen an Bord – unser Zielhafen Praslin war etwa eine Dreiviertelstd von Mahé, der Hauptinsel, entfernt.

Dort angekommen schnappten wir uns ein Taxi und ließen uns an Grande Anse (einer der zwei Siedlungen auf der Insel) vorbei zu unserem kleinen gemieteten Häuschen bringen, wo man uns schon erwartete. Mit Kokosnüssen aus denen Strohhalme ragten nahm man uns in Empfang und führte uns hinauf zum höchsten Haus des Seaview-Lodge-Hügels, vorbei an dem Schildkrötengehege (offensichtlich Haustiere) und einigen Eidechsen. Wir machten es uns erstmal gemütlich und genossen ein wenig den Ausblick vom Balkon, während uns unser Hauswirt in die Details der Räumlichkeiten einwies und uns Hinweise gab, wo wir Nahrung, Getränke und Souvenirs kaufen konnten. Wir fackelten nicht lange und packten ein paar Strandsachen zusammen, ab ins Auto und ab in den Sand. Es gab diese eine wunderschöne Stelle, an der leider vor ein paar Jahren ein Hai eine frischvermählte Braut in eine Witwe verwandelt hat, dort hat man dann ein Unterseenetz aufgespannt (von dem wir hinterher erfahren haben, daß es nicht mehr intakt ist weil für Wartungsarbeiten schon bald die Mittel gefehlt haben) – malerisch und sehr einladend, also ab ins Wasser allen Gefahren zum Trotz.

Müde von der Reise und dem Strandtrip kehrten wir aber auch bald schon heim, immerhin wurde es auf den Seychellen jeden Tag um ziemlich genau 18 Uhr dunkel und die Welt schaltete in den Nachtmodus. Die kurze Dämmerung machte den Effekt noch dramatischer, innerhalb von nicht einmal zwanzig Minuten konnte sie von „fast taghell“ auf „stockfinster“ schalten, während die heimischen Flughunde den Abendhimmel bekreisten. Einen leckeren Fisch zu Abend, noch ein paar Kokosnüsse von unserem sehr herzlichen und stets lächelndem nepalesischen Haushelfer und wir warfen die Klimaanlage an, damit wir in der Nacht wenigstens eine angenehme Schlaftemperatur hatten.

Am nächsten Tag zog es uns in ein Naturschutzgebiet, dem Vallée de Mai (UNESCO) – von hier stammte die größte Nuss der Welt, die Coco de Mer – eine Frucht von einer Palmenart, die männliche und weibliche Bäume hat und so wie die Auswüchse aussehen, geben die Pflanzen ein grandioses Fruchtbarkeitssymbol ab. Die Ausfuhr einer Coco de Mer ist übrigens nur mit Zertifikat legal, sagte man uns, es stehen hohe Strafzölle für diejenigen an, die kein solches vorweisen können. Wir ließen uns viel über die einheimischen Pflanzen und Tiere erzählen, während wir durch die Dschungelanlage staksten, lasen viele Schilder und bewunderten die Ähnlichkeit mit Banoi und Palanai. Den seltenen grauen Papagai haben wir auch ein paar Mal gesehen, genauso wie einige Süßwasserkrebse und Pilze. Ein erstaunliches Areal, dieses Valley!

Wir nutzten die Gelegenheit schon halb um die Insel rumgefahren zu sein, um die andere Seite von Praslin zu erkunden – mit der anderen Siedlung. Seltsamerweise führt um die Insel eine Straße, die an einem Punkt in ihrer Durchgängigkeit unterbrochen ist, hinter dem kleinen Flugplatz kommt man nicht mehr rum und muss den ganzen Weg zurück um wieder zu uns zurück zu kommen. Im Dunkeln im Dschungel übrigens nur sehr bedingt empfehlenswert, diese Straßen. Mangels Beleuchtung und wegen rasenden Einheimischen ist es, sagen wir, etwas tricky. Wir hätten auch eine Abkürzung nehmen können gemäß Karte, aber irgendwie hat der Wagen von der anderen Seite schon den Anstieg nicht verkraftet gehabt, also sparten wir uns den zweiten Versuch und fuhren nochmal von außen an Grande Anse vorbei. Olga hatte am Abend Kartoffeln mit Knoblauch gemikrowellt und ich hab den Käse und die Nudeln zu irgendwas ansatzweise essbarem verarbeitet und wir verkrochen uns in Zimmern und Büchern. Ich hatte das im Deus Ex Universum spielende „Icarus Effect“ zu meiner Reiselektüre erwählt und war damit auch schon gut unterwegs. Das Buch bringt einen zu bekannten Gesichtern und Schauplätzen, skizziert die abgebildete Welt noch etwas feiner und macht Spaß, so wie es ein guter Cyberpunkroman sollte. Abends leisteten uns übrigens anstatt befürchteten Mosquitos kleine grüne und braune Geckos Gesellschaft: im Haus, an den Lampen, im Dachgebälk der Terasse, einfach überall. Putzige Viechers, wenn auch sehr scheu.

Am nächsten Morgen ging es für uns bereits weiter auf die Nachbarinsel – LaDigue. Eine der schönsten Inseln der ganzen Gruppe, hieß es. Wir nahmen die guten-Morgen-Fähre und machten es uns auf dem Oberdeck mittig bequem. Nah genug an der Plastikplane an der sich einige spanische Yuppietouristen vorbeigeschmuggelt hatten, um auf den noch komplett unbesetzten Plätzen mit gutem Ausblick und ordentlich Wind im Haar Platz zu nehmen. Das Boot nahm Fahrt auf und es dauerte nicht lange, bis wir miterleben durften warum die Plätze dort abgesperrt waren: Der Seegang spuckte bei fast jeder Welle einen ordentlichen Eimer Wasser frontal auf diese Sitzgelegenheiten und nach wenigen dieser Ergüsse waren die Spanier völlig durchnässt, hatten ihre Kopfbedeckungen verloren und versuchten verzweifelt ihre iPhones zu retten, während das gesamte obere Deck sich vor Lachen um diese Show hinter dem durchsichtigen Plastikvorhang kaum halten konnte. Durchgefroren vom Fahrtwind und klatschnass kamen sie nach der kurzen Fahrt leise fluchend wieder heraus, sehr zum Amusement des Personals, was die beiseitegezogene Absperrung jetzt erst entdeckte. Reinster Slapstik. Versüßt einem den Tag.

Und tatsächlich, die Insel auf der wir ankamen war unbeschreiblich hübsch – überall kleine Häuschen, die mich an kubanische Touristenviertel erinnerten – abgeranzt aber herzlich, ebensolche Schilder, Fahrräder und entspannt wirkende Leute. Wir brauchten keine zwei Minuten zu unseren Kämmerlein, die Blick auf den Hafen hatten. Die Fahrräder hier werden übrigens nicht abgeschlossen, man lässt sie einfach stehen und fertig. Naja, wohin sollen sie auch schon verschwinden – hier kennt jeder jeden seit Jahren, weiß wer was hat und woher, insofern ist das entwenden selbiger sinnlos. Da Alla und Olga sich ausruhen wollten bevor sie loszogen die Insel zu erkunden, machten wir uns alleine auf den Weg. Im Visier war der meistfotografierte Strand der Welt und die Anlage drumherum. Zugegeben, diese Insel war weit mehr auf Touristen ausgelegt als die vorherige, aber das tat weder der Natur noch dem Erlebnis einen Abbruch. Wir spazierten südwärts und betraten nach einigem Suchen und Finden das Strandareal, wo es vor Felsen, Buchten, Kokosdrinkhändlern und Krabben nur so wimmelte. Die Algen in denen die Sandmücken brüteten waren erfreulicherweise dieses Halbjahr auf der anderen Seite der Insel, wo es raus zum indischen Ozean ging und das Schwimmen wegen dem Sog ohnehin gefährlich war.

Wir streiften ein wenig umher, sahen uns die schönen Strände und Klippen an, suchten nach einem nicht von Touristen übervölkerten Teil und wurden schließlich fündig. Dort hockten wir uns in den Schatten und genossen die Szenerie, den Wind und das Geräusch der Wellen. Auf dem Rückweg begegneten wir Olga und Alla, die wohl gerade ihre Fahrräder geparkt hatten und hielten auf einen Drink in irgendeiner kleinen Strandbar, bevor wir mit müden Füßen wieder nach Hause gehen wollten. Die Abkürzung für die wir uns aber entschieden hatten war jedoch keine. Irgendwo sind wir zu früh westwärts abgebogen und weil man auf den Seychellen die Straßen nicht zuende baut standen wir schlussendlich irgendwo im Nirgendwo und gingen einen ähnlichen Weg zurück wie den auf dem wir gekommen waren. In der Zwischenzeit hatten wir jedoch das Vergnügen wild lebende Flughunde an so manchem Baum klettern und hängen zu sehen. Fluffig-orange mit schwarzen Schnauzen baumelten sie leicht im Wind und schauten uns an oder kletterten zu komischen Früchten, die oben im Geäst verborgen waren.

Als wir die uns bekannte Weggabelung erreicht hatten, passierten wir ein paar nahezu ausgehungerte Pferde (ein trauriger Anblick) und kamen dann an ein recht großes Schildkrötengehege, wo ein einheimischer Wärter gerade selbige fütterte und daraus eine ziemliche Show machte. Einige Fußschmerzen später waren wir aber bereits zuhause und konnten duschen und uns etwas ausruhen. Ich hatte mir unterwegs ein paar übertrieben teuere Urlauberhemden zugelegt und so zog ich mich um und wirkte nun endgültig wie der letzte Tourist. Am Abend wollten wir die Empfehlung von unserem Hauswirt Ben annehmen und in einem kleinen Restaurant in der Nähe speisen, welches von seinen Verwandten betrieben wird. Dort sollte es das beste Chicken Creole der Insel geben. Leider befand es sich direkt gegenüber eines frisch gedüngten Feldes und bot dem Besucher eine Geruchspalette, die mit frischem Essen nicht viel gemein hatte. Also sind wir von diesem Vorhaben wieder abgerückt und haben uns entlang der Hauptstraße eine Speisegelegenheit gesucht. Was sich seltsamerweise durch unseren ganzen Besuch zog war das seltsame Verhalten der Einheimischen. In dem Moment, wo sie uns Essen verkauften (egal ob fertige Gerichte oder nur Zutaten) wirkten sie unfreundlich, kalt und irgendwie unwillig. Es gab nur zwei Ausnahmen – die eine sollten wir am folgenden Tag erleben, die andere waren eingewanderte Inder, die eher indisch als einheimisch wirkten.

Die kreolische Küche war faszinierend aber recht schnell erkundet. Natürlich gab es Fisch und Schalentiere in allerhand Variationen, aber vor allem Geflügel oder auch Rind fand man auf der Karte. Schweinefleisch war eher eine Seltenheit – ich vermute das hängt mit den beschränkten Kühlmöglichkeiten und der leichten Verderblichkeit zusammen. Seit ich den Jackfruit-Tree in dem Reservoir gesehen habe, habe ich es mir aber in den Kopf gesetzt unbedingt die Jackfrucht zu probieren, diese Gelegenheit sollte ich aber erst auf Mahé bekommen. Reis und Kartoffeln, sowie importierte Pasta stellten hier einen Großteil der Beilagen, vieles war scharf oder das was wir Touris dafür halten. Wir zogen uns nach dem Essen wieder auf unsere Zimmer zurück und planten für den nächsten Tag eine kleine Radtour in die andere Richtung als heute.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Strandsachen aufs Fahrrad und bewegten uns nordwärts, vorbei am schicken Friedhof in weiß und auf zum nahezu verlassenen Strand, wo wir Muscheln sammelten und ein wenig im Wasser umherschwammen. Der Boden war Korallen- und Steinhaltig, so mussten die Wasserschuhe herhalten, aber es war schön anzusehen und gefunden haben wir auch viel Kleinod. Wir ließen die betagteren und weniger sportlichen Damen zurück und radelten nach einiger Zeit alleine weiter, immer die Straße entlang, Hügel um Hügel. Am Wegesrand begrüßten uns einheimische Tiere (zB eine riesige aber gemütliche Schildkröte, ein Hahn und eine Kuh), links ging es steil die Klippen runter – dorthin, wo die Wellen einschlugen und der weiße Schaum in die Luft sprudelte. In Europa hätte es vermutlich Absperrungen gehagelt, hier war am Ende der Straße eine Handbreit Platz bis zum Abgrund.

Aber auch auf dieser Insel baute man die Straßen nicht zuende ringsherum und so kamen wir nach einiger Zeit an das Ende. Sie hörte einfach auf. Dahinter sah man nur noch Felsen emporragen und den Ozean auf selbige einpeitschen. Wir machten kehrt und genossen die Strecke ein zweites Mal, hielten hier und da kurz an, badeten unsere Füße und sammelten Gaben des Meeres ein. Als wir wieder zuhause angekommen waren, war es nicht lange hin bis wir zu unserem Abendmahl in ein ansässiges Lokal mit einem (seltsamerweise) russischen Namen aufbrechen mussten. In Ermangelung einer Straßenbeleuchtung improvisierten wir mit Taschenlampen und Rufen eine Menschenkette auf Fahrrädern und trafen so relativ bald dort ein wo wir hin wollten. Die Gaststätte war charmant angelegt, mit kleinem Garten in dessen Mitte einige Stühle und Tische Platz boten. Ein Stück dahinter befand sich die Terasse unweit der Bar. Wir suchten uns ein schönes Eckchen und schauten durch die Karte. In der Zwischenzeit brachte man uns Getränke und Eiswürfel – wir haben eine große Freude am einheimisch produzierten Ginger Ale gehabt. Da wir nicht sicher sein konnten ob die Würfel aus abgekochtem Wasser gemacht waren, ließen wir der Höflichkeit halber einige verschwinden und den Rest zurückgehen. Kiki hatte mit ihrer spontanen Eis-hinfort-Technik Olga in der Zwischenzeit so zum Gackern gebracht, daß die arme fast die ganze Zubereitungszeit gebraucht hat, sich wieder zu beruhigen.

Das Essen war köstlich, scharf, knoblauchig und reichhaltig. Zum Nachtisch gab es noch einige Portionen Speiseeis. Oder das was die Bewohner dieser Inselgruppe dafür halten. Es schien offensichtlich aus einer Instant-Pulver-Variante gewonnen zu sein, man schmeckte den mehligen Geschmack – zusätzlich zu dem synthetischer Aromen. Aber auch mal interessant, was Einheimische so aus ihren logistischen Möglichkeiten machen.

Wir hätten gerne noch einen oder zwei Tage mehr auf der Insel gehabt, um sie bis in ihre bergig wirkende Mitte zu erkunden, aber am nächsten Morgen gings für uns schon wieder weiter zurück auf Mahé. Dort haben wir dann ein paar Sachen geplant zu denen wir bisher noch nicht gekommen sind – Schnorcheln gehen am Korallenriff und die Schildkröteninsel besuchen. Und natürlich wollten wir noch in Victoria, der kleinsten Hauptstadt der Welt, ein wenig Sightseeing betreiben. Damit begannen wir auch ziemlich direkt, nachdem wir uns in unser wunderschönen Villa im Süden der Insel niedergelassen hatten und die Koffer ein letztes Mal auseinandernahmen.

Victoria erinnerte mich stark an eine Mischung aus Henderson (Palanai Island) und Port Louis (Mauritius) – abgeranzt und doch lebendig, vielseitig und doch nicht ungefährlich. Wir versorgten uns im Supermarkt mit den Sachen, die wir später brauchen würden und suchten uns zu Fuß den Weg zum städtischen Marktplatz, der erschreckende Ähnlichkeit mit dem Sea Market auf Palanai hatte. Allerdings gab es da keine Zombies und die Souvenirs waren ganz nett anzusehen. Dort hab ich auch ein Päckchen bereits geschälte und geschnittene Jackfruit ergattert, die ich später zuhause auch probiert habe. Eine sehr faszinierende Frucht war das – von der Konsistenz und dem ersten Geschmack erinnerte sie ein wenig an eine faserig-weiche Art Ananas, doch dann kamen Aromen auf, die eher nach Honigmelone und Apfel und zum Schluss zitrusartig schmeckten. Ich habe noch nie etwas derartig kurioses gegessen, muss ich sagen. Wir wuschen und trockneten die Kerne, nahmen sie mit nach Deutschland und mittlerweile sind vier von sechs kleinen Jackfruchtbäumen gekeimt und stehen bei uns auf dem Fensterbrett.

Aber zurück zum Markt – Olga schaute sich noch ein paar Kleider an, Kiki machte einen Ausflug in die Welt der Gewürze und ich stahl mich davon um ein paar Blumen zu kaufen. Alla hatte Geburtstag und obwohl es überall wo wir gefragt haben hieß „Keine Blumenläden auf den Tropeninseln“, wurde ich am Markt fündig in einem kleinen eher nach Metzgerei aussehenden Geschäft in dem es so kalt war wie in einem Kühlschrank. Bei den Außentemperaturen, verständlich – das würden die Blumen nicht mitmachen. Da Kiki die Alla lang genug ablenken konnte, daß mein Verschwinden zunächst unbemerkt blieb, war die Überraschung später um so größer. 😀 Well played.

Mit Speis und Trank gings dann wieder zurück nach Hause, zumindest nachdem wir über Umwege für den nächsten Tag einen kleinen Trip um die Insel gebucht hatten. Man gewöhnt sich irgendwie ein anderes Tempo an, wenn die Tage so kurz sind und die Abende lang, hab ich das Gefühl. Da ist 16 Uhr schon reichlich spät, wenn das Licht gegen 18 Uhr fast komplett verschwunden ist. Seltsames Gefühl das, immer wieder surreal. Wie dem auch sei, am nächsten Tag waren wir morgens an der Pier und ließen uns von unserem leicht bekifft wirkenden Erique in seinem Glasbodenboot zum Schnorcheln an die Korallen bringen. Die Fische waren zum Greifen nah, sprangen fast aus dem Wasser als wir sie unterwegs fütterten. Das Wasser war perfekt, die Korallen und ihre Bewohner ein Augenschmauß und diese Ruhe, weit und breit nichts – einfach herrlich.

Nach einer ganzen Weile des Auf- und Untertauchens, Schnorchelns und Fotografierens waren wir wieder ins Boot geklettert und los in Richtung Schildkröteninsel, wo ein kleiner Rundgang auf uns wartete. Und mehrere Dutzend Schildkröten! :O Die Insel selbst war vom Schmugglernest über Mission über Naturreservat schon so ziemlich alles gewesen und überall fand man kleine Gebäude, ihre Ruinen oder Geschichten und Legenden aus der Region auf netten Schildchen angebracht. An einigen Passagen mussten wir ganz schön klettern, manchmal auch echt vorsichtig runter um uns nicht zu maulen, aber alles in allem hatte das ganze ein Bißchen was vom Monkey Island Feeling für mich. Es hätten echt nur noch ein paar Äffchen gefehlt und einige Zettel in denen „Die Monkey Island Kannibalen“ und „LeChuck und die Geisterpiraten“ einander schreiben. Sehr sehr hübsch.

Bevor es zurück auf die Hauptinsel ging, gab es noch einen Zwischenstop bei einem BBQ am Strand und so kehrten wir wohl gesättigt, nass und noch immer etwas von Eindrücken überwältigt zurück. Kurze Zeit später plünderten wir den Inder unseres Vertrauens (Kumar & Kumar) und krallten uns ein paar dekadente Fertiggerichte aus der Region, sowie Reis, Nachtisch und allerhand anderes Zeug, was man für eine Geburtstagsparty im kleinen Kreis so brauchen kann. Wir genossen die letzten Abende in unserem Domizil sehr, es war ein großräumiges zweistöckiges Gebäude mit Terrasse an einem Hang, mit einem Garten drumherum und Meerblick.

Und so neigte sich die schöne Zeit leider unausweichlich dem Ende zu, wir packten die Koffer ein letztes Mal, fuhren noch einmal zum Strand in der Nähe, doch am Abend ging es bereits in den Flieger und für ein paar Stunden nach Dubai, wo wir uns soweit möglich im Flughafen lang machten. Zwischen Klunkern und plattem Kitsch ein letztes Auftauchen von Ninjas, Schneemännern und pompösen Shops – dieser Airport war wirklich mehr eine Mall als alles andere. Nach so vielen Tagen in unbeschreiblich schöner Natur ist das was einem auf den zweiten Blick in Dubai geboten wird doch eher bedenklich und ein kleines bißchen mitleidserregend als beeindruckend. Trotz allem.

Alles in allem: ein sehr vielschichtiger und abenteuerlicher Urlaub war das! Seltsamerweise weder Sonnenbrand noch Mückenstiche, dafür aber jede Menge bleibende Eindrücke und Erinnerungen.

Now playing: Sam B. - No Room in Hell | Stimmung: Beeindruckt

Tiere im Park..

..an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Zum ersten Mal im Zoo meiner neuen Heimat – dem Hagenbecks Tierpark, der mit seiner Eröffnung 1907 zwar nicht ganz so alt ist wie der Zoo Frankfurt oder der Zoologische Garten in Berlin aber definitiv zu den ältesten der Region gehört. Die Anlage teilt sich in zwei verschiedene Bereiche, das eine ist der reguläre Zoo, das andere das sog. Aquarium – wo auch Reptilien, Amphibien und Insekten in tropischen Temperaturen untergebracht sind. Wir beschlossen, gleich beide Anlagen zu besichtigen und begannen mit dem am Eingang gelegenen Aquarium, wo uns auch gleich ein paar kuriose Lebensformen begrüßten. Mittlerweile setzen Zoos und Parks überall immer mehr auf Edutainmend, also gibts dort nicht nur Tiere zu bestaunen, sondern auch viel wissenswertes über sie zu lernen. Und da die Natur nicht so trennt wie wir das tun, gabs über Pflanzen auch ein paar Sachen zu erfahren – oder wie im Fall der Aasblume – zu erschnüffeln.

Die Schlangen im Aquarium waren von beachtlicher Größe und Schönheit, die Krokodile lagen recht faul in der Gegend herum, die Spinnen und Schrecken waren in liebevoll zusammengezimmerten Terrarien untergebracht – allesamt sehenswert, wobei mir erst da mal wieder so richtig bewusst wurde, wie sehr mein eigener Zoo zuhause doch von der durchschnittsmenschlichen Tierhaltung abweicht: Eine von Svetlanas Artgenossen (A. geniculata) ist uns hinter Glas begegnet. Wir lernten etwas über Blattschneideameisen, schauten uns entfernte Verwandte der Elefanten an und gingen über zu der nächsten Anlage – dort wo sie auch selbst zu finden waren.

Überall zierten Bilder des Zoos von früher die Wände und ich stellte mir vor wie es wohl für die Menschen damals gewesen sein muss, wenn sie so eigenartige fremdländische Kreaturen gesehen haben wie einen Eisbären oder Elefanten. Was für eine Neugier ein Zoo bei einem Kind wecken konnte, was noch nicht völlig Medienverstrahlt war und was für eine Abenteuerlust. Der Shop hat übrigens leider keine Plüschnashörner. Wir machten einen kleinen Bogen ums Zentrum und gingen südwärts an den Bären vorbei zum alten Tor des Zoos. Ein wenig weiter ließen wir uns auf einer Bank nieder, beobachteten Kinder beim reiten kleiner Ponies und machten uns über unsere leckeren Sandwiches her, die Menschen und Tiere beobachtend als wären wir in einem Zoo.

Ein wenig weiter war die Kältekammer, ein ganzes Areal mit Eisbären, Walrossen, Pinguinen und anderen arktis- und antarktisaffinen Kreaturen. Die Eisbären wirkten irgendwie besonders gruselig, vermutlich weil sie nicht ganz so plüschig waren wie die Kamtschatka-Bären zuvor, oder weil sie diesen hungrigen bzw. gierigen Blick an den Tag legten. Zur Schließung des Parks waren wir noch immer nicht überall gewesen – so groß war er – aber damit bleibt auch noch genug für den nächsten Besuch, ein wunderbarer Tag mit schönem Wetter und viel frischer Luft.

Now playing: Slade - Far far away | Stimmung: Neugierig

Two tickets to Dublin

Wir hatten viel vor auf der grünen Insel. Der Plan sah vor, drei Tage in Dublin unterzukommen, Stadt und Umgebung zu besichtigen und am vierten nach Galway aufzubrechen. Dort sollten wir weitere drei Tage an der Westküste verbringen, dann gen Süden aufbrechen, in Cork kurz Halt machen und über die Südküste zurück in die Hauptstadt. So weit, so gut. Nur kommt es natürlich anders als man denkt – den Südknick geben wir uns nächstes Mal.. aber eins nachm anderen!

Nach dem üblichen Zirkus von überflüssigen Sicherheitsprozeduren boardeten wir den Flieger von Air Lingus in Hamburg. Viel zu enge Sitze, kostenpflichtige Getränke und Massentransport. Immerhin war die Flugzeit überschaubar und ging schnell vorüber,mso landeten wir also am dubliner Flughafen und wuselten uns nach draußen. Zuerst wollten wir zu Avis im „city centre“, bevor wir uns im ersten B&B einnisteten – der übrigens in Flughafennähe des ohnehin nicht sehr großen 500K Städtchens war. Die Bezeichnung city centre war übrigens irreführend, denn als wir in selbigem angekommen waren hieß es plötzlich „Avis? Die sind westlich des Stadtkerns, etwas über 20 Minuten mit zwei verschiedenen Bussen.“

Mit unseren Koffern war das etwas unangenehm, also nahmen wir uns ein Taxi – gefahren von einem etwas jamaikanisch wirkendem lockeren jungen Mann, der uns zum Verkehrsrythmus der Stadt etwas über die Geschichte und die Geschichten der Orte die wir passierten zusammentoastete. Sehr angenehmer kleiner Trip – schon standen wir vor der Autovermietung mitten im Gewerbegebiet West-Dublin. Dort buchten wir erstmal den Wagen um auf Flughafen-Rückgabe, koste zwar was, aber wir hatten nicht die geringste Lust vom Airporthotel wo wir unsere letzte irische Nacht verbringen würden nochmal hierher zu fahren, und das auch noch vor 6 am, und wieder zurück.

Ein kleiner schnuckeliger roter Toyota Yaris mit Kilkenny-Kennzeichen wurde uns übergeben, wir packten das Gepäck hinten rein und stiegen ein. Ich musste mich erst ein wenig an den Linksverkehr gewöhnen, aber nach kurzer Zeit war das nicht mehr so das Problem. Mit Ausnahme gelegentlicher Seitendrifts und Ausflügen auf die Busspur. Also ab zum Bread ’n‘ Backfast, eingecheckt, Zeug abgeladen und los die Stadt erkunden.

Dublin ist ein überschaubares, wenngleich malerisches Städtchen: uralte Kirchen stehen hier neben modern angerichteten Denkmälern, breite Straßen mit Cafés gibt es hier genauso wie verwinkelte Gassen mit den üblichen winzigen Stores für alles Mögliche. An jeder Ecke bekommt man Ales, Stouts und Whiskeys serviert, überall gibt es Shirts, Souvenirs und Postkarten, sowie allerhand Produkte aus original irischer Wolle. Die für die Inseln typischen viktorianisch anmutenden Hausfronten (allerdings mit farbenfrohen Türen), baumbesetzten Alleen mit roten Backsteinmäuerchen und herausgeputzten Neubaugebiete verschmelzen hier zu einem kurios-klassischen Stadtbild, welches trotz seiner Vielfalt aufgrund der flachen Bauweise eher nicht urban wirkt. Ein Kuriosum haben wir aber ausgegraben, was vermutlich in keinem Reiseführer zu finden sein wird: Den Witches Attic. Ein kleiner versteckter aber sehr charmanter Dachboden-Bücherladen mit seltener und interessanter Lektüre, sowie allerhand Utensilien. Sympatisch!

Nach einem irischen Frühstück machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Newgrange, einer Mischung aus Hügelgrab und Heiligtum aus längst vergessenen Zeiten. Also ab auf die Autobahn nach Norden und nach nicht einmal vierzig Minuten wieder runter. Etwas abseits kamen wir auch bald im UNESCO Visitor Centre an, wo wir in einer kleinen Ausstellung des Beginns der nächsten Tour harrten. Einige Schritte durch das anliegende Grün und wir waren an der Busstation, von wo aus man uns ans Kulturdenkmal kutschierte, vorbei an Schafen und Wiesen.

Newgrange selbst ist ein beeindruckender Bau, der etliche Jahrtausende überdauert hat, verschüttet und wiederentdeckt wurde, restauriert und wieder hergerichtet. Besonders spannend ist die Konstruktion im Hinblick auf die Beleuchtung zur Sonnenwende: an genau zwei Tagen im Jhar scheint die Sonne für eine Viertelstunde in die innere Kammer, erleuchtet den Boden und taucht den Raum in ein weiches Licht.

Die Steine aus denen die Kultstätte errichtet wurde kommen aus unterschiedlichen Regionen, teilweise mehrere dutzend Meilen weit weg, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Als die Tour vorüber war, beschlossen wir zu Fuß zurückzugehen, das Wetter und die Landschaft waren einfach zu klasse um im vollen Touribus die Abkürzung zu nehmen. Etwa vierzig Minuten später waren wir da und ließen uns auf einen Happen im Visitor Centre nieder. Die Kantine war kulinarisch absolut erstaunlich und die Portionen sehr großzügig, sollte es Euch also dorthin verschlagen, solltet Ihr dort speisen.

Der nächste Ausflug ging nach Süden, vorbei an einem kleinen See an dem wir Halt machten um zu picknicken, weiter nach Kilkenny, wo wir ein Kilkenny tranken und die mittelalterlich angehauche Stadt in Augenschein nahmen. Unterwegs machten wir in diversen Tesco-Märkten halt, um uns mit Irish Cheddar/Tomato Sandwiches zu versorgen. Ich hielt natürlich beide Augen offen, falls mir ein Irn Bru begegnet (meine Lieblingsbrause), doch bis Galway war damit Fehlanzeige.

Die Tage in und um Dublin gingen sehr schnell rum und es zog uns westwärts. Nach einem kleinen Stück Autobahn bogen wir auf die Landstraße ab und genossen die Aussicht. Vorbei an zahllosen verschlafenen Nestern die man nur von Whiskeyetiketten und Liedern kennt, vorbei an einer Vielzahl von „Castles“ in verschiedenen Zuständen (von Ruine bis Museum) ging es immer weiter Richtung Küste, Tullamore, Clare, Kilbeggan..

Galway selbst ist ein hübsches Küstenstädtchen, stilistisch zwischen altem irischen Dorf, modernem Suburb, europäischer Zwergmetropole und klassischem Hafenort. Eben je nach dem, wohin es einen verschlägt. Uns verschlug es zunächst in eine kleine Siedlung aus inseltypischen B&B Häuschen, ein schönes Zimmer, nette Herbergseltern. Wir entspannten uns nach der langen Fahrt, probierten ein paar hiesige Braukunstwerke und gingen bald schlafen, es war ja schon spät, wir hatten uns ja schließlich Zeit gelassen mit der Tour.

Am nächsten Tag gingen wir ein wenig in Galway spazieren und erkundeten das Sea World am nördlichen Stadtrand. Das Aquarium war schön aufgemacht und hatte allerhand interessante Viechers zu bieten, kleine und große, hübsche wie monströse. Wir setzten unseren Kurs nach Norden fort, die Küste entlang und es dauerte nicht mehr lang, bis wir nur noch Verkehrsschilder ausschließlich auf Gälisch um uns hatten. Die Straßen – wohl das Äquivalent einer Landstraße – waren nur an einigen Stellen zweispurig und dennoch war es erlaubt mit einem Affenzahn da durchzujagen, was die Einheimischen auch nutzten.

Die waren jedoch einen Großteil der Zeit nicht zu sehen, stattdessen gab es wo man nur hinschaute Hügel, Mini-Seen Steinmäuerchen, Schafe, Rindsviecher und gelegentlich ein paar Pferde, Ziegen und verlassene Ruinen. Eine Landschaft wie man sie von Postkarten, Kerrygold-Werbespots und Whiskeypackungen kennt. Halt machten wir im malerischen, wenn auch verschlafenen Clifden, speisten dort köstlich und machten nach kurter Stadtbegehung kehrt. Das Wetter spielte mit und der Seewind verdünnte den Sonnenschein auf eine angenehme Reise- und Wandertemperatur – bis in den Sonnenuntergang hinein.

Am Morgen empfahl uns der Herbergsvater, dem wir erzählt haben wie wir runter nach Cork und über die Südküste zurück wollten, einen Abstecher zu den Cliffs of Moher zu machen und die Gegend dort abzugrasen, weil sie voller Kulturstätten stecke und sehr sehenswert sei. Da wir ohnehin Kerry nicht zu sehn bekommen würden und Cork nur bedingt spannend sein sollte, entschlossen wir uns dazu, den Vorschlag zu beherzigen. Und wir taten gut daran – auch wenn wir uns am Anfang leicht verfahren haben und nur durch puren Zufall in der Höhle mit Europas größtem Tropfstein gelandet sind. Wir machten eine kleine Exkursion unter Tage und ließen uns von der Entdeckung der engen Höhlengänge erzählen, von den beiden jugendlichen Geologen die sich riskanterweise durch einen kleinen Spalt in den Felsen quetschten, ihm folgten und schließlich auf das Geflecht aus Gängen und Höhlen stießen. Nach etwa einer Stunde aber waren wir wieder froh, das Tageslicht zu sehen und stiegen wieder ins Auto – immerhin hatten wir noch einiges vor an dem Tag.

Also auf zu den Cliffs, auf zum Steinemeer und dann picknicken! Es war gerade mal eine dreiviertelstd Fahrt von Galway und wir waren mitten im nirgendwo, zwischen Ruinen, Castles und historischen Sites. Die Straßen wurden immer schmaler und die Gegend zunehmend ländlicher, die Westküste lugte gelegentlich zwischen Kreuzung und Biegung hervor und der Wind frischte etwas auf. Vorbei an saftigen Wiesen, Steinbrücken, Mäuerchen, Gehöften und Ausblickpunkten ging es immer weiter ins Landesäußere, bis wir vor einem riesigen Parkplatz standen, ab dem man nur noch zu Fuß gehen konnte.

Die Cliffs of Moher waren mittlerweile zu einem Touristenmagneten ausgebaut worden, der ein eigenes Visitor Centre beherbergte und diverse Souvenirläden, in denen allerlei Waren teuerer angeboten wurden als in den im Land verteilten familiären Craft Shops, die selbige auch herstellten. Hinter dem Touristenrummel konnte man über die Absperrung krackseln, was auch die meisten Besucher taten, und die Klippen entlanglaufen, das Ende, die Westkante der Insel. Der Anblick war großartig, wenngleich nichts für Höhenfürchter. Der frische Küstenwind, der Geruch von Gras und das Rauschen der Wellen verliehen den Klippen dieses Gewisse Gefühl von Ewigkeit. Da uns das Areal trotz Anblick zu übervölkert war um dort zu picknicken, suchten wir uns eine andere malerische Stelle etwas abseits des Rummels.

Wir kamen an ein Feld, daß einem See aus Steinen glich. Das Wasser hatte über die Jahrhunderte seine Spuren auf und um jene hinerlassen, so gab es zahllose Rillen zwischen ihnen und abgerundete Kanten. Inmitten jener Steine ragte ein Trilith nach oben, ein Steingrab aus alter Zeit. Dort suchten wir uns ein hübsches Plätzchen zum Sonnenuntergang und speisten. Touristen waren hier nur vereinzelt und kurz vor Dunkelheitsanbruch waren sie auch fort, so daß der ganze Ort in eine unwirkliche Stille tauchte.

Nach diesem kleinen Umweg gings raus auf die Autobahn und ab in die Hauptstadt, wir hatten noch einige Stunden vor uns bevor wir abreisebereit zum Flieger gondeln würden. Die irischen Schnellstraßen sind ein Genuss – sie sind zwar nicht umsonst und haben ein Tempolimit von 120, aber sie sind in einem Zustand, der neidisch macht. Außerdem gibt es dort kaum Verkehr, auf der Fahrt von Galway zurück nach Dublin sind mir etwas über 30 Autos begegnet. Auf beiden Seiten zusammengenommen. Und bisher ist mir auch nichts darüber bekannt, daß geblitzt wird – macht auch Sinn, ist vermutlich einfach nicht besonders rentabel, immerhin kostet so ein Blitzer auch Geld.

Wir machten einen kurzen Zwischenstop bei Applegreen, der irischen Tankstellenkette mit den tollen Backwaren und dem integrierten Souvenirshop, dort schraubte mir einen Kaffee in meinen Metabolismus und wir setzten unsere Reise fort. Am Hotel kamen wir erst sehr spät an, so daß nur wenige Stunden blieben, um uns zu erholen und frisch zu machen. Postkarten schreiben, einwerfen, Sachen umpacken, duschen und eine Stunde Schlaf.

Was für ein Debakel uns mit dem Mietwagen erwartete, ahnten wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Erst als wir vor der Rückgabestation ankamen, einem riesigen umzäunten Areal außerhalb des Flughafens, welches sich die vier großen Autovermieter teilten, wurde uns klar, daß etwas nicht stimmt. Alles war zu, nirgends war Licht und kein Mensch weit und breit. Eine Stunde bis Boarding. Ja, und nun? Die Akkus der Telefone unter halbmast, keine Möglichkeit irgendwen zu erreichen jenseits des ABs und weit genug weg vom Fluggelände selbst, um ein problemloses Abreisen zu Fuß in dem Zeitfenster unmöglich zu machen. Großartig. Nicht!

Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich steuerte auf den Dauerparkplatz direkt am Airport zu. Sollen die ihren Wagen doch selbst hier suchen, wo ich ihn auch immer abstelle, wenn sie es schon nicht hinbekommen ein gescheites System für die Rückgabe zu etablieren. Das hätte vermutlich etwas extra gekostet, hätte ich den Schlüssel irgend einem Avis-Vogel in die Flossen gedrückt und ihn den Wagen finden lassen, aber die Inselfeen meinten es gut mit uns und kaum war ich ins Langzeitparkdeck eingebogen, war auch schon das Schild mit der Mietwagenrückgabe zu sehen. Vorher kurioserweise nicht. O_o

Der Rest klappte wie am Schnürchen, Einchecken, Abflug, Landung und Heim mit den Öffentlichen. Wir waren kaputt aber happy, hatten tolle Eindrücke mitgenommen und packten unsere Koffer und unsere Mitbringsel aus. Und so sehr wie es uns gefallen hat, war es nicht das letzte Mal Irland.

Now playing: Mychael & Jeff Danna - The Blood of Cuchulainn | Stimmung: Frei

Waldluft und Sonnenschein..

..oder „wie das Wetter besser wurde“. Der April war meteorologisch in Frankfurt größtenteils von Unentschlossenheit geprägt. Zu seinem Ende hin wurde er jedoch freundlicher und stabiler, so daß ich dann im Mai einige Tage Auszeit in Form eines Brückentages genießen konnte. Kiki kam für das lange Wochenende runter und wir hatten ein schönes und umfangreiches Programm.

Wir besichtigten den Opel Zoo (in dem ich seit meiner Kindheit nicht mehr war) und sahen Viecher aller Art: von Eule bis Luchs, von Strauß bis Giraffe war so ziemlich alles dabei. Die Megasheeps im Streichelzoo versuchten Kiki die Haare abzuknabbern, als sie die Futterdose vor ihrem Ansturm in Sicherheit bringen wollte, rempelten und rüpelten rum, ließen aber ab als die Nahrung plötzlich alle war. Unverschämte Kreaturen! Wir lachten noch einige Emus aus, sahen Kolkraben beim Fressen zu und beobachteten basiliskenverwandte Echsen beim regelmäßig wiederholten Umfallen.

Am Samstag ging es dann nach Strasbourg zum Kaffeetrinken. Ein Spaziergang durch die gut besuchte Altstadt, Souvenirshops und ein Café am Rande des Wahnsinns. Wir deckten uns im Supermarkt und in der Konfiserie mit Köstlichkeiten ein, verliefen uns in der Fußgängerzone auf der Suche nach dem Auto und picknickten schlussendlich am Rheinufer auf der deutschen Seite, als wir den Rückweg antraten. Ein toller Tag war das, ein schöner kleiner Ausflug!

Den Sonntag verbrachten wir – dank Übervölkerung im Grüneburgpark – in einem kleinen Waldstück in der Nähe von Neu Isenburg, Kiki barfuß durchs Wasser, ich mehr oder weniger kletternd am Ufer. Wir sahen gespenstische Pflanzen, schöne Wiesen auf Lichtungen und lasen das eine oder andere interessante Schildchen. Ich war schon lange nicht mehr einfach mal so im Wald und hatte fast vergessen, wie gut das tun kann, einfach nur Natur und Ruhe um mich zu haben.

Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

Now playing: Malukah - The dragonborn comes | Stimmung: Glücklich

Wir lagen vor Madagaskar..

..und hatten ein Fest an Bord. Nun, um ganz genau zu sein waren wir nicht direkt vor Madagaskar, aber wenn ich vom Balkon aus 900 km weit spucken könnte, könnte ich die Ostküste jener Insel unter Beschuss nehmen. Und das ist die nächste größere Landmasse von Mauritius aus, alles andere ist noch weiter weg. Hier also meine Eindrücke von meiner ersten Reise unter die Gürtellinie der Erde.

Der Flug war anstrengend und langwierig, 11 Stunden sollte es gehen, zwei mehr oder weniger uninteressante Filme waren im Programm, auf Kanal 8 lief ganz guter alter Rock’n’Roll und eZigs zu nutzen war an Bord verboten. Letzteres hatte ich zumindest in diversen Berichten aus dem Netz gefischt, was mich veranlasst hat, mir den guten alten Satz „Wo kein Richter da kein Henker“ zu Herzen zu nehmen und mich nicht erwischen zu lassen. Mir war bereits aufgefallen, wenn man den Dampf lange genug drin behält, ist er optisch kaum noch wahrzunehmen, wenn man das Gerät selbst (meine eGo-T) auch noch tarnt, interessierts niemanden. Funktionierte wunderbar.

Aber schlafen ließ sich im Flieger leider nicht. Restlos übermüdet und fast ein dutzend Stunden nach dem Abflug kamen wir um 7 Uhr morgens im stickig-schwülen Flughafen von Mauritius an. Dort mussten wir erstmal durch die Passkontrolle, unser Gepäck entgegennehmen, Landeswährung eintauschen und ab ins Hotel. Der Flughafen selbst liegt im Südosten der Insel, unsere Unterkunft mitte-west, nach ungefähr einer Stunde Fahrt durch Phenix und über Flic en Flac kamen wir dort auch guter Dinge an. Flic en Flac war die nächste Siedlung, ansonsten war da weit und breit nichts weiter – die Westküste war übrigens die Seite an der sich vor Jahrmillionen Mauritius von Madagaskar losgesagt hatte, also Korallen, Kies, Lagunen – alles sehr schön, wenn auch nicht der typische Sandstrand – den hat es eher an der Ostküste, wo es uns nicht mehr hin verschlug diese Reise. Da das aber nicht als Badeurlaub geplant gewesen ist, war das völlig okay.

Unser Hotel war das Sofitel Imperial Resort & Spa, ein großflächiger in dunklem Holz und hellem Marmor gehaltener Bau, weitläufig und weitgehend offen. Wunderschön und liebevoll ausgestaltet, mit jeder Menge umherwuselndem wenn auch nicht ganz so hellen Personal. Die Fauna der Region hatte auch gelegentlich Einzug erhalten in die Flure, so kam es auch, daß wir Salamander zählen konnten auf dem Rückweg vom Abendessen und Frösche Abends am Poolrand ein Konzert gaben, von punkigen Vögeln die uns beim Essen hin und wieder besuchten ganz zu schweigen. Als wir ankamen, waren unser Zimmer jedoch leider noch nicht fertig, also bekamen wir die Gelegenheit uns zunächst mal im Spabereich von der Reise zu erholen, ein wenig im Pool zu planschen und zu frühstücken, bevor wir uns häuslich einrichteten.

Sich an das Klima dort zu gewöhnen hat einen Moment gedauert – 30°C im Schatten und 80% Luftfeuchtigkeit waren eben nicht ohne – vor allem für mich, der ich ja eher kältere Temperaturen gewohnt bin. Ansonsten bot das Resort alle Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen konnte, vom französischen Restaurant am Strand (buchstäblich im Sand stehende Tische, keine 10 m bis zum Wasser) bis zum Bogenschießplatz, natürlich Pool und Fitnessraum, sowie Spa, Wasserski und noch vieles mehr. Kein Wunder also, daß man als Besucher nicht unbedingt in Versuchung kam außer bei gebuchten Kurztrips das umzäunte Paradies zu verlassen. Da wir aber nur ungern faule Touristen sind und ein wenig was von der Ecke sehen wollten, in die es uns verschlagen hat, haben wir für ein paar Tage einen kleinen aber schnuckeligen Suzuki gemietet um auf eigene Faust die Insel zu erkunden.

Die Bevölkerung dort ist ethnisch eine Mischung aus Indern und Subsahara-Afrikanern, meist 50/50 von dem was man optisch erraten konnte, aber +/- in die eine oder andere Richtung je nach dem wo man hinkam. Im Süden lebten eher letztere, im Norden erstere, irgendwo im mittleren Binnenland hatte sich eine moslemische Region manifestiert, weiter oben im Norden waren die Hindu präsenter. Von den Religionen war es sowieso recht interessant, etwa die Hälfte der Einwohner waren Hindus und so stand auch an jeder Ecke, Kreuzung und Landstraße ein kleiner Schrein, kleiner Tempel oder größerer Gebetspalast. Verschiedenen bunten und vielarmigen Gottheiten gewidmet eine durchaus sehenswerte kulturelle Eigenheit. Ich frage mich wie es wohl in Europa ausgesehen hätte, wäre das Kreuz nicht mit Feuer und Schwert hier so reingebrochen, dann hätten wir hier vielleicht auch so sympatische kleine Schreinchen und um das Seelenheil der ansässigen wäre es vermutlich nicht so mieserabel bestellt wie jetzt. Aber wie dem auch sei, ein weiterer Teil von etwas unter 20% waren Moslems, aber im Sinne von „eher wie Singapur und Malay als wie Araber“ wie unser Busfahrer und Reiseleiter uns auf dem Weg zum Hotel erklärte. Und etwas über 12% waren wohl Christen, im Zuge der Geschichte der Kolonisierung durch die Briten, im Speziellen Anglikaner. Von denen gab es auch eine ganze Menge Kirchen, alle in diesem eher mittelalterlich-viereckigen Stil. Erinnerte mich spontan an Akkon bei Assassin’s Creed und ich musste das dringende Bedürfnis niederringen, einen Satz hoch aufs Dach zu machen. Nicht, daß ich das bei meiner aktuellen Kondition und dem Klima da wirklich gebracht hätte, aber der Gedanke war schneller da, als ich gucken konnte.

Wir fuhren die Strandstraße gen Süden hinunter, wollten uns zur Krokodilsfarm/Schildkrötenzucht durchkämpfen, verfuhren uns aber wegen der mieserablen Beschilderung ständig und landeten irgendwo in der Pampa, die Entfernungen waren trotz Karte nur schwer einzuschätzen, die Ampeln funktionierten bei Regen nicht und der Verkehr wäre mit absoluter Abwesenheit von Ordnung am treffendsten beschrieben. Eigentlich ist auf Mauritius Linksverkehr. So ganz eigentlich. De facto gelten Regeln aber nur so lange, wie sie beachtet werden, so ist es zB usus ohne Ankündigung und Warnblinker einfach mal links ranzufahren und zu halten oder gar zu parken. Das juckt auch niemanden, die Leute fahren einfach weiter. Wer fährt kann solang nichts passiert im Grunde fahren wie er will und derartige Manöver abziehen, daß jedem, der auch nur ansatzweise mitteleuropäischen Verkehr gewohnt ist es nicht anders als kriminell und grob fahrlässig vorkommt. Fahr lässig. Aber sowas von lässig und ruhig, die Leute sind hier einfach vom Schlag her freundlich und gehen einem nicht auf den Zeiger. Eine sehr gewöhnungsbedürftige Kombination – vor allem wenn man sich als Touri langsam fahrend gewohnheitsmäßig auf der rechten Spur befindet und einige Lichthupen und Augenblicke braucht ums wieder mal zu raffen. Ein Abenteuer, alles in allem, das es wert war – so ungewohnt es mir am Anfang auch schien.

Wir kamen aber irgendwann an unserem Ziel an, dem Kroko- & Turtlepark. Ein nettes kleines Fleckchen im Nirgendwo, unweit der Südküste. Wir mussten uns durch kleine Ackerwege kämpfen und durch diverse Stadtviertel die mich an eine Reportage aus Ghana erinnert haben, mit dem typischen Wellblechhüttencharme rostiger und bunter Art, wehender Wäsche von jedem Hausdach und eine Menge bunter Waren auf dem Markt, vorwiegend billige chinesische Imitate von Produkten, die wir auch hier nicht kaufen würden. Afrika, ganz im Klischee, lackierte Ölfässer, Autoreifenstapel am Straßenrand, Leute die aus Müll Schmuck und Souvenirs machen, alles Handarbeit versteht sich. Verbeulte alte Pickups, die ihre besten Zeiten hinter sich haben und Technik, die schon Ende der 90er als nicht mehr die neuste gelten dürfte. Aber zurück zu unserem Park.

Dort gab es viel zu hören und zu sehen, angefangen von einem Flughunde-Gehege (zT auch begehbar) wo die putzigen Viechers Früchte vernaschten, bis zum großen Schildkrötenareal, wo man sie aus der Hand füttern konnte (nur nicht mit den Fingern – „they mistake human fingers for carrots“), eine ganze Regenwaldanlage mit Makaken-Abschnitt, ein Dschungelrestaurant und eine Aufziehstation für Krokodile. Selbige dann natürlich auch in groß. Eine richtig schöne kleine Farm mit verschlungenen Wegen durch die Tropenpflanzen, überall kleine Wasserläufe, Lianen und anderen typischen Pflanzen. Auf jeden Fall sehenswert!

Doch der Süden der Insel war nicht der einzige, wo man für unsere Breiten untypische Lebewesen bestaunen konnte. Die einzige Tour die wir vor Ort gebucht haben, war die mit den Delfinen – dafür wurden wir in aller Frühe rauskutschiert an den Nordsteg bei Flic en Flac und bestiegen ein motorisiertes Wasserfahrzeug, zusammen mit einigen anderen Passagieren. Als der Mann am Steuer die Geschwindigkeit hochschraubte und sich das Boot fast aus dem Wasser erhob, wehte mir der sommerliche Wind durch die Haare und ließ den Geschwindigkeitsrausch aufkommen. Eine kurze Zeit später waren wir vor der nördlichen Westküste angekommen, wo die Wassersäuger auch schon in Scharen zu sehen waren. Einige hüpften aus dem Wasser und platschten auf die Oberfläche, andere schwammen nur ein wenig umher und wollten spielen. Manche der Passagiere schnorchelten ein wenig und schauten sich die Tierchens aus der Nähe an. Das mit dem Schnorcheln hab ich mir auch gegeben, aber etwas später bei den Korallen. Ich muss sagen, ich kann mit diesem Schwimmflossengedöns an den Füßen nicht so richtig, nicht nur daß ich mich hätte daran gewöhnen müssen, ich mag generell nicht wenn ich mich frei bewegen muss, daß irgendwas an mir dranhängt. Ohne war besser. Ein tropischer warmer Regen zog auf und verdünnte die salzige Suppe in der wir schwammen, wir kamen wieder an Bord und nahmen Kurs auf die Insel vor der südlichen Ostküste, wo uns ein BBQ erwarten sollte und natürlich einige Touristenjäger, also fliegende Händler für allerhand Souvenirs.

Das Barbecue war sehr afrikanisch, vom Style her. Ein ausrangiertes, abgesägtes und vor längerer Zeit umlackiertes Ölfass gab den Grill her, ein paar Stöcke und Planen spendeten uns Schatten und eine halbierte Plastikflasche – über die Spitze gestülpt – sorgte dafür daß sich das Holz nicht durch den Planenstoff bohrte. Zu essen gab es, wie häufiger in dieser Region, kreolische Küche mit erheblichem Seafood-Anteil.Irgendwann, nach dem Essen kam auch ein lustiger Händler namens Marcus, der allerhand Musikinstrumente primitiver Art mit sich führte und an die Touristen zu verscherbeln suchte. Der nahm sich richtig Zeit für uns, trommelte und flötete zur allgemeinen Belustigung ein wenig auf seinem Zeug und irgendwann drückte der auch mir so ein Ding in die Hand zum draufhauen und Töne machen. Also saßen wir da, unter Palmen, mitten im indischen Ozean, am späten Nachmittag und trommelten, sangen und guckten aufs Meer hinaus. War schon cool.

Irgendwann gings wieder zurück und wir entspannten uns ein wenig im Pool, ich beschloss noch ein paar Souvenirs kaufen zu gehen und wir haben auch wirklich alles gefunden was wir suchten, nur Briefmarken gabs keine, zumindest nicht in den Läden wo wir waren. Da ich wider besseren Wissens keinen Hut mitgenommen habe, wurde vor Ort einer gekauft, ein sich fein und flauschig anfühlendes Ding aus Karton mit ein paar Lederbändeln und einem Samtüberzug. Some damn cheap sunglasses gab es freilich auch noch, weil ich es glorreicherweise geschafft habe die anderen kurz vor meinem Abflug zu schreddern.

An einem der Tage verschlug es uns wieder in den Süden, diesmal eher ins bergige Landesinnere – wir wollten zum Tempelsee, den Wasserfällen und dem Nationalpark. Auf dem Weg dahin entdeckte ich das Schild, welches „Rhumerie“ bezeichnete. „Rhumerie.. rhumerie.. was war das nochmal? Aaaaaaargh! Rhumerie!!! Wir müssen hin!“ war meine Reaktion. Und tatsächlich erinnerten wir uns, daß wir von der netten Dame vom Hotel erzählt bekommen haben, daß wir eine Rumbrennerei besichtigen konnten auf der Insel. Also Auto geparkt und nix wie rein. Eine kleine viertelstündige Führung zeigte uns den Werdegang von Zuckerrohr bis zum Endprodukt, da ich aber am Steuer war musste ich mich beim Verkosten auf wenige winzige Schlucke beschränken, sehr zum verdruss einer mehr als nur angetüddelten Moderatorin, die vermutlich dort den ganzen Tag den Gästen ordentlich einen einschenkt und sich selbst gleich mitbetankt. Wir stiefelten nochmal kurz durch den Souvenirshop und machten uns weiter auf den Weg. Die Straße war gut ausgebaut, kein Wunder – für die Lastwagen der Zulieferer und Abholer des Rums war das nötig und da die Destille erst 2008 aufgemacht hat und nur wenig Normalverkehr dort zugegen war, war sie faktisch neu. Bei den Serpentinen auch besser so! Wir fuhren weiter und kamen schließlich an den Wasserfällen vorbei, an den Basalterdhügeln (auch die siebenfarbige Erde genannt) und nahmen einen kleinen Happen bei hervorragender Aussicht zu uns. Danach ging es weiter zum Lake, den wir trotz gigantischer Statue fast verfehlt hätten, da er etwas abseits lag und ein mindestens ebensogroßer Parkplatz zwischen ihm und der Straße war. Aber als wir da ankamen, befiel einen diese klassische Ruhe heiliger Orte, meditativen Friedens und des energetischen Wohlgefühls. Ein Affe machte auf den Stromleitungen Jagd auf einige Vögel, ein Gläubiger zündete einige Räucherwaren vor einer Statuette an und brachte seiner Gottheit ein paar Opfergaben dar. Das Areal wirkte zunächst ein wenig betagt, ums milde auszudrücken, aber hier so weit ab vom Schuss war das auch kein Wunder – auch wenn man sich durchaus vorstellen konnte, daß bei den großen Festen sich hier viele Menschen einfanden und in Frieden und Harmonie ihren Bräuchen nachgingen.

Der einzige Trip zum Nordrand der Insel war vergleichsweise wenig spektakulär. Sonntags haben auch die alles zu, das einzige was wir auf dem Weg hin besichtigen konnten war der botanische Garten, wo wir mit einem kleinen Golfcar und einem jungen Kerl namens Kevin durch die Pflanzenwelt des Südens gurkten. Er erzählte uns nicht nur von den blutenden Bäumen (very very creepy & cool), den heimischen Stechpalmen (die problemlos einen Menschen umbringen konnten, der ihnen zu nah kam) und den Lotusblumen, sondern plauderte auch ein wenig aus dem Nähkästchen wie sein Leben hier so war, wie für gewöhnlich Alltag, Bildung, Arbeit, Politik und internationale Beziehungen (ja, Mauritius ist Mitglied im Commonwealth of Nations) hier ablief. Ein interessanter und nicht alltäglicher Einblick. Gegenüber dem botanischen Garten bei Pamplemousses lag auch die älteste anglikanische Kirche der Insel, die umrundeten wir ebenfalls, bevor wir den Weg nach Norden weiter fortsetzten und den Rest des Tages damit verbrachten durch Hinterhofstraßen, Seitengässchen und Schleichwege von Grand Baie wieder runter nach Flic en Flac zu fahren. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, wir machten noch einen kleinen Zwischenstop in Port Louis, der Landeshauptstadt. Einige imposante Bauwerke und Palmenalleen waren genauso Teil des Stadtbildes wie das Hafenviertel, der Ramschmarkt und die Wellblechhütten. Kein Touristenort, würde ich sagen, selbst Chinatown war menschenleer. Aber wer rechnet schon damit, daß die blöden Touris auf eigene Faust dort hinkommen und nicht an einer Exkursion teilnehmen die sie dort hinführt? Wir verfuhren uns natürlich wieder gnadenlos auf dem Rückweg und landeten sonstwo, aber das war man da ja schon gewohnt.

Wir entspannten uns, ließen uns gute Küche angedeihen und kamen viel rum – ein feiner Urlaub war das. Ich probierte mich am letzten Tag den wir noch hatten an den Ski zu Wasser, war aber aufgrund von Seegang, etwas eiligem Personal, meiner eigenen Ungeübtheit und diverser anderer Widrigkeiten bestenfalls zum hinterhergezogensein hinter dem Schnellboot verdammt. Eklige Salzsuppe, widerlich! Bah! Naja, Spaßig wars dennoch, aber danach gingen wir packen – um vier Uhr kam der Weckruf und um kurz nach sieben saßen wir bereits im Flieger. Leider war der Rückflug nicht nur generell unbequemer, die arme Alla hatte es auch noch mit dem Magen erwischt. Mir war zwischendurch zwar auch etwas blümerant, aber ich hatte keine 12-Stunde-Flugtortur in dieser Stärke, sondern nur mit nervigen Säuglingen an Bord zu kämpfen, die sich im 5.1-Beschallen übten. Wieder zurück in Frankfurt begrüßte mich das Wetter, welches ich vermisst habe: Verregnet. Windig. Widerlich. Ich liebe es!

Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

Now playing: Zeromancer - Eurotrash | Stimmung: Schwelgend

Hab ne Meise..

Eines Abends bin ich auf den Balkon raus und sah da was auf dem Boden liegen was vorher nicht da war. Ich guckte es genauer an und es war ein kleiner Haufen Fleisch und Federn. Ich stubbste es leicht an und es bewegte sich auf einmal. Allem Anschein nach war es wohl noch am Leben. Ich packte das kleine Viech in eine wattegefütterte Schachtel und googlete nach dem Alter des Vogels, der noch keine offenen Augen hatte.

Ich setzte eine Nährlösung an, fütterte die kleine Meise mit dem Plastikschwert anstatt eines Schnabels, alle zwei Stunden und nahm sie danach mit ins Büro.

Nach einigen Telefonaten mit dem hiesigen Tierheim und einigen Quertelefonaten mit einer Dame die Vögel aufpeppelt lieferte ich den kleinen Kerl namens „Stein“ (Ja, wegen seiner Zähigkeit nach 3m Bauchlandung ohne Verletzung und auch wegen seiner .. *hust* Aerodynamik) und lieferte ihn ab.

01-stein

So much for the facts. Das war glaub ich das hässlichste Tier was ich je gesehen habe, es sah aus wie ein gerupftes Küken.. halt Moment – es WAR eins.. o_O Wie auch immer, ich fand den kleinen toll und dafür daß er so hässlich war, war er eigentlich ziemlich putzig. Irgendwie Süß. 😀

Einige Tage später kam ich wieder auf den Balkon – diesmal waren dort drei Küken. Gerade mal fähig sich auf den Beinen zu halten, gerade mal fähig die Flügel aufzuklappen und mir davonzuhuschen als ich sie aufheben wollte. Und dann begingen sie Selbstmord. Also nicht wirklich, aber wer schmeißt sich denn schon freiwillig vom Balkon? 😉 Sie segelten eine nach der anderen nach unten und verschwanden im Gebüsch.

02-meise

Jaja, so sind die Instinkte. Die einen lernen zu fliegen, die anderen haben Hunger (siehe Choko die hinter der Balkontür lauerte und sich einen von denen gern geschnappt hätte). Einige Tage zuvor hatte ein älterer Meisenvogel bei uns auf dem Balkongeländer gesessen und hatte was zu futtern im Maul. Ob er wohl auf irgendwen gewartet hat? Auf einen kleinen Vogel, der jetzt ganz woanders war?

Ich werde mich mal nach ihm erkundigen, bin mal gespannt ob ers geschafft hat – Chancen hatte er kaum, denn seiner Verfassung nach zu Urteilen haben ihn die Eltern aus dem Nest geschmissen. Doch warum sind sie dann wieder zurückgekehrt?

Hail to the Kingdom of Steel!

Brother Arnoc

Now playing: | Stimmung:

Es war Sonntag..

An einem warmen Sonntag war die Tagesplanung gewesen, irgendwann um halb vier Nachmittags – es war ja der erste Sonntag im Monat – im Lousiana vorbeizuschauen und Oratio und dem Team von Alligatore wieder bei einer Show Gesellschaft zu leisten. Darauf zogen wir wieder weiter, tankten nochmal kurz auf und ich begab mich in Richtung Ebbelweiexpress, wo ich an einer Geburtstagsfestivität teilgenommen habe. Später traf ich Johannes noch im Café bei uns um die Ecke und nach ein paar Guinness und einer Runde herumalbern mit Nahrungsmitteln aus der Tube und Packung befanden wir die Aktion des Morgens mit Kaffee & Thrash Metal für beschlossen.

Hail to the Kingdom of Steel!

Brother Arnoc

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