Der Mittelrhein..

..oder genauer Rüdesheim. Mein Opa und ich haben für einige Tage während meines letzten Frankfurt-Aufenthalts einen Ausreißer gemacht und sind in die Weinhauptstadt gefahren. Eigentlich sollten wir in einer Ferienwohnung in Rüdesheim unterkommen, daß es sich aber dabei um einen Stadtteil ca 10 km vom ohnehin winzigen Städtchen entfernt handelte, ist uns irgendwie entgangen. Und als ob das nicht genug war, das Haus war so konstruiert, daß man im Inneren keinen oder kaum einen Handyempfang hatte, vom Internet ganz zu schweigen.

Das und die Tatsache, daß es in einem Dorf war in dem man zu Sonnenuntergang die Bürgersteige hochzuklappen scheint, hat dafür gesorgt, daß wir die nötige Ruhe und Erholung fanden in dem ganzen von A nach B in FFM. Ich machte mir den Spaß und demonstrierte Opa in der Küche, was ich an verschiedenen fleischfreien Alternativen mittlerweile erprobt hatte. Er hat es für gewöhnlich nicht unbedingt mit kulinarischen Experimenten, er ist eher ein Freund von guter alter und vor allem vertrauter Küche – insofern war seine Reaktion auf die doch sehr nah am Fleisch gehaltenen Imitatprodukte für mich spannend. Verhalten bis neugierig (ihm erschloss sich der Zweck des Ganzen nicht so ganz) war das Resultat. Jedenfalls war es kurios ihn dabei zu beobachten. 😀

Am ersten Tag schauten wir uns in Rüdesheim selbst um, das letzte Mal war für mich Jahre her. Die Stadt ist winzig und bis auf den alten Stadtkern kaum erwähnenswert, wären da nicht die Weinberge (die zT auch noch im November die Früchte für den Eiswein trugen). Man merkte jedenfalls, daß gerade nicht Touristensaison war – bis auf das Foltermuseum war ausnahmslos alles geschlossen und würde erst eine Woche drauf zeitgleich mit dem im Aufbau befindlichen Weihnachtsmarkt öffnen. Nur ein paar Souvenirshops und Restaurants boten den gelegentlich auftretenden unbeirrten japanischen Besuchern ihre Dienste und Waren an. Ein ruhiger Rundgang, der damit endete, daß wir die von oben die Stadt überblickende Statue „Germania“ besuchten und das Rheinpanorama im Spätherbst genossen.

Auf dem Rückweg beschlossen wir am nächsten Tag in die andere Richtung zu fahren und zu schauen wohin es uns verschlug. Gesagt, getan – in der nicht allzu sengenden Mittagssonne fuhren wir über windige Straßen raus auf die Strecke am Rhein entlang und immer weiter Richtung Koblenz. Einen malerischen Zwischenstop legten wir an dem Dreiburgenblick ein und besuchten zuvor noch die Loreley. Und die schöne Strecke wieder zurück, bevor es zu dunkel wurde – eine schöne Gegend!

Ein schöner kleiner Ausbruch aus dem täglichen Grau, mal wieder nur für uns – ich habs vermisst! 🙂

Now playing: Billy Idol - Rat Race | Stimmung: Relachst

From Banoi to Palanai..

..oder von Praslin nach LaDigue. Die Seychellen sind auf der Karte östlich von Tansania, direkt oberhalb von Madagaskar – ziemlich genau am Äquator. Sie sind berühmt für traumhafte Strände, die größte Kokosnuss der Welt, wild lebende Flughunde, Piratenübergriffe und riesige Schildkröten. Bis auf die Piraten haben wir auch alles zu Gesicht bekommen, aber ich fange wohl am besten chronologisch an. Als wir gelandet sind, habe ich eigentlich eine ähnlich feucht-drückende Luft erwartet wie auf Mauritius, aber die blieb irgendwie aus. Vielleicht war ich an die klimatischen Verhältnisse bereits gewöhnt, vielleicht aber waren die Inselgrößen ausschlaggebend und der Meereswind sorgte für alles Übrige. Wir warteten an dem süßen kleinen Flughafen auf den Bus zu unserer Fähre und nahmen zahlreiche bunte Vogel- und Pflanzenarten näher in Augenschein. Da wir einen frühen Morgenflug genommen hatten und ich im Flugzeug noch einige Momente schlafen konnte, war ich noch entsprechend Deliriös und kam noch nicht auf die Idee zu viel berichtenswerten Unfug anzustellen. An dem Fährhafen angekommen, schnappten wir uns die dicken Plastiktickets und gingen an Bord – unser Zielhafen Praslin war etwa eine Dreiviertelstd von Mahé, der Hauptinsel, entfernt.

Dort angekommen schnappten wir uns ein Taxi und ließen uns an Grande Anse (einer der zwei Siedlungen auf der Insel) vorbei zu unserem kleinen gemieteten Häuschen bringen, wo man uns schon erwartete. Mit Kokosnüssen aus denen Strohhalme ragten nahm man uns in Empfang und führte uns hinauf zum höchsten Haus des Seaview-Lodge-Hügels, vorbei an dem Schildkrötengehege (offensichtlich Haustiere) und einigen Eidechsen. Wir machten es uns erstmal gemütlich und genossen ein wenig den Ausblick vom Balkon, während uns unser Hauswirt in die Details der Räumlichkeiten einwies und uns Hinweise gab, wo wir Nahrung, Getränke und Souvenirs kaufen konnten. Wir fackelten nicht lange und packten ein paar Strandsachen zusammen, ab ins Auto und ab in den Sand. Es gab diese eine wunderschöne Stelle, an der leider vor ein paar Jahren ein Hai eine frischvermählte Braut in eine Witwe verwandelt hat, dort hat man dann ein Unterseenetz aufgespannt (von dem wir hinterher erfahren haben, daß es nicht mehr intakt ist weil für Wartungsarbeiten schon bald die Mittel gefehlt haben) – malerisch und sehr einladend, also ab ins Wasser allen Gefahren zum Trotz.

Müde von der Reise und dem Strandtrip kehrten wir aber auch bald schon heim, immerhin wurde es auf den Seychellen jeden Tag um ziemlich genau 18 Uhr dunkel und die Welt schaltete in den Nachtmodus. Die kurze Dämmerung machte den Effekt noch dramatischer, innerhalb von nicht einmal zwanzig Minuten konnte sie von „fast taghell“ auf „stockfinster“ schalten, während die heimischen Flughunde den Abendhimmel bekreisten. Einen leckeren Fisch zu Abend, noch ein paar Kokosnüsse von unserem sehr herzlichen und stets lächelndem nepalesischen Haushelfer und wir warfen die Klimaanlage an, damit wir in der Nacht wenigstens eine angenehme Schlaftemperatur hatten.

Am nächsten Tag zog es uns in ein Naturschutzgebiet, dem Vallée de Mai (UNESCO) – von hier stammte die größte Nuss der Welt, die Coco de Mer – eine Frucht von einer Palmenart, die männliche und weibliche Bäume hat und so wie die Auswüchse aussehen, geben die Pflanzen ein grandioses Fruchtbarkeitssymbol ab. Die Ausfuhr einer Coco de Mer ist übrigens nur mit Zertifikat legal, sagte man uns, es stehen hohe Strafzölle für diejenigen an, die kein solches vorweisen können. Wir ließen uns viel über die einheimischen Pflanzen und Tiere erzählen, während wir durch die Dschungelanlage staksten, lasen viele Schilder und bewunderten die Ähnlichkeit mit Banoi und Palanai. Den seltenen grauen Papagai haben wir auch ein paar Mal gesehen, genauso wie einige Süßwasserkrebse und Pilze. Ein erstaunliches Areal, dieses Valley!

Wir nutzten die Gelegenheit schon halb um die Insel rumgefahren zu sein, um die andere Seite von Praslin zu erkunden – mit der anderen Siedlung. Seltsamerweise führt um die Insel eine Straße, die an einem Punkt in ihrer Durchgängigkeit unterbrochen ist, hinter dem kleinen Flugplatz kommt man nicht mehr rum und muss den ganzen Weg zurück um wieder zu uns zurück zu kommen. Im Dunkeln im Dschungel übrigens nur sehr bedingt empfehlenswert, diese Straßen. Mangels Beleuchtung und wegen rasenden Einheimischen ist es, sagen wir, etwas tricky. Wir hätten auch eine Abkürzung nehmen können gemäß Karte, aber irgendwie hat der Wagen von der anderen Seite schon den Anstieg nicht verkraftet gehabt, also sparten wir uns den zweiten Versuch und fuhren nochmal von außen an Grande Anse vorbei. Olga hatte am Abend Kartoffeln mit Knoblauch gemikrowellt und ich hab den Käse und die Nudeln zu irgendwas ansatzweise essbarem verarbeitet und wir verkrochen uns in Zimmern und Büchern. Ich hatte das im Deus Ex Universum spielende „Icarus Effect“ zu meiner Reiselektüre erwählt und war damit auch schon gut unterwegs. Das Buch bringt einen zu bekannten Gesichtern und Schauplätzen, skizziert die abgebildete Welt noch etwas feiner und macht Spaß, so wie es ein guter Cyberpunkroman sollte. Abends leisteten uns übrigens anstatt befürchteten Mosquitos kleine grüne und braune Geckos Gesellschaft: im Haus, an den Lampen, im Dachgebälk der Terasse, einfach überall. Putzige Viechers, wenn auch sehr scheu.

Am nächsten Morgen ging es für uns bereits weiter auf die Nachbarinsel – LaDigue. Eine der schönsten Inseln der ganzen Gruppe, hieß es. Wir nahmen die guten-Morgen-Fähre und machten es uns auf dem Oberdeck mittig bequem. Nah genug an der Plastikplane an der sich einige spanische Yuppietouristen vorbeigeschmuggelt hatten, um auf den noch komplett unbesetzten Plätzen mit gutem Ausblick und ordentlich Wind im Haar Platz zu nehmen. Das Boot nahm Fahrt auf und es dauerte nicht lange, bis wir miterleben durften warum die Plätze dort abgesperrt waren: Der Seegang spuckte bei fast jeder Welle einen ordentlichen Eimer Wasser frontal auf diese Sitzgelegenheiten und nach wenigen dieser Ergüsse waren die Spanier völlig durchnässt, hatten ihre Kopfbedeckungen verloren und versuchten verzweifelt ihre iPhones zu retten, während das gesamte obere Deck sich vor Lachen um diese Show hinter dem durchsichtigen Plastikvorhang kaum halten konnte. Durchgefroren vom Fahrtwind und klatschnass kamen sie nach der kurzen Fahrt leise fluchend wieder heraus, sehr zum Amusement des Personals, was die beiseitegezogene Absperrung jetzt erst entdeckte. Reinster Slapstik. Versüßt einem den Tag.

Und tatsächlich, die Insel auf der wir ankamen war unbeschreiblich hübsch – überall kleine Häuschen, die mich an kubanische Touristenviertel erinnerten – abgeranzt aber herzlich, ebensolche Schilder, Fahrräder und entspannt wirkende Leute. Wir brauchten keine zwei Minuten zu unseren Kämmerlein, die Blick auf den Hafen hatten. Die Fahrräder hier werden übrigens nicht abgeschlossen, man lässt sie einfach stehen und fertig. Naja, wohin sollen sie auch schon verschwinden – hier kennt jeder jeden seit Jahren, weiß wer was hat und woher, insofern ist das entwenden selbiger sinnlos. Da Alla und Olga sich ausruhen wollten bevor sie loszogen die Insel zu erkunden, machten wir uns alleine auf den Weg. Im Visier war der meistfotografierte Strand der Welt und die Anlage drumherum. Zugegeben, diese Insel war weit mehr auf Touristen ausgelegt als die vorherige, aber das tat weder der Natur noch dem Erlebnis einen Abbruch. Wir spazierten südwärts und betraten nach einigem Suchen und Finden das Strandareal, wo es vor Felsen, Buchten, Kokosdrinkhändlern und Krabben nur so wimmelte. Die Algen in denen die Sandmücken brüteten waren erfreulicherweise dieses Halbjahr auf der anderen Seite der Insel, wo es raus zum indischen Ozean ging und das Schwimmen wegen dem Sog ohnehin gefährlich war.

Wir streiften ein wenig umher, sahen uns die schönen Strände und Klippen an, suchten nach einem nicht von Touristen übervölkerten Teil und wurden schließlich fündig. Dort hockten wir uns in den Schatten und genossen die Szenerie, den Wind und das Geräusch der Wellen. Auf dem Rückweg begegneten wir Olga und Alla, die wohl gerade ihre Fahrräder geparkt hatten und hielten auf einen Drink in irgendeiner kleinen Strandbar, bevor wir mit müden Füßen wieder nach Hause gehen wollten. Die Abkürzung für die wir uns aber entschieden hatten war jedoch keine. Irgendwo sind wir zu früh westwärts abgebogen und weil man auf den Seychellen die Straßen nicht zuende baut standen wir schlussendlich irgendwo im Nirgendwo und gingen einen ähnlichen Weg zurück wie den auf dem wir gekommen waren. In der Zwischenzeit hatten wir jedoch das Vergnügen wild lebende Flughunde an so manchem Baum klettern und hängen zu sehen. Fluffig-orange mit schwarzen Schnauzen baumelten sie leicht im Wind und schauten uns an oder kletterten zu komischen Früchten, die oben im Geäst verborgen waren.

Als wir die uns bekannte Weggabelung erreicht hatten, passierten wir ein paar nahezu ausgehungerte Pferde (ein trauriger Anblick) und kamen dann an ein recht großes Schildkrötengehege, wo ein einheimischer Wärter gerade selbige fütterte und daraus eine ziemliche Show machte. Einige Fußschmerzen später waren wir aber bereits zuhause und konnten duschen und uns etwas ausruhen. Ich hatte mir unterwegs ein paar übertrieben teuere Urlauberhemden zugelegt und so zog ich mich um und wirkte nun endgültig wie der letzte Tourist. Am Abend wollten wir die Empfehlung von unserem Hauswirt Ben annehmen und in einem kleinen Restaurant in der Nähe speisen, welches von seinen Verwandten betrieben wird. Dort sollte es das beste Chicken Creole der Insel geben. Leider befand es sich direkt gegenüber eines frisch gedüngten Feldes und bot dem Besucher eine Geruchspalette, die mit frischem Essen nicht viel gemein hatte. Also sind wir von diesem Vorhaben wieder abgerückt und haben uns entlang der Hauptstraße eine Speisegelegenheit gesucht. Was sich seltsamerweise durch unseren ganzen Besuch zog war das seltsame Verhalten der Einheimischen. In dem Moment, wo sie uns Essen verkauften (egal ob fertige Gerichte oder nur Zutaten) wirkten sie unfreundlich, kalt und irgendwie unwillig. Es gab nur zwei Ausnahmen – die eine sollten wir am folgenden Tag erleben, die andere waren eingewanderte Inder, die eher indisch als einheimisch wirkten.

Die kreolische Küche war faszinierend aber recht schnell erkundet. Natürlich gab es Fisch und Schalentiere in allerhand Variationen, aber vor allem Geflügel oder auch Rind fand man auf der Karte. Schweinefleisch war eher eine Seltenheit – ich vermute das hängt mit den beschränkten Kühlmöglichkeiten und der leichten Verderblichkeit zusammen. Seit ich den Jackfruit-Tree in dem Reservoir gesehen habe, habe ich es mir aber in den Kopf gesetzt unbedingt die Jackfrucht zu probieren, diese Gelegenheit sollte ich aber erst auf Mahé bekommen. Reis und Kartoffeln, sowie importierte Pasta stellten hier einen Großteil der Beilagen, vieles war scharf oder das was wir Touris dafür halten. Wir zogen uns nach dem Essen wieder auf unsere Zimmer zurück und planten für den nächsten Tag eine kleine Radtour in die andere Richtung als heute.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Strandsachen aufs Fahrrad und bewegten uns nordwärts, vorbei am schicken Friedhof in weiß und auf zum nahezu verlassenen Strand, wo wir Muscheln sammelten und ein wenig im Wasser umherschwammen. Der Boden war Korallen- und Steinhaltig, so mussten die Wasserschuhe herhalten, aber es war schön anzusehen und gefunden haben wir auch viel Kleinod. Wir ließen die betagteren und weniger sportlichen Damen zurück und radelten nach einiger Zeit alleine weiter, immer die Straße entlang, Hügel um Hügel. Am Wegesrand begrüßten uns einheimische Tiere (zB eine riesige aber gemütliche Schildkröte, ein Hahn und eine Kuh), links ging es steil die Klippen runter – dorthin, wo die Wellen einschlugen und der weiße Schaum in die Luft sprudelte. In Europa hätte es vermutlich Absperrungen gehagelt, hier war am Ende der Straße eine Handbreit Platz bis zum Abgrund.

Aber auch auf dieser Insel baute man die Straßen nicht zuende ringsherum und so kamen wir nach einiger Zeit an das Ende. Sie hörte einfach auf. Dahinter sah man nur noch Felsen emporragen und den Ozean auf selbige einpeitschen. Wir machten kehrt und genossen die Strecke ein zweites Mal, hielten hier und da kurz an, badeten unsere Füße und sammelten Gaben des Meeres ein. Als wir wieder zuhause angekommen waren, war es nicht lange hin bis wir zu unserem Abendmahl in ein ansässiges Lokal mit einem (seltsamerweise) russischen Namen aufbrechen mussten. In Ermangelung einer Straßenbeleuchtung improvisierten wir mit Taschenlampen und Rufen eine Menschenkette auf Fahrrädern und trafen so relativ bald dort ein wo wir hin wollten. Die Gaststätte war charmant angelegt, mit kleinem Garten in dessen Mitte einige Stühle und Tische Platz boten. Ein Stück dahinter befand sich die Terasse unweit der Bar. Wir suchten uns ein schönes Eckchen und schauten durch die Karte. In der Zwischenzeit brachte man uns Getränke und Eiswürfel – wir haben eine große Freude am einheimisch produzierten Ginger Ale gehabt. Da wir nicht sicher sein konnten ob die Würfel aus abgekochtem Wasser gemacht waren, ließen wir der Höflichkeit halber einige verschwinden und den Rest zurückgehen. Kiki hatte mit ihrer spontanen Eis-hinfort-Technik Olga in der Zwischenzeit so zum Gackern gebracht, daß die arme fast die ganze Zubereitungszeit gebraucht hat, sich wieder zu beruhigen.

Das Essen war köstlich, scharf, knoblauchig und reichhaltig. Zum Nachtisch gab es noch einige Portionen Speiseeis. Oder das was die Bewohner dieser Inselgruppe dafür halten. Es schien offensichtlich aus einer Instant-Pulver-Variante gewonnen zu sein, man schmeckte den mehligen Geschmack – zusätzlich zu dem synthetischer Aromen. Aber auch mal interessant, was Einheimische so aus ihren logistischen Möglichkeiten machen.

Wir hätten gerne noch einen oder zwei Tage mehr auf der Insel gehabt, um sie bis in ihre bergig wirkende Mitte zu erkunden, aber am nächsten Morgen gings für uns schon wieder weiter zurück auf Mahé. Dort haben wir dann ein paar Sachen geplant zu denen wir bisher noch nicht gekommen sind – Schnorcheln gehen am Korallenriff und die Schildkröteninsel besuchen. Und natürlich wollten wir noch in Victoria, der kleinsten Hauptstadt der Welt, ein wenig Sightseeing betreiben. Damit begannen wir auch ziemlich direkt, nachdem wir uns in unser wunderschönen Villa im Süden der Insel niedergelassen hatten und die Koffer ein letztes Mal auseinandernahmen.

Victoria erinnerte mich stark an eine Mischung aus Henderson (Palanai Island) und Port Louis (Mauritius) – abgeranzt und doch lebendig, vielseitig und doch nicht ungefährlich. Wir versorgten uns im Supermarkt mit den Sachen, die wir später brauchen würden und suchten uns zu Fuß den Weg zum städtischen Marktplatz, der erschreckende Ähnlichkeit mit dem Sea Market auf Palanai hatte. Allerdings gab es da keine Zombies und die Souvenirs waren ganz nett anzusehen. Dort hab ich auch ein Päckchen bereits geschälte und geschnittene Jackfruit ergattert, die ich später zuhause auch probiert habe. Eine sehr faszinierende Frucht war das – von der Konsistenz und dem ersten Geschmack erinnerte sie ein wenig an eine faserig-weiche Art Ananas, doch dann kamen Aromen auf, die eher nach Honigmelone und Apfel und zum Schluss zitrusartig schmeckten. Ich habe noch nie etwas derartig kurioses gegessen, muss ich sagen. Wir wuschen und trockneten die Kerne, nahmen sie mit nach Deutschland und mittlerweile sind vier von sechs kleinen Jackfruchtbäumen gekeimt und stehen bei uns auf dem Fensterbrett.

Aber zurück zum Markt – Olga schaute sich noch ein paar Kleider an, Kiki machte einen Ausflug in die Welt der Gewürze und ich stahl mich davon um ein paar Blumen zu kaufen. Alla hatte Geburtstag und obwohl es überall wo wir gefragt haben hieß „Keine Blumenläden auf den Tropeninseln“, wurde ich am Markt fündig in einem kleinen eher nach Metzgerei aussehenden Geschäft in dem es so kalt war wie in einem Kühlschrank. Bei den Außentemperaturen, verständlich – das würden die Blumen nicht mitmachen. Da Kiki die Alla lang genug ablenken konnte, daß mein Verschwinden zunächst unbemerkt blieb, war die Überraschung später um so größer. 😀 Well played.

Mit Speis und Trank gings dann wieder zurück nach Hause, zumindest nachdem wir über Umwege für den nächsten Tag einen kleinen Trip um die Insel gebucht hatten. Man gewöhnt sich irgendwie ein anderes Tempo an, wenn die Tage so kurz sind und die Abende lang, hab ich das Gefühl. Da ist 16 Uhr schon reichlich spät, wenn das Licht gegen 18 Uhr fast komplett verschwunden ist. Seltsames Gefühl das, immer wieder surreal. Wie dem auch sei, am nächsten Tag waren wir morgens an der Pier und ließen uns von unserem leicht bekifft wirkenden Erique in seinem Glasbodenboot zum Schnorcheln an die Korallen bringen. Die Fische waren zum Greifen nah, sprangen fast aus dem Wasser als wir sie unterwegs fütterten. Das Wasser war perfekt, die Korallen und ihre Bewohner ein Augenschmauß und diese Ruhe, weit und breit nichts – einfach herrlich.

Nach einer ganzen Weile des Auf- und Untertauchens, Schnorchelns und Fotografierens waren wir wieder ins Boot geklettert und los in Richtung Schildkröteninsel, wo ein kleiner Rundgang auf uns wartete. Und mehrere Dutzend Schildkröten! :O Die Insel selbst war vom Schmugglernest über Mission über Naturreservat schon so ziemlich alles gewesen und überall fand man kleine Gebäude, ihre Ruinen oder Geschichten und Legenden aus der Region auf netten Schildchen angebracht. An einigen Passagen mussten wir ganz schön klettern, manchmal auch echt vorsichtig runter um uns nicht zu maulen, aber alles in allem hatte das ganze ein Bißchen was vom Monkey Island Feeling für mich. Es hätten echt nur noch ein paar Äffchen gefehlt und einige Zettel in denen „Die Monkey Island Kannibalen“ und „LeChuck und die Geisterpiraten“ einander schreiben. Sehr sehr hübsch.

Bevor es zurück auf die Hauptinsel ging, gab es noch einen Zwischenstop bei einem BBQ am Strand und so kehrten wir wohl gesättigt, nass und noch immer etwas von Eindrücken überwältigt zurück. Kurze Zeit später plünderten wir den Inder unseres Vertrauens (Kumar & Kumar) und krallten uns ein paar dekadente Fertiggerichte aus der Region, sowie Reis, Nachtisch und allerhand anderes Zeug, was man für eine Geburtstagsparty im kleinen Kreis so brauchen kann. Wir genossen die letzten Abende in unserem Domizil sehr, es war ein großräumiges zweistöckiges Gebäude mit Terrasse an einem Hang, mit einem Garten drumherum und Meerblick.

Und so neigte sich die schöne Zeit leider unausweichlich dem Ende zu, wir packten die Koffer ein letztes Mal, fuhren noch einmal zum Strand in der Nähe, doch am Abend ging es bereits in den Flieger und für ein paar Stunden nach Dubai, wo wir uns soweit möglich im Flughafen lang machten. Zwischen Klunkern und plattem Kitsch ein letztes Auftauchen von Ninjas, Schneemännern und pompösen Shops – dieser Airport war wirklich mehr eine Mall als alles andere. Nach so vielen Tagen in unbeschreiblich schöner Natur ist das was einem auf den zweiten Blick in Dubai geboten wird doch eher bedenklich und ein kleines bißchen mitleidserregend als beeindruckend. Trotz allem.

Alles in allem: ein sehr vielschichtiger und abenteuerlicher Urlaub war das! Seltsamerweise weder Sonnenbrand noch Mückenstiche, dafür aber jede Menge bleibende Eindrücke und Erinnerungen.

Now playing: Sam B. - No Room in Hell | Stimmung: Beeindruckt

United Arab Emirates – Dubai

Viel wusste ich nicht über Dubai, nur daß da übertrieben pompös experimentiert wurde, was man mit Geld in einer Wüste alles machen kann. Das ging mit den künstlichen Inseln in Palmenform los und endete mit einer Indoor-Skianlage von beachtlicher Länge bei ca 50° Außentemperatur. Und ich wusste, daß dort „schwarze Magie“ – wie auch immer man in dieser Variante „schwarz“ definieren wollte – illegal war und von Gesetzes wegen mit mehrjähriger Haft und Geldbußen geahndet wurde. Ganz sicher hatte ich keinerlei Bestreben, mich mit dem okkult wohl kaum gebildeten und bestenfalls vom Islam indoktrinierten Grenzpöbel über die farbliche Auslegung von praktizierter Seelenkunst zu debattieren. Aber auf unserem kleinen Trip in Richtung Seychellen würden wir wohl oder übel das Einkaufsemirat für einen ganzen Tag besichtigen, also Zähne zusammengebissen und gucken, was man dem abgewinnen konnte.

Der erste Quatsch begann schon an der Grenze – mein Gepäck beinhaltete diverse Pfeifentabake (unter anderem Jans ganz hervorragende Eigenkreation), Schnupftabak, Knaster (rauchbare Wiesenkräuter) und andere Konsumgüter und das versetzte die ahnungslosen und offensichtlich paranoiden Zollbeamten dieser wunderbaren kleinen Diktatur in hehre Panik. Nicht nur, daß meine Habseligkeiten komplett auseinandergenommen und immer und immer wieder von einem schmierigen und unhöflichen Kerl ohne Handschuhe (kann sich in Dubai der Staat keine leisten?), Englischkenntnisse und nennenswerten Horizont geschüttelt, bewegt und begrabbelt wurden, man erwies mir noch nicht einmal die Höflichkeit, jemanden heranzukarren der eine Sprache sprechen konnte die über das Arabische hinausging. Es hätte echt noch gefehlt, daß der Zollbeamte an den CDs geleckt hätte wie ein Schimpanse – eine ähnliche Mimik legte er verwirrt wie er war ja bereits an den Tag. Mit Erstaunen stellte er fest, daß ich mehrere Bündel aneinandergeheftetes buntes Papier mit Zeichen die er nicht kannte in meinem Koffer hatte. Bücher. Warum um alles in der Welt sollte jemand sowas mitnehmen? Reicht nicht, daß einer immer morgens aus so einem Ding vorsingt? Mittelalter.

Nachdem also ich wegen vermuteten Drogenbesitzes – ohja, es ist grün, war früher mal eine Pflanze, muss also illegal sein – beiseitezitiert wurde, kamen irgendwann immer mehr gleichrangige Kollegen von ihm und versuchten – wenn ich das jetzt richtig deute – auf mich durch ihre Anwesenheit Druck zu machen. Aber letzten Endes schauten sie nur ratlos drein und riefen irgendwann den Vorgesetzten, der mich auf einen Wagen verfrachtete und zu anderen Mit-Vorgesetzten karrte, die dann mit ihm zusammen genau das selbe gemacht haben wie die Jungs zuvor, nur offenbar auf Offiziersebene. Ratlos gucken und warten, ob ich nervös werde oder irgendwas anderes komisches mache. Ein Hoch auf meine Geduld (sie ist ja nicht meine Stärke, aber wenn man die Wahl hat zwischen einem Knast auf der arabischen Halbinsel oder einem Urlaub auf den Seychellen, nehm ich letzteres) – und ich hab ja nichts illegales dabei gehabt. Nicht, daß es willkürhalber irgendwas geändert hätte – die dürfen in so Regimes ja ohnehin mehr oder weniger alles, das Rechtssystem ist für unsere Verhältnisse bestenfalls als Atrappe einzustufen. Sie imitieren etwas, von dem sie keine Ahnung haben, warum es da ist – da es aber zum guten Ton gehört, tun sie es. Das ganze ist übrigens exemplarisch für den Prunk, Pomp und das Gehabe, was mir die folgenden Stunden darauf zu Gesicht kam. Nichts gegen fremde Kulturen – aber Kulturimitat? Danke.. -.- Klingt jetzt fies wertend, ich weiß, aber letzten Endes ist das alles künstlich an einen Standard angepasst worden, um Geschäfte zu machen, alles andere ist hier ohnehin nur Deko.

Aber zurück zur Stadt in der Wüste. Dubai besteht gefühlt zu 3/4 aus Hotels, der Rest sind Malls und Einkaufspassagen, Bürogebäude und Firmensitze. Wir sind am Abend gelandet und fuhren durch eine – zugegeben saubere und ordentliche – aber leergefegte Stadt in Richtung unseres Hotels. Die großartig ausgeleuchteten Gebäude, die breiten Straßen und großflächigen Baustellen zeugten von einem unglaublichen Zaster, der dahinter lag. Aber Leben war hier mit der Richtschnur gezogen, jede Palme, jeder Brunnen und jeder Stein schien angelegt, vermessen und genormt zu sein. Kein Wunder, schließlich waren es zu großen Teilen deutsche Architekturbüros, die das Emirat maßgeblich mitgestaltet haben. Die Bauten selbst waren natürlich beeindruckend und gaben eine schöne Skyline her, auch wenn man eher den Eindruck hatte in einem Legoland-Modell-Universum spazierenzufahren, nirgendwo in den Gebäuden gab es Licht, dafür waren sie von außen um so ausgestrahlter und verzierter.

Wir kamen in unserem echt luxuriösen Hotel an und ließen die Reiseermüdung sacken. Schließlich hatten wir am darauffolgenden Tag noch viel vor und wollten bald weiterfliegen. Und so begab es sich, daß wir am Morgen eingesammelt und zur Palmeninsel gebracht wurden. Leider sieht sie nur von oben aus wie eine Palme, wenn man ersteinmal dort ist, nunja – dann sieht man einen Strand und im Hintergrund die pastellfarbene Skyline von Dubai-Stadt. Für eine künstliche Insel, nicht schlecht – aber alles in allem leider nicht ganz so überwältigend wie aus der Luft und wie erhofft. Interessant war es trotzdem – wobei meine Fähigkeit, mich bei den Temperaturen für Sehenswürdigkeiten zu erwärmen sich echt in Grenzen hält. Immerhin sind ausnahmslos alle Gebäude vollklimatisiert, das selbe gilt für Fahrzeuge.

Als nächstes stand das 6-Sterne-Hotel Burj Al-Arab auf dem Programm, wir hatten einen Tisch reserviert und sollten dort fürstlich speisen. Das Buffet ließ in der Tat keine Wünsche offen und so viel Rosengetränke, -Süßigkeiten und -Dekoration ließ einen fast schon glauben nach Rosen duften zu müssen, wenn man das Gebäude wieder verlassen würde. Es gab Nachtisch aus Kamelmilch, alle erdenklichen Arten von Schalentieren und Champagner in dem Blattgold schwamm. Dekadent. Einfach nur dekadent. Das Essen bot eine bunte Palette – von der indischen und persischen Küche über arabische Spezialitäten und Klassiker der westlichen gehobenen Küche. Sehr beeindruckend und mehr als füllend. Wen es dort mal hinverschlägt, der sollte sich das nicht entgehen lassen.

Wir besichtigten nach unserem kulinarischen Exzess die beiden größten Malls des Landes, in dem einen war eine ca 1,5 km lange Skipiste mit Lift und Pinguinen aufgebaut, in der anderen ein begehbares (untertunneltes) Aquarium mit Haien und Rochen und anderen Fischen von mehreren Metern Höhe. Je länger ich darüber nachdenke, desto eher komme ich zu dem Schluss, daß ich bis an mein Lebensende nur noch im Dunkeln sitzen könnte – ohne Strom zu verbrauchen – und die dort pro Minute dennoch mehr Kilowatt durch den Schornstein jagen als ich je einsparen könnte. Alles ist goldverziert, vermarmort.. oder beides.

Hinter der letzteren Mall befand sich das Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt – also nix wie hoch. Wir erklommen nach kurzer Warteschlange die 124 Etage und begaben uns raus auf die Aussichtsplattform (just dort gab meine Kamera akkuhalber den Geist auf und ich musste auf Tante Olgas Sekundärmodell umsteigen). Der Ausblick war erstaunlich, alles so urban aber gleichzeitig auch so weit weg, daß man sich fast fühlt als hätte man damit überhaupt nichts zu tun und es wäre nur Spielzeug. Kurz nachdem wir uns umgesehen haben, begann die Sonne unterzugehen und die Stadt erwachte in ein elektrisches Lichtermeer aus Straßen, Brunnen und ausgeleuchteten Gebäuden. Ein schöner Wandel, den wir mitgenommen haben.

Als wir wieder unten waren, zog es uns zu den Springbrunnen am Fuße des Gebäudes. Selbige schossen bis zu 200m in die Höhe, wurden ebenfalls mit Licht untermalt und auch mit Musik. Wir beobachteten das Schauspiel von einem nahegelegenen Café aus einige Male und staunten nicht schlecht über die Wasserchoreographie. Doch letzten Endes zog etwas Müdigkeit in unsere Glieder und wir bewegten uns zurück zum Hotel, wo wir uns den Spaß erlaubten gegen ein paar lokale Gesetze zu verstoßen. Am nächsten Morgen, noch bevor der erste Muezzin krähte, waren wir bereits auf halbem Wege zum Flughafen. Die Seychellen waren nur noch wenige Flugstunden entfernt und wir verabschiedeten uns von Dubai fürs erste.

Now playing: Kamelot - Nights of Arabia | Stimmung: Beeinbedruckbuchstabt

Ein Hauch von Schottland..

..wehte mir durch die Haare, als wir zu Ostern drüben auf den Inseln waren. Der Plan war, die paar Feiertage zusammen mit Opa und Mam oben in Caledonia zu verbringen. Mit dem Auto von Edinburgh bis zum Loch Ness, danach runter nach Glasgow und tags drauf wieder in die Hauptstadt und zurück. Schöne Strecke, aber viel zu kurz gerechnet um wirklich was davon zu haben. Kiki hat sich uns angeschlossen und – zu meiner Überraschung, dachte ich doch bis dahin fahren wir zu viert – Lena aus Moskau auch. Wir reisten von drei verschiedenen Airports an, Lena mit dem Zug aus London über Manchester nach Edinburgh, Mam und Opa aus Frankfurt und wir aus Hamburg. Die anderen waren schon ein Weilchen vor Ort, als unsere Maschine landete und haben auf uns gewartet. Wir sammelten unser Zeug ein und schlenderten in Opas Fußtakt in Richtung Mietwagenbucht.

Bei dem Fahrzeug, welches uns der Autovermieter unter der Prämisse aufgeschwatzt hatte, es würden bequem fünf Personen hineinpassen, handelte es sich um einen Opel Insignia, hierzulande Vauxhall genannt. Dieser geräumige Wagen ließ vier Personen genug Platz, um längere Zeit einigermaßen bequem zu fahren. Von fünf und bequem konnte nicht die Rede sein. Der insgesamt schwerste strategische Fehler den wir machten, war dieses Auto zu behalten. Wir wollten fast durch ganz Schottland, mit fünf Personen und Gepäck – eigentlich hätte man das wissen und einen Siebensitzer nehmen müssen. Und so quetschen wir uns – drei von uns durchaus beleibt – in die Karre und fuhren ein wenig durch die Hauptstadt der Kiltträger.

Nach einem kleinen Rundgang durch die Gassen setzten wir unseren Weg fort – nordwärts Richtung Highlands und Loch Ness. Es dauerte eine ganze Weile bis wir an unserer Herberge angekommen waren, einem gemütlichen und altcharmant eingerichteten B&B mit erhöhtem Blick auf das Südufer des Ness-Sees. Wir mwchen es uns bequem und verbrachten den Rest des Abends mit Dinnieren und Ausruhen von der Fahrt. Am nächsten Morgen ging es nach Inverness, der Hauptstadt der Highlands – mit einem kleinen Zwischenhalt an der Ostspitze des großen Sees, wo in einer Hütte ein seltsamer Kerl sitzt, der seit Jahren nach dem Ungeheuer Nessie ausschau hält. Und das tut er schon so außergewöhnlich lange, daß er sogar ins Guinness Buch der Rekorde gekommen ist. An der Stadt vorbei nach links, ging es für uns erstmal in die Glen Ord Destillerie, wo wir einen kleinen Rundgang samt Verkostung hatten. Dort konnte ich Opa auch das erste Mal den Whisky auf die Art nahebringen, wie man ihn trinken sollte und er war von der geschmacklichen Komplexität durchaus begeistert. Lena nutzte die Gelegenheit, um ihrem Vater und ihrem Schwiegersohn den passenden Whisky zu ergattern, unter meiner beratenden Einflussnahme natürlich.

Nach der Destille haben wir uns auf die Black Isle begeben, eine Halbinsel im Norden von Inverness. An einer ihrer Küsten sollte es Delfine geben und die Uferstrecke wäre schön, hat man uns gesagt. Leider wurde Opa bereits etwas müde und die 10° draußen setzten ihm zu, so daß wir uns nicht lange dort aufhielten, wo wir langfuhren. Die Strecke war dennoch schön und auch wenn wir uns im Auto sehr quetschen mussten, war es ein interessanter kleiner Ausflug. Wir fuhren nach und verfuhren uns in Inverness, so daß es schon langsam dunkel wurde, als wir in der Herberge ankamen.

Am nächsten Tag sollte es nach Glasgow gehen, ein Mal quer durch die westlichen Highlands. Die schönste Strecke Schottlands lag vor uns und ich ließ es mir nicht nehmen, mich ans Steuer zu setzen. Zum Entsetzen oder zur Überraschung von 3/5 unserer Besatzung erlaubte ich mir die Dreistigkeit, an schönen Stellen entlang der Strecke einfach mal Halt zu machen und auszusteigen, die frische Luft der Highlands in mir aufzunehmen und Fotos zu machen. Nach anfänglichem Zögern haben sich die Meisten aber auch dazu anstiften lassen, zu eng war das Auto, zu schön die Landschaft und zu angenehm die kühle Aprilluft.

So ging es für uns westwärts, bis über die Berge, dann um sie herum in den Süden, weiter nach Loch Lomond, bis wir irgendwann in den frühen Abendstunden in Glasgow eintrafen. Die Stadt hatte sich in den letzten Jahren gemacht und war von einer verlassenen Industrie- und Kriminalitätshochburg zu einer Art hiesiger Mode- und Kunstmetropole avanciert. Zumindest war das aus dem Reiseführer zu entnehmen, ließ sich aber auch auf der Straße in Plakaten, an Schaufenstern und Menschen nachvollziehen.

Wir checkten in unser Hotel ein, erholten uns ein wenig und überfielen das indische Lokal nebenan. Opa war ein wenig überwältigt von den kulinarischen Wundern und blieb wie so oft in solchen Fällen bei einem schlichten Gericht. Der Rest stellte einen kurios gedeckten Tisch zusammen in allen möglichen Farben und Schärfegraden. Meiner Vorliebe fürs Butter Chicken, Knoblauch-Naan und Paneer konnte ich also mal wieder nachgeben, lecker das. Nach einer geraumen Weile endete der Abend auch und wir zogen uns auf unsere luxuriösen Zimmer zurück. Die Stadt war trotz ihrem rauhen Charme noch nicht ganz von ihrem Sud losgekommen, innerhaob von nur einer Zigarette fragten mich zwei verschiedene Passanten nach Kleingeld und sie sahen gemessen am Blick, ihrer Ausmergelung und Unruhe nicht aus, als ginge es ihnen um eine Parkuhr oder den nächsten Schnaps, da standen andere Substanzen auf dem Programm.

Vom nächsten Morgen in der Stadt hatten wir nicht mehr viel, da wir um unseren Flieger zu erwischen noch ca 170 km zurücklegen mussten. Also gingen wir nochmal um den Block, die Kamera in der Hand, und nahmen Eindrücke mit wie wir konnten, bevor es wieder ins Auto ging und wir den Weg nach Edinburgh antraten. Am Flughen angekommen verabschiedeten wir die restliche Meute und ich sammelte für meine Kollegen noch ein kleines Mitbringsel ein, nebst ein paar Mini-Whiskys. Ein anstrengender Trip war das, aber dennoch schön.

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Von Silden bis Trelis..

..oder genauer, von Eriwan bis Tiflis. Wann kommt man schon nach Armenien und Georgien? Diesen September war es für mich so weit – ich hatte Legenden über die kaukasische Gastfreundschaft gehört, gerade in diesen beiden Ländern, aber die Reise übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Wie kams dazu? Ein alter Verehrer meiner Mutter wurde von ihr ausgegraben, nach fast 30 Jahren Funkstille – und lud uns ein, vorbeizukommen wenn wir in der Gegend sein würden. Grund genug, in die Gegend zu kommen, denn gerade wir Reisewütigen neigen oft dazu Umwege ohne Nachdenken in Kauf zu nehmen, weil es sich fast immer lohnt. Der mittlerweile nicht mehr allzu junge Mann lebt gegenwärtig in der schönen Hauptstadt Armeniens – Eriwan, oder Yeriwan. Und da zu viele Eindrücke noch lange nicht genug sind, haben wir uns gleich 3 Tage Tbilisi drangehängt, denn bis Georgien ist es von dort aus ein Katzensprung.

Der Trip begann mit einer neuen Fluglinie – nun, neu war sie zumindest für mich, ich war bis dato noch nie mit Austrian Airlines geflogen und war angenehm überrascht, sowohl von der Freundlichkeit und Lockerheit des Personals als auch vom Service an Bord und dem Platzangebot in den Sitzreihen. Bin ich von den anderen Linien heutzutage anders gewohnt, auch wenn ich verwöhnte Sau bevorzugt mit Fliegern und Chartern der ersten Welt unterwegs bin – die hatten nachgelassen in den letzten Jahren. Top Transport, muss ich schon sagen – war nicht mein letzter Flug mit denen! Also gings vom Fraport erstmal nach Wien, von dort aus weiter, alles in allem ca. 1 + 3 Stunden Flugzeit.

Dank der Zeitverschiebung und dem Abendflug landeten wir mitten in der Nacht und wurden auch sogleich von Samwil und seiner Frau empfangen, holten das Auto und schon begann das Abenteuer – in diesem Fall in Form des Straßenverkehrs. Es ist nicht so, daß die Armenier keine Verkehrsregeln kennen, sie betrachten sie nur eher als „Richtlinien“. Gefahren wird mittig auf der Fahrspurmarkierung, das vereinfacht das Geradeausfahren wohl und wer in den Kreisverkehr reinfährt und/oder lauter hupt als der andere hat Vorfahrt. Ich war ja schon einiges von Mauritius gewöhnt, aber hier traf angewandtes Chaos/Selbstorganisation auf postsowjetische Gleichgültigkeit, also musste ich mich auf einiges gefasst machen bzw. mich an einiges gewöhnen. Aber alles halb so wild, es war eher ein Abenteuer als ein Desaster und nachdem ich die ersten paar Kilometer hinter mich gebracht hatte, waren die ungewohnt niedrige Grundgeschwindigkeit und der vorrausschauende Fahrstil vgl. mit den Einheimischen wirklich Gold wert. Was mich immer wieder entzückte war, wie viel das Armenien von heute mit dem Russland von „damals“ gemein hatte – das ging bei den weiten Schirmmützen und Uniformen der Polizei los und ging weiter mit dem Straßenbild, was von Zhiguli, Volgas und Ladas gezeichnet war. Alles an Fahrzeugen, was nach den vor ein paar Jahren erlassenen Tech-Inspekt-Richtlinien nicht mehr auf russischen Straßen fahren durfte, wurde wohl hierher verkauft. Aber auch deutsche Autos, noch komplett mit dem Schriftaufdruck diverser mittelständischer Betriebe, fanden hier wohl einen neuen Herrn – größtenteils Sprinter oder Vergleichbares.

Die Stadt selbst war eine obskure Mischung aus sowjetischem Baugrößenwahn, also pompösen Plätzen und Gebäudemonstern, und irgendwie mediteran und lokal anmutender Architektur. Der Tuffstein, den sie für viele der Gebäude benutzt haben, scheint eine regionale Spezialität zu sein. Aufgrund der riesigen Platten und Flächen wirkt die Stadt leer und ausladend, aber bei genauerem Hinsehen, sind die Gässchen gut gefüllt und es ist sehr lebendig. Dieser Twist aus südlichem Charme und russischen Einflüssen erinnerte mich entfernt an Tel Aviv, auch wenn vereinzelt der postkoloniale afrikanische Wellblechhüttencharme durchbrach, der in Ländern eines ähnlichen Wohlstandes typisch ist.

Die Landschaft um die Hauptstadt ist sehr biblisch, viel karger Fels, Sträucher und Berge – wenig Land, was tatsächlich ertragreich ist. Wie man uns auch später erzählte, lohne sich der Import von so ziemlich allem, auch den einheimisch erzeugbaren Waren, weil das Land zu großen Teilen aufgrund der Bergigkeit nur sehr schwer wirtlich zu machen sei. Doch ein wenig Export scheint es noch zu geben, der Iran – ein direkter Nachbar – scheint ein guter Abnehmer für allerhand Dinge zu sein, die er sonst nur schwer bekommen kann und davon lebt ein Teil der Bevölkerung wohl. Bis Teheran sind es mit dem Bus wohl 2 Tage, meinte unser Gastgeber. Wie in vielen Binnenstaaten ist die Arbeitslosigkeit hoch und die meisten halten sich mit Nebenjobs jenseits ihrer Fachrichtung über Wasser, viele Armenier verlassen das Land und nehmen am russischen „gemeinsame Heimat“ Programm Teil, welches den Bewohnern der ehemaligen CCCP ermöglicht eine russische Staatsbürgerschaft im Eilverfahren zu bekommen, auszuwandern und in Mother Russia ein neues Leben anzufangen. Gerade die hoch qualifizierte aber hoffnungslos unterbezahlte und unfreiwillig arbeitslose Jugend scheint davon sehr angetan zu sein. Hinzu kommt, daß die Armenier mit den meisten Nachbarn nicht allzu gut können – mit den Türken haben sie schon seit mehr als nur Jahrzehnten heftige Probleme, die Aserbaidschaner sind von ihnen nicht besonders begeistert, die Georgier sind ihnen gegenüber eher kritisch eingestellt. Einzig der Iran kommt auf der Business-Ebene mit ihnen klar, hinzu kommt, daß wohl sehr viele Iraner nach Armenien kommen, um sich auszutoben – ein Effekt, den wir schon von den Saudis und Bahrain kennen – kaum über die Grenze, ist der Gottesstaat vergessen und die Party kann steigen.

So weit wie ich die Armenier erlebt habe, sind sie ein stolzes, gastfreundliches und gebildetes Völkchen, mit einem leichten Hang zu historischer Gesamtbetrachtung und einer pragmatischen Einstellung zu ihrer Umgebung. Und es gab da ohne Ende Autowerkstätten – hätte ich raten müssen, würde ich schätzen fast schon mehr als Autos. Wir machten viele kleine Ausflüge in die Umgebung, besichtigten Klöster, Monumente, Ruinen und Märkte – und wie bereits beschrieben, tat die Szenerie ihr übriges – Felsen und Geröll mag sich nicht nach viel anhören, aber ein Sonnenuntergang in den Bergen, ein Glas frisch gepressten Granatapfelsaft und ein Kaffee aus einer Jazzve – das hat durchaus was! Das große Archiv thronte über der Stadt – ein Zuhause für Bücher und Dokumente, die Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende alt sind, verfasst in Sprachen und Dialekten die heute nur noch wenige Gelehrte flüssig beherrschen. Wahre Schätze an Manuskripten, Erstdrucken, Büchern und Skizzen findet man dort, alles vergleichsweise selten, aber gut erhalten. Ein Tempel des Wissens, könnte man sagen. Wir nahmen uns Zeit für einen ausgiebigen Rundgang und bestaunten Schriftstücke auf altem Arabisch, Persisch, Latein und Griechisch, sahen uns handgezeichnete Sternenskizzen auf Pergament an und nahmen kunstvoll verzierte Lederfolianten unter die Lupe. Sehr sehr spannend!

Für die Überfahrt nach Georgien waren einige Stunden vorgesehen, hätten wir uns nicht verfahren, wäre es auch schneller gegangen. Doch leider ist sowohl die Beschilderung der Straßen als auch die Kenntnisse Ortsansässiger nur bedingt vertrauenswürdig. So kam es auch, daß man uns auf die Frage wie weit es bis zur Grenze sei innerhalb von wenigen Metern drei verschiedene Antworten gegeben hat – 15 km, 30 km und einfach „weit“. Irgendwann trafen wir aber auf einen Unteroffizier, der recht unnüchtern an einer Busstation wartete, von ihm bekamen wir die genauste Angabe – kein Wunder, immerhin war er ja an der Grenze stationiert. Die Landschaft hatte sich übrigens je näher wir dem Norden des Landes kamen vergrünt. Insbesondere nach einem der Tunnel kamen wir in gut bewaldete Gegenden, für die Region. Während also die erste Hälfte der Fahrt von den Farben Gelb, Braun und Grau dominiert wurde, gab die zweite ein interessantes Spektakel in Grün und Dunkelbraun her.

Nach Stunden durchs Gebirge kamen wir zum Grenzposten. Die Armenier waren freundlich und entspannt, machten Klickmich-Bilder mit ihren Webcams und ließen uns raus. Die Georgier, mit ernsterem Blick, aber dennoch sehr herzlich und ein wenig zeremoniell, nahmen uns mit einer ähnlichen Prozedur in Empfang. Während in Putin’s Russland weiter Stimmung gegen georgische Güter und die Reisen in das Gebiet gemacht wird, somit natürlich gegen die heimatverbundenen Georgier selbst, durften wir das Gegenteil dieser Gerüchte und Propaganda erleben. Während auf den Straßen Moskaus gemunkelt wird, daß russische Reisende zurückgeschickt werden wann auch immer an der Grenze möglich sieht die Realität anders aus – und das sogar so sehr, daß es bis vor kurzem eine Direktive gab jedem Russen der in die kaukasische Republik einreist, ob als Tourist oder als Geschäftsreisender, eine Flasche georgischen Weines zu schenken. Das erzählte uns Zaza, unser wackerer Reiseführer für die kommenden Tage, als er uns auf der Straße nach Tbilisi in Empfang nahm. Das und noch anderes kurioses. Jedenfalls deckte sich das schön mit der Statue, die die Stadt überblickte und die Schutzpatronin von Tbilisi darstellte – in der einen Hand ein Kelch, in der anderen ein Schwert. „Mit dem einen empfangen wir die Freunde, mit dem anderen die Feinde“, erklärte uns Zaza.

Die Stimmung der Stadt hinterließ einen interessanten Eindruck: Einige Ecken erinnerten mich an Tel Aviv, andere wiederum an Budapest, Valetta oder Strasbourg. Die moderne Architektur der frisch aus dem Ei gepellten Theater und Opern traf auf uralte Sakralbauten und Befestigungsanlagen, Verwaltungsgebäude aus der Sowjetzeit reihten sich aneinander, breite Straßen, Brücken und verwinkelte enge Gässchen, alles wunderschön ausgeleuchtet und dicht geballt in einem Abenteuer von Stadt. Zaza führte uns herum und erzählte uns von seiner Zeit im Amt für Bauwesen, zeigte uns einen der unter seiner Leitung errichteten Brunnen und gewährte uns einen Einblick in die Strukturen des täglichen Lebens in georgiens Hauptstadt. Er führte uns an Aussichtspunkte, in historische Kloster und zu Gräbern überregional berühmter Persönlichkeiten. Die Geheimtips der ansässigen Gastronomie, insbesondere die allseits begehrten Chinkali, Chatschapuri und das Lobio wurden von uns natürlich auch eifrig erkundet. Vom kleinen Markt in der Stadt bis zu verwinkelt gelegenen Lokalen an denen es die wohl besten Chinkali der Welt gab und die nur Einheimische kannten.

Wir besuchten Kirchenbauten, Parks, altertümliche Wehranlagen und Ruinen, kosteten vom georgischen Wein und genossen das gute Wetter. Währenddessen erzählte uns Zaza von den aktuellen politischen Wirren um die anstehende Wahl, all den Zirkus den es mit der Ossetien-Krise auf sich hatte, zeigte uns das von der EU für die Flüchtlinge errichtete Dorf außerhalb der Stadt, wo eine lokale Firma sofort nach Eröffnung eine Fabrik drangesetzt hatte, um der Armut durch mangelnde Arbeit der Leute die alles verloren haben per win/win zumindest irgendeine Linderung zu stiften. Schade, daß wir es nicht an die Küste geschafft haben, ich habe gehört es soll dort außergewöhnlich schön sein. Aber vielleicht nächstes Mal. Zaza haben wir jedenfalls sehr ins Herz geschlossen und verabschiedeten uns auch sehr herzlich von ihm, als er uns bei unserer Rückreise auf die richtige Straße ortsauswärts begleitet hat. Und von dort aus ging es ab durch die Dämmerung ins Gebirge, weiter und weiter, bis die Dunkelheit uns fast vollständig umschlungen hatte auf der armenischen Seite der Berge. Wir erreichten Yeriwan mitten in der Nacht und fuhren zu unserem Hotel zurück, wo wir die Koffer umpackten und uns abreisebereit machten, denn nach dem nächsten Tag sollte es wieder zurück gehen.

Ein erstaunlicher Trip ans andere Ende der Welt war das, mit Granatapfel-Grillmarinade, heiligen Quellen und Gemüse, daß nicht nach Wasser sondern nach Gemüse schmeckte (das EU-Genormte gibt überhaupt nichts her, verglichen damit!) – ein Reiseerlebnis, was ich nicht so schnell vergessen werde, so viel ist sicher. Wir wurden überall so unbeschreiblich gastfreundlich empfangen, daß ich langsam beginne zu verstehen warum es unter Russen schon immer hieß, daß Armenier und Georgier freundschaftlich darum wetteifern, wer der bessere Gastgeber ist.

Now playing: Gorky Park - Politics of Love | Stimmung: Neugierig

Two tickets to Dublin

Wir hatten viel vor auf der grünen Insel. Der Plan sah vor, drei Tage in Dublin unterzukommen, Stadt und Umgebung zu besichtigen und am vierten nach Galway aufzubrechen. Dort sollten wir weitere drei Tage an der Westküste verbringen, dann gen Süden aufbrechen, in Cork kurz Halt machen und über die Südküste zurück in die Hauptstadt. So weit, so gut. Nur kommt es natürlich anders als man denkt – den Südknick geben wir uns nächstes Mal.. aber eins nachm anderen!

Nach dem üblichen Zirkus von überflüssigen Sicherheitsprozeduren boardeten wir den Flieger von Air Lingus in Hamburg. Viel zu enge Sitze, kostenpflichtige Getränke und Massentransport. Immerhin war die Flugzeit überschaubar und ging schnell vorüber,mso landeten wir also am dubliner Flughafen und wuselten uns nach draußen. Zuerst wollten wir zu Avis im „city centre“, bevor wir uns im ersten B&B einnisteten – der übrigens in Flughafennähe des ohnehin nicht sehr großen 500K Städtchens war. Die Bezeichnung city centre war übrigens irreführend, denn als wir in selbigem angekommen waren hieß es plötzlich „Avis? Die sind westlich des Stadtkerns, etwas über 20 Minuten mit zwei verschiedenen Bussen.“

Mit unseren Koffern war das etwas unangenehm, also nahmen wir uns ein Taxi – gefahren von einem etwas jamaikanisch wirkendem lockeren jungen Mann, der uns zum Verkehrsrythmus der Stadt etwas über die Geschichte und die Geschichten der Orte die wir passierten zusammentoastete. Sehr angenehmer kleiner Trip – schon standen wir vor der Autovermietung mitten im Gewerbegebiet West-Dublin. Dort buchten wir erstmal den Wagen um auf Flughafen-Rückgabe, koste zwar was, aber wir hatten nicht die geringste Lust vom Airporthotel wo wir unsere letzte irische Nacht verbringen würden nochmal hierher zu fahren, und das auch noch vor 6 am, und wieder zurück.

Ein kleiner schnuckeliger roter Toyota Yaris mit Kilkenny-Kennzeichen wurde uns übergeben, wir packten das Gepäck hinten rein und stiegen ein. Ich musste mich erst ein wenig an den Linksverkehr gewöhnen, aber nach kurzer Zeit war das nicht mehr so das Problem. Mit Ausnahme gelegentlicher Seitendrifts und Ausflügen auf die Busspur. Also ab zum Bread ’n‘ Backfast, eingecheckt, Zeug abgeladen und los die Stadt erkunden.

Dublin ist ein überschaubares, wenngleich malerisches Städtchen: uralte Kirchen stehen hier neben modern angerichteten Denkmälern, breite Straßen mit Cafés gibt es hier genauso wie verwinkelte Gassen mit den üblichen winzigen Stores für alles Mögliche. An jeder Ecke bekommt man Ales, Stouts und Whiskeys serviert, überall gibt es Shirts, Souvenirs und Postkarten, sowie allerhand Produkte aus original irischer Wolle. Die für die Inseln typischen viktorianisch anmutenden Hausfronten (allerdings mit farbenfrohen Türen), baumbesetzten Alleen mit roten Backsteinmäuerchen und herausgeputzten Neubaugebiete verschmelzen hier zu einem kurios-klassischen Stadtbild, welches trotz seiner Vielfalt aufgrund der flachen Bauweise eher nicht urban wirkt. Ein Kuriosum haben wir aber ausgegraben, was vermutlich in keinem Reiseführer zu finden sein wird: Den Witches Attic. Ein kleiner versteckter aber sehr charmanter Dachboden-Bücherladen mit seltener und interessanter Lektüre, sowie allerhand Utensilien. Sympatisch!

Nach einem irischen Frühstück machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Newgrange, einer Mischung aus Hügelgrab und Heiligtum aus längst vergessenen Zeiten. Also ab auf die Autobahn nach Norden und nach nicht einmal vierzig Minuten wieder runter. Etwas abseits kamen wir auch bald im UNESCO Visitor Centre an, wo wir in einer kleinen Ausstellung des Beginns der nächsten Tour harrten. Einige Schritte durch das anliegende Grün und wir waren an der Busstation, von wo aus man uns ans Kulturdenkmal kutschierte, vorbei an Schafen und Wiesen.

Newgrange selbst ist ein beeindruckender Bau, der etliche Jahrtausende überdauert hat, verschüttet und wiederentdeckt wurde, restauriert und wieder hergerichtet. Besonders spannend ist die Konstruktion im Hinblick auf die Beleuchtung zur Sonnenwende: an genau zwei Tagen im Jhar scheint die Sonne für eine Viertelstunde in die innere Kammer, erleuchtet den Boden und taucht den Raum in ein weiches Licht.

Die Steine aus denen die Kultstätte errichtet wurde kommen aus unterschiedlichen Regionen, teilweise mehrere dutzend Meilen weit weg, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Als die Tour vorüber war, beschlossen wir zu Fuß zurückzugehen, das Wetter und die Landschaft waren einfach zu klasse um im vollen Touribus die Abkürzung zu nehmen. Etwa vierzig Minuten später waren wir da und ließen uns auf einen Happen im Visitor Centre nieder. Die Kantine war kulinarisch absolut erstaunlich und die Portionen sehr großzügig, sollte es Euch also dorthin verschlagen, solltet Ihr dort speisen.

Der nächste Ausflug ging nach Süden, vorbei an einem kleinen See an dem wir Halt machten um zu picknicken, weiter nach Kilkenny, wo wir ein Kilkenny tranken und die mittelalterlich angehauche Stadt in Augenschein nahmen. Unterwegs machten wir in diversen Tesco-Märkten halt, um uns mit Irish Cheddar/Tomato Sandwiches zu versorgen. Ich hielt natürlich beide Augen offen, falls mir ein Irn Bru begegnet (meine Lieblingsbrause), doch bis Galway war damit Fehlanzeige.

Die Tage in und um Dublin gingen sehr schnell rum und es zog uns westwärts. Nach einem kleinen Stück Autobahn bogen wir auf die Landstraße ab und genossen die Aussicht. Vorbei an zahllosen verschlafenen Nestern die man nur von Whiskeyetiketten und Liedern kennt, vorbei an einer Vielzahl von „Castles“ in verschiedenen Zuständen (von Ruine bis Museum) ging es immer weiter Richtung Küste, Tullamore, Clare, Kilbeggan..

Galway selbst ist ein hübsches Küstenstädtchen, stilistisch zwischen altem irischen Dorf, modernem Suburb, europäischer Zwergmetropole und klassischem Hafenort. Eben je nach dem, wohin es einen verschlägt. Uns verschlug es zunächst in eine kleine Siedlung aus inseltypischen B&B Häuschen, ein schönes Zimmer, nette Herbergseltern. Wir entspannten uns nach der langen Fahrt, probierten ein paar hiesige Braukunstwerke und gingen bald schlafen, es war ja schon spät, wir hatten uns ja schließlich Zeit gelassen mit der Tour.

Am nächsten Tag gingen wir ein wenig in Galway spazieren und erkundeten das Sea World am nördlichen Stadtrand. Das Aquarium war schön aufgemacht und hatte allerhand interessante Viechers zu bieten, kleine und große, hübsche wie monströse. Wir setzten unseren Kurs nach Norden fort, die Küste entlang und es dauerte nicht mehr lang, bis wir nur noch Verkehrsschilder ausschließlich auf Gälisch um uns hatten. Die Straßen – wohl das Äquivalent einer Landstraße – waren nur an einigen Stellen zweispurig und dennoch war es erlaubt mit einem Affenzahn da durchzujagen, was die Einheimischen auch nutzten.

Die waren jedoch einen Großteil der Zeit nicht zu sehen, stattdessen gab es wo man nur hinschaute Hügel, Mini-Seen Steinmäuerchen, Schafe, Rindsviecher und gelegentlich ein paar Pferde, Ziegen und verlassene Ruinen. Eine Landschaft wie man sie von Postkarten, Kerrygold-Werbespots und Whiskeypackungen kennt. Halt machten wir im malerischen, wenn auch verschlafenen Clifden, speisten dort köstlich und machten nach kurter Stadtbegehung kehrt. Das Wetter spielte mit und der Seewind verdünnte den Sonnenschein auf eine angenehme Reise- und Wandertemperatur – bis in den Sonnenuntergang hinein.

Am Morgen empfahl uns der Herbergsvater, dem wir erzählt haben wie wir runter nach Cork und über die Südküste zurück wollten, einen Abstecher zu den Cliffs of Moher zu machen und die Gegend dort abzugrasen, weil sie voller Kulturstätten stecke und sehr sehenswert sei. Da wir ohnehin Kerry nicht zu sehn bekommen würden und Cork nur bedingt spannend sein sollte, entschlossen wir uns dazu, den Vorschlag zu beherzigen. Und wir taten gut daran – auch wenn wir uns am Anfang leicht verfahren haben und nur durch puren Zufall in der Höhle mit Europas größtem Tropfstein gelandet sind. Wir machten eine kleine Exkursion unter Tage und ließen uns von der Entdeckung der engen Höhlengänge erzählen, von den beiden jugendlichen Geologen die sich riskanterweise durch einen kleinen Spalt in den Felsen quetschten, ihm folgten und schließlich auf das Geflecht aus Gängen und Höhlen stießen. Nach etwa einer Stunde aber waren wir wieder froh, das Tageslicht zu sehen und stiegen wieder ins Auto – immerhin hatten wir noch einiges vor an dem Tag.

Also auf zu den Cliffs, auf zum Steinemeer und dann picknicken! Es war gerade mal eine dreiviertelstd Fahrt von Galway und wir waren mitten im nirgendwo, zwischen Ruinen, Castles und historischen Sites. Die Straßen wurden immer schmaler und die Gegend zunehmend ländlicher, die Westküste lugte gelegentlich zwischen Kreuzung und Biegung hervor und der Wind frischte etwas auf. Vorbei an saftigen Wiesen, Steinbrücken, Mäuerchen, Gehöften und Ausblickpunkten ging es immer weiter ins Landesäußere, bis wir vor einem riesigen Parkplatz standen, ab dem man nur noch zu Fuß gehen konnte.

Die Cliffs of Moher waren mittlerweile zu einem Touristenmagneten ausgebaut worden, der ein eigenes Visitor Centre beherbergte und diverse Souvenirläden, in denen allerlei Waren teuerer angeboten wurden als in den im Land verteilten familiären Craft Shops, die selbige auch herstellten. Hinter dem Touristenrummel konnte man über die Absperrung krackseln, was auch die meisten Besucher taten, und die Klippen entlanglaufen, das Ende, die Westkante der Insel. Der Anblick war großartig, wenngleich nichts für Höhenfürchter. Der frische Küstenwind, der Geruch von Gras und das Rauschen der Wellen verliehen den Klippen dieses Gewisse Gefühl von Ewigkeit. Da uns das Areal trotz Anblick zu übervölkert war um dort zu picknicken, suchten wir uns eine andere malerische Stelle etwas abseits des Rummels.

Wir kamen an ein Feld, daß einem See aus Steinen glich. Das Wasser hatte über die Jahrhunderte seine Spuren auf und um jene hinerlassen, so gab es zahllose Rillen zwischen ihnen und abgerundete Kanten. Inmitten jener Steine ragte ein Trilith nach oben, ein Steingrab aus alter Zeit. Dort suchten wir uns ein hübsches Plätzchen zum Sonnenuntergang und speisten. Touristen waren hier nur vereinzelt und kurz vor Dunkelheitsanbruch waren sie auch fort, so daß der ganze Ort in eine unwirkliche Stille tauchte.

Nach diesem kleinen Umweg gings raus auf die Autobahn und ab in die Hauptstadt, wir hatten noch einige Stunden vor uns bevor wir abreisebereit zum Flieger gondeln würden. Die irischen Schnellstraßen sind ein Genuss – sie sind zwar nicht umsonst und haben ein Tempolimit von 120, aber sie sind in einem Zustand, der neidisch macht. Außerdem gibt es dort kaum Verkehr, auf der Fahrt von Galway zurück nach Dublin sind mir etwas über 30 Autos begegnet. Auf beiden Seiten zusammengenommen. Und bisher ist mir auch nichts darüber bekannt, daß geblitzt wird – macht auch Sinn, ist vermutlich einfach nicht besonders rentabel, immerhin kostet so ein Blitzer auch Geld.

Wir machten einen kurzen Zwischenstop bei Applegreen, der irischen Tankstellenkette mit den tollen Backwaren und dem integrierten Souvenirshop, dort schraubte mir einen Kaffee in meinen Metabolismus und wir setzten unsere Reise fort. Am Hotel kamen wir erst sehr spät an, so daß nur wenige Stunden blieben, um uns zu erholen und frisch zu machen. Postkarten schreiben, einwerfen, Sachen umpacken, duschen und eine Stunde Schlaf.

Was für ein Debakel uns mit dem Mietwagen erwartete, ahnten wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Erst als wir vor der Rückgabestation ankamen, einem riesigen umzäunten Areal außerhalb des Flughafens, welches sich die vier großen Autovermieter teilten, wurde uns klar, daß etwas nicht stimmt. Alles war zu, nirgends war Licht und kein Mensch weit und breit. Eine Stunde bis Boarding. Ja, und nun? Die Akkus der Telefone unter halbmast, keine Möglichkeit irgendwen zu erreichen jenseits des ABs und weit genug weg vom Fluggelände selbst, um ein problemloses Abreisen zu Fuß in dem Zeitfenster unmöglich zu machen. Großartig. Nicht!

Irgendwann wurde es mir zu blöd und ich steuerte auf den Dauerparkplatz direkt am Airport zu. Sollen die ihren Wagen doch selbst hier suchen, wo ich ihn auch immer abstelle, wenn sie es schon nicht hinbekommen ein gescheites System für die Rückgabe zu etablieren. Das hätte vermutlich etwas extra gekostet, hätte ich den Schlüssel irgend einem Avis-Vogel in die Flossen gedrückt und ihn den Wagen finden lassen, aber die Inselfeen meinten es gut mit uns und kaum war ich ins Langzeitparkdeck eingebogen, war auch schon das Schild mit der Mietwagenrückgabe zu sehen. Vorher kurioserweise nicht. O_o

Der Rest klappte wie am Schnürchen, Einchecken, Abflug, Landung und Heim mit den Öffentlichen. Wir waren kaputt aber happy, hatten tolle Eindrücke mitgenommen und packten unsere Koffer und unsere Mitbringsel aus. Und so sehr wie es uns gefallen hat, war es nicht das letzte Mal Irland.

Now playing: Mychael & Jeff Danna - The Blood of Cuchulainn | Stimmung: Frei

Finish him!

Vier Tage Finnland bringen gut Ruhe in den Alltag, heißt es. Freunde der Familie haben ein Haus in Karelien, etwas über 200 km von St. Petersburg entfernt und haben uns eingeladen auf ein langes Wochenende vorbeizuschauen. Wir planten noch eine kleine Rundfahrt durch Helsinki dazu und reisten an.

Die Hauptstadt von Suomi-Land wirkte sehr paneuropäisch auf mich. Ich hatte den Eindruck, es sei von Ecke zu Ecke eine andere Metropole zum Vorbild genommen worden, hier Prag, da Berlin, da Madrid – sehr ungewöhnlich. Alles in allem ist die Stadt aber so ruhig wie man es von Finnen und ihrem Gemüt generell kennt – alles ist mehr oder weniger relaxed, vom Straßenverkehr bis zum Supermarkt. Wir erklommen einen Hügel und schauten uns eine minimalistische, aber durchaus eindrucksvolle Kirche an, spazierten ein wenig und ließen uns ob des Hungers in einem Restaurant nieder in dem es rustikale finnische Spezialitäten gab. Das Ambiente war überaus sympatisch und sowohl das Essen als auch die gesamte Ausstrahlung hatte etwas sehr gemütliches. Entfernt erinnerte es mich an den „alten Germanen“ in Altsachs oder an die mittelalterliche Gaststube in Carcassonne, zumindest von der Intensität des Ortes her.

Wir speisten fürstlich und für skandinavische Verhältnisse überraschend günstig und fuhren dann weiter, besuchten die „Kirche im Stein“ – ein recht modernes und eher an einen Saal erinnerndes in einen Felsen gehauenes Gotteshaus und verließen nach einigen weiteren Sehenswürdigkeiten die Stadt ostwärts. Einige Stunden später zierten endlose Seen das Landschaftsbild und Birkenwälder umrahmten die Straße, so weit das Auge reichte.

In dem Haus unserer Gastgeber angekommen, belegten wir erstmal die vorgesehenen Räumlichkeiten und richteten ein Abendmahl an. Zu dem – wie bei Russen üblich – ordentlich nachgeschenkt wurde. Der Abend wurde dann ob dessen auch etwas länger und die Gespräche mit dem Herren des Hauses meinerseits verlegten sich irgendwann auf den Balkon, wo wir hervorragende Tabakwaren mit gutem russischen Rachenspritt im Wechsel kombinierten. Die Kopfschmerzen am Morgen waren vorhersehbar gewesen, noch bevor wir die Augen schlossen des Nachts. Die Nächte selbst sind dort eigenartig kurz – bereits um vier Uhr morgens war die Dämmerung nicht nur da, sondern bereits in vollen Zügen ausgeprägt.

Irgendwann gegen Mittag schleiften wir unsere müden Knochen in den Aquapark in der Nähe – irgendwas zwischen Erlebnisbad und Saunakomplex. Entspannend und wohltuend, vor allem nach der langen Nacht. Leider hatte uns das gute Wetter was wir mitgebracht hatten schnell wieder verlassen und es kühlte auf 7-9°C runter, frischte mit Wind auf und nahm uns zumindest teilweise den Enthusiasmus, endlose Spaziergänge durch die wirklich beeindruckende Natur zu begehen.

Die Tage die folgten waren vom Verlauf ähnlich und da derer ja nicht viele waren, überlasse ich es den Bildern einen kleinen Eindruck zu hinterlassen. Was zu Finnland generell noch zu sagen wäre – die Natur, Luft und alles, ist sehr imposant, aber verglichen mit den meisten anderen skandinavischen Ländern passiert dort wirklich nichts. Und mit nichts meine ich noch weniger als in Norwegen nach Dunkelheitseinbruch in einem Holzfällerdorf an einem Fjordhang. Es gibt zwar sicher – wenn man sucht – die eine oder andere sehenswerte Tour, aber die „Action, der man sich anschließen kann“ sucht man hier vergeblich. Die Kulisse lädt zwar zu allerhand Wassersport, Angel- oder Wandertätigkeit ein, insofern ist es durchaus möglich sich zu beschäftigen, aber ich hatte nicht unbedingt den Eindruck, daß die Bewohner besonders unternehmungslustig wären. Da hatten wir bei kälterem Wetter in Schweden definitiv wesentlich mehr an Optionen und die Leute wirkten nicht ganz so tranquilisiert. Aber die Sprache ist sehr süß und abgehackt, auf eine skurrile Weise erinnert sie mich an Holländisch, nur wenn man Ladeprobleme beim Audiokanal hat, mit diesen Konsonantenbetonungen. Ich weiß, eigentlich ist sie eher mit Magyar verwandt, also dem Ungarischen – aber dafür sind mir da doch zu viele Umlautääääää drin. So viel dazu.

Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

Now playing: Ali Jihad Racy - The lamentation of Isis | Stimmung: Entspannt

Die erlauchteste Republik..

..Venedig. Nun, heute kein Stadtstaat mehr, aber nicht minder Eindrucksvoll liegt diese Perle des Mittelmeers in Stein und Holz auf Wasser. Historische Gebäude zieren an jeder Ecke auf protzigste Art und Weise das Stadtbild. Bemerkenswerte Architektur, die an „Megalomanie light“ erinnert. Was mich umgehauen hat, war die Stimmung, die Geräuschkulisse und der Geruch der Stadt nach Küste.

Ich kannte die Plätze und Paläste nur aus der Sicht von Ezio Auditore da Firenze, die Gebäude, Fassaden und Kanäle nur aus einer Vielzahl von Stunden vor AC2. Und doch erkannte ich erstaunlich viel wieder, wusste ca wo rum man gehen musste, sah fast schon den Medicus an der Ecke vorm Wasser stehn und seine frisch gefangenen Egel anpreisen und hatte mehrmals mit dem Verlangen zu kämpfen an einer Kirche oder einem anderen typischen Gebäude einen Satz nach oben zu machen. Richtig krass wurde es mit den Flashbacks im Halbdunkel als ich über die Piazza San Marco schritt und die Kirchenglocken loslegten. Spooky. Klinge, Gurt und Haube fehlen mir in solchen Momenten – da brauch ich nicht mal den Animus.

Unsere illustre Reisegesellschaft bestand aus zwei Clans, von meinem war noch mein Großvater und meine Mutter dabei, diese hatte ihre Freundin Lena aus Russland geladen, die mit ihrer Nichte Katja und ihrer Tochter Olessya im Gepäck anreiste. Die anderen waren wohl schon einige Tage vor Ort und empfingen uns in unserem Hotel als wir ankamen, dann gabs erstmal ein Wiedersehensfestmahl und einen nächtlichen Stadtspaziergang, bevor wir im Steampunkartigen Fahrstuhl in unser vor Jugendstil triefenden Zimmerchen einkehrten.

„Ah, Venedig!“
— Indiana Jones

Am nächsten Morgen schauten wir uns im Dogenpalast um und besuchten die Basilica di San Marco, bevor wir unser Zeug zusammenrafften und in einem Wassertaxiboot zu unserem Kreuzfahrtschiff – der MSC Musica – aufgebrochen sind. Das Schiff war von beeindruckender Größe und die Menge an Passagieren war auch nicht ohne – wobei ich sagen muss, daß ich überrascht war so gemischte Altersschichten zu sehen, hatte ich getreu dem Klischee doch eher die mobilen Rentnereinsatzkommandos erwartet. De facto war der Altersschnitt aber eher um die mitte Dreißig. Das Schiff sollte für die nächsten Tage und Nächte unser Zuhause sein, wir legten am frühen Abend ab und setzten Kurs auf Bari in Süditalien. Nach Bari sollte es in Richtung Kroatien gehen – zuerst Split, dann Dubrovnik, dann wieder zurück nach Venedig. Auf dem Schiff selbst gab es allerhand Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben, sei es Swimmingpool, Tischtennis, zahllose Lounges und Bars, Restaurants und Wellnessbereiche, Fitnessräume oder (auf offener See) das Kasino. Am Abend gab es noch Achtern eine ziemlich lahme Disko mit einem grauenvollen DJ, Mitternachtshäppchen vor den kleinen Bühnen wo Unterhalter verschiedener Art ihre Kunst zum Besten gaben oder aber den edel anmutenden Theatersaal. Ich bevorzugte jedoch mit Musik auf den Ohren meine Kreise quer durchs Schiff zu ziehen. Ich beobachtete die Passagiere, verwirrte das ohnehin etwas konfuse Personal, schaute raus auf die See oder setzte mich irgendwo hin und las ein wenig.

Bari war ein einfaches Städtchen mit süditalienischem Charme, einigen mittelalterlichen Bauten und von überschaubarer Größe. Es gab zwar hier und dort etwas zu sehen, aber verglichen mit der Perle der Adria und den beiden Städten die noch vor uns lagen, war es fast schon erschreckend ereignislos. Wir spazierten ein wenig durch die Stadt, fanden uns aber schon recht bald auf dem Schiff wieder und dort ging der Alltag weiter. Das Wetter war durchgehend wechselhaft – die See blieb zwar alles in allem ruhig, aber der ständige Wechsel zwischen Regengüssen und brütender Sonne war ein wenig unbequem, vor allem weil nicht ganz klar war was man an Kleidung wählen sollte, wenn man sich auf den Landgang begab. Immerhin hatte man ja kaum Lust Jacken und Schirme ständig mit sich herumzuschleppen, während die Sonne einem das Hirn zu braten beschloss, aber auch nicht tropfnass durch die Meeresbrise eine Erkältung für den Rest des Urlaubs einzufangen, weil man sich vor dem Regen nicht retten konnte. Gut, das sind zugegebenermaßen alles Probleme die ich nicht so wirklich hatte, aber meine Reisegefährten dafür um so mehr.

Das Personal an Bord war irgendwie seltsam. Die meisten die was zu sagen hatten, schienen Italiener zu sein, genauso wie die Kellner in den beiden gehobeneren Bordrestaurants (unserer sah dem T-1000 aus Terminator 2 so erschreckend ähnlich, daß sich Olessya immer wieder gruselte, wenn er ihr etwas metallisches in die Nähe legte, zumeist handelte es sich um Besteck). Die anderen waren größtenteils Inder, Philipinos und Brasilianer, größtenteils englischsprachig, ihr Italienisch konnte ich nicht einschätzen, aber ihre offensichtlich von Mängeln gezeichnete Servicefähigkeit durchaus. Sie erweckten allesamt den Eindruck als hätte man sie zu Niedriglohn irgendwo aufgegriffen, sie in einen 3-Tages-Kurs gestopft á la „So bedient man Urlauber“ und danach in eine Uniform gezwängt, damit sie ins Bild passen. Das ganze war für das Image des immerhin vier Sterne Kreuzfahrtschiffes eigentlich unhaltbar, nett lächeln beim vorbeigehen ist eins, aber verlogen, unhöflich, aufdringlich und unfähig sein was vollkommen anderes. Ich will sie jetzt nicht alle über einen Kamm scheren, einige waren durchaus okay, aber der Grundtenor war eben beschriebener und je länger wir unterwegs waren, desto bockloser schienen sie ihren Aufgaben nachzugehen. Da sie allerdings vermutlich alle zu verhältnismäßig miesen Konditionen und ohne große Schichtenpausen oder freie Tage in den unteren Decks untergebracht waren, ist natürlich nicht überraschend, daß sie nach einer Weile etwas gereizter wirken als gut wäre, ich beneide sie keineswegs um ihren Job, das ging bestimmt an die Substanz – wobei der Cruiser und die Company vermutlich nicht ISO 9001 zertifizierte Arbeitgeber sind, also was will man erwarten..

Wir kamen in Split an, besichtigten einige historische Bauten und bummelten über die Strandprommenade. Ein köstliches Mittagessen später waren wir bereits wieder auf dem Schiff, Opa war nicht mehr allzu lauffreudig und das Wechselwetter setzte ihm offenbar mehr zu als den anderen. Gegen Abend legten wir auch wieder ab, abermals mit Kurs Richtung Süden, und ich verbrachte den Rest der Nacht im Kasino, wo ich nach Lemmy-Art zu Werke ging: Jack-Coke plus einarmiger Bandit, dazu Rock’n’Roll. Ich verzockte einige Euronen, gewann natürlich auch ein paar Klimpermünzen, verlor sie aber wieder größtenteils. Ich denke sollte es mich je wieder in ein Kasino verschlagen (war jetzt das erste Mal in einem zum Spielen, nicht zu besuch), werd ich einen Automatenwechsel einführen, ich glaube die sind darauf getrimmt, einen erstmal verlieren, dann gewinnen und dann endlos verlieren zu lassen. Hätte ich zB diese Strategie beibehalten und wäre nach dem Gewinn zum nächsten gezogen und recht gehabt, hätte ich nach den ersten drei meinen Einsatz bereits raus und verdoppelt gehabt. Aber ich glaube genau auf solche Illusionen bauen die Dinger – am Ende gewinnt immer das System mit ihren funkelnden Lichtern und ihrem spiegelndem Chrom. Wenns wirklich so einfach wäre, würde es sich nicht lohnen so ein Kasino überhaupt aufzumachen und es hätte sich herumgesprochen. Da bleib ich lieber bei der Glücksspirale, da krieg ich meinen Einsatz wenigstens alle Nase lang zurück. If you want to gamble..

In Dubrovnik früh morgens angekommen, schlenderten wir durch die Stadt, besuchten abermals einige alte Kirchen, streiften durch enge Gassen und ließen uns schlussendlich in einem Café nahe der Fußgängerzone nieder. Wir hatten nicht besonders lang Aufenthalt, aber immerhin war genug Zeit den Stadtkern zu besichtigen und einen Eindruck der Stadt zu erhaschen. Es ging jedoch bereits in den frühen Abendstunden zurück aufs Schiff, gegen 17 Uhr verließen wir nämlich wieder den Hafen in Richtung bella Venezia. Der Rest der Fahrt war in etwa wie die Zeit zuvor, nur mit dem Unterschied, daß ich mittlerweile etwas unruhig wurde und sich zwar keine Klaustrophobie breitmachte, mir aber das Schiff mit seinen Freizeitangeboten ein wenig geistig zu eng wurde.

In Venedig selbst hatten wir noch zwei weitere komplette Tage bis es zurück in die Heimat gehen sollte – die verbrachten wir mit der Jagd nach Souvenirs, dem Speisen in hochqualitativen Gaststätten und natürlich singend und albernd in den kleinen Gässchen zwischen den Häusern. Ein weiteres unglaubliches Erlebnis dort, war das winzige private Kammertheater „Musica a Palazzo“, welches wir besuchten. In einer Seitengasse parallel zum Canale Grande gab es einen beeindruckenden Altbau/Palazzo, dessen obere Wohnung zu einer mehrzimmerigen Kulisse ausgebaut wurde – jeder Raum ein anderer Akt, gerade mal einige wenige dutzend Zuschauer und hochtalentierte und hervorragend ausgebildete Sänger und Musiker boten uns „La Traviata“ – ein Genuss, in den ich in dieser Qualität noch nicht gekommen bin, höchstes artistisches Niveau. Ließ mich echt sprachlos! Die Atmosphäre war einfach unglaublich.

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Brother Arnoc

Now playing: Deadbolt - Scary Voodoo Girl | Stimmung: Rastlos und Reisefreudig

Beyond the arctic circle..

..in Kiruna, Lapland, Schweden. Es sollten drei Nächte werden im Norden, vier Tage im Schnee, irgendwo zwischen -20 und -40, jenseits des Polarkreises, stellenweise nur wenige Kilometer vor dem Ende der Europäischen Landmasse. Dahinter nur noch der arktische Ozean, das ewige Eis. Bilder von dort erinnern an Hoth, den Palast der Schneekönigin oder an Ice Age. Wir deckten uns mit kälteresistenten Klamotten ein und packten ein paar Heatpacks in den Koffer, Antirutschbezüge für die Schuhe und andere in diesen Breiten eher ungewöhnliche Gebrauchsgegenstände.

Wir brachen also auf, boardeten den Flieger und alles war wie geplant. Genau bis zu dem Zeitpunkt wo wir in Arlanda Airport unweit von Stockholm von Bord gingen. Da gings nämlich los: Wir sollten zu Gate 34, wo der Anschlussflug nach Kiruna auf uns wartete. Da kein solches Gate ausgeschildert war und man uns von A nach B schickte, verloren wir zunächst mal Zeit. Als wir bei Gate 34 angekommen waren, war da weder Personal noch Passagiere. Wir fragten ein wenig herum und man teilte uns mit, daß Inlandsflüge vom Terminal 4 aus losfliegen, was am anderen Ende des Flughafens, hinter der Passkontrolle und Gepäckausgabe war. Wir hechteten also los und als noch immer nichts ausgeschildert war und wir gerade mal die Hälfte der Strecke in ca 15 Minuten Hetzmarsch zurückgelegt hatten, offenbarte uns die freundliche Dame am Infoschalter, daß das Flugzeug nicht auf uns warten wird und es keine realistische Chance gibt in nur 5 Minuten dort hin zu kommen. Andrej war inzwischen vorgelaufen und versuchte die Leute am Gate davon zu überzeugen auf uns zu warten. Fehlanzeige. Und das obwohl unsere Koffer an Bord waren. Wir suchten uns jemanden zum beschweren und bis wir jemanden gefunden hatten, die wissen offenbar auch nie wer für was zuständig ist, war es bereits 5 Minuten nach planmäßigem Abflug. Die große Unverschämtheit ging gerade los, wollte man uns mit „Terminal Overnight Kits“ abspeisen und auf den Flug am nächsten Morgen vertrösten. Wir ließen uns das natürlich nicht bieten, immerhin war weder an Bord, noch in den Papieren, noch beim Bodenpersonal, noch in den nicht vorhandenen Ausschilderungen die Rede von Terminal 4. Viel Gezeter später haben wir herausbekommen, daß der Flieger wohl 20 Minuten später abgeflogen ist als vorgesehen – hätten die von der SAS uns also hingeführt anstatt zu versuchen uns hartnäckig abzuweisen, wären wir vermutlich bereits in Kiruna. Irgendwann fand sich das Service Desk und eine nette Dame buchte uns auf Kosten der Fluglinie ein Hotel im Airport für die Nacht, wir konnten endlich etwas entspannen und was essen. Ein halber Tag ist uns durch die Lappen gegangen, Stockholm selbst war zu weit weg als das man es hätte besichtigen können und wir wussten nicht ob wir unsere Hundeschlittenfahrt noch mitnehmen/umbuchen konnten, aber immerhin würde es weitergehen.

Am nächsten Morgen ging alles ganz reibungslos, wir frühstückten, machten das Boarding mit und waren ruckzuck in Kiruna. Wo uns auch schon tiefer Schnee und Temperaturen um die -15° empfingen. Es war noch keine 14:00 Uhr und es begann schon dunkel zu werden. Wir checkten im Bishop’s Arms Hotel ein (eigentlich eher ein Pub in einer Mall mit Zimmern obendrüber, aber sehr angenehm und gute Küche) und zogen uns um, bevor wir die Gegend in Augenschein nahmen. Nach dem kleinen Rundgang suchten wir uns das Tourbüro und buchten unsere Trips von gestern um, für den nächsten Tag gleich mehrere planend – nette und fähige Leute da, kann ich sehr empfehlen. Dann packten wir uns dickstmöglich ein und wurden abgeholt, um zur Aurora Sky Station in Abisko zu fahren.

Abisko ist noch ein gutes Stück nordwestlich von Kiruna, unweit der norwegischen Grenze, ein Steinwurf bis zu den vereisten Fjorden. Im Sommer verdoppelt sich die Einwohnerschaft des Dörfchens auf 80, im Moment waren nur wenige Häuser beleuchtet. Mit einem Skilift ging es ca. 20 Minuten über Schnee und über Stein hoch auf den Berg, weit und breit nur Eis, Wind und Stille. Irgendwann hörten die Bäume auf, irgendwann war man mit dem Himmel und der Erde völlig allein. Oben angekommen, gab es erstmal heißen Punsch und einen kleinen Rundgang durch die Einrichtung, danach wurde fürstlich aufgetischt: Eine delikate Suppe, einen „slowly roasted moose“ – also einen über 20 Std auf kleiner Flamme gegarten Elch mit Kartoffelgratin und eine Crème brûlée mit Cloudberries. Danach gab unser Guide Frederic uns einen Crashkurs in Polarlichtkunde, erzählte uns wie und wo sie am besten zu beobachten ist und warum, erzählte uns Legenden und Geschichten die sich darum rankten, etc. Bald danach kamen die restlichen Besucher (die kein Essen gebucht hatten) und wir gingen nach draußen und da hing es wie Nebelschwaden am Nachthimmel. Mit bloßem Auge nur nach Umgewöhnung zu sehen (daher nehmen die auch nur rotes Licht draußen, damit man die Nightvision nicht stört), bewegte sich das Schimmern in Grün leicht wie von langsamem Wirbel im Teich getragen zwischen den Sternen, einem Seidenlaken gleich.

Nach einer geraumen Weile des Staunens wurden wir per Skilift wieder nach unten verfrachtet, diesmal wollte ich eine Gondel für mich alleine haben und als ich da so saß und mir der Boden stückweise näherkam, verstummte im untersten Drittel plötzlich der Wind. Die Kälte, die ich nur noch vage im Gesicht spürte war verglichen mit der Wärme der restlichen Kleidung zu vernachlässigen. Die Zeit hielt für einen Moment vollständig an. And then there was silence. Nicht mal meinen eigenen Atem, nicht einmal das Schaukeln der Sitzgondel, nicht einmal ein fernes Wolfsheulen oder auch nur einen Windhauch konnte man hören. Stille, wie nicht von dieser Welt. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es war so perfekt, daß Worte dem nicht gerecht werden würden. Ich realisierte, daß ich irgendwo mitten im Nirgendwo hänge, viele Meter über dem Boden, weitab von dem ganzen Rest der Welt, unbewegt und für eine gefühlte Ewigkeit, nur ich und die Sterne, die den Nachthimmel zieren. Atemberaubend. Dieses Gefühl ließ mich den Rest des Abends nicht mehr los und begleitete mich bis in den Schlaf hinein. Hier, am Ende der Welt, konnte man auch in unserer hektischen und lauten Zeit noch einen solchen Moment erleben. Unglaublich.

Am nächsten Morgen ging es um 10:00 gleich weiter, wir packten in einiger Eile unsere Habe und trotteten nach unten, wo wir sie in einen blauen Van verluden. Unsere Fahrerin, die schon seit ihrer Kindheit am Hundehof arbeitete, wie sie erzählt hat, brachte uns einige Kilometer vor die Stadt und wir wurden auf einen Hundeschlitten mit einem gigantischen Huskygespann gesetzt. Die Tiere fühlten sich bei den Temperaturen von etwas um die -20° durchaus wohl, bissen zur Erfrischung unterwegs in den Schnee oder wälzten sich bei Halt in ihm. Aber es ging erstmal mit einem ziemlichen Affenzahn durch die Botanik – alles vereist, große Flächen, jede Pflanze einem Kunstwerk gleich, wie aus einem Wintermärchen. Die Sonne tat ihr Übriges, um die Landschaft noch zauberhafter zu machen. Wir hatten das Zeitfenster gut gewählt, denn bei knapp vier Stunden Tageslicht wäre später oder früher vermutlich dunkler gewesen. In einem Kohte machten wir kurz Rast, dort gab es Kaffee und Tee und samisches Brot mit Käse, über offenem Feuer gemacht. Dort trafen wir auch einen lustigen Gesellen, der aus Frankreich stammte, in Ostdeutschland studiert hat und dank seiner Exfrau und den Kids fließend russisch Sprach. Selbstverständlich gab es hinterher Spekulationen, die diverse Agentenfilme hätten verursachen können. Aber weiter im Text – wir kamen nach der Rückfahrt wieder vor dem Tourbüro an und hatten noch etwas über eine Stunde bis uns der nächste Van zu den Schneemobilen bringen sollte. Diese Zeit nutzten wir, um uns ausgiebig zu stärken – dank der guten Küche und in Ermangelung weiterer Ortskenntnis wieder im Bishop’s Arms.

Es dämmerte bereits als wir bei der Schneemobilwerft ankamen und es war dunkel bis wir alle behelmt, eingepackt und abfahrbereit waren. Wir bekamen eine kurze Einweisung in die Technik, die sich ungefähr so kompliziert verhält wie das Fahren eines Rollers und konnten losbrettern. Auch wenn die Mobile Spitze 160 fahren konnte, war mehr als 100 nur selten angeraten, vor allem weil ihr Fahrverhalten im Schnee viel mehr mit Schnellbooten gemein hatte als mit Motorrädern. In besonders tiefem Schnee hat das einer unserer Begleiter im Sinne des Kenterns kennenlernen dürfen, glücklicherweise bei geringeren Geschwindigkeiten. Durch den Wald fuhren wir mit ca 30 km/h, draußen zog Andrej seine Maschine auf die 120 und bretterte wie ein Eispfeil durch die Marschen, ich ließ es ruhiger angehen zumal mir die Augen gebrannt haben vor Kälte (und ja, die Tränenflüssigkeit gefriert im Augenwinkel, ein Scheißgefühl ist das, das geht dann nicht mehr richtig auf und zu) – das Visier meines Helms konnte ich nämlich leider nicht nutzen – der an ihm von innen kondensierte Atem gefror faktisch augenblicklich und das Sichtfeld hat sich in dem Moment erledigt. Aber egal, das war trotzdem ein Mordsspaß! Die Dinger nehmen Steigungen so locker wie ich es noch bei keinem Gefährt erlebt hab, sehr geschmeidig. Irgendwann kamen wir bei einigen Hütten an, die unsere Overnight-Guests gebucht hatten – sie stiegen ab und verabschiedeten sich – wir fuhren weiter und suchten uns eine eigene, wo wir Feuer machten und etwas Brot, getrocknetes Rentier und Hirsch hatten, sowie Tee und Kaffee. Danach ging es gut gewärmt zurück zum Hangar und ab ins Eishotel.

Das Eishotel selbst ist ein zweigeteilter Komplex an Gebäuden – es gibt den warmen Teil, mit einem Souvenirshop, einer Rezeption, Sauna, Waschräumen, dem (absolut exzellenten) Restaurant und normalen beheizten Zimmern – und dann gibt es noch den Kältekomplex mit der Eisbar, der Eiskirche, diversen künstlerisch verzierten Nobelsuiten und den Snow- und Ice Rooms. Erstere sind recht spartanisch eingerichtet, ein Bett aus Eis, Wände aus Schnee und das wars, letztere sind da schon edler, es gibt Möbel und kleine Skulpturen aus Eis, die schön ausgeleuchtet sind und ein angenehmes Zimmerambiente bei -5° bieten. Man schläft auf Rentierfell, in Schlafsäcken – es gibt keine Türen, sondern nur Vorhänge, ebenfalls aus Fell. Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber gemütlich wenn man denn erstmal liegt. Für die Zeit dazwischen, sowie den Gang auf den Lokus gibts Overalls, wenn man Stiefel braucht oder eine Gesichtshaube, braucht man nur danach zu fragen. Die Küche des Abends war beeindruckend, nicht nur die verschiedenen Formen von Geschirr und Deko aus Eis waren imposant, auch die Speisekarte bot allerhand Gaumenfreude. So hatte sich bei uns auf dem Tisch neben Taubenfilet und Rentiersteak auch etwas eingefunden, was sofort und ohne Umwege in den Top 3 der bisher besten Gerichte die ich je gegessen habe gelandet ist: Die Rede ist von einem Carpaccio vom Elch mit gebratenen Shiitakepilzen auf frischer Kresse mit Ementalerwürfeln in Trüffelöl. Bäm!

Wir speisten, gingen nochmal kurz auf die Terrasse, wo wir ein weiteres Mal das Polarlicht bewundern konnten, bestellten uns den Weckruf (wie auch immer er aussehen sollte) und begaben uns in die Bar. Dort war es um so eindrucksvoller, weil mit viel Licht gearbeitet wurde und die Gäste wirklich auf Eis saßen und an Eis lehnten und aus Eis ihre Drinks zu sich nahmen. Viele von ihnen waren nach den Künstlerzimmern hier benannt und wie man es von mir nicht anders kennt, musste ich mir den tentakeligsten Drink vornehmen, der hieß „The Kraken’s Lair“. Einige Rundgänge später traten wir den Rückzug an und holten unsere Schlafausrüstung, verfrachteten sie ins Zimmer und gingen pennen. Und so lagen wir auf Eis, nach diesem ereignisreichen Tag. Und es fühlte sich an, als sei die Fahrt mit den Schlittenhunden zwei Tage her gewesen, so viele Eindrücke waren es auf einmal. Hinreißend. Und kalt. Das einzige was noch fröstelte war die Schnauze, dem hab ich aber dank der russischen Fellmütze Einhalt gebieten können. Und ich musste immer wieder an das hier denken. Am frühen Morgen kam unser Weckruf in Form einer freundlich lächelnden jungen Dame mit einem Tank voll mit einem lokalen Heißgetränk auf dem Rücken, aus dem sie uns sogleich einschenkte. Nach einer Nacht bei -5° ist ein dampfender Pappbecher mit süßem heißen Saftzeug genau das richtige um Morgens in Fahrt zu kommen. Wir machten uns fertig, duschten und stapften durch den knietiefen Schnee zum Frühstück. Nach selbigem gings nochmal durch die künstlerischen Zimmer mit einer kleinen Tour und in die Kirche, die am Abend bei Anreise schon dicht gewesen ist. Eine nette Kapelle, ohne Glaubenssymbole, aber durchaus mit netter Akustik. Dann mussten wir leider auch schon unser Zeug packen und die Koffer Flugbereit machen, der Bus zum Flieger ließ nämlich nicht mehr lang auf sich warten. Wir holten noch unsere Survivor-Zertifikate ab, mit Name, Datum und den Temperaturen im Zimmer, sowie außerhalb (-22°C) und machten uns auf den Weg heim, der recht voraussehbar linear und fast schon ereignislos verlaufen sollte. Zurück in Deutschland hatte ich von meiner Kälteimmunität noch Tage später was und während die Leute in Frankfurt bibbernd ihre Arme um sich schlugen, zuckte ich mit den Schultern und dachte mir – nein, KÄLTE ist das hier nicht. Ein sehr beeindruckender Trip in eine vollkommen andere Welt.

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Brother Arnoc

Now playing: Disneyland after Dark - Camping in Scandinavia | Stimmung: Kaaaaaalt. Aber happy.

Wir lagen vor Madagaskar..

..und hatten ein Fest an Bord. Nun, um ganz genau zu sein waren wir nicht direkt vor Madagaskar, aber wenn ich vom Balkon aus 900 km weit spucken könnte, könnte ich die Ostküste jener Insel unter Beschuss nehmen. Und das ist die nächste größere Landmasse von Mauritius aus, alles andere ist noch weiter weg. Hier also meine Eindrücke von meiner ersten Reise unter die Gürtellinie der Erde.

Der Flug war anstrengend und langwierig, 11 Stunden sollte es gehen, zwei mehr oder weniger uninteressante Filme waren im Programm, auf Kanal 8 lief ganz guter alter Rock’n’Roll und eZigs zu nutzen war an Bord verboten. Letzteres hatte ich zumindest in diversen Berichten aus dem Netz gefischt, was mich veranlasst hat, mir den guten alten Satz „Wo kein Richter da kein Henker“ zu Herzen zu nehmen und mich nicht erwischen zu lassen. Mir war bereits aufgefallen, wenn man den Dampf lange genug drin behält, ist er optisch kaum noch wahrzunehmen, wenn man das Gerät selbst (meine eGo-T) auch noch tarnt, interessierts niemanden. Funktionierte wunderbar.

Aber schlafen ließ sich im Flieger leider nicht. Restlos übermüdet und fast ein dutzend Stunden nach dem Abflug kamen wir um 7 Uhr morgens im stickig-schwülen Flughafen von Mauritius an. Dort mussten wir erstmal durch die Passkontrolle, unser Gepäck entgegennehmen, Landeswährung eintauschen und ab ins Hotel. Der Flughafen selbst liegt im Südosten der Insel, unsere Unterkunft mitte-west, nach ungefähr einer Stunde Fahrt durch Phenix und über Flic en Flac kamen wir dort auch guter Dinge an. Flic en Flac war die nächste Siedlung, ansonsten war da weit und breit nichts weiter – die Westküste war übrigens die Seite an der sich vor Jahrmillionen Mauritius von Madagaskar losgesagt hatte, also Korallen, Kies, Lagunen – alles sehr schön, wenn auch nicht der typische Sandstrand – den hat es eher an der Ostküste, wo es uns nicht mehr hin verschlug diese Reise. Da das aber nicht als Badeurlaub geplant gewesen ist, war das völlig okay.

Unser Hotel war das Sofitel Imperial Resort & Spa, ein großflächiger in dunklem Holz und hellem Marmor gehaltener Bau, weitläufig und weitgehend offen. Wunderschön und liebevoll ausgestaltet, mit jeder Menge umherwuselndem wenn auch nicht ganz so hellen Personal. Die Fauna der Region hatte auch gelegentlich Einzug erhalten in die Flure, so kam es auch, daß wir Salamander zählen konnten auf dem Rückweg vom Abendessen und Frösche Abends am Poolrand ein Konzert gaben, von punkigen Vögeln die uns beim Essen hin und wieder besuchten ganz zu schweigen. Als wir ankamen, waren unser Zimmer jedoch leider noch nicht fertig, also bekamen wir die Gelegenheit uns zunächst mal im Spabereich von der Reise zu erholen, ein wenig im Pool zu planschen und zu frühstücken, bevor wir uns häuslich einrichteten.

Sich an das Klima dort zu gewöhnen hat einen Moment gedauert – 30°C im Schatten und 80% Luftfeuchtigkeit waren eben nicht ohne – vor allem für mich, der ich ja eher kältere Temperaturen gewohnt bin. Ansonsten bot das Resort alle Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen konnte, vom französischen Restaurant am Strand (buchstäblich im Sand stehende Tische, keine 10 m bis zum Wasser) bis zum Bogenschießplatz, natürlich Pool und Fitnessraum, sowie Spa, Wasserski und noch vieles mehr. Kein Wunder also, daß man als Besucher nicht unbedingt in Versuchung kam außer bei gebuchten Kurztrips das umzäunte Paradies zu verlassen. Da wir aber nur ungern faule Touristen sind und ein wenig was von der Ecke sehen wollten, in die es uns verschlagen hat, haben wir für ein paar Tage einen kleinen aber schnuckeligen Suzuki gemietet um auf eigene Faust die Insel zu erkunden.

Die Bevölkerung dort ist ethnisch eine Mischung aus Indern und Subsahara-Afrikanern, meist 50/50 von dem was man optisch erraten konnte, aber +/- in die eine oder andere Richtung je nach dem wo man hinkam. Im Süden lebten eher letztere, im Norden erstere, irgendwo im mittleren Binnenland hatte sich eine moslemische Region manifestiert, weiter oben im Norden waren die Hindu präsenter. Von den Religionen war es sowieso recht interessant, etwa die Hälfte der Einwohner waren Hindus und so stand auch an jeder Ecke, Kreuzung und Landstraße ein kleiner Schrein, kleiner Tempel oder größerer Gebetspalast. Verschiedenen bunten und vielarmigen Gottheiten gewidmet eine durchaus sehenswerte kulturelle Eigenheit. Ich frage mich wie es wohl in Europa ausgesehen hätte, wäre das Kreuz nicht mit Feuer und Schwert hier so reingebrochen, dann hätten wir hier vielleicht auch so sympatische kleine Schreinchen und um das Seelenheil der ansässigen wäre es vermutlich nicht so mieserabel bestellt wie jetzt. Aber wie dem auch sei, ein weiterer Teil von etwas unter 20% waren Moslems, aber im Sinne von „eher wie Singapur und Malay als wie Araber“ wie unser Busfahrer und Reiseleiter uns auf dem Weg zum Hotel erklärte. Und etwas über 12% waren wohl Christen, im Zuge der Geschichte der Kolonisierung durch die Briten, im Speziellen Anglikaner. Von denen gab es auch eine ganze Menge Kirchen, alle in diesem eher mittelalterlich-viereckigen Stil. Erinnerte mich spontan an Akkon bei Assassin’s Creed und ich musste das dringende Bedürfnis niederringen, einen Satz hoch aufs Dach zu machen. Nicht, daß ich das bei meiner aktuellen Kondition und dem Klima da wirklich gebracht hätte, aber der Gedanke war schneller da, als ich gucken konnte.

Wir fuhren die Strandstraße gen Süden hinunter, wollten uns zur Krokodilsfarm/Schildkrötenzucht durchkämpfen, verfuhren uns aber wegen der mieserablen Beschilderung ständig und landeten irgendwo in der Pampa, die Entfernungen waren trotz Karte nur schwer einzuschätzen, die Ampeln funktionierten bei Regen nicht und der Verkehr wäre mit absoluter Abwesenheit von Ordnung am treffendsten beschrieben. Eigentlich ist auf Mauritius Linksverkehr. So ganz eigentlich. De facto gelten Regeln aber nur so lange, wie sie beachtet werden, so ist es zB usus ohne Ankündigung und Warnblinker einfach mal links ranzufahren und zu halten oder gar zu parken. Das juckt auch niemanden, die Leute fahren einfach weiter. Wer fährt kann solang nichts passiert im Grunde fahren wie er will und derartige Manöver abziehen, daß jedem, der auch nur ansatzweise mitteleuropäischen Verkehr gewohnt ist es nicht anders als kriminell und grob fahrlässig vorkommt. Fahr lässig. Aber sowas von lässig und ruhig, die Leute sind hier einfach vom Schlag her freundlich und gehen einem nicht auf den Zeiger. Eine sehr gewöhnungsbedürftige Kombination – vor allem wenn man sich als Touri langsam fahrend gewohnheitsmäßig auf der rechten Spur befindet und einige Lichthupen und Augenblicke braucht ums wieder mal zu raffen. Ein Abenteuer, alles in allem, das es wert war – so ungewohnt es mir am Anfang auch schien.

Wir kamen aber irgendwann an unserem Ziel an, dem Kroko- & Turtlepark. Ein nettes kleines Fleckchen im Nirgendwo, unweit der Südküste. Wir mussten uns durch kleine Ackerwege kämpfen und durch diverse Stadtviertel die mich an eine Reportage aus Ghana erinnert haben, mit dem typischen Wellblechhüttencharme rostiger und bunter Art, wehender Wäsche von jedem Hausdach und eine Menge bunter Waren auf dem Markt, vorwiegend billige chinesische Imitate von Produkten, die wir auch hier nicht kaufen würden. Afrika, ganz im Klischee, lackierte Ölfässer, Autoreifenstapel am Straßenrand, Leute die aus Müll Schmuck und Souvenirs machen, alles Handarbeit versteht sich. Verbeulte alte Pickups, die ihre besten Zeiten hinter sich haben und Technik, die schon Ende der 90er als nicht mehr die neuste gelten dürfte. Aber zurück zu unserem Park.

Dort gab es viel zu hören und zu sehen, angefangen von einem Flughunde-Gehege (zT auch begehbar) wo die putzigen Viechers Früchte vernaschten, bis zum großen Schildkrötenareal, wo man sie aus der Hand füttern konnte (nur nicht mit den Fingern – „they mistake human fingers for carrots“), eine ganze Regenwaldanlage mit Makaken-Abschnitt, ein Dschungelrestaurant und eine Aufziehstation für Krokodile. Selbige dann natürlich auch in groß. Eine richtig schöne kleine Farm mit verschlungenen Wegen durch die Tropenpflanzen, überall kleine Wasserläufe, Lianen und anderen typischen Pflanzen. Auf jeden Fall sehenswert!

Doch der Süden der Insel war nicht der einzige, wo man für unsere Breiten untypische Lebewesen bestaunen konnte. Die einzige Tour die wir vor Ort gebucht haben, war die mit den Delfinen – dafür wurden wir in aller Frühe rauskutschiert an den Nordsteg bei Flic en Flac und bestiegen ein motorisiertes Wasserfahrzeug, zusammen mit einigen anderen Passagieren. Als der Mann am Steuer die Geschwindigkeit hochschraubte und sich das Boot fast aus dem Wasser erhob, wehte mir der sommerliche Wind durch die Haare und ließ den Geschwindigkeitsrausch aufkommen. Eine kurze Zeit später waren wir vor der nördlichen Westküste angekommen, wo die Wassersäuger auch schon in Scharen zu sehen waren. Einige hüpften aus dem Wasser und platschten auf die Oberfläche, andere schwammen nur ein wenig umher und wollten spielen. Manche der Passagiere schnorchelten ein wenig und schauten sich die Tierchens aus der Nähe an. Das mit dem Schnorcheln hab ich mir auch gegeben, aber etwas später bei den Korallen. Ich muss sagen, ich kann mit diesem Schwimmflossengedöns an den Füßen nicht so richtig, nicht nur daß ich mich hätte daran gewöhnen müssen, ich mag generell nicht wenn ich mich frei bewegen muss, daß irgendwas an mir dranhängt. Ohne war besser. Ein tropischer warmer Regen zog auf und verdünnte die salzige Suppe in der wir schwammen, wir kamen wieder an Bord und nahmen Kurs auf die Insel vor der südlichen Ostküste, wo uns ein BBQ erwarten sollte und natürlich einige Touristenjäger, also fliegende Händler für allerhand Souvenirs.

Das Barbecue war sehr afrikanisch, vom Style her. Ein ausrangiertes, abgesägtes und vor längerer Zeit umlackiertes Ölfass gab den Grill her, ein paar Stöcke und Planen spendeten uns Schatten und eine halbierte Plastikflasche – über die Spitze gestülpt – sorgte dafür daß sich das Holz nicht durch den Planenstoff bohrte. Zu essen gab es, wie häufiger in dieser Region, kreolische Küche mit erheblichem Seafood-Anteil.Irgendwann, nach dem Essen kam auch ein lustiger Händler namens Marcus, der allerhand Musikinstrumente primitiver Art mit sich führte und an die Touristen zu verscherbeln suchte. Der nahm sich richtig Zeit für uns, trommelte und flötete zur allgemeinen Belustigung ein wenig auf seinem Zeug und irgendwann drückte der auch mir so ein Ding in die Hand zum draufhauen und Töne machen. Also saßen wir da, unter Palmen, mitten im indischen Ozean, am späten Nachmittag und trommelten, sangen und guckten aufs Meer hinaus. War schon cool.

Irgendwann gings wieder zurück und wir entspannten uns ein wenig im Pool, ich beschloss noch ein paar Souvenirs kaufen zu gehen und wir haben auch wirklich alles gefunden was wir suchten, nur Briefmarken gabs keine, zumindest nicht in den Läden wo wir waren. Da ich wider besseren Wissens keinen Hut mitgenommen habe, wurde vor Ort einer gekauft, ein sich fein und flauschig anfühlendes Ding aus Karton mit ein paar Lederbändeln und einem Samtüberzug. Some damn cheap sunglasses gab es freilich auch noch, weil ich es glorreicherweise geschafft habe die anderen kurz vor meinem Abflug zu schreddern.

An einem der Tage verschlug es uns wieder in den Süden, diesmal eher ins bergige Landesinnere – wir wollten zum Tempelsee, den Wasserfällen und dem Nationalpark. Auf dem Weg dahin entdeckte ich das Schild, welches „Rhumerie“ bezeichnete. „Rhumerie.. rhumerie.. was war das nochmal? Aaaaaaargh! Rhumerie!!! Wir müssen hin!“ war meine Reaktion. Und tatsächlich erinnerten wir uns, daß wir von der netten Dame vom Hotel erzählt bekommen haben, daß wir eine Rumbrennerei besichtigen konnten auf der Insel. Also Auto geparkt und nix wie rein. Eine kleine viertelstündige Führung zeigte uns den Werdegang von Zuckerrohr bis zum Endprodukt, da ich aber am Steuer war musste ich mich beim Verkosten auf wenige winzige Schlucke beschränken, sehr zum verdruss einer mehr als nur angetüddelten Moderatorin, die vermutlich dort den ganzen Tag den Gästen ordentlich einen einschenkt und sich selbst gleich mitbetankt. Wir stiefelten nochmal kurz durch den Souvenirshop und machten uns weiter auf den Weg. Die Straße war gut ausgebaut, kein Wunder – für die Lastwagen der Zulieferer und Abholer des Rums war das nötig und da die Destille erst 2008 aufgemacht hat und nur wenig Normalverkehr dort zugegen war, war sie faktisch neu. Bei den Serpentinen auch besser so! Wir fuhren weiter und kamen schließlich an den Wasserfällen vorbei, an den Basalterdhügeln (auch die siebenfarbige Erde genannt) und nahmen einen kleinen Happen bei hervorragender Aussicht zu uns. Danach ging es weiter zum Lake, den wir trotz gigantischer Statue fast verfehlt hätten, da er etwas abseits lag und ein mindestens ebensogroßer Parkplatz zwischen ihm und der Straße war. Aber als wir da ankamen, befiel einen diese klassische Ruhe heiliger Orte, meditativen Friedens und des energetischen Wohlgefühls. Ein Affe machte auf den Stromleitungen Jagd auf einige Vögel, ein Gläubiger zündete einige Räucherwaren vor einer Statuette an und brachte seiner Gottheit ein paar Opfergaben dar. Das Areal wirkte zunächst ein wenig betagt, ums milde auszudrücken, aber hier so weit ab vom Schuss war das auch kein Wunder – auch wenn man sich durchaus vorstellen konnte, daß bei den großen Festen sich hier viele Menschen einfanden und in Frieden und Harmonie ihren Bräuchen nachgingen.

Der einzige Trip zum Nordrand der Insel war vergleichsweise wenig spektakulär. Sonntags haben auch die alles zu, das einzige was wir auf dem Weg hin besichtigen konnten war der botanische Garten, wo wir mit einem kleinen Golfcar und einem jungen Kerl namens Kevin durch die Pflanzenwelt des Südens gurkten. Er erzählte uns nicht nur von den blutenden Bäumen (very very creepy & cool), den heimischen Stechpalmen (die problemlos einen Menschen umbringen konnten, der ihnen zu nah kam) und den Lotusblumen, sondern plauderte auch ein wenig aus dem Nähkästchen wie sein Leben hier so war, wie für gewöhnlich Alltag, Bildung, Arbeit, Politik und internationale Beziehungen (ja, Mauritius ist Mitglied im Commonwealth of Nations) hier ablief. Ein interessanter und nicht alltäglicher Einblick. Gegenüber dem botanischen Garten bei Pamplemousses lag auch die älteste anglikanische Kirche der Insel, die umrundeten wir ebenfalls, bevor wir den Weg nach Norden weiter fortsetzten und den Rest des Tages damit verbrachten durch Hinterhofstraßen, Seitengässchen und Schleichwege von Grand Baie wieder runter nach Flic en Flac zu fahren. Ach ja, fast hätte ich es vergessen, wir machten noch einen kleinen Zwischenstop in Port Louis, der Landeshauptstadt. Einige imposante Bauwerke und Palmenalleen waren genauso Teil des Stadtbildes wie das Hafenviertel, der Ramschmarkt und die Wellblechhütten. Kein Touristenort, würde ich sagen, selbst Chinatown war menschenleer. Aber wer rechnet schon damit, daß die blöden Touris auf eigene Faust dort hinkommen und nicht an einer Exkursion teilnehmen die sie dort hinführt? Wir verfuhren uns natürlich wieder gnadenlos auf dem Rückweg und landeten sonstwo, aber das war man da ja schon gewohnt.

Wir entspannten uns, ließen uns gute Küche angedeihen und kamen viel rum – ein feiner Urlaub war das. Ich probierte mich am letzten Tag den wir noch hatten an den Ski zu Wasser, war aber aufgrund von Seegang, etwas eiligem Personal, meiner eigenen Ungeübtheit und diverser anderer Widrigkeiten bestenfalls zum hinterhergezogensein hinter dem Schnellboot verdammt. Eklige Salzsuppe, widerlich! Bah! Naja, Spaßig wars dennoch, aber danach gingen wir packen – um vier Uhr kam der Weckruf und um kurz nach sieben saßen wir bereits im Flieger. Leider war der Rückflug nicht nur generell unbequemer, die arme Alla hatte es auch noch mit dem Magen erwischt. Mir war zwischendurch zwar auch etwas blümerant, aber ich hatte keine 12-Stunde-Flugtortur in dieser Stärke, sondern nur mit nervigen Säuglingen an Bord zu kämpfen, die sich im 5.1-Beschallen übten. Wieder zurück in Frankfurt begrüßte mich das Wetter, welches ich vermisst habe: Verregnet. Windig. Widerlich. Ich liebe es!

Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

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