Der Garten brennt erneut..

..oder noch immer? Das diesjährige H:O:A hatte so einige tolle Bands für uns parat – auch wenn ich zugeben muss, daß dieses und letztes Jahr verglichen mit den Jahren davor eher mager gewesen sind und wir einen großteil der Zeit eher in der Sonne gegrillt ausharren mussten als uns das Programm wirklich konsequent mitzunehmen, dafür war es zu sehr verstreut und wenn die Pausen zu lang werden sinkt der Bock, sich doch noch mal aufzuraffen und nach vorn zu schlurfen. Zum Glück ist der Weg nicht weit. Ich persönlich war wegen Wizard, Cage und Death SS dieses Jahr hier und betrachtete den Rest als nette dreingabe.

Die Gesellschaft die wir um uns geschart hatten die vergangenen Jhare war nach wie vor hervorragend und so ließ sich es im Camp ganz gut aushalten, Beschallung war da, ein aufgedrehter Daniel düste von A nach B und brachte seine Platte unter die Leute, es gab Gnocchi mit Weißwein-Gorgonzola-Soße und selbstverständlich die Black Pearl in rauhen Mengen. Anvil hatten sich leider als leichte Enttäuschung herausgestellt, haben sie es doch tatsächlich geschafft gut die Hälfte ihrer Bühnenzeit mit Geschwafel und Drumsoli zuzubringen, da haben andere Bands mehr fürs Publikum rausgeholt – so auch Cage und Wizard, die die Menge in einem wüsten Sturm aus Stahl untergehen ließen – und natürlich fehlten weder bei Cage (I am the king) noch bei Wizard (Defenders of Metal) die entsprechenden Brecher, die für gute Laune sorgten.

Ich weiß nicht, ob es am Wetter lag, daß das zweite Jhar in Folge so gnadenlos runterbrannte oder ob ich einfach zu alt dafür werde ohne vernünftige Unterkunft mit Sonnenschutz draußen herumzueiern – irgendwie schlug mir das gegen die Balalaika. Ich bin ja schon die letzten Male von Festivals nur sehr begrenzt angetan gewesen:

„Ich hasse Festivals. Und ich hasse Menschen. Und ich hasse Menschen AUF Festivals.“
— Arnoc auf dem RHOA 2014

Vielleicht veränderte sich einfach mein persönlicher Anspruch an einen Zeitvertreib in den letzten Jharen in der Form, daß ich mit den Leuten mit denen ich da campe lieber was anderes machen würde als im Feld-, Wald- und Wiesenschiss geübt unter einem halbherzig sonnendichten Plastikdach zu hängen und vier fünftel der Zeit darauf zu warten, daß sie um ist und wieder entweder ein Gig uns naht oder jemand eine ausgebuffte Idee hat, was man machen könnte während man da so sitzt und vor sich hin rottet. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß ich mir nicht mehr so gern die Kante gebe, da mir die Selbstzufriedenheit in der Entgleisung mittlerweile abhanden gekommen ist. Vielleicht ist aufgrund meiner überzüchteten Selbstwahrnehmung aber auch das früher noch existente Verständnis davon, Teil irgend einer Szene zu sein, Gemeinsamkeiten mit den Menschen die da rumlaufen zu haben, etc auf ein Maß zurückgeschrumpft, daß mir realistischerweise zeigt: „Du siehst aus wie einer von denen. Aber das bist Du nicht. Genauso wenig wie von allen anderen. Und es ist okay.“ Ich schätze ich bin mit den Menschen, auch mit den Metallern, einfach nicht mehr auf ein wir zu bringen, was nötig wäre, um solche Veranstaltungen einigermaßen genießen zu können.

Versteht mich nicht falsch, das Festival war alles in allem so cool wie man es hätte erwarten können – einige Abstriche außer Acht, wie die Zunahme rechter Besucherschaft oder das Ansteigen der klassischen Wacken-Idioten auf dem Campground des H:O:A – aber irgendwie fühlte es sich dieses Jhar ganz besonders nicht nach meiner Welt an und wenn so ein Gefühl sich einstellt, sollte man sich überlegen, ob man mit seiner Zeit und seinen Ressourcen etwas anstellt, was einem mehr liegt. Ich muss auch zugeben, musikalisch geb ich mir die Bands ohnehin lieber in kleineren Dosen von 1-3 Bands bei einem gediegenen Konzert, der Sound ist open air ohnehin dürftig und die Stimmung ist in einer Halle auch irgendwie fokussierter auf die künstlerische Darbietung.

Aber genug des Gemotzes, zurück zum Thema – Death SS lieferten einen unheimlichen und beeindruckenden Gig ab. Und unheimlich meine ich an der Stelle genau so – jeder, der sich mit dem okkulten Kram mal befasst hat, dürfte gemerkt haben, daß der Mann auf der Bühne das Publikum schön mit eingespannt hatte – und ich meine jetzt nicht die Mitsing-Passagen. Fair one, jeder hat was er wollte – Musik als angewandte Magie ist ohnehin selten geworden dieser Tage. Das neue Album der okkulten Italiener hat es auch in sich gehabt und davon gab es auch reichlich Material, von Crimson Shrine über Star in Sight – schöne Sache das! Natürlich haben die Heavy Demons und Baphomet nicht gefehlt und an Feuer, Rauch und mystischen Symbolen gab es keinen Mangel. Welch gelungenes Konzert!

Now playing: Death SS - Dionysos | Stimmung: Gemischt

Wenn die Sonne uns grillt..

..dann grillen wir zurück! Naja, ganz so einfach war das dieses Jhar nicht – immerhin hatte das H:O:A sich die wärmsten Tage am Stück rausgepickt und wer das fragwürdige Glück hatte, sich permanent draußen aufzuhalten, war über kurz oder lang angeschissen. Wir fuhren bereits am Mittwoch auf den Ground und breiteten uns aus, bauten auf und befestigten die baumelnden Lampen an strategisch wichtigen Punkten. Da Daniel uns überreden konnte, uns die Warm-Up Party anzugucken und wir an einer der Gassen nach draußen geparkt hatten, sattelten wir nach dem Aufbau Thorsteins Karre und machten uns auf nach IZ in die Lauschbar. Dort angekommen merkten wir erst, wie voll es war – gut die Hälfte der „Besucher“ standen draußen und im Innenraum war dennoch alles so dicht gedrängt, daß es kein Nachvorne kommen gab.

Die Luft war zum schneiden, die Menge einigermaßen angetrunken und vom Bühnenspiel habe ich nicht viel erhaschen können. Grobes Fazit – ganz nett, aber irgendwie wären wir jetzt eigentlich lieber am Camp und würden uns auf die anstehenden Tage einstimmen. Gedacht, getan! Kurze Zeit später stand die Karre wieder da wo sie vorher stand, wir klappten unsere Möbel auf und schenkten uns ordentlich einen ein. Ich hatte leider vergessen mir etwas zum Abdecken der Fenster mitzunehmen, ist das auf dem H:O:A doch meist ein größeres Problem als auf den anderen Festivals. Aber zum Glück hatte Thorstein die alte Armeeplane noch mit, also ein Mal Antenne ab und drüber damit.

Wir ließen es uns gut gehn und bekamen irgendwann Besuch von unserem letztjährigen Platzverwalter – einem etwas kaputten Jungen aus der Umgebung, der sich auch letztes Jahr bei uns schonungslos gehenließ. Mir wurde nach einiger Zeit jedoch langweilig und ich bewegte die anderen zu einem Rundgang, also klapperten wir nach einiger Zeit die Nachbarschaft ab. Zu meiner Freude hatte unser Nachbar von vorletztem Jahr mit seiner recht großen Truppe unweit unseres Areals das Partyzelt aufgeschlagen und da deren Beleuchtung und Beschallung problemlos hätte ein Dorffest bedienen können, schlossen wir uns der feiernden Meute an.

Irgendwann trafen wir dort auch auf den aus den Niederlanden angereisten Exilperser „Animal“, der auf charmante Art versucht hat mit der jungen Frau von neben dem Großlager anzubandeln, aber von ihr immer wieder abgewiesen wurde. Nach dem dritten oder vierten gescheiterten Versuch seinerseits ging er dazu über sich durch Überspitzung selbst zu persiflieren und legte ein beträchtliches Maß an Selbstironie an den Tag, sehr unterhaltsam. Im späteren Verlauf gerieten wir in eine gesamtgesellschaftliche Unterhaltung über seine Erinnerungen an die Erziehung und Indoktrinierung der Kinder im Iran, den krassen Kontrast dazu in den Niederlanden, die Sicht auf Götter und Ideologien und was sie mit Menschen machen. Am Ende waren wir beide gesprächsgeflashed und er spielte mir noch was von seiner Band vor – Act of State – bei der er sang. Die Tracks hörten sich gut an und da die Scheibe auch brauchbar produziert war, kam ich nur zu gern der Bitte nach ein wenig Werbung dafür zu machen und sie gegebenenfalls an gewisse VIPs zu reichen, die vielleicht ein paar Gigs organisieren konnten oder vielleicht sogar einen Festivalauftritt. Mal sehen was daraus noch wird.

So verklang der lange Abend irgendwann mit den Morgenstunden und ich wankte alles andere als nüchtern in Richtung Auto. Am nächsten Morgen wurde ich von buntem Treiben ums Auto geweckt. Arne und Thorstein waren bereits aufgestanden, Sandra wuselte auch schon umher und die Sonne brezelte mir volle Möhre aufs Dach. Nicht einmal die Plane half da großartig, kurz nach elf war es schon fast 30° heiß. So kühlte ich mich für einige Minuten mit der Klimaanlage und stieg dann wohlerfrischt aus meinem Domizil. Das einzige, was am Kochen im Camp richtig nervt ist das Spülen. Kein fließend Wasser, kein Geschirrgitter, nichts. Aber dieses Mal hatte ich wenigstens ein faltbares doppelwanniges Spülbecken dabei (Danke an Jochen für diese wundervolle Inspiration) und somit war es dann doch einigermaßen erträglich. Man denke sich die ManowaR/WotW-Mucke und -Aussprache zu „Soap is everywhere – washing dishes open air, we’re warriors, warriors of the food – like water floods the gates, cleaning forks and plates, we’re warriors, warriors of the food..“

Die folgenden drei Tage verschmelzen unter der gnadenlosen Hitze von fast 40° im Schatten zu einem einzigen, brühend heißen Tag mit gutem Essen, viel zu wenig Schlaf, halbwegs kühlen Getränken und jeder Menge Musik. Von den Bands sahen wir uns wieder eine auserwählte Handvoll an, vor allem aber King Leoric, Demon und Sacred Steel – die alle eine gewohnt gute, gar vortreffliche Darbietung hinlegten. Ich freue mich schon irre auf den Gig von King Leoric im November in HH – das ist halt eine von den wenigen Bands die einem jederzeit Power und gute Laune stiften können, ganz gleich wie mies der Tag gewesen sein mag. Sonstige Betätigungen fielen der Sonne zum Opfer, wir bewegten uns kaum und versuchten so wenig wie nur möglich uns direkter Einstrahlung auszusetzen, sie ließ kein gutes Haar an uns. Die eine oder andere Partie Magnet-Dart (ich hatte meinen Kollegen für ein paar Tage ihre Scheibe abgeschwatzt) haben wir natürlich gespielt, aber leider war bei dem Gebrutzel an garnichts mehr zu denken.

So war es auch nicht verwunderlich, daß ich mich auf der Rückfahrt – dem einzigen kurzen Moment mit Regen – an der Klimaanlage erkältet habe. Diese Erkältung blieb mir als Souvenir noch einige Wochen(!) erhalten und je mehr ich darüber nachdenke wie man dem vorbeugen kann, desto mehr komm ich um besseres Equipment nicht herum. Vielleicht wirds nächstes Mal Zeit nicht nur einen Generator mitzunehmen und eine Strombetriebene Kühlbox, sondern auch eine Alternative zur Zeltplane direkt über dem Auto zu ersinnen. Das Starthilfegerät hat sich übrigens als sehr nützlich erwiesen, ich konnte ohne Probleme meine Karre kurzschließen und losgurken obwohl sie zuvor leer war. Also schon zwei Anschaffungen für den Sommer, die sich gelohnt haben, mit der Wanne zusammen. Göhrk brachte mich auf dem BYH darauf, demnächst auch eine faltbare Duschkabine mitzunehmen, am Anfang war ich skeptisch – bis ich in der Affenhitze unser ab nächstes Jahr nicht mehr mitkommendes Bus-Vorzelt als selbige genutzt habe, mit meinem faltbaren Wasserkanister zusammen, das war so derbe erfrischend – das muss nächstes Mal einfach sein.

Now playing: King Leoric - Lingua Regis | Stimmung: Ein wenig fertig

The Garden reloaded..

..oder das H:O:A 2012. Mittlerweile sind wir echt routiniert was die Festivals angeht, besonders wenn es an den kulinarischen Höhepunkt im Sommer geht, den wir in Brande-Hörnerkirchen jedes Mal lostreten. Mittlerweile haben wir faltbare Kanister, Herdplatte, Geschirrzuber und einen kompletten Koffer mit Tellern, Schälchen und Besteck, die nötigen Gewürze und Zutaten für diverse Gerichte. Da artet sowas wie ein kleiner Snack schon aus in Bacon-umhüllten Ziegenkäse vom Grill, mit etwas Honig und Thymian, versteht sich. Aber dazu später, jetzt erstmal zu meinem Highlight und gleichzeitig traurigsten Ereignis auf diesem Festival: Dem Solemnity-Abschiedsgig.

Solemnity hat mich größtenteils durch mein Studium geboxt, vor allem die Zeit in Berlin, die endlosen Bahnfahrten und Spaziergänge – alles zur Stimme des Königs der Träume. Ich hab die Alben seinerzeit gefressen, die neuen wie die alten und das was jetzt erschienen ist – die Circle of Power, soll das (vorläufig) letzte sein – zumindest laut Sven. Leider ist es ihm (bis auf weiteres) nicht mehr möglich eine Produktion nach der anderen im Alleingang zu stemmen und die Konditionen der Anbieter, es über das Web zu vertreiben, lassen es sich ebenfalls mitnichten amortisieren. Sehr sehr schade. Mehr als. Ich werde die unregelmäßig neuen Infusionen dieser mitreißenden Band vermissen. Aber vielleicht kommt der Tag, an dem sie allen Widerständen zum Trotz noch eine Scheibe nachlegen – wer weiß. Mehr als hoffen traue ich mich derzeit aber nicht.

„Andere fahren Ski, ich mache professionelle Musik. Beides kostspielige Hobbies, nur ist es bei den Alben so als würde man jedes Mal ein neues Paar Skier brauchen..“
— Sven the Axe, Solemnity

Aber noch ist die letzte Show nicht gelaufen, also rüsten wir uns – es wird ein ganz gewaltiges Kawumm, mit dem sich diese Band verabschiedet! Und da wird alles dabei sein: Funkensprühen, Flammen, Rauch, Oblaten und Blut – eben alles, was dazugehört – und wir mittendrin! Und genau so kam es. Mit einem Gewitter brach die Show los und unsere Kehlen wussten nicht anders als einzustimmen – von den neuen Stücken war „Surviving the Sun“ ganz hoch im Kurs, ansonsten gabs Klassiker aufgetischt, einen nach dem anderen – ein regelrechter Showdown! Blut, flammenspuckende Schwerter, besudelte Oblaten für das Volk – zum hieressen und mitnehmen. Als die Show durch war, der Puls sich langsam wieder einkriegte und der Adrenalinspiegel einen Pegel erreichte, an dem normale Bewegung und Konversation möglich war, kriegten wir immernoch keine Worte zusammen, was für eine Welle gerade über uns hinweggefegt war.. Hut ab, war das eine geile Darbietung!

Und dann ging es zurück zur Lagerküche – was gab es eigentlich dieses Jhar? Jede Menge eingelegte Garnelen, gebraten – mit Salat und Kräuterbaguette. Ach ja, natürlich auch den Ziegenkäse, eingewickelt in Bacon, mit Honig angebrutzelt und Thymian bestreut, dazu Tagliatelle. Natürlich die obligatorischen Pilze, gefüllt mit Kräuter- und Knobibutter. Also ganz bescheiden dieses Mal, aber dennoch von kulinarischer Finesse. Nächstes Mal rüsten wir wieder weiter auf! Versprochen.

Abgesehen davon haben wir uns natürlich die eine oder andere Band reingezogen (Hobb’s hat echt reingehauen) und einiges an Eiskrem vertilgt. Aber das ist ja mittlerweile Routine.. 😉

Now playing: Solemnity - Survivng the Sun | Stimmung: Gemischt, halb aufgeladen, halb traurig

Still this garden burns..

..and it wont quit! Im Gegensatz zum letzten und vorletzten H:O:A konnte ich dieses Jahr leider keine komplette Woche vorher freischaufeln und musste zum Festivalgelände direkt anreisen. Donnerstag früh um Sechs gings also zu dritt in zwei Karren mit Kosta und Vio raus aus der Stadt und ab nach Norden wie der geölte Blitz. Nach einem kurzen aber heftigen Stau am Elbtunnel (den ich bisher immer irgendwie umgehen konnte, weil ich mich bei in HH bei C. oder W. einquartiert hatte) wurden die Straßen leerer, der Sprit billiger und die Gegend ländlicher. Am Treffpunkt angekommen, ab in den Edeka und Grillzeug holen. Während des Einkaufs schlug auch der Rest der Belegschaft auf – Thorsten und Anne und leicht später auf dem Parkplatz Daniel und Dana. Damit fehlten nur noch drei, aber die sollten auf dem Platz zu uns stoßen.

Wir kamen an, suchten uns ein schönes und ruhiges Plätzchen und ich lehnte mich zurück und sah den anderen beim Aufbauen zu. Mein Zelt stand ja schon. Die Alubeklebung kam erst später. Deutlich später. Erstmal gemütlich auf die Ankunft einen Heben und dann ab aufs Schlachtfeld, schauen was ansteht. Am ersten Tag standen für mich Steel Horse und Grand Magus auf dem Programm, sowie Destruction. Erstere waren ein schöner Opener, brachten gute Laune mit altklassischem Hard’n’Heavy, nichts exorbitant ausgefallenes aber sehr Stimmungsförderlich. Wie ich später hörte, haben sie mit ihrem Auftritt einen ziemlichen Erfolg hingelegt, der Bassist erwähnte daß er von all den CDs die sie mit hatten, um sie unter das Volk zu bringen nur noch eine Handvoll mit zurück nehmen können würde. Vergriffen wie warme Semmeln. Sei ihnen gegönnt. Grand Magus sind ja eigentlich überhaupt nicht mein Ding, aber seit ich die neue Scheibe gehört habe war ich gespannt auf das was sie live zu bieten hatten und wurde keinesfalls enttäuscht. Die Atmo erinnerte mich ein wenig an BLS und vom Stil her war das alles nicht ganz so doomig wie ich anfangs befürchtet hatte. Während ich das alte Zeug nicht wirklich gut hören kann, stößt das aktuelle bei mir auf Zustimmung. Destruction haben an dem Abend reingehauen wie wahnsinnig. Der Sound war super, die Stimmung schön geladen und auch wenn ich nicht in der perfekten Stimmung dafür gewesen bin (wäre auf einem Festival gelinde katastrophal) war das ein würdiger Gig.

Eins vorneweg: Ich vermisste sehr unsere dekadenten Kochorgien. Aber was zu retten war, wurde gerettet. Immerhin haben wir das Improvisationstalent so gut wie gepachtet. Thorsten hat an die Nudeln gedacht, ich habe es mir nicht nehmen lassen Unmengen von Fleisch anzuhäufen und unser alter Kumpel Jack sorgte für den Rest. Schön war dieses Jahr auch, daß Daniel aka Privateer mit von der Partie war und wir einen heben konnten. 2 Jahre hab ich ihn jetzt nicht gesehen gehabt, weil wir das große „Glück“ hatten uns ständig irgendwo zu verpassen. Hab mich ganz schön gewundert wie er in die Breite geschossen ist, hat jetzt ein Kreuz mit dem er Bäume ausreißen könnte. Da merk ich erst wirklich wie wahnsinnig viel Zeit vergangen ist. Mist, ich werd alt. -.- Wiebke und die beiden Andreasse haben sich kaum verändert – gut bis auf das rote Haar, was wie ich finde besser zu dem schwarzen Leder passt – aber das sieht man unten besser als ich es hier beschreiben könnte. Overall war die Truppe harmonisch und locker und alles griff ganz gut ineinander. Ich hatte natürlich die Hälfte meines Krempels zuhause vergessen (passiert mir immer wenn ich überstürzt nach der Arbeit eine Reiseausrüstung zusammenwerfen muss), aber zum Glück hatte der Metal Bus alles in seinen Innereien, was man nur brauchen konnte. Die üblichen Verdächtigen – Till und Fabian – traf man selbstverständlich auch, genauso wie unseren Lieblingsholländer bei dem ich mir immernoch nicht sicher bin ob der überhaupt wegfährt jedes Jahr oder da dauerzeltet.

Wir zogen uns am Freitag die Show von Roxxcalibur rein (irgendwer hat sie mir empfohlen vor langer Zeit, aber ich hab vergessen wer) – war ein feiner Einstieg. Ich mag es, wenn ich sehe, daß die Musiker derb viel Spaß haben bei dem was sie auf der Bühne abliefern und das sah man denen an. Ähnlich wie Steel Horse hat sie die recht frühe Uhrzeit nicht gestört und der Platz war auch durchaus gut gefüllt. Zu Stormwarrior ging es nach einem legeren und leggeren Mittagessen ein zweites Mal vor – diesmal nach vorn. Wie jedes Mal. Ich weiß nicht warum, aber Stormwarrior ist bisher die einzige Band, die mich wirklich jedes Mal bis in die erste oder zweite Reihe zieht. Das war seit ich die das erste Mal gesehen hab nicht anders, zumindest nicht daß ich mich erinnern kann. Privateer war bereits vor Ort als ich eintraf und wir ließen es vorn so richtig krachen, Matte schütteln und mitsingen was das Zeug hielt. Lars war in Bestform und legte als letzten „Song“ das Axeley hin, ein 6-Stücke Medley mit all dem Material was zu lang wär zu spielen von der Zeit, was so geil war daß die Fans es hören wollten und er nicht übers Herz brach es wegzulassen. Boah war das geil. Das war perfekt. Das war genau das was ich seit langem gebraucht hab. Heiser und fertig nach diesem Gig gings für mich erstmal zurück zum Zeltplatz – was bin ich gespannt auf das neue Material im Dezember. Mal gucken, wenn die Releaseparty in meinen Urlaub fällt, werd ich mir das nicht nehmen lassen..

Aber damit noch nicht genug, denn für den Abend gabs noch zwei Bands die ich mitnehmen wollte – das eine waren Angel Dust und das andere waren niemand geringeres als unsere gutgelaunten britischen Gentlemen DEMON. Obwohl ich so manchen Song bei Angel Dust verpasst habe, bis ich wieder unten am Platz war, konnte ich mich doch definitiv davon überzeugen, daß sie Live noch eine ganze Ecke wuchtiger daherkommen als man denken mag. Direkt im Anschluss an sie spielten Demon auf, mit ihrer locker-charmanten Art begeisterten sie das Publikum auf eine Weise, die man sonst nur selten zu Gesicht bekommt. Es ist vor allem das Herz, was bei Demon mitsingt und das freudige Lächeln der Künstler auf der Bühne, warmherzig und unkompliziert, straight to the point und mit feinem Humor. Es war ihnen nicht anzusehen, daß sie geschlaucht waren von Flug und Busfahrt, slightly genervt von Verspätungen und Verzögerungen – sie waren wegen dieser Bühne hier, sie sollten ihre Bühne bekommen. Nachdem mein Chip letztes Konzert voll wurde und ich den neuen in die Kamera drückte, wurde mir offenbar, daß mein einer Akku auch schon weg vom Fenster war. Egal, was solls, dachte ich mir, packte das Ding weg und genoss so viel von dem Gig wie ich konnte – und das war ziemlich direkt nach den ersten Songs. Und ich tat gut daran. Ich glaube ich habe den Terminus „Gute Laune“ neu definiert. Nachdem ich bei Stormwarrior schon Power getankt hab, gings hier auf die Laune – and then indeed I was a happy man. Hinterher kamen die Jungs noch raus zum Meet & Greet, was vorher wegen des Fliegers ausfallen musste – und waren bester Dinge, offenbar war für die der Gig genauso belebend wie für mich. Was haben die gegrinst. 😀

Schade daß ich zu Culprit schon zu durch war, aber ich glaube ich war so bedient an dem Tag, ich hätte das nur bedingt noch genießen können. Am nächsten Tag geschah allerdings etwas sonderbares. Es wirkte, als hätte irgendjemand den Soundtechniker verschleppt und durch eine Kopie, ein billiges nordkoreanisches Fabrikat, ersetzt. Bei Not Fragile, die mir Liz irgendwann bei einem Melodic Speed exkurs mal nahegelegt hatte, hielt es sich in Grenzen – bei Omen hingegen wars absolut unhaltbar. Vielleicht waren die 4-5 Positionswechsel alle in dem Bereich der mies klang (Daniel erzählte mir später, daß es mittig weit vorne völlig okay war) aber das ist halt so eine Sache – bei Omen sind die Gitarren auf eine sehr eigentümliche Art eingestellt und entweder hat jemand bei der Abmischung so sehr Scheiße gebaut, daß sich da was überlagerte oder der Leadgitarrist spielte dieses Mal sonderbarerweise ein Dauersolo, was übers Echo so befremdlich rüberkam. Ich hab mich noch nicht mal wirklich an die Songs koppeln können, die Setlist war super, aber der Klang hatte es mir nach dem Abend zuvor irgendwie verdorben. Naja – bester Demon-Gig (von 2) und bislang schlechtester (von 4) Omen-Gig auf einem Festival – auch eine Range.. oO

Ich zog etwas enttäuscht vom Platz und machte mir erstmal meine Hoaburger und nahm einen ordentlichen Zug aus der Metpulle, konsultierte Jack zu einem kurzen Gespräch und lümmelte bei guter Beschallung und guter Gesellschaft noch etwas auf dem Zeltplatz herum. Zu Virgin Steele kamen wir wieder auf den Platz runter und stellten fest, der Doom Metal hatte zugeschlagen. Solitude Aeternus haben in ihrer Spielzeit offenbar nicht nur die Takte langsam und genüsslich vor sich hin gespielt, nein – offenbar verzerrten sie mit ihrer Musik das komplette Zeitgefüge der Bühnenumgebung. Je näher man der Bühne kam, desto langsamer wurde alles um einen herum.. und.. nach.. einer ziemlichen.. Weile.. haben.. die dann.. auch.. eine Zugabe.. hingelegt.. bevor.. sie fertig.. waren. Boah. Ich weiß nicht warum, aber Doom fühlt sich für mich Geschwindigkeits und Powerjunkie immernoch an wie heißes Blei, welches man trinken muss. Das ist mal so garnicht meine Welle. Und das obwohl die musikalisch wirklich nicht schlecht waren – einfach nicht mein Ding. Und wir warteten. Anscheinend brauchte diese Realität eine ganze Weile um sich wieder in die Normalzeit zurückzumanövrieren.

Und dann endlich der langersehnte Hauptact – grandios mit „Immoral I stand“ eröffneten Virgin Steele ihr Konzert, leider starb in dem Moment das Mikro vom guten David eines schnellen und schmerzhaften Todes und gab trotz gutem Soundcheck gar keinen Ton mehr von sich. Es dauerte wenige Sekunden, bis ein 2-Mann-Team im Hintergrund auf der Bühne herumkrachselte und versuchte das Ding wiederzubeleben. Unterdessen nahm sich DeFeis das Mikro zu seiner Linken und machte gute und vor allem laute Miene zum tontechnischen Spiel. Fast vier Songs waren die Techniker nicht von der Bühne zu bekommen, versuchten dies und das und versagten immer wieder. Gut, in deren Haut möchte ich nicht gesteckt haben, das was da passiert ist, ist der Alptraum jedes Veranstalters – die Fans trugens mit Fassung. Sie wussten, sie würden noch bekommen weswegen sie hier waren und David gab sein bestes einen brillianten Gig abzuliefern. Was ihm und seinen Mannen schließlich auch gelang. Der Sound war stellenweise okay, aber größtenteils nicht zu gebrauchen und doch die Musik zu gut um zu gehen wie ich das bei Manowar auf dem Earthshaker gemacht habe, als es zu einer ähnlichen tontechnischen Katastrophe gekommen ist. „Lieber kein Konzert als ein schlechtes!“ war seit dem mein Motto geworden und das hier war beileibe kein schlechtes. Es hätte nur nahezu endlos ungenutztes Potenzial nach oben gehabt. Irgendwann ließ ich den Klang hinter mir und sprang auf die Musik auf wie auf einen fahrenden Zug. In solchen Momenten IST man Musik. Und das ist auch gut aufgegangen – ich hatte eine Menge Spaß und offenbar waren Künstler wie Zuschauer trotz der technischen Flaute über die Maßen begeistert. Das ganze ging auch gut ne halbe Stunde länger als angedacht – inklusive Verspätung und allem drum und dran war ich bedient und fertig im Auto gegen drei, halb vier oder so.

Am nächsten Morgen aufgewacht stellte ich fest „Oh, fast alle weg..“ – Gut, die Nordlichter hatten nur kurz zu fahren bis Heim, da kann man es ihnen nicht verübeln, wenn sie sich nicht 2 h hinsetzen und warten bis man ausgepennt aufwacht – Wiebke und Andreas waren jedoch noch da. Offenbar auch beide etwas länger unterwegs gewesen. Unpraktisch wars für sie, daß die Truppe, die ihnen ihr Zeug hier angekarrt hatte schon weg war mit den Autos. Sehr verantwortungsvoll, jaja. Naja – mir kams gerade recht mit den beiden noch einen Moment abseits des Trubels zu verbringen also packten wir ihr Zeug in meine Karre und sahen zu, daß wir nach einem Futter- und Tankstopp in HH (wie vermiss ich diese Stadt) in Richtung Hannover zogen. Immer schön langsam, damit Andreas auf dem Bike noch hinterherkam ohne, daß ihm der Kopf platzte. Dort angekommen, kurze Kaffeepause, mal Wohnung angucken – gemütlich haben die es. Ich stellte mit Erstaunen fest, wie wenig Sprit ich verbraucht hatte und entschloss mich dazu das Tempo auf der Heimfahrt nicht über 120 gehen zu lassen – einfach mal um zu sehen wie lang die Tankfüllung für sagenhaft günstige 134 ct reichen würde. Ich kam nach kurzen Querelen, die in den Kasseler Bergen an letztjährige Probleme erinnern, um 22 Uhr rum zuhause an. Das nächste Mal tanken musste ich im Odenwald, nach meinem Besuch die Woche darauf. Und das obwohl ich nur 35 L hab. Vielleicht sollte ich meinen Fahrstil ein wenig überdenken.

Fazit: Alles in allem eine geile Gartenparty, dieses Headbanger’s Open Air – war jetzt mein drittes und die Karte für das vierte liegt im Auto. Nächstes Jahr freu ich mich besonders auf Striker, Torch und natürlich Crystal Viper. Und wie dieses Mal und eigentlich jedes Mal – auf eine Menge Bands die selbst an mir bisher vorbeigezogen sind und die einfach super Entdeckungen und Eindrücke zum mit zurücknehmen sind.

Hail to The Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

Now playing: Demon - One Helluva Night | Stimmung: Glorreich. Einfach nur glorreich!

Burn this garden..

..once again! Nach langer Zeit endlich mal dazu gekommen – der Bericht vom Trip in den Norden. Anlässlich des H:O:A 2009 ging es wie letztes Jahr ein paar Tage vorher in die Küstenregionen. Erster Zwischenstop war Hamburg, wo ich nach einigen Wirren per Navi dann doch meinen Weg zu Christin fand. Wir kochten wie geplant und improvisierten einige Mojitos, quatschten und hörten mehr oder minder laute Musik. Ist schon lustig, wenn man sich Jahre vom Tippen via ICQ kennt aber eben noch nicht persönlich und auf ein Mal ist man da und hat das Gefühl man würde den anderen nicht zum ersten Mal sehen, sondern schon öfter gesehen haben. Ich mag Hamburg, ich mag die Luft, ich mag die Leute, Straßen, Gebäude.. es ist schön.

Nächster Stop war dann etwas längerer Natur. Wie auch letztes Jahr überfielen wir den real,- unweit von Thorstens Kaff. Nur diesmal hatten wir Verstärkung dabei und der Wahnsinn nahm igelartige Züge an, die Verkäufer schauten doof aus der Wäsche und wir entdeckten immer neue Absurditäten die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Natürlich durfte bei dieser Gelegenheit unsere SPAR WARS Action nicht fehlen, genausowenig wie die Schaumstoffsäbel und -schwerter. Die folgenden Tage waren sehr abgefahren. Ich schaffte es mir einen Lachmuskelkater einzufangen, wir zockten Munchkin bis zum Morgengrauen und vernichteten dabei etliche White Russians und Mojitos. Das Epic-Set von Munchkin rockt eigentlich, aber dafür braucht man einiges an Zeit und Spielern, so zog sich auch so manche Partie sehr viel länger als erwartet. Musik, Verkleidungseinlagen á la Manowar (mit Fell, Leder, Schwertern und allem möglichen Gedöns), nette Rezepte und lustiges Zeug aus der Küche – was will man mehr?

Thorsten hatte sich einen alten Post-Bus zugelegt und ihn mit Lack ausm Baumarkt, etlichem Werkzeug und Bastelmühe in einen Festival-Wohnbus verwandelt. Dieser hatte von einem Gewürzregal bis zu einer Besteckschublade alles an erdenklichem Komfort. Dumm nur, daß er in den Regentagen vor dem Festival es geschafft hatte, sich eine halbe Reifenetage tieferzulegen und nicht mehr rauskam. Wir haben nichts unversucht gelassen ihn wieder herauszuziehen, aber das hat alles nichts geholfen. Bis dann die ganz schweren Geschütze aufgefahren wurden und den Garten in ein Schlachtfeld verwandelten. Aber gut, los heißt los. Wir sind losgefahren und kamen ohne größere Zwischenereignisse auf dem Battleground an.

Der Regen gab uns den Rest. Also fast. Überall tropfte es durch die Plane, es bildeten sich Pfützen wo man nur hintrat und man brauchte kein Hellseher zu sein um zu erraten, daß es nicht lange dauern würde bis man unser Camp als Matschloch wahrnehmen könnte. Aber es gibt ja bekanntlich NICHTS was Tape und Alufolie nicht beheben können, also machte ich mich an die Arbeit diesen Unfug zusammenzubasteln, den die an normalen Hausdächern auch haben. Konnte ja schließlich nicht einfach mal so ein paar Zementmeter verlegen.

Was die Gigs angeht, sind mir vor allem Vicious Rumors und Manilla Road im Gedächnis geblieben. Piledriver waren natürlich auch sehr geil, wobei ich mir habe sagen lassen, daß sie ihre Besetzung umgestaltet hätten (was sich auch in den Kostümen niederschlug) – aber gut, besser so als wie die Gerüchteküche zu unserer Ankunft schon drohte – daß sie nämlich nicht Spielen. Ich könnte jetzt hier lang und breit auf die unzähligen kleinen Momente des Festivals eingehen, Thorstens Begegnung mit der Lampe, die getränketechnisch abgefahrenen Maßnahmen an Likören und so weiter – aber ich glaube ihr könnt Euch das ganz gut vorstellen, oder? Nun, wir taten dort das was wir auf jedem Festival taten und waren wie immer erschreckend gut darin. 😉

Das eindrucksvollste jedoch, was wir NICHT wie auf jedem Festival, sondern nur auf dem H:O:A machen ist die gute Küche mitzunehmen. Ich erinnere mich noch an den erstaunten Blick eines Metalheads, der auf der Suche nach Honig für den Tee und die Halsschmerzen seiner Lady bei uns fündig geworden war. Und den Blick den er hatte, als wir noch die Thymian-Tinktur auspackten. Wie es aussieht, sind wir wohl wirklich etwas überdurchschnittlich ausgerüstet. Aber back to the kitchen.. :] Ich habe ja leider meine Kühltruhe total vergessen, die steht noch immer im Keller rum und tut nix. Macht aber nix, hinderte uns nicht im geringsten alles aus dem Ärmel und auf den Grill zu zaubern, was wir uns nur ausdenken konnten.

Das Essen war ne Wucht, die Mucke ließ die Erde beben und alles in allem, waren das sehr glorreiche Tage. Einige haben (verdienterweise) mit einer Schaumstoffwaffe oder Fliegenklatsche ein paar gepaddelt bekommen – aber das ist ja alles im Rahmen des Programms. Der Fliegenfänger, den Thorsten übrigens an der Decke installierte eignete sich besser als Fliegenhalter – oder fing zu späterer Stunde dann tatsächlich was, nämlich Haare ahnungsloser Mitmetaller. Der Tisch von letztem Jahr hat sich als eine wunderbare Investition herausgestellt und der Grill.. *hust* naja, der Bus hat ihn beim nach vorne rausfahren erwischt. Beide Grills. Erst am Ende. Den einen hat er noch mitgeschleift wie einen Passagier, dessen Fuß noch in der Tür steckt, wenn der Zug anfährt. Starthilfe und kleine Stadtrundfahrt in HH gabs noch, aber schon sehr zügig (wenn auch Staubedingt mit ein paar Umwegen) kamen wir am Sonntag abend dann Zuhause an. Den Lachmuskelkater hatte ich noch 2(!) ganze Wochen danach.

Hail to the Kingdom of Steel,

Brother Arnoc

Now playing: | Stimmung:

Wir werden..

.. ein prächtiges Gartenfest feiern! Ganz wie Jack Sparrow es mal vor sich hinformulierte, wurde es zwar nicht, aber daß der Garten brannte und wir uns das Elfjärige vom H:O:A nicht entgehen lassen wollten stand fest. Wie bereits im letzten Abriss über meine kleine Reise beschrieben, hatten wir uns bestens ausgerüstet und versorgt und brachen am Donnerstag morgen nach Brande-Hörnerkirchen auf. Bis wir da waren, ging die Fahrt auch recht reibungslos, aber als wir dort ankamen hatten wir gelinde Schwierigkeiten uns da zurechtzufinden und uns den Weg durch die Botanik gen Campground zu bahnen. Nach gut einer halben Stunde Rumgurkerei (und das ist in einem Dorf dieser Größe eine Kunst) haben wir uns über die anliegenden Ackerstraßen dann doch zurechtgefunden und kamen auch an wo wir hinwollten.

„Ich nehm noch eine Rolle mit. Will mein eigenes Klopapier. Dann nehm ich aber das blaue mit dem Delfin drauf..“
— Thorstein, eine rolle weißes Papier schwenkend, wo blaue Buckelwale drauf waren

Das Headbangers Open Air ist alles in allem sehr überschaubar. Die meisten Gestalten sind schon seit Ewigkeiten dabei, zumindest sah man es ihnen vom kennen oder von der Heraldik an, einige wirkten aber wie aus den nahen Dörfern herbeigeeilt – ein phänomen was sich in letzter Zeit erstaunlich oft zeigt. Die Metallerschaft wird von der weltlichen Presse mittlerweile eben gern als harmloser lustiger Spaßhaufen dargestellt, bei dem alle willkommen sind und die Tatsache, daß einige die Welt mit etwas stählerneren Augen sehen wird gekonnt unter den Teppich gekehrt.

An dieser Stelle würd ich eigentlich gern eine tierisch lange und unfreundliche Abgrenzungsdebatte lostreten, weil mir dieser Medienrutsch, diese Verharmlosung und Verspielplatzung der Festivals, Konzerte und Meetings so sehr auf die Balalaika geht, daß ich mich ernsthaft frage, wann eine Metalparty den Status eines Beachclub-Cocktailabends erreicht. Jeder der früher dazustieß hat gemerkt daß er was besonderes mitgemacht hat, ist herangeführt worden oder hat selbst angefangen zu lernen was für ihn wichtig ist und es zu schätzen gewusst. Metal ist etwas besonderes, schon immer gewesen – aber einige die heutzutage auf den Festivals rumhängen haben das nicht nur vergessen, sie scheißen drauf. Oder werden hereingedrängt noch bevor sie klar denken können, als Kinder. Das ist doch kein Hort. Hier werden Kinder gemacht, nicht erzogen, hier wird Schlagsahne auf Titten serviert und einige Leute benehmen sich nach allen Regeln der Kunst daneben, lernen draus und feiern sich und andere wie sie es seit Jahrzehnten tun. Aber die beherrschen das auch, im Gegensatz zu den Flaschen die man heute überall zu sehen bekommt, die aufkreuzen weil in ihrem Tausend-Seelen-Kaff um die Ecke nichts los ist und die Bild geschrieben hat daß Metaller freundliche und nette Menschen sind, nur eben laut und langhaarig. Sind einige vielleicht ja auch, aber wen zum Teufel geht das was an?! Aber ich schweife wieder ab – also zurück zum Wesentlichen.. denn auf dem H:O:A war das zum Glück alles noch sehr angenehm. 🙂

Wir wurden nach unserem Eintreffen auf den Tagescampplatz dirigiert (der dann umfunktioniert wurde wegen Platzbedarf) und bauten uns im hinteren Eck auf, Pavillion, Stühle, Zelte, alles gut verkeilt und an die Karren gebunden, daß nix wegweht und schon konnte die Party beginnen. Maleika war bereits einige Stunden vorher eingetroffen und parkte sich zu unserem Camp dazu, aber auch nicht gänzlich weil sie am Samstag morgen noch Arbeiten musste. Den Grill aufgebaut, den Tisch aufgestellt und erstmal Met ins Horn und ab zum ersten Gig. Der Sound war gut, beschallte uns also selbst bis zum Campground ordentlich, so daß wir Messenger schon spielen hörten als wir da ankamen. Wir genossen die Show, danach die weiteren bis zum Abend hinein, wo Exodus sich die Ehre gaben. Gute Stimmung, nette Leute, bei dem Billing war die Thrashfraktion ausgiebig vertreten, viele bekannte Gesichter – wie zuhause.

Sodom hatte den surfenden Vogel abgeschossen, sowohl von der Stimmung als auch von der Auswahl der Songs – die dazwischengestreute Onkel Tom Nummer und das Motörhead Cover kamen beim Publikum natürlich so gut an wie die altbackenen Klassiker der Thrashlegende. Sehr sehr geil. Blaze präsentierte neues Material, was mir schon ein wenig zu schlagzeugbeheftet war für das was er sonst macht, aber die guten alten Maidenklassiker wie u.a. Futureal und Man on the Edge gingen natürlich direkt ins Blut. Was mir ein wenig Stirnrunzeln beschert hatte war der neue Sänger von Deadly Blessing, irgendwie kickte das alles nich so richtig. Aber auch da wurde das neue Material sehr vom Drumming gelenkt, in diesem Fall empfand ich es als disharmonischer als sonst. Andere Menschen mögen das Progressiv nennen.

Herrliche Sache, das alles. Was mich ein wenig verwundert hat, war der Umstand, daß bis auf einige wenige Leute die Party schon um zwei gen Boden trudelte und nicht mehr viel los war. Sicher gab es den ein oder anderen unermüdlichen Freak (wie auch unseren Holländer vom G.O.D. Stand anderer Festivals) aber im Großen und Ganzen war bei dem meisten Volke nach halb zwei nicht mehr viel Stimmung zu holen. Wir zogen um die Zelte, aber es war dunkel und gespenstisch still. Wundersam. Alt geworden? Kräfte schonen? Seeeehr suspekt das alles. Aber davon wird die Feierstimmung nicht trüb, genausowenig wie die Delikatessen die wir uns auftischten und die Sprüche die wir klopften.

Thorstein: „Was ist denn das eigentlich für ein Bier?“
Schankmaid: „Kaltes.“

Das einzige was mir ein wenig den Wind aus den Segeln genommen hat war die Morgensonne am Samstag, die mich zunächst mit mörderischen Kopfschmerzen aufweckte und mir dann eine übergebraten hat, auf daß sich die Haut erst nach einer Woche richtig zu schälen begann. Sowohl Axehammer als auch Praying Mantis und Wild Dogs legten ordentlichen Sound hin, das haben wir noch in aller Deutlichkeit gehört, aber erst zu Rebellion konnten wir ob des Sonnenstandes wieder einigermaßen klar gucken und denken, dafür machte die Hitze zu viel Gullasch aus dem Hirn. Selbige haben verglichen mit ihrem Gig in Langen etwas geschwächelt, teils schien Michael nicht ganz bei der Kehle zu sein, teils lags auch am etwas lethargisch daherkommenden Publikum. Aber ein paar Momente hab ich zum Reinschnuppern mal mitgebracht – daher nun..

Nach einer großartigen Gartenparty endet für mich also der diesjährige Festivalsommer. Thorstein versuchte mit seinem Kopf der Hängelampe klarzumachen wo es langgeht, Maleika war hellauf begeistert wie es hier zuging und ich entspannte mich auf eine würdige Art und Weise an den letzten Tagen meines Urlaubs. Wir bastelten in den frühen Morgenstunden an gefundenem Zeltequipment herum, bauten ein Buddelschiff aus Alufolie in einer Colaflasche, tapten mehr als notwendig und hatten ordentlich Irish Coffee mit dem mir vom RockHarz noch bekannten Sir Harald. Herrlich. Die etwa 600 km rückfahrt am Sonntag ließen sich mit der neuen Elvenpath-CD die mir Till in die Hand gedrückt hatte gut überbrücken und nach 2-3 Tagen hatte ich auch das Auto entladen gehabt. Und während der Rest der Welt nach Wacken fährt, sich da niedertrampeln oder abfackeln lässt, gönn ich mir eine Dose Wackenbier die ich mir unterwegs abgegriffen hab und schreibe die letzten Zeilen meines Berichtes.

Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc

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