Das Phantom und der Opa

Im September hatten wir hier im Norden seltenen Besuch: Meine Mam hat die Großeltern mit eingesammelt und fuhr sie hier vorbei. Wir haben eine kleine Stadtrundfahrt vorgehabt und natürlich die Gunst der Stunde genutzt, das Phantom der Oper zu besichtigen. Ich habe die Darbietung bis dahin noch nie gesehen gehabt, kannte aber natürlich den einen oder anderen Song von diversen Schwermetall-Covern, der Plot war natürlich bekannt. Anders ging es meinen Großeltern, die natürlich weder die Iron-Maiden-Version noch irgendwas anderes in der Richtung vernommen hatten. Für sie war es vermutlich ein erstaunliches Erlebnis, so zum ersten Mal ein Musical zu besichtigen. Dazu noch ein so legendäres, grusliges und auch noch in der Original-Location (zumindest was die deutsche Fassung angeht). Es war ein grandioses Schauspiel, sehr einnehmend und ich habe es sehr genossen. Hin und wieder mussten wir natürlich Oma und Opa übersetzen warum jetzt genau was wer da gemacht und gesagt hat, aber im großen und ganzen konnten Sie dem Plot folgen und waren auch von der Performance beeindruckt.

Abgesehen von dem Spektakel gehört natürlich ein kleiner Trip durch den Hafen zur vollen Stadttour dazu, und so nahmen wir im Innern eines der Touristenboote Platz und ließen und herumführen. Unser Reiseleiter, komplett mit hamburger Mundart und kleinem Hund (of Rettungsweste) erzählte uns Geschichte und Geschichten vom Hafen, seinen Kränen, der Elbphilarmonie und allem drumherum. Etwas Seeluft, leckeres italienisches Essen und eine weitere kleine Rundfahrt im Auto später landeten wir dann auch bei uns zuhause, wo es ersteinmal Tee und Eiskrem gab. Für meine Mam natürlich ausschließlich in der im Topf heiß gemachten Form, so wie sie mir als ich klein war welche serviert hat aus Angst, ich könnte mich an dem kalten Original erkälten. *evilgrin* Sie trugs mit Fassung.

Now playing: Das Phantom der Oper - Das Phantom der Oper | Stimmung: Freudig

Der Garten brennt erneut..

..oder noch immer? Das diesjährige H:O:A hatte so einige tolle Bands für uns parat – auch wenn ich zugeben muss, daß dieses und letztes Jahr verglichen mit den Jahren davor eher mager gewesen sind und wir einen großteil der Zeit eher in der Sonne gegrillt ausharren mussten als uns das Programm wirklich konsequent mitzunehmen, dafür war es zu sehr verstreut und wenn die Pausen zu lang werden sinkt der Bock, sich doch noch mal aufzuraffen und nach vorn zu schlurfen. Zum Glück ist der Weg nicht weit. Ich persönlich war wegen Wizard, Cage und Death SS dieses Jahr hier und betrachtete den Rest als nette dreingabe.

Die Gesellschaft die wir um uns geschart hatten die vergangenen Jhare war nach wie vor hervorragend und so ließ sich es im Camp ganz gut aushalten, Beschallung war da, ein aufgedrehter Daniel düste von A nach B und brachte seine Platte unter die Leute, es gab Gnocchi mit Weißwein-Gorgonzola-Soße und selbstverständlich die Black Pearl in rauhen Mengen. Anvil hatten sich leider als leichte Enttäuschung herausgestellt, haben sie es doch tatsächlich geschafft gut die Hälfte ihrer Bühnenzeit mit Geschwafel und Drumsoli zuzubringen, da haben andere Bands mehr fürs Publikum rausgeholt – so auch Cage und Wizard, die die Menge in einem wüsten Sturm aus Stahl untergehen ließen – und natürlich fehlten weder bei Cage (I am the king) noch bei Wizard (Defenders of Metal) die entsprechenden Brecher, die für gute Laune sorgten.

Ich weiß nicht, ob es am Wetter lag, daß das zweite Jhar in Folge so gnadenlos runterbrannte oder ob ich einfach zu alt dafür werde ohne vernünftige Unterkunft mit Sonnenschutz draußen herumzueiern – irgendwie schlug mir das gegen die Balalaika. Ich bin ja schon die letzten Male von Festivals nur sehr begrenzt angetan gewesen:

„Ich hasse Festivals. Und ich hasse Menschen. Und ich hasse Menschen AUF Festivals.“
— Arnoc auf dem RHOA 2014

Vielleicht veränderte sich einfach mein persönlicher Anspruch an einen Zeitvertreib in den letzten Jharen in der Form, daß ich mit den Leuten mit denen ich da campe lieber was anderes machen würde als im Feld-, Wald- und Wiesenschiss geübt unter einem halbherzig sonnendichten Plastikdach zu hängen und vier fünftel der Zeit darauf zu warten, daß sie um ist und wieder entweder ein Gig uns naht oder jemand eine ausgebuffte Idee hat, was man machen könnte während man da so sitzt und vor sich hin rottet. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß ich mir nicht mehr so gern die Kante gebe, da mir die Selbstzufriedenheit in der Entgleisung mittlerweile abhanden gekommen ist. Vielleicht ist aufgrund meiner überzüchteten Selbstwahrnehmung aber auch das früher noch existente Verständnis davon, Teil irgend einer Szene zu sein, Gemeinsamkeiten mit den Menschen die da rumlaufen zu haben, etc auf ein Maß zurückgeschrumpft, daß mir realistischerweise zeigt: „Du siehst aus wie einer von denen. Aber das bist Du nicht. Genauso wenig wie von allen anderen. Und es ist okay.“ Ich schätze ich bin mit den Menschen, auch mit den Metallern, einfach nicht mehr auf ein wir zu bringen, was nötig wäre, um solche Veranstaltungen einigermaßen genießen zu können.

Versteht mich nicht falsch, das Festival war alles in allem so cool wie man es hätte erwarten können – einige Abstriche außer Acht, wie die Zunahme rechter Besucherschaft oder das Ansteigen der klassischen Wacken-Idioten auf dem Campground des H:O:A – aber irgendwie fühlte es sich dieses Jhar ganz besonders nicht nach meiner Welt an und wenn so ein Gefühl sich einstellt, sollte man sich überlegen, ob man mit seiner Zeit und seinen Ressourcen etwas anstellt, was einem mehr liegt. Ich muss auch zugeben, musikalisch geb ich mir die Bands ohnehin lieber in kleineren Dosen von 1-3 Bands bei einem gediegenen Konzert, der Sound ist open air ohnehin dürftig und die Stimmung ist in einer Halle auch irgendwie fokussierter auf die künstlerische Darbietung.

Aber genug des Gemotzes, zurück zum Thema – Death SS lieferten einen unheimlichen und beeindruckenden Gig ab. Und unheimlich meine ich an der Stelle genau so – jeder, der sich mit dem okkulten Kram mal befasst hat, dürfte gemerkt haben, daß der Mann auf der Bühne das Publikum schön mit eingespannt hatte – und ich meine jetzt nicht die Mitsing-Passagen. Fair one, jeder hat was er wollte – Musik als angewandte Magie ist ohnehin selten geworden dieser Tage. Das neue Album der okkulten Italiener hat es auch in sich gehabt und davon gab es auch reichlich Material, von Crimson Shrine über Star in Sight – schöne Sache das! Natürlich haben die Heavy Demons und Baphomet nicht gefehlt und an Feuer, Rauch und mystischen Symbolen gab es keinen Mangel. Welch gelungenes Konzert!

Now playing: Death SS - Dionysos | Stimmung: Gemischt

R:H:O:A 2014

Nach dem entfernungsbedingten Ausscheiden des BYH von unserer Festivalliste, bot sich das Rock Harz Open Air dieses Jahr mit einem solidem Lineup als Alternative an. Die Anreise war ein wenig anders als ich ursprünglich antizipiert hatte: ich hatte vermutet, daß es in der Nähe des letzten Ortes an dem ich es besichtigt hatte liegen würde, aber wie es sich herausstellte, war es mitten im ostdeutschen Hinterharz, an einer Stelle wo noch nicht einmal Google Maps einem weiterhelfen kann (wenn auch zugegeben, in Ermangelung von Empfang). Der Airport, wo das Festival stattfand, war ähnlich straff organisiert, wie das Rock Harz im Jahre 08 – also gar nicht. Die Ordner, die nicht bereits unwillig geworden sind die Ankömmlinge zu betreuen, waren zumindest unfähig genug nicht zu wissen wer wohin sollte, wie viele wann wo noch nachrückten, etc. Gerüchten zufolge hätte es sogar bereits handgreifliche Auseinandersetzungen gegeben zwischen Platzreservierern und dem Personal. Nun gut, das Rock Harz ist berüchtigt dafür, daß sich das Publikum dort schon selbst zu verwalten weiß. Und so suchten wir uns ein Plätzchen wo wir genug Raum haben würden, mogelten etwas hier und etwas dort und schon stand alles.

Arthur sollte später nachkommen, also bauten Göhrk, Jochen, Mark und Björn sich erstmal ihre Zelte auf und ich goss mir einen ein, weil mein Zelt ja bereits stand als ich die Handbremse angezogen habe. Als der Pavillion stand und unsere Krachmöbel einschließlich Lifeline ihren Weg zum Generator gefunden hatten, die kulinarische Zubereitungsstätte bereit war und alle saßen und ein Kaltgetränk zur hand hatten, erklärten wir die Party für eröffnet. Am Abend eröffneten für uns Rhapsody die musikalische Komponente (und nein, ich werd jetzt nicht anfangen die auch „of fire“ zu nennen, nur weil die sich so umbenennen mussten) und das Publikum ließ sich mit großer Freude auf das old school symfonic metal Gedudel ein und wir sangen eifrig mit. Vor allem der Kram aus der Emerald Sword Saga war bei uns noch präsent als wär es gestern gewesen.

Tags drauf begann das große Kochen. Wir hatten uns dieses Mal in drei 2er-Teams geteilt um eine gleichmäßige und qualitativ hochwertige Nahrungsversorgung aufzuziehen. Beginnen sollten Göhrk und ich, bei uns gab es herrliche Käsespätzle auf einer Weißwein-Zwiebelsoße mit gemörsertem Pfeffer und Salat. Tags drauf würde es Wildgeschnetzeltes mit Preiselbeeren geben, ebenfalls auf Spätzle und zum Abschluss würde uns Arthur und Jochen eine köstliche Irish Stew servieren.

Als Konzerthighlight des zweiten Tages würden D-A-D herhalten und am Abend – der Headliner – Sabaton. Die Dänen schlugen sich in gewohnter Manier großartig und verbreiteten klasse Stimmung, nach dem Gig von denen gehts einem einfach super. Ich hab es mir vor einigen Jahren zur Angewohnheit gemacht auf ihren Konzerten aufzutauchen und hab bisher noch nie eins erlebt, bei dem ich nicht zufrieden war. Bei Sabaton war es bei mir ähnlich, zumindest dachte ich das. Leider bestand die Setlist dieses Mal zu 3/4 aus Material von den letzten zwei Alben und gerade mal 3-4 Songs waren aus den älteren Beständen dabei – schade, sind das doch ziemliche Brecher damals gewesen, irgendwie fehlt dem neuen Material ein Bißchen der Pepp, das kann eine noch so tolle Lightshow nicht kompensieren (obwohl man denen echt lassen muss, daß sie einen durchaus ernstzunehmenden Versuch hingelegt haben). Ein paar Idioten im Publikum störten noch mit ihrem blöden „Hallo? Hallo!“ in Dauerschleife – da fragt man sich, ob nicht jemand eine Störung punkto Geltungsdrang in der frühen Kindheit noch nicht verdaut hat – aber wir hatten ja schon öfter festgestellt, daß der durschnittliche Vertreter des homo sapiens idR alles andere als sapiens ist.

Am nächsten Tag ging es erst zu Sonic Syndicate wieder vor die Bühne, alles war durchtränkt von dem strömenden Regen, den der Tag mit sich gebracht hatte und der Schlamm und die nassen Haare flogen zur wogenden Masse. Ich hab die Truppe bisher noch nie live gesehen und normalerweise muss ich in der richtigen Stimmung für diese Art von Beschallung sein – aber der Gig war echt ne Wucht. Keine halben Sachen, einfach derbe auf die Fresse. Wie es sich gehört!

Zwischenzeitig bin ich auch mal bei Maddin, Jens und Sabine im Lager aufgeschlagen, zwecks gepflegtem Gequatsche – die waren ja noch dichter eingebaut als wir vorn an der Straße! Aber die Umgebung um ihr Lager herum wirkte merkwürdig verlassen und auch relativ duster, wenn man das Tageslicht hat erstmal weichen sehen. Am ersten Abend meines Besuches war da noch die komasaufende Glatzenfraktion, die sich unter Gegröhle zunehmend entkleidend immer mehr Bier in die Figur geschraubt hat – die haben es aber anscheinend so sehr übertrieben, daß von ihnen die Tage drauf nix mehr zu hören war. Ist immer wieder nett zu sehen wenn ein paar Vollidioten mit ihren Vorstellungen von dem, was eine Party zu sein hat baden gehen und die Gäste um sie herum auch mal Ruhe haben.

Irgendwann morgens um vier kamen bei uns am Camp ein paar nörgelnde Ordner vorbei, die sich beschwert haben, daß unser Generator noch läuft und jetzt Zeit für Nachtruhe sei. Arthur, voll wie er war, begann die Herrschaften zurechtzuweisen und ihnen hinterherzuschimpfen als sie gegangen waren (beides Dinge an die er sich des Morgens darauf nicht mehr erinnern konnte) – wir haben uns das mit der Nachtruhe jedoch zu Herzen genommen: direkt neben uns war ein großer Beleuchtungsgenerator, deutlich größer und lauter als der bei uns im Camp – nur lief er die ganze Nacht, weil er die Nachtbeleuchtung des Areals sicherstellte. „So, Nachtruhe jetzt.“ [Klack] und der große rote Knopf ließ ihn ausgehen, plötzlich war da nur noch Stille und Dunkelheit. Am nächsten Tag kam einer nach ihm gucken, am Abend darauf ereilte ihn jedoch das selbe Schicksal – Mark hatte es diesmal auf ihn abgesehen, nachdem er nachts zuvor endlich ruhig geschlafen und erfahren hatte wie das kam.

Musikalischen Abschluss boten uns die selbsternannten Rumänen von Powerwolf, epischer und kathedralischer ging es kaum noch. Sie haben zwar ähnlich wie Sabaton nur sehr wenig Material von ihren erstlingswerken von sich gegeben, da deren Songs aber in der Regel extrem Eingängig und von einem Mal hören mitsingbar sind, hat uns das natürlich weit weniger gestört.

Now playing: Powerwolf - Saturday Satan | Stimmung: angestrengt und entspannt

Back in Wacken Town

Um die Festivalsaison ein wenig abzurunden und ein paar Freunde wiederzutreffen, beschloss ich dieses Mal in Wacken vorbeizuschauen. Allerdings anders als man denken mag – nur auf einen Kaffee! Ich koordinierte mich mit Eugen und Arthur, die wie gewohnt seit Montag oben waren und bin am Mittwoch nach der Arbeit direkt hochgefahren. Da Tornesch auf halbem Wege liegt, versprach es eine zügige Anreise zu werden. Doch weit gefehlt! Die Autobahnen waren bis jenseits von Hamburg dicht und ich ließ mich von ein paar Eingeborenen beraten, welche Wegalternativen für mich in Frage kämen um die zulaufenden Besucherscharen zu umgehen. Am Ende gabs nur einen Weg, der was her gegeben hat – ein mal von hinten durch die Brust ins Auge schießen, an Fähre und Brücke vorbei übers Umland – so konnte ich von der anderen Seite des Städtchens anreisen und würde mir das Warten und die zahllosen Autoschlangen ersparen.

In dem Dorf angekommen suchte ich vergebens einen Parkplatz, war doch alles vollgestellt mit Büdchen die Getränke verkauften oder Rettungskräften. Ich ignorierte ein paar „Durchfahrt nur mit Genehmigung des Veranstalters“ Schilder und suchte mir irgendwo in den Seitengassen hinter der Apotheke ein ruhiges Plätzchen abseits der Leder- und Shirt-Bevölkerung. Ich kam „Zur Post“ und traf dort sogleich die Truppe, Eugen hatte inzwischen Arthur ausfindig gemacht, Uli, Björn und Mark waren auch mit dabei. So saßen wir, quatschten ein wenig und beseitigten Radler, Biere und Kaffees in der Frühabendhitze. Nach einer Weile wurde es aber ein wenig frisch und etwas dunkler, also beschlossen alle langsam wieder zum Zeltplatz zu stiefeln und ich machte mich auf den Heimweg.

Obwohl es ein nettes Gefühl gewesen war wieder in dem Kaff vorbeizuschauen, welches mir fast 7 Jahre eine Heimat abseits des Alltags war, war ich mehr als froh, wieder zu gehen und mit Wacken nichts mehr zu tun zu haben. Es war recht befreiend, dem Dorf den Rücken zu kehren und festzustellen – das war für mich jetzt genug Wacken-Feeling. Am Horizont klappte auch schon die erste Gestalt zusammen, die ich mitbekommen habe, die Sanitäter kamen mit einer Trage. Offenbar bin ich ein bißchen zu alt für diese Art von jugendlichem Exzess. Ist auch ganz gut so. Schön wars natürlich trotzdem, die Bande zu sehen.

Now playing: Arija - Goodbye Norfolk | Stimmung: Irgendwo zwischen happy, nostalgisch und angewidert

Wenn die Sonne uns grillt..

..dann grillen wir zurück! Naja, ganz so einfach war das dieses Jhar nicht – immerhin hatte das H:O:A sich die wärmsten Tage am Stück rausgepickt und wer das fragwürdige Glück hatte, sich permanent draußen aufzuhalten, war über kurz oder lang angeschissen. Wir fuhren bereits am Mittwoch auf den Ground und breiteten uns aus, bauten auf und befestigten die baumelnden Lampen an strategisch wichtigen Punkten. Da Daniel uns überreden konnte, uns die Warm-Up Party anzugucken und wir an einer der Gassen nach draußen geparkt hatten, sattelten wir nach dem Aufbau Thorsteins Karre und machten uns auf nach IZ in die Lauschbar. Dort angekommen merkten wir erst, wie voll es war – gut die Hälfte der „Besucher“ standen draußen und im Innenraum war dennoch alles so dicht gedrängt, daß es kein Nachvorne kommen gab.

Die Luft war zum schneiden, die Menge einigermaßen angetrunken und vom Bühnenspiel habe ich nicht viel erhaschen können. Grobes Fazit – ganz nett, aber irgendwie wären wir jetzt eigentlich lieber am Camp und würden uns auf die anstehenden Tage einstimmen. Gedacht, getan! Kurze Zeit später stand die Karre wieder da wo sie vorher stand, wir klappten unsere Möbel auf und schenkten uns ordentlich einen ein. Ich hatte leider vergessen mir etwas zum Abdecken der Fenster mitzunehmen, ist das auf dem H:O:A doch meist ein größeres Problem als auf den anderen Festivals. Aber zum Glück hatte Thorstein die alte Armeeplane noch mit, also ein Mal Antenne ab und drüber damit.

Wir ließen es uns gut gehn und bekamen irgendwann Besuch von unserem letztjährigen Platzverwalter – einem etwas kaputten Jungen aus der Umgebung, der sich auch letztes Jahr bei uns schonungslos gehenließ. Mir wurde nach einiger Zeit jedoch langweilig und ich bewegte die anderen zu einem Rundgang, also klapperten wir nach einiger Zeit die Nachbarschaft ab. Zu meiner Freude hatte unser Nachbar von vorletztem Jahr mit seiner recht großen Truppe unweit unseres Areals das Partyzelt aufgeschlagen und da deren Beleuchtung und Beschallung problemlos hätte ein Dorffest bedienen können, schlossen wir uns der feiernden Meute an.

Irgendwann trafen wir dort auch auf den aus den Niederlanden angereisten Exilperser „Animal“, der auf charmante Art versucht hat mit der jungen Frau von neben dem Großlager anzubandeln, aber von ihr immer wieder abgewiesen wurde. Nach dem dritten oder vierten gescheiterten Versuch seinerseits ging er dazu über sich durch Überspitzung selbst zu persiflieren und legte ein beträchtliches Maß an Selbstironie an den Tag, sehr unterhaltsam. Im späteren Verlauf gerieten wir in eine gesamtgesellschaftliche Unterhaltung über seine Erinnerungen an die Erziehung und Indoktrinierung der Kinder im Iran, den krassen Kontrast dazu in den Niederlanden, die Sicht auf Götter und Ideologien und was sie mit Menschen machen. Am Ende waren wir beide gesprächsgeflashed und er spielte mir noch was von seiner Band vor – Act of State – bei der er sang. Die Tracks hörten sich gut an und da die Scheibe auch brauchbar produziert war, kam ich nur zu gern der Bitte nach ein wenig Werbung dafür zu machen und sie gegebenenfalls an gewisse VIPs zu reichen, die vielleicht ein paar Gigs organisieren konnten oder vielleicht sogar einen Festivalauftritt. Mal sehen was daraus noch wird.

So verklang der lange Abend irgendwann mit den Morgenstunden und ich wankte alles andere als nüchtern in Richtung Auto. Am nächsten Morgen wurde ich von buntem Treiben ums Auto geweckt. Arne und Thorstein waren bereits aufgestanden, Sandra wuselte auch schon umher und die Sonne brezelte mir volle Möhre aufs Dach. Nicht einmal die Plane half da großartig, kurz nach elf war es schon fast 30° heiß. So kühlte ich mich für einige Minuten mit der Klimaanlage und stieg dann wohlerfrischt aus meinem Domizil. Das einzige, was am Kochen im Camp richtig nervt ist das Spülen. Kein fließend Wasser, kein Geschirrgitter, nichts. Aber dieses Mal hatte ich wenigstens ein faltbares doppelwanniges Spülbecken dabei (Danke an Jochen für diese wundervolle Inspiration) und somit war es dann doch einigermaßen erträglich. Man denke sich die ManowaR/WotW-Mucke und -Aussprache zu „Soap is everywhere – washing dishes open air, we’re warriors, warriors of the food – like water floods the gates, cleaning forks and plates, we’re warriors, warriors of the food..“

Die folgenden drei Tage verschmelzen unter der gnadenlosen Hitze von fast 40° im Schatten zu einem einzigen, brühend heißen Tag mit gutem Essen, viel zu wenig Schlaf, halbwegs kühlen Getränken und jeder Menge Musik. Von den Bands sahen wir uns wieder eine auserwählte Handvoll an, vor allem aber King Leoric, Demon und Sacred Steel – die alle eine gewohnt gute, gar vortreffliche Darbietung hinlegten. Ich freue mich schon irre auf den Gig von King Leoric im November in HH – das ist halt eine von den wenigen Bands die einem jederzeit Power und gute Laune stiften können, ganz gleich wie mies der Tag gewesen sein mag. Sonstige Betätigungen fielen der Sonne zum Opfer, wir bewegten uns kaum und versuchten so wenig wie nur möglich uns direkter Einstrahlung auszusetzen, sie ließ kein gutes Haar an uns. Die eine oder andere Partie Magnet-Dart (ich hatte meinen Kollegen für ein paar Tage ihre Scheibe abgeschwatzt) haben wir natürlich gespielt, aber leider war bei dem Gebrutzel an garnichts mehr zu denken.

So war es auch nicht verwunderlich, daß ich mich auf der Rückfahrt – dem einzigen kurzen Moment mit Regen – an der Klimaanlage erkältet habe. Diese Erkältung blieb mir als Souvenir noch einige Wochen(!) erhalten und je mehr ich darüber nachdenke wie man dem vorbeugen kann, desto mehr komm ich um besseres Equipment nicht herum. Vielleicht wirds nächstes Mal Zeit nicht nur einen Generator mitzunehmen und eine Strombetriebene Kühlbox, sondern auch eine Alternative zur Zeltplane direkt über dem Auto zu ersinnen. Das Starthilfegerät hat sich übrigens als sehr nützlich erwiesen, ich konnte ohne Probleme meine Karre kurzschließen und losgurken obwohl sie zuvor leer war. Also schon zwei Anschaffungen für den Sommer, die sich gelohnt haben, mit der Wanne zusammen. Göhrk brachte mich auf dem BYH darauf, demnächst auch eine faltbare Duschkabine mitzunehmen, am Anfang war ich skeptisch – bis ich in der Affenhitze unser ab nächstes Jahr nicht mehr mitkommendes Bus-Vorzelt als selbige genutzt habe, mit meinem faltbaren Wasserkanister zusammen, das war so derbe erfrischend – das muss nächstes Mal einfach sein.

Now playing: King Leoric - Lingua Regis | Stimmung: Ein wenig fertig

Bye bye, Balingen..

..oder genauer, mein letztes Bang Your Head. Warum das letzte? Ganz einfach: 1600+ km hin und zurück, ein Tag extra für Anreise, usw. Nicht, daß mir das Festival keine Reise wert ist, das durchaus, aber bei den heutigen Benzinpreisen und den Alternativen ist das einfach zu weit ab, da fahr ich nächstes Jhar lieber aufs Rock Hard (dort sind meine Kölner ja auch immer mal wieder anzutreffen und vielleicht erwärmen sich ein paar Frankfurter auch dafür). Doch genug davon und zurück zum Festivalbericht – musikalisch schwelgte ich ein wenig in Götzenhain-Zeiten-Nostalgie, wollte mir Rage und Strato angucken und wo wir schon dabei waren, die Pretty Maids gleich mit.

Wir fuhren wie (früher) immer vom Parkplatz hinter der Fina-Tanke los, Göhrk und ich in meiner Karre wie letztes Jahr, Arthur und Jochen in einem weiteren Auto und als weitere Delegation der wackener Belegschaft waren noch Mark und Björn mit von der Partie in einem dritten Fahrzeug. Da weder der Göhrk noch ich einen Stuhl mit hatte – dachte ich doch bis zuletzt ich hätte einen in Frankfurt gelassen – und wir noch ein paar Kleinigkeiten brauchten, machten wir kurz halt in einem Fachgeschäft für in China hergestellten Ramsch und versorgten uns mit dem Nötigsten, bevor es auf die Autobahn südwärts ging.

Wir kamen größtenteils gut durch, bis auf einen kleinen Stau um Stuttgart herum und trafen den Rest vor Ort unweit des Campgrounds. Einige Minuten später hat man uns tief in selbigen hineindirigiert, so daß wir ziemlich direkt gegenüber des Supermarkts und Partyzelts unser Lager aufschlugen. Jochen und Arthur hatten Zeltmäßig ein Upgrade hingelegt und ein Konstrukt aufgebaut, was qualitativ und von den Dimensionen her eher an ein Bungalow als an eine Campingbehausung erinnerte. Mit dem Generator, den Krachmöbeln, den Gasherdplatten und der Trockeneis-Kühlbox waren die auch bestens gerüstet für die Tage die da kommen sollten. So eine Ausrüstung – vor allem was die Küche angeht – kenn ich eigentlich nur von unserem H:O:A-Team. Mein Equip tat mit den Stahltellern und dem Topf- und Pfannenset sein Übriges und so wurde für mich auch ein kleiner Traum wahr: die Jungs haben geschnallt, daß es absolut glorreich ist, auf einem Festival den Kochlöffel zu schwingen und die umliegenden Grillplätze in Schande zurückzulassen über das was bei uns aufgetischt wird.

Der erste Abend war wie immer – ein Leberdesaster. Ich hatte mir den Spaß gemacht zuerst die Kölner ausfindig zu machen und mir dann Schwilli zu greifen und abzufüllen, danach – als die betagteren Herrschaften ins Bett mussten, waren Björn und Mark dran. Bis in die frühen Morgenstunden gröhlten wir die Klassiker im Partyzelt mit, völlig egal ob „Warriors of the World“ jetzt zum achten oder zehnten Mal lief und danach „Run to the Hills“ die Bude beschallte. Wir lagerten keine komplette Gehminute vom Zelteingang und so begab es sich, daß wir uns derartig viel Black Pearl in die Rübe geschraubt haben, daß der nächste Morgen uns schon eine prächtige Mahlzeit bieten sollte, wenn wir auf den Beinen bleiben wollten.

Datteln im Speckmantel und dazu Rührei, wenn ich mich richtig erinnere. Und Sonnenschein. Und immer kühle Drinks. Etwas, was ich auf dem HOA vermissen werde: Neben dem Partyzelt gab es einen Festivaltauglichen Edeka-Ableger, der Eiswürfel tütenweise verkaufte! Bei den Temperaturen draußen und in den Gläsern ein absolutes Muss. Wir überbrückten irgendwie halbdeliriös den Mittag und bewegten uns langsam zum Pretty Maids Gig, als die Zeit dafür reif war. Da Stratovarius recht zeitnah danach spielte, blieben wir unter der Berücksichtigung des Getränkestandes da wo wir standen und genossen weiter die Show, bevor es zurück zum Camp ging.

Der folgende Abend war eher bescheiden in der Trunkenheit, dafür aber um so entspannter. Es gab grandiose Küche, gute Gesellschaft – nur hatte irgendwie die musikalische Beschallung zu wünschen übrig gelassen, war Arthur doch der Meinung uns mit einem Übermaß an Schnulzen von Celine Dion und irgendwelchen anderen Sachen quälen zu müssen. Das ließ sich dann irgendwie noch schöntrinken, aber so richtig gesellig wurde es dann doch nicht auf der Basis. Am nächsten Tag begann das massive Bekleben von allem in Wurfreichweite mit blauem nassgemachtem Klopapier. Es dauerte nicht lang und die Rufe nach einem Dartboard wurden laut, jedoch konnten wir uns nicht aufraffen ein selbiges zu fertigen. Ich nahm mir vor für das nächste Festival eins dieser magnetischen Dinger zum aufhängen zu beschaffen – für richtige Steel-Dart Pfeile waren mir dann doch zu viele Zelte und Autoreifen in der Nähe, muss nicht sein.

Auf dem Programm stand für mich als nächstes und einzig noch übriges Rage – irgendwann danach wollte ich auch schon abrücken, immerhin stand mir noch eine Nacht in FFM bevor und ein Sonntag auf der Autobahn bis ich zuhause ankommen würde. Nur musste ich dieses Mal meine Habe nicht umpacken, sondern konnte sie größtenteils einfach in der Karre lassen, bis zum H:O:A wars ja nicht mehr lang. Aber zurück zur Gegenwart: Peavy lieferte ein Bombenkonzert ab und auch wenn ich mir ein paar songs mehr gewünscht hätte, war ich sehr zufrieden. Nach langen Jahren wieder Rage sehen tut echt wunder. Und unser kleiner Gesangsverein wie er so da stand war auch prima – jeder konnte seinen Scheiß noch. Das ließe sich dann nur noch toppen, wenn Savatage erneut wieder auf die Bühne klettert und ganz tief in die Mottenkiste greift und wir dann Chance zum besten geben dürfen oder Believe.

Zufrieden wieder am Campground angekommen bin ich erstmal die Escape-Route abgelatscht, immerhin waren die meisten Camper noch da, fast alles noch aufgebaut und ein Großteil der Besucher würde erst morgen fahren, weil sie die Hauptacts des Samstags nicht verpassen wollten. Zum Glück war der Weg aber einigermaßen frei und Göhrk und ich machten uns nach einem erfolglosen Versuch die Kölner zwecks Verabschiedung anzutreffen auf den Weg gen Norden. Schönes Festival war das! Schade nur, daß es so weit weg ist.

Now playing: Quiet Riot - Metal Health | Stimmung: Glorreich

Agrimm Doomhammer & Manilla Road

Ich kam punktgenau zum Konzertbeginn im Atzehoe an, hab meine Karre in frankfurter Guerilla-Parking-Manier draußen vor der Grünfläche abgestellt und stapfte voller Vorfreude in die schon mit ordentlich Druck gefüllte Halle. Dem Bass mischten sich Gitarrenklänge und Daniels Screams hinzu und ich suchte mir einen guten Platz rechts vor der Bühne, wo ich auch gleich ein paar bekannte Gesichter entdeckte. Agrimm Doomhammer griffen in die Vollen und lieferten ein abwechslungsreiches Set ab, was nicht zuletzt ihren vielzähligen Einflüssen zu verdanken ist – King Diamond, Reverend Bizzare, Helstar, Ritual Steel (surprise surprise) und Blitzkrieg, um nur einige zu nennen an die ich mich erinnert fühlte. Musikalisch und von der Stimmung her waren sie in ausgezeichneter Form und es dauerte nicht lange, bis der Funken aufs Publikum übergriff. Zwischen den Songs fand der junge Mann hinter dem Tellerregal auch Gelegenheit, auf der Bühne seine Freundin mit einer Heiratsabsicht zu beglücken und so war das vermutlich für das Bandumfeld selbst gleich doppelt feierlich, immerhin waren sie nicht umsonst im Vorprogramm von den alten Göttern gelandet, sondern aus inniger Verbundenheit, wovon nicht zuletzt auch das rote Manilla Road Shirt welches Daniel trug zeugte.

Als die ersten Herrschaften ihre Instrumente niedergelegt haben, war die Stimmung bereits so gut, daß man hätte den Hauptact direkt auftreten lassen können – gibt nicht viele Bands, die gerade emporkommen und das auf mehr oder weniger Anhieb hinbekommen. Aber es gab ja noch Die Void, die uns die Wartezeit verkürzen sollten während wir uns über einige handwarme Biere hermachten. Ich fand die eher weniger spektakulär, was aber vermutlich eher am Kontext lag. Sie passten meiner Meinung nach nicht so recht ins Billing, war ihre Musik irgendwo zwischen Soul Doctor, Astral Doors, Cheap Turtle und Cornerstone vorzufinden. Nette Ecke aber andere Ecke, sag ich zu sowas gern. Zwischenzeitig wurde ich noch in den Tourwagen verschleppt, wo zu meiner großen Freude und Überraschung Manilla Road in tiefster Entspannung auf den Gig wartete, während sie zufrieden einige Biere ihrem Schicksal überführten.

Einige Momente später kamen die Herren aus Kansas auf die Bühne und legten los. Hauptsächlich bestand das Set aus schönen alten Songs, größtenteils aus der Mystification, Open the Gates und Crystal Logic Ära, sehr zu meiner Freude. Zwar fanden auch Stücke vom neuen Album ihren Weg in das Programm, reihten sich aber aufgrund von Art und Stil nahtlos in den Rest der mitreißenden Klassiker ein. Dazu bleibt eigentlich vor lauter Begeisterung meinerseits nicht viel zu sagen, Manilla Road sind einfach großartig, wie auf Platte so auf der Bühne und da vor allem Mark glänzend in Form war, gabs seinerseits auch mehr Stimmeinlagen als ich es von den letzten Gigs in Erinnerung hatte. Ein wunderbarer Abend mit toller Musik, in einer leicht überhitzten Location mit mäßig temperiertem Bier – schöner Beitrag zu einem gelungenen Wochenende!

Now playing: Manilla Road - Astronomica | Stimmung: Davondriftend

D-A-D auf dem Hafengeburtstag

Volksfeste sind ja normalerweise nicht so meins, aber als Neubürger der Hansestadt gibts ein paar Sachen, die es mich reizt einfach mal gesehen zu haben. Und wenn dann auch noch meine Lieblingsdänen die Bühne rocken, kann man sich auch mal ins Getümmel stürzen. Da mir das aber zu overdosed war bei einigermaßen gutem Wetter die Schiffsparade anzugucken, bevorzugte ich die weniger volle Atmosphäre des kühlen Samstagabends, um um die Büdchen zu schleichen und mir das Fest anzugucken.

Wirklich außergewöhnlich an dem Schauspiel war nur das maritime Thema, der Rest könnte vom Publikum und Attraktionen genausogut die Haaner Kerb, Weihnachtsmarkt oder die Dippemess sein, also Buden wo Zeug verkauft wird, Essens- und Getränkestände, Souvenirs der Stadt, etc. Die Bühnen in verschiedenen Größen rundeten das Spektakel klanglich ab und auch wenn die Leuts hinterm Mischpult sich den einen oder anderen Schnitzer erlaubten, alles in allem war der Sound für ein open air Event gar nicht so übel.

Da stand ich also vor der Bühne, während No Fuel left for the Pilgrims durch die Boxen drückte und ließ meinen Blick durch die Menge schweifen. Das Publikum war gemischt: vom mittzwanziger Hipster mit Wollchapeu á la preservativ bis zum alternden möchtegern Luden-Kalle fom Kiez, von Teenie-Metalpärchen bis zum Astrapils-Greis. Wie sich ein so heterogenes Partypublikum auf die Stimmung auswirkt, kann sich jeder selbst vorstellen, letzten Endes aber wussten die Profis auf der Bühne genau was sie taten und im Handumdrehen hatten sie die gute Laune unters Volk gebracht.

Vereinzelt tönten Jubelrufe bei erkannten Songanfängen und selbst die plapperfreudigsten Labertaschen von Jahrmarktbesuchern konnten sich zum Applaus hinreißen lassen, wenn sie mal ihr Bier nicht am Mund und ihre Gesprächspartner nicht am Ohr hatten. Alles in allem ein super Gig, wenn auch etwas zu kurz für meinen Geschmack. Und eine kleine pyrotechnische Überraschung gab es auch, der Basser hat sich, exzentrisch wie er ohnehin ist, einen Helm angezogen, der bis zur Bühnendecke Funken sprühte.

Now playing: D-A-D - Point of view | Stimmung: Erfreut

Paragon im Atzehoe..

..war für mich eher ein Spontanbesuch. Anfang der Woche vermeldete Daniel, daß die mittlerweile zu den Undergroundklassikern des Nordens gehörende Truppe in IZ spielt. Und da wir uns alle zu unseren kürzlichen Geburtstagen nicht treffen konnten, war das ein willkommener Anlass zusammenzutreten und die Gläser zu entsprechenden Klängen zu heben. Die beiden anderen Bands, Shadowbane aus Hamburg und Total Violence aus Itzehoe, kannte ich noch nicht – letztere hatten noch nicht einmal eine Homepage mit Klangbeispielen. Shadowbane hingegen schon, aber jetzt im Nachhinein wünschte ich mir – bei dem englisch – ich hätte die Lyrics nie gesehen. Das ging mir dann nicht mehr aus dem Kopf, auch wenn ich schon so einiges gewohnt bin.. o_O Wie dem auch sei, kommen wir zum Abendablauf.

Die Location war das Atzehoe in Itzehoe – eine Art Versammlungs-e.V.-Räumlichkeit vom Spirit zwischen Bar, Bühne und Jugendcenter. Die Größe war überschaubar, entspricht in etwa dem Keller des Nachtlebens, das Feeling des Möbiliars und der Zustand der Räume an sich ähnelte aber eher dem Steinbruch Theater, wenn auch die Deko ein wenig neutraler und liebevoller ausgestaltet war, um den Abranzcharme etwas abzumildern. Der Raum war L-Förmig angeordnet, an der Krümmung stand die Bühne, an den Außenenden gab es Sitzgruppen und in der Beuge war die Bar. Das Publikum war eine Mischung aus deplazierter Dorfjugend und z.T. gruseligen Altmetall-Gespenstern, nur wenig überregionales Altersmittelfeld. Also auch eher Richtung Bruch, nur daß dort die beiden Gruppen in personalunion vertreten sind.

Nach dem Soundcheck begannen „Total Violence“ mit ihrer Darbietung. Klassischer Thrash mit deutlichen Destruction-Einfluss. Hin und wieder brachen ganz nette Gitarreneinlagen durch und der Basser wirkte recht versiert, ansonsten waren sie vergleichsweise unspektakulär und wirkten auf der Bühne ein wenig gekünstelt duster – passte nicht so recht zu ihrer Erscheinung. Die nächste Band – Shadowbane – passte schon eher zum Headliner. Einigermaßen klassischer, schneller Heavy Metal, solide Gitarren, betagtes Standardprogramm. Der Auftritt begann allerdings eher disharmonisch, in etwa so daß man nicht sagen konnte ob das jetzt verstimmte Instrumente sind oder das nun Progressive Metal sein soll.

Es wurde aber schon nach 2-3 Songs etwas besser, was die Stimmung im Saal entsprechend dankte. Das einzige was mir persönlich gegen den Geschmack ging, war die Stimme – dabei ist die Optik des Sängers (irgendwo zwischen einem jungen Mix aus Tim Allen und Dieter Bohlen) zweitrangig – er bekam den Gesang nicht so recht auf die Reihe, hatte in den Höhen nicht wirklich Power und es wirkte alles wie gewollt und nicht gekonnt. Selbst als die Band zum Abschluss mit „Excalibur“ von Grave Digger einen Song gewählt hatte, der sich auf ihrem Englisch-Niveau der Sängeraussprache bewegte, wurde es nicht besser – der Mensch am Mikro hatte mal so garnichts böses in der Stimme und hat die kratzigen Passagen versucht in die Höhe zu ziehen, was dem Song nicht nur die Power nahm, sondern auch demonstrierte, daß es noch ein weiter Weg sein würde bis die Band spürt was und vor allem wie beim Publikum ankommt. Aber gut, ihre Arbeit als Vorgruppe haben sie hinbekommen: das Publikum warmzuspielen bis sie für Paragon bereit waren.

Und dann gings los: Paragon nahm die Bühne ein, haute in die Seiten und wehte uns einen gewohnt kraftvollen Mix aus alten und neueren Stücken entgegen – von Law of the Blade über Steelbound bis Palace of Sin, von Iron Will über Across the Wastelands bis Screenslaves. Der neue Mann an der Gitarre machte sich ganz gut, nur etwas mehr Action und mimische Dynamik hätte ihm mehr Auftreten verliehen, ansonsten – top! Eigentlich kann man nicht viele Worte über das verlieren, was Paragon hier abgeliefert hat – es war ein sauberes, lebendiges, knallhartes Profikonzert von der Musik, durchunddurch herzlich, intensiv und einnehmend von der Stimmung. Ich war überaus zufrieden. Und als dann die Zugaben unter anderem Masters of the Sea an die Ohrenufer spülten, verlor ich mich gänzlich in der Strömung im Sturm der Melodie. Fortgerissen. Augen zu und rein und nie wieder raus. Ein Track fehlte meiner Ansicht nach zwar – nämlich Back to Glory – aber das fiel nicht ins Gewicht.

Zweierlei habe ich allerdings am Rande als Fazit mitgenommen: Ich brauche eine neue Kamera. Das Telefon-Ding ist unbequem und kann von seinen 8MP nicht einmal die Hälfte umsetzen, weil die Bedienung nicht Ruckelfrei von Statten geht und es schon arg krisselt. Und ich brauche eine Huthalterung. Das aufgekommene Gerücht, der Bassist von SB hätte seine Hose aus der Damenabteilung im H&M mitgenommen kommentiere ich hier mal mangels Relevanz und Verifizierbarkeit nicht weiter.

Now playing: Paragon - Law of the Blade | Stimmung: Energiegeladen

Hang Your Bed 2012

Und wieder ist ein Jhar rum und es wurde Zeit, sich zum Bang Your Head aufzumachen. Dieses Mal ließen sich die Kölner leider mangels sie bewegendem Billing nicht davon überzeugen, an den Festlichkeiten in Balingen teilzunehmen und auch Suffix ist arbeitsbedingt abgesprungen – also waren wir zu viert: Jokey, Göhrk, Arthur und meine Wenigkeit. Außer mir war bisher keiner auf dem BYH gewesen und so ließen sie sich von der angenehmen Atmo und der schönen Stimmung positiv überraschen.

Im Gepäck hatten wir die Black Pearl – ein Getränk, welches aus Cola, Bacardi Black und Limettensaft zusammengerührt und auf Eiswürfeln serviert gehört. Selbige war dann auch dafür verantwortlich, daß wir uns am Donnerstag – wo Majesty, Freedom Call und einige andere das Fest eröffneten – derartig aus den Latschen schossen, daß der Freitag mit dem Zusammensammeln unserer Knochen, Innereien und Erinnerungsfetzen begann. Es war wie immer ein Fest Majesty zu sehen und obwohl Tarek mittlerweile der einzige gewesen ist, der von der Ursprungsbesetzung noch übrig war, haben die Jungs gut gerockt. Freedom Call legte noch ein wenig mit guter Stimmung nach und spätestens bei Bonfire wusste ich nicht mehr allzu genau was Phase war. Ich weiß nur noch, daß ich mich vor Jon Oliva’s Pain (der den anderen zufolge ordentlich aus der Sirens-Zeit aufgetischt hat) aus der Halle verabschiedet habe, um am Zelt was zu kochen, damit wir uns vorm Schlafengehen etwas stärken konnten.

Das ganze endete damit, daß ich bis kurz nach halb vier unser Camp suchte. Denn als wir aufbauten, war es immernoch hell und um uns herum gabs jede Menge Platz – als wir wiederkamen, war es stockfinster, alles sah gleich aus und die Black Pearl verursachte ordentlich Seegang. Irgendwann, nachdem ich von Gruppe zu Gruppe torkelte, mich durchfragend, anstoßend und durch und durch verwirrt, stieß ich auf einige aus unserer Truppe, die auf dem Rückweg zu sein schienen. Erik und Tanja waren uns bereits vorher schon am Campground begegnet und hatten diesmal den Rest meiner Leute im Gepäck, also schloss ich mich an in der leisen aber irrigen Hoffnung, sie wüssten wo wir zelten. Wir brauchten noch eine ganze Weile und verloren unterdessen den Göhrk zwei Straßen weiter. Ich hatte mir aus irgendeinem Grund gemerkt wo er war und unterbrach später meine Carbonara-Bemühungen um nochmal nach ihm zu sehen. Der Rest des Abends ist einfach beschrieben: Essen, Schlafen.

Am nächsten Morgen gabs erstmal tactical Bacon („tactical“ weil wir ihn dabei hatten) und Rührei. Danach kam Kaffee auf den Plan und ich goss mir erstmal eine Cola ein – aber Deja Vu, es war die Black Pearl und damit war der zweite Tag eingeläutet. Wir shuttleten uns zum Battleground, sahen uns Powerwolf an und schauten uns bei den Ständen um, Souvenirs, Shirts und so weiter. Einige Bands später ging es zurück auf den Platz und wir machten es uns einigermaßen gemütlich – der Rest des Billings vom Freitag war nur bedingt interessant genug um die Mühe zu wagen, da nochmal aufzuschlagen und zu allem Überfluss hat es bereits begonnen zu schiffen wie aus Eimern. Aber das war nicht so dramatisch, denn der Abwasch ging einem dafür um so schneller von der Hand. Der Garnelensalat war übrigens ausgezeichnet!

Am nächsten Morgen war es wieder etwas sonniger und nachdem wir die letzten Nahrungsbestände vergrillt haben, etwas Ziegenkäse im Speckmantel, sowie Baguettes, packten wir unsere sieben Sachen zusammen und sahen zu, daß wir den Quatsch wieder ins Auto bekamen. Bei dieser Gelegenheit bauten wir auch den Pavillon ab, der an jenem windgeplagten Morgen überraschend noch stand. Es war auch so windig, daß wir noch nicht einmal Kaffee machen konnten! Göhrk nutzte die Gelegenheit, um ein Windspiel zu konstruieren, welches wir dann mit Gestängeresten über unsere Häupter erhoben. Danach gings runter vom Camp und rauf auf die Parkplätze beim Messegelände – wir guckten uns noch Primal Fear an und wanderten etwas umher, machten uns aber noch vor den Hauptacts vom Acker – der Donnerstag steckte uns noch immer hart in den Knochen und ich hatte ja meine große Odyssee vor mir und wollte sie nicht völlig zerschreddert beginnen. Aber geil wars auf jeden Fall!

Brother Arnoc

Now playing: Quiet Riot - Bang Your Head | Stimmung: Glorreich