Tear down the walls..

..once again! Wir haben es geahnt, da├č wenn die Maurer hier eine Kernbohrung machen es irgendwie schlimmer werden wird als besser. Und wir hatten Recht. ­čÖü

Nachdem mir ein (dem Klang nach) ziemlich besoffener und verwirrter Handwerker bei mir angerufen hat und selbst nicht mehr genau wusste was er bei uns machen sollte, kam es irgendwann nach einem dritten Telefonat zu einem tats├Ąchlichen Termin. „Na das f├Ąngt ja gut an!“, dacht ich mir. Ich hatte bisher immer irgendwie Gl├╝ck mit den Handwerkern – mal inkompetent, mal unzuverl├Ąssig, mal beides. Auch dieses Mal sollte ich nicht entt├Ąuscht werden. (Hier bitte Werbeslogan-Ton dazudenken:) Die sind das Handwerk, die k├Ânnen das!

Als die Handwerker wieder weg waren, entdeckten wir auf der R├╝ckseite unserer Wohnzimmerwand (wo die gebohrt haben) im Schlafzimmer ein vergleichbar gro├čes Loch, wo uns ein St├╝ck Wand und Putz herausgebrochen ist. Einfach so. Weil auf der anderen Seite etwas gemacht wurde. Kr├╝meliges Zeug – „Schlackewand“ nannte das der Maurer. Super, jetzt haben wir ├╝berall au├čer im Bad und im Flur gro├če L├Âcher in der Wand. Die sehen keinen Cent f├╝r die Renovierung, wenn wir hier abziehn! -.-

Now playing: Poisonblack - Them Walls | Stimmung: Irritiert

Gesch├╝tzt: Etwas Verwinkeltes

This post is password protected. To view it please enter your password below:

Submit

Now playing: Alice Cooper - Give the radio back | Stimmung: Dezent gelangweilt

Mysteri├Âse „Illegal Characters“ in Dateien mit Vagrant/Nginx

Ich hatte bis eben ein interessantes Problem:

Beim bearbeiten einer .js Datei in meiner IDE, lade das Zeug in meinem Browser neu und bekomme in Firebug den Fehler „illegal character after ; in file.js in line 20, column 3“ – Zeile 20 existiert aber gar nicht.

Als ich mir die Datei dann RAW im Browser angesehen habe, waren haufenweise Fragezeichen in dunklen Karos hinten angeh├Ąngt. Wenn ich was ge├Ąndert habe, konnte es passieren, da├č nach der H├Ąlfte der Datei pl├Âtzlich Schluss war nach dem Reload. ├ätzend. Wenn ich Vagrant neu starte, gehts erstmal wieder. Danach wieder nicht.

W├Ąre Mathias nicht vor ein paar Jahren bereits in dieses Problem hineingelaufen, w├╝rde ich vermutlich noch heute dran sitzen das zu beheben. Die Fehlerbehebung lag letzten Endes darin, in der Nginx-Config das send file auszuknipsen. Im Grunde handelte es sich n├Ąmlich um einen Virtual Box Bug unter Windows, der das „on“ gebraucht hat – ich code aber unter Ubuntu, also hat der „Bugfix“ f├╝r Windows bei mir ├╝berhaupt erst dieses dubiose Problem verursacht. Server neu starten und die Sache war gegessen.

Es ist ziemlich zum Kotzen, wenn man sich auf die Codeintegrit├Ąt der IDE irgendwie nicht verlassen kann, das kann einem echt den Tag versauen.

Now playing: Hadouken - Turn the lights out | Stimmung: Angepisst

Religi├Âse Gef├╝hle gibt es nicht

Man liest es immer wieder, ob wegen Mohammed-Karikaturen, Vatikankritik oder irgendwas anderem – immer wieder behaupten Menschen, ihre religi├Âsen Gef├╝hle verletzt zu sehen. Doch was soll das sein, ein religi├Âses Gef├╝hl? Erstmal zum Terminus per se – Religionen haben keine Gef├╝hle. Gef├╝hle sind nicht religi├Âs. Menschen sind Religi├Âs. Und diese Menschen haben Gef├╝hle, wie alle anderen Menschen auch. Und ja, es ist richtig, bei├čender Spott, Sarkasmus der Religion gegen├╝ber und Karikaturen k├Ânnen ihre Gef├╝hle verletzen. Aber wir leben in einer Welt mit vielen verschiedenen Ideen, die lang und ausgiebig diskutiert und debattiert werden, da muss man sich wenn man eine Position fest vertreten will eben einiges gefallen lassen oder man zieht sich zur├╝ck.

Was die Menschen mit „verletzung religi├Âser Gef├╝hle“ aber eigentlich sagen wollen ist, da├č sie sich betroffen/verletzt f├╝hlen weil man sich ├╝ber die von ihnen gelebte Religion lustig macht. So weit, so offensichtlich. Und hier beginnt die Ignoranz und Arroganz von religi├Âsen Gruppen sich vollends zu entfalten:

Weil in ihrer Welt die Religion absolut ist, etwas heiliges und erstrebenswertes und zu gro├čen Teilen ihr Dasein und Leben diktiert, hat sie einen Anspruch auf Respekt in ihren Augen. Diesen Anspruch aber auf andere Menschen auszuweiten und zu fordern, da├č sie ihm gerecht werden ist vermessen und selbstgerecht. Ein Berufen auf „religi├Âse Gef├╝hle“ ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden, der nicht der Religion angeh├Ârt, weil es mit der Forderung einhergeht, den heiligen und ehrw├╝rdigen Teil der Religion anzuerkennen die f├╝r einen anderen Menschen m├Âglicherweise primitiv, manipulativ, sexistisch, homophob, verlogen oder einfach nur spirituell Irrtumsbehaftet ist.

Die Menschen, die sich auf religi├Âse Gef├╝hle berufen stellen sich ├╝ber andere ohne dabei die gesellschaftliche ├ächtung zu bekommen, die ein solcher Akt der Selbstherrlichkeit und Wichtigtuerei nach sich ziehen m├╝sste. Durch das stets gepredigte „Respektiert die Gef├╝hle Eurer Mitmenschen“ entsteht eine gesellschaftlich oft stillschweigend angenommene ethische „Gesetzesl├╝cke“, die durch diese Formulierung ausgenutzt wird. Indirekt fordern diese Menschen die Anerkennung ihres Lebensduktus von unbeteiligten Dritten. Ein Komplexbehaftetes Denken und ein gef├Ąhrliches noch dazu, zumal sie – ihr Anliegen zugelassen – unter dem Deckm├Ąntelchen alles m├Âgliche rechtfertigen k├Ânnten. Schnell verstecken orthodoxe Gl├Ąubige auch ihre gelebten menschenverachtenden Ansichten des Alltags auch hinter solcherlei Fassaden.

Und wenn man ihnen irgendwas entgegnet, beginnt das Gemecker um Religionsfreiheit – ├Ąhnlich kennen wir es aus dem rechten Sektor mit der Meinungsfreiheit. Die Religions- und Meinungsfreiheit wird hier aber falsch verstanden – xkcd erkl├Ąrt es mal wieder ganz ausgezeichnet. Die Ironie mal ganz au├čen vor gelassen, da├č wenn religi├Âse Fanatiker in einem Staat am Dr├╝cker w├Ąren die Religionsfreiheit auf die sie sich jetzt gerade berufen abgeschafft werden w├╝rde (deswegen muss ich auch immer schmunzeln, wenn ich die Salafisten eine Kundgebung abhalten h├Âre). Die gleiche Ironie findet sich ├╝brigens auch bei den Rechten, die Meinungsfreiheit w├Ąre im Nu dahin, wenn die das sagen h├Ątten. Es w├Ąre zum schreien komisch, wenn es nicht so deprimierend w├Ąre, da├č es noch Leute mit so primitiven und menschenverachtenden Ansichten gibt.

Hinzu kommt die Ignoranz, mit der die meisten Anh├Ąnger einer Religion gesegnet sind, die das Ganze ad absurdum f├╝hrt. Die meisten selbsternannten gl├Ąubigen Menschen (das nannte man doch Bekenntnis, oder?) beschr├Ąnken sich in der Auseinandersetzung mit ihrer Religion auf das ihnen vorgekaute, ausgelegte und vorverdaute Zeug, was man ihnen vorsetzt. Nur wenige, erst recht von den in den Theologie-Hierarchien verfangenen, dieser „Gl├Ąubigen“ befassen sich mit der Religion, ihrer spirituellen Komponente, den „Seelenwissenschaften“ (aka entsprechender Mystizismus) und anderen sie potenziell zu einem tieferen Verst├Ąndnis f├╝hrenden Dingen. So ist den meisten Christen ├╝berhaupt nicht klar, was sich aus ihren rituellen Handlungen auf der seelischen Ebene tut, was es mit ihnen im Geist macht und wie die nichtweltlichen Dinge verdrahtet sind, das interessiert sie aber auch nicht. Selbst den eingefleischtesten katholischen Priestern, die allerhand Heilige runterbeten k├Ânnen und die Sakramente aus dem FF hinbekommen bleibt ein essenzieller Ursprung, eine elementare Mechanik ihres religi├Âsen Daseins verborgen. Ich will hier nicht behaupten, ich h├Ątte die Weisheit und Wahrheit mit L├Âffeln gefressen, jedoch ist mir einiges aufgegangen beim Lesen entsprechender (innerhalb dieser Religionen umstrittener, wenn nicht gar verbotener) Werke ├╝ber die Zusammenh├Ąnge und Handlungen der drei gro├čen monotheistischen Glaubensrichtungen. Aber das f├╝hrt hier etwas zu weit, also zur├╝ck zum Wesentlichen.

W├Ąre ein Mensch wahrhaft gl├Ąubig und nicht nur gerade eben mal oder automatisch „auf den Zug aufgesprungen“, w├Ąre es ihm egal was andere ├╝ber seine Religion und seinen Propheten sagen, er w├╝rde f├╝r sich „wissen“, da├č er richtig liegt und k├Ânnte – von dieser gesetzten Position aus auch suver├Ąn sich in andere Versetzen, verstehen warum sie irgendwas lustig finden und sogar mitlachen, ohne da├č es ihm seiner eigenen Religion gegen├╝ber respektlos vork├Ąme. Aber diese ganzen Anh├Ąnger von Religionen und Ideologien, die am lautesten schreien, weil sie meinen es machen zu m├╝ssen um zu einer Gemeinschaft gez├Ąhlt zu werden, die machen das nur weil sie das in ihnen sitzende Gef├╝hl der Unzul├Ąnglichkeit ihrer selbst ├╝berdecken wollen. Und vor allem im Islam scheint es eine generelle Tendenz unter den Durchschnittsgl├Ąubigen zu geben, da├č sie jeden Tag mit dem Gef├╝hl leben, f├╝r ihre Gottheit nicht gegnug getan zu haben [Quelle]. W├╝rde mich nicht wundern, wenn es in den anderen „Wir sind alle S├╝nder“ Religionen ├Ąhnlich bestellt ist.

If religion were true, their followers would not try to bludgeon their young into an artificial conformity; but would merely insist of their unbending quest for truth, irrespective of artificial backgrounds or practical consequences.

— H. P. Lovecraft

Fazit: Menschen, die Eure Anerkennung ihrer religi├Âser Gef├╝hle verlangen sollte man nicht anders behandeln als jemanden, der versucht einen durch die Hintert├╝r zu missionieren.
Fun Fact: Im Gegensatz zu einer Nationalit├Ąt (und der damit verbundenen Rechte als B├╝rger eines Staates) hat ein Mensch gem├Ą├č der UN Menschenrechtscharta auch keinen Anspruch darauf eine Religion zu haben – Religionszugeh├Ârigkeit entsteht n├Ąmlich durch Bekenntnis und somit ist so ein k├╝nstliches Konstrukt wie „religi├Âse Gef├╝hle“ eigentlich v├Âllig widersinnig.

Now playing: Alice Cooper - Much too late | Stimmung: angefressen

Die Flugzeugentf├╝hrung der Germanwings 4U9525

Es ist bereits viel gesagt und geschrieben worden ├╝ber das abgest├╝rzte Flugzeug mit den 150 Menschen an Bord, einiges davon sogar sinnvoll. Viel zu viele private Details ├╝ber den Co-Piloten wurden ausgegraben und ans Tageslicht gebracht, viele geheuchelte Tr├Ąnen vergossen und pathetische S├Ątze gesagt. Trag├Âdie, Todespilot, Massenm├Ârder. Suizidgef├Ąhrdet, depressiv, krankgeschrieben. Unter Druck gesetzt, Fluggesellschaft versagt, Gesellschaft versagt. Ich k├Ânnte jetzt ewig die Fetzen aneinanderreihen, die selbst die etwas besseren Medien zu Geiermanieren und Ausschlachtung von sich gegeben haben.

Drama, Baby! That’s what makes the press world go round!

Irgendwie erinnert mich die Reaktion ein wenig an das was durch die Presse ging beim Amoklauf in Winnenden. Krampfartig sucht die Gesellschaft nach einem Schuldigen – und ist er schon tot, m├╝ssen eben die f├╝r ihn verantwortlichen herhalten. Wie die Fluggesellschaften mit Piloten, Kapit├Ąne mit ihren Co-Piloten umgehen – in Angesicht der Billigflieger-Konkurrenz und dem steigenden Druck nicht ├╝berraschend – ist eine Schweinerei, ja – mag sein. Aber das ist nicht der Grund daf├╝r, da├č diese 150 Menschen sterben mussten. Der Grund daf├╝r ist die un├╝berwindbare Sicherheitst├╝r. Der Co-Pilot h├Ątte auch einfach einen Schlaganfall oder Herzinfarkt haben k├Ânnen. Haluzinationen wegen einer Lebensmittelvergiftung oder gestolpert, den Kopf gesto├čen, bewusstlos. Die T├╝r war das Hindernis – Kind eines paranoiden Geistes, der seit dem 11. September 2001 die Welt nicht mehr aus seinem Griff l├Ąsst. Allen Studien, Widerlegungen, Praxistests, etc. zum Trotz.

Das zum tats├Ąchlichen Versagen von Fluggesellschaften, Entwicklern von Sicherheitskonzepten und unseren paranoiden Politikern.

Was mich aber grenzenlos angewidert hat, war nicht, da├č 150 Menschen sterben mussten weil jemand bei der Sicherheitst├╝r die Szenarien nicht zuendegedacht hat. Was mich angewidert hat, war die Reaktion von weiten Teilen der Presse und Gesellschaft auf Menschen mit Depressionen. Was hat man da nicht alles lesen m├╝ssen, Forderungen nach Gefahreinstufungen f├╝r diese Menschen, offene Anfeindungen, Fassungslosigkeit wie man denn „ungl├╝cklich“ sein k├Ânnte bei einem „erfolgreichen“ Leben. Und noch immer versteht die Gesellschaft das Konzept der geistigen Erkrankung der Depression nicht. Dieser Mensch, der sich (und 149 andere) umgebracht hat, war nicht blo├č ungl├╝cklich. Er hatte nicht nur eine Reihe mieser Tage/Monate/Jahre. Er sah sein Leben nicht als erfolgreich an, zumindest offensichtlich nicht in einem Ma├če, da├č ein Weiterleben ihm irgendwas bieten k├Ânnte an dem er glauben w├╝rde Freude haben zu k├Ânnen. Das ganze ist um L├äNGEN komplexer, als es abgefr├╝hst├╝ckt wird und es ist scheinheilig, da├č sich eine Nation aus 80+ Mio Autoexperten, alle paar Jahre auch Fu├čballexperten, vor 15 Jahren f├╝r ein paar Monate Terrorismusexperten sich aufschwingt allesamt Psychologieexperten zu sein.

Das l├Ącherlichste daran war noch die Darstellung von Depressiven als potenzielle gewaltbereite Amokl├Ąufer. Leute, wenn jemand depressiv ist, richtet sich seine Agression in der Regel gegen ihn selbst. Komorbidit├Ąten sind dann gro├č im Programm, Suchtgefahr, selbstverletzendes Verhalten, alles m├Âgliche – aber EBEN NICHT die Kanalisierung von Wut gegen jemand anderen. Oft sind depressive Menschen von Minderwertigkeitsgef├╝hlen geplagt, von ├ängsten, von Perspektivlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Lethargie. Eine alles fressende Ohnmacht hat sich in ihrem Leben breitgemacht und frisst sich wie ein Krebsgeschw├╝r durch alle Facetten ihres Daseins bis sie die Gedanken beherrscht. Der Gedanke an den eigenen Tod kommt bei den Meisten depressiven Menschen ├╝brigens eher fr├╝her als sp├Ąter, aus einem Gedanken werden leicht mehrere – oder eben auch nicht, das kann ├╝ber Jahre wieder in den Hintergrund treten, jedoch pl├Âtzlich durch irgendwas befeuert wieder auftauchen. Das T├Âten anderer steht dann aber nach wie vor nicht auf dem Programm.

Bei einer Depression spielen so endlos viele Faktoren eine Rolle, da├č es bis heute schwierig ist zu sagen, was da l├Ąuft. Von der Hirnchemie, die dem K├Ârper bestimmte Botenstoffe versagt bis zu Traumata aus einer Kindheit an die sich nur noch der K├Ârper erinnert, weil der Geist noch nicht in seiner jetzigen Form existiert hat und zwischen sich und der Au├čenwelt nicht unterscheiden konnte (siehe kognitive Entwicklung von Kindern). Da sind Prozesse im Spiel, die so individuell sind wie die pers├Ânliche Geschichte. Bei dem einen Menschen verursacht ein Klaps auf den Hinterkopf ein Trauma, bei dem anderen nichts. Bei dem einen Menschen wird aus einem gest├Ârten Verh├Ąltnis mit einem Elternteil ein von einer Neurose ├╝berdeckter und getarnter psychotischer Prozess, ein anderer streift das ab als w├Ąre nichts gewesen. Hinzu kommt noch eventuelle Hochsensibilit├Ąt (ca 20% der Lebewesen auf unserem Planeten sind „├╝bertaktet“ was ihre Nervenbahnen angeht), allt├Ągliche Faktoren, Ersch├Âpfung (Lebensm├╝digkeit?) und alle m├Âglichen anderen Facetten. Man kann Depressionen in der Regel nicht „heilen“, man kann nur daf├╝r sorgen, da├č der Patient sie bestm├Âglich „├╝berlebt“ und sich ihnen nicht hingibt, sich nicht aufgibt und immer einen Weg findet sich nicht zu sehr von ihnen am Leben hindern zu lassen.

slaughterhouse5

Depressive Menschen – und von ihnen gibt es erstaunlich viele, vermutlich ist die Dunkelziffer unvorstellbar hoch – sind krank. Eine sch├Âne Umschreibung, die ich mal geh├Ârt habe war, da├č sich alles was die Seele schlucken muss an ihrem Boden sammelt und wenn es zu viel wird, wird sie schwer und f├Ąllt ins Bodenlose. Und das ist in unserer Welt nicht besonders ├╝berraschend, lernen wir von klein auf doch unsere Gef├╝hle zu verstecken. Wenn jemand stirbt, sagen uns die Eltern „du musst jetzt ganz stark sein“ und vergleichbaren Mist, anstatt da├č sie einem beibringen wie man richtig trauert. Naja, sie haben es wohl selbst nie gelernt.

Gef├╝hle zu zeigen macht angreifbar und schwach, nein liebe Mitmenschen – Fresst Euch um den Verstand, setzt Kinder in die Welt, seid flei├čig und zufrieden mit dem was f├╝r Euch abf├Ąllt und haltet ansonsten Eure Schnauze. Das ist doch der Bullshit, der als Subroutine jedem in seine Programmierung graviert wird. Alice Miller hat in „Am Anfang war Erziehung“ und „Du sollst nicht merken“ ein paar echt gute Punkte auf den Tisch gebracht, die einem zu denken geben sollten. Und in einer kranken Gesellschaft, die wir zweifelsohne haben, als „gesund“ zu gelten ist in meinen Augen kein besonders gutes Zeichen.

Hinzu kommt – und das ist eher eine pers├Ânliche Einsch├Ątzung meinerseits – das immer noch vorhandene Tabu um den Tod. Man verbannt ihn immer weiter aus der Welt in der wir sind. Kinderkult ist ein Symptom der m├Âchtegern-Unsterblichen, genauso wie diese selbstdarstellende Spuren-im-Netz Hinterlasserei, wir klammern uns so heftig an Lebensimitat, da├č wir ganz sorglos den Tod ignorieren k├Ânnen, weil es eh keinen Unterschied macht ob wir heute oder morgen draufgehen, so belanglos ist diese Farce, die wir anderen und uns selbst als unser Leben pr├Ąsentieren.

Und da schlie├čt sich der Kreis zur Presse-Reaktion vom Anfang dieses Posts – Es gab 150 Tote bei dem Flugzeugabsturz – darunter auch Kinder einer Schule mit ihrem Lehrer. Muss mich das interessieren? Was ist mit den alten Menschen an Bord – blo├č weil die es ohnehin nicht mehr lange gemacht h├Ątten, sind die jetzt nicht so wichtig? W├Ąren meine Gro├čeltern an Bord gewesen und ich m├╝sste mir Tagelang in der Presse Schulkameradeninterviews und Elterntr├Ąnen angucken, was w├╝rde das wohl mit mir machen? Wenn meine Freundin Flugbegleiterin gewesen w├Ąre und ich h├Âre st├Ąndig nur ├╝ber tote Passagiere, wie angemessen f├╝hlt man seinen eigenen Verlust von au├čen wahrgenommen? Die Medien k├Ânnten ruhig mal weniger geiern und mal ein wenig menschlicher werden, das w├╝rde ihnen gut zu Gesicht stehen.

Kinder werden sowieso wieder besonders von der Presse hervorgehoben, um betroffen zu machen – potenziell viele Jahre vor sich, gr├Â├čtenteils schutzlos und unbek├╝mmert – werden sie zu kleinen Heiligen hochstilisiert, im Namen des Optimismus um die menschliche Zukunft. Wie viele von ihnen sp├Ąter als Erwachsene rassistische und sexistische Hohlbratzen werden und wie viele im selben Flug draufgegangen Erwachsenen m├Âglicherweise Dinge f├╝r unsere Gesellschaft geleistet haben f├╝r die ihnen noch k├╝nftige Generationen dankbar sein werden – das alles interessiert die Schlagzeile im Schockmoment kein St├╝ck. Hauptsache: Drama, Baby!

Aber gut, da├č es noch jemanden gibt, den das alles nicht interessiert. Sie bekommt ihren Anteil immer. Wenn ihre Zeit gekommen ist, macht sie alle Menschen gleich.

Now playing: Sentenced - We are but falling leaves | Stimmung: Entt├Ąuscht

Chicago hat Wifi-Zugang

Jetzt hab ich die ersten paar Stunden den Ubisoft-Titel Watchdogs angespielt und der erste Eindruck bietet mir gemischte Gef├╝hle. Einerseits ist die City riesig, man kann vieles machen und die digitale Omnipr├Ąsenz des Hackbaren zieht sich in jede Pore der Stadt, andererseits wirken Namen, Berufe, Profile der Menschen, die man da beobachtet, hackt, belauscht und um ihr digitales Geld erleichtert flach und unrealistisch. Eben wie frisch aus dem Zufallsgenerator. Der Protagonist selbst erweckt auf mich nicht den Eindruck eines tiefgehenden Charakters, andererseits ist das auch nicht in jedem Spiel notwendig, hier f├Ąllt das allerdings auf weil die bislang echt bescheiden ├╝berraschende Story ihn voll einzunehmen scheint.

Die Steuerung ist (wie bei allen eigentlich f├╝r Konsole entwickelten Spielen) ziemlicher Mist und oft genug mussten Passanten, Autos, Stadteigentum und alles m├Âgliche andere darunter leiden, wenn man gerade mit einem Fahrzeug oder einer Waffe hantiert. Das unrealistische Kampfsystem l├Ąsst leute nach nem T├╝tchen Blei im Kopf umkippen – jedoch nur dann wenn sie nicht alarmiert sind – wenn ein Schuss gefallen ist oder sie anderweitig aufgew├╝hlt wurden, muss man ihnen mehr als ein mal selbiges verpassen. Gleiches gilt f├╝r fl├╝chtige Typen die auf einen schie├čen: wenn ich Bonuspunkte bekomme, wenn ich bei der Verbrechensvereitelung den T├Ąter am Leben lasse und er direkt draufgeht, wenn ich ihm in die Wade schie├če, kann ich den Gedankengang nicht nachvollziehn.

Vom Ambiente her hat man das Gef├╝hl, die h├Ątten versucht GTA, Assassin’s Creed und Deus Ex: Human Revolution miteinander zu verheiraten. Mit dem Ergebnis, da├č die kriminellen Handlungen gr├Â├čtenteils konsequenzfrei und somit irrelevant bleiben, dank der Steuerung die Unauff├Ąlligkeit mehr als schwer f├Ąllt und die n├╝tzlichen Cybergliedma├čen fehlen. Kurzum, eher durchschnittlich. Die NPCs laufen ziellos umher, sollen ganz normale Stadtbewohner mit ganz normalen Geschichten darstellen – das Resultat ist allerdings, da├č es einfach hirnfrei r├╝berkommt – die Modelle und ihre Verhaltens- und Bewegungsweisen erinnern an die zahllosen Klone in Vampire: Bloodlines, nur da├č es mehr als f├╝nf Gesichter gibt.

Hinzu kommt das Sammelfieber in das Ubisoft seit einigen Spielen seine Nutzer dr├Ąngen will – man bekommt das Gef├╝hl, das eigentliche Spiel w├╝rde zur Nebensache. Als w├╝rden die nur abertausende Minigames zusammenbacken in ein gro├čes Meta-Spiel. Nicht immer ein schlechtes Rezept, aber bei dem Setting unglaublich schade. Sinnfrei finde ich nebenbei diese Ruf-Geschichten, die man hat wenn man Verbrechen vereitelt – klar, ich verfolge einen Typen, der einem anderen eine gezimmert hat und klaue im n├Ąchsten Moment f├╝nfzehn ganz normalen Passanten mit miesen Jobs ihr sauer verdientes Geld und das ist in Ordnung. Klar, das eine wei├č die ├ľffentlichkeit, das andere nicht – aber ganz im Ernst, jemandem der als Schildhochhalter arbeitet und damit keine 17K im Jahr verdient M├ľCHTE ich vielleicht keine 500$ aus der Tasche ziehen, selbst wenn ich das als f├Ąhiger Hacker auf der Stra├če mit einer Wifi-Attacke k├Ânnte. Was ich als so jemand viel eher tun w├╝rde, w├Ąre hinter einer Wand aus Proxy-Bausteinen zu sitzen und im gro├čen Stil Gelder umleiten, die eh keiner Vermisst weil dort eh mehr ist, wo das herkommt. Aber mit Logik hat Ubi seine ganz eigenen Probleme. Wenn ich in einem Waffenladen eine neue Wumme kaufe und sie ausr├╝ste und mir angucken will, schreien alle und verziehen sich – und ich kann den Laden ausrauben. Was ist denn das f├╝r eine Absichts-Prediction? Neeeeeeeee. Echt nicht.

Von der Aufmache und der Kritik am technischen ├ťberwachungswahn und was f├╝r seltsame Bl├╝ten das treiben kann – da gef├Ąllt mir das Spiel. Aber aufgrund eines belauschten Gespr├Ąches dem Juckreiz der Selbstjustiz nachzugeben – das ist mir zu amerikanisch, sorry. Es geh├Ârt mehr dazu als den Protagonisten zu „chaotic neutral – might save your life, might steal your car“ zu erkl├Ąren, das ist mir alles irgendwie zu wischi-waschi. So wie ich mich kenne, werde ich die Haupthandlung durchspielen und dann fliegt das Game wieder von der Platte. Schade eigentlich, aber zum kurzweiligen Zeitvertreib f├╝r zwischendurch langt mir das nicht, da zock ich dann lieber wieder Prototype – inklusive der Phantastereien und v├Âllig unrealistischen Gewaltexzesse.

├ťberhaupt, erinnert mich Watchdogs sehr an Prototype – Eine sch├Ân ausgebaute Stadt, jede Menge Menschen die nix wichtiges machen und ├╝berall Gelegenheiten sich etwas oder jemanden zu greifen und irgendwas damit anzustellen. Mit dem Unterschied, da├č Alex Mercer abgefuckt und overpowered war, H├Ąuser hochlaufen und gro├če Strecken gleiten konnte, was die Stadt geschmeidiger machte – gut, er konnte nicht mit dem Auto fahren, in NY ist das aber ohnehin ein verzichtbares Erlebnis. Prototype war aber alleine wegen der Morph- und Kampfoptionen schon fancy, irgendwie ist mir Watchdogs da zu undurchdacht – klar, auf allt├Ąglicher Ebene alles hacken ist eine realit├Ątsnahe Idee (wartet mal noch 20 Jahre, bis wir dezentrale device-to-device Netze haben) und spannend und alles – aber w├╝rde ich wirklich ohne Grund einfach vor mich hin hacken und in anderer Menschen M├╝ll w├╝hlen, nur weil ich was finden und behalten k├Ânnte? Ich glaube nicht.

Gut m├Âglich, da├č ich mit meiner Sicht auf das Spiel alleine dastehe – gut m├Âglich, da├č mein Anspruch auf story driven Gameplay und Charakterentwicklung h├Âher ist als der vom Durchschnittsgamer. Vielleicht erwarte ich nach der Ezio-Reihe von Assassin’s Creed und Splinter Cell: Blacklist einfach zu viel von Ubisoft, weil ich zu wissen glaube, da├č sie es eigentlich k├Ânnen. Ich hoffe die haben dieses „Schalte alle Klamotten/Waffen/Achievements frei“, „Spiele zufallsgenerierte Mission mit einem Random aus dem Netz“ und „Hier ist noch die Zigste OOC Mission“ bald mal durch – ich werde das Gef├╝hl nicht los, da├č die versuchen eine Art Community-Bindung zu betreiben wo es eigentlich haupts├Ąchlich Spieler sind, die f├╝r sich genommen genie├čen wollen anstatt st├Ąndig vernetzt sein zu m├╝ssen. So kann man sich auch ins Knie schie├čen…

Now playing: Rise Against - Help is on the way | Stimmung: Gemischt. Entt├Ąuscht.

Bruderkriege vor der T├╝r

Es gab nur wenige geopolitische Ereignisse die mich so traurig gemacht haben wie der ukrainische B├╝rgerkrieg. Als Russe bin ich damit aufgewachsen, da├č es zwischen Russen und Ukrainern nur den Unterschied gibt, da├č letztere auch noch ukrainisch sprechen. Sie waren „wie wir“ nur halt „von da“. Auch immer vor Augen, da├č Russland staatsgeschichtlich von der Kiew-Rus abstammt und somit beide einander auch entsprechend eng und freundschaftlich miteinander verbunden sind. Und dann lese ich in den Medien, wie sich Menschen in den Heimatorten von Freunden und Bekannten gegenseitig umbringen. Artillerie auf Eltern, Sch├╝sse auf Geschwister, Kampfhubschrauber bei Gro├čneffen und brennende H├Ąuser bei Tanten. Ich glaube das ist der erste Krieg, dessen Wahnsinn ich nicht von mir sch├╝tteln kann, von dem ich nicht gut gesch├╝tzt wie ich hier bin k├╝hl Abstand nehmen und ihn der Gesellschaft zynisch gegen├╝ber kommentieren kann, ihr ihr eigenes Versagen vorhaltend, wie ich das gerne mache.

Ja, mittlerweile ist genug Blut geflossen um das Ganze in den Medien surreal und mit einer gewissen Derealisierung zu betrachten, vielleicht sogar mit einer gewissen auf die Globalpolitik reduzierten Sicht. Aber jedes Mal wenn ich wieder Schlagzeilen aus der Region lese, kann ich nur stumm den Kopf sch├╝tteln w├Ąhrend mir die Kehle zugeschn├╝rt ist. Und immer wieder hallt es in meinem Kopf: „Ihr seid doch vollkommen irre! Was zum Henker tut ihr da eigentlich?! Seid ihr noch bei Trost?“

Politisch ist f├╝r mich der Fall einfach, es handelt sich um den ersten richtigen Stellvertreterkrieg in Europa zwischen USA und Russland, die einen mit S├Âldnern und Finanzierung (wie immer) und die anderen mit false flag Operationen/hybrider Kriegsf├╝hrung. So weit, so bescheuert (weil sowas IMMER bescheuert ist). Das Instrumentarium ist Stoff f├╝r Thriller und Strategiespiele, geheime Propaganda, gegenseitige Anschuldigungen schwerster Art und Volksteile die meinen zu wissen wo es langgeht und die Revoluzzer-Tabletten geschluckt haben. Dann gro├če Gelder. Waffen. Jeder gegen jeden. Nationalisten, Marodeure die rumreisen und mit vorgehaltener Waffe Geld und Wertsachen zusammenrauben – wer sich weigert die Postsendung am Schalter adressiert in die Westukraine zu verschicken, dem wird gesagt „Wenn Du das nicht machst, schie├čen wir Dir eine Kugel in den Kopf und der n├Ąchste macht es.“ So mir angetragen von einer Schwester besagter Postperson in der Ostukraine.

Und jetzt auch noch die Kulturzensur mit rei├čerischer Rhetorik. Ich muss als nicht-V├Âlkerrechtler mir keine Gedanken dar├╝ber machen, ob die Annexion der Krim (die ja vor einigen Jahrzehnten noch „russisch“ war) richtig ist oder falsch, ob sie geopolisitsch Strategisch nachvollzieh- und vorhersehbar war – alles was geschieht, bei dem Menschen f├╝r die Einflussgier anderer Menschen leiden ist i.d.R. gef├Ąhrlicher Unfug – Tatsache ist, da├č die Eskalation der Ukraine-Krise von den USA befeuert wurde wie nur irgendwas. Der „Fuck the EU“ Vorfall war daf├╝r genauso exemplarisch wie das Rumzetern diverser US-Senatoren. Mal wieder sieht man, da├č Krieg f├╝r die USA immer irgendwo anders stattfindet und es ihnen deshalb auch egal sein kann. Die m├╝ssen ja weder als Nachbarn noch als Betroffene mit den Folgen leben, es ist abstrakt genug um daraus ein kleines globales Spielchen zu machen. Und w├Ąhrenddessen sterben Menschen, die mit irgendwem verwandt oder befreundet sind, den ich kenne. Widerlich.

Now playing: Alice Cooper - Pick up the Bones | Stimmung: traurig

Da fallen einem die W├╝rmer aus der Wand

Ich habs mit Altbauwohnungen ja ohnehin nicht so, ihr einziger Vorteil in meinen Augen ist die K├╝hle im Sommer. Da ich nicht allzu gro├č bin und von Prunk nicht viel halte, sind mir Decken, Stuck und die Optik von au├čen relativ egal. Hinzu kommt, da├č alte H├Ąuser konstruktionsbedingte Marotten haben, die von unerfreulich bis gesundheitsgef├Ąhrdend reichen k├Ânnen. Zum einen ist die Isolationsbeschaffenheit – und das gilt f├╝r Schall, Temperatur, Zugluft und dergleichen – oft sehr d├╝rftig, zum anderen ist selbst bei sanierten Bauten durch Einsparungen die Bausubstanz schimmelanf├Ąllig oder einfach instabil.

Letzteres ist bei uns auch der Fall, die SAGA hat der Verarbeitung nach zu urteilen vor ein paar Jahren die billigsten Pfuscher mit dem miesesten Material auf die Wohnung losgelassen und das dann Sarnierung genannt. Ende vom Lied ist, da├č wir feuchtigkeitsaffine W├Ąnde haben, die einfach hingezimmert wurden ohne die Nutzbarkeit zu bedenken. Das Material scheint Porenbeton zu sein, aufgesch├Ąumte Fertigwand aus mehlfein gemahlenem Kalk, Sand und Wasser. Das Zeug ist so hochpor├Âs, da├č man einen Nagel mit blo├čen H├Ąnden in die Wand dr├╝cken k├Ânnte und sie einem entgegenkommt, wenn man ein St├╝ck Tesafilm von ihr abmachen will. Wenn man versucht ein Loch zu bohren, wird es allein durch die Vibration des Bohrers etwa drei Mal so breit und oft genug ist nur wenige Zentimeter nach Beginn der Operation ein unverhoffter Stahltr├Ąger pl├Âtzlich im Weg, und das immer nur an einer Seite.

Regelm├Ą├čig passiert es uns mit den W├Ąnden, da├č irgendwas einfach runterkracht. Sei es ein Bild in Postkartengr├Â├če an einem Nagel oder auch einfach mal ein St├╝ck Wand, nachdem dort ein textil├╝berzogener Stuhlr├╝cken ein Mal zu oft beim Aufstehen dagegengeschoben wurde. Das Loch ├╝brigens mit Moltofill oder anderen Reparaturmitteln wieder zuzukitten hat nicht funktioniert: das Reparaturzeug hat sich beim trocknen um wenige Millimeter zusammengezogen und die es umgebenden Wandk├Ârner einfach mit sich genommen. Es passte, lie├č sich aber rausnehmen und sa├č fortan nur locker. Der Fl├Ąchendeckende Einsatz von Zwei-Komponenten-Fl├╝ssigd├╝bel wurde zur Pflicht, manchmal war aber sogar der Druck aus der Tube schon zu viel f├╝r die Wand, oder aber die anschlie├čende Verschraubung, die mit einer Dehnung einherging, brach gleich ein faustgro├čes Loch in die Verankerung.

Nur den Decken trau ich noch ├╝ber den Weg, die haben aber auch eine Probe von 9 kg pro Haken bestehen m├╝ssen, bis ich die 12 kg Leinwand dort anbringen wollte. Vermutlich liegt es an einer Verkleidungsschicht aus Holz und dem Umstand, da├č der Fl├╝ssigd├╝bel dahinter besonders gut griff. Ich habe f├╝r die Konstruktion auch wirklich epische D├╝bel und Haken genommen, alles andere w├Ąr mir zu riskant. Aber warum eigentlich gerade dieser Rant?

Ich sa├č gestern gegen 18 Uhr in der K├╝che und programmierte mir den Wolf, da tat es einen gewaltigen Schlag und am anderen Ende des Raumes krachte das Gew├╝rzregal mitsamt allem was da drin war nach zwei ruhigen Jahren auf den Kommodentisch darunter und begrub in einem Meer aus staub alles unter sich, was dort gestanden hatte. Die Wand hatte nachgegeben und unter entsprechenden Verlusten ihren Ballast abgeworfen, die Risse in der Farbschicht wurden deutlicher als je zuvor und in den L├Âchern schienen sie sich noch im innern der Wand fortzusetzen. Wenn das jetzt hinter jedem Riss in der Farbe steckt, ist es nur eine Frage der Zeit bis..

..ach Du Schei├če, die H├Ąngeregale m├╝ssen runter. Sofort! Ich hab seit ich sie angebracht habe jedes Mal ein mulmiges Gef├╝hl wenn ich den Geschirrsp├╝ler ausr├Ąume. Selbe Wand, etwas h├Âher, kurze Zeit sp├Ąter: das letzte Glas und die letzte Tasse verschwand unter dem bedrohlichen Knacken von hinter dem Regal auf den Tisch. Schrauben wurden leicht gedreht und schon konnte ich die Dinger runternehmen. Dann alles wieder reinr├Ąumen und erstmal stehen lassen. Alterfalter!

Nachdem wir letztens den endg├╝ltigen Wunsch zum Umzug artikuliert haben, ja sogar fast eine Wohnung bekommen h├Ątten die uns zusagte, steht die Entscheidung – wir m├╝ssen raus. Ich hab schon seit l├Ąngerem den Verdacht, da├č diese Bude, ihre guten Seiten in Ehren, uns ├╝bel zusetzt: Opas Elefantenohrgew├Ąchs, da├č sonst sprie├čt wie Zunder ist bei uns kleiner geworden. Wenn man die Pflanzen nur ein Mal zu oft gie├čt, beginnt die Erde direkt zu schimmeln. Der Zimmerbrunnen verlor seine Pumpe an nicht n├Ąher identifizierbaren Schleim. F├╝nf Haustierchen fanden bereits ihr Ende, die meisten waren an ihrem Lebenslimit nicht angekommen, es geschah einfach, als w├Ąre das Leben anstrengender hier. Die Lebensmittel die nicht im K├╝hlschrank lagern verfaulen so schnell, da├č man fast zugucken k├Ânnte. Kopfschmerzen, M├╝digkeit, Gereiztheit. M├Âglicherweise versucht uns diese Wohnung tats├Ąchlich abzumurksen, wer wei├č.

Ich bin jedenfalls froh, da├č wir bald umziehen und der Prozess jetzt beginnt. Vielleicht haben wir dann auch endlich den Raum, wir selbst zu sein. Eng ist es hier. Wobei wir bei der letzten Umstellung schon einiges gewonnen haben, nur eine Dauerl├Âsung ist das nicht. Aber dazu mehr zu einem anderen Zeitpunkt..

Now playing: Alice Cooper - House of Fire | Stimmung: genervt

Wir sind der europ├Ąische Kredithai

Machen wir uns nichts vor: Wir – sofern man von einem „wir“ hier ├╝berhaupt reden kann – haben die Griechen nicht gerettet, wir haben sie in den Ruin getrieben. Wir haben sie vergiftet mit unserem Geld. Kleines Beispiel? Wir haben ihnen vor der gro├čen Kriese regelm├Ą├čig Geld geliehen, damit sie sich bei uns Waffen kaufen k├Ânnen, so als tolle NATO-Partner die wir sind. Ist sowas nicht eigentlich Umverteilung von Geldern an die R├╝stungsindustrie, gewaschen durch eine andere Regierung?

Als die griechischen Banken alarmiert waren, da sich ihre Kredite im Zuge der Finanzkrise als immer unbedienbarer erweisen w├╝rden, haben wir da nicht der Regierung in Athen das Geld geliehen ihre Bankenrettung durchzuf├╝hren? Ja, das haben wir. Und wir waren mehr als froh, da├č sie darauf reingefallen sind, denn durch die Jahre voller typischer Misswirtschaft von OTCs bis CDSs sind die griechischen Banken zu einem Gro├čteil von unseren „deutschen“ Banken ├╝ber Besitzpapiere gehalten worden. Und damit wir nicht auf den Schulden sitzen bleiben, die auch auf die schlechten Ideen unserer Geldinstitute zur├╝ckzuf├╝hren sind, haben wir die griechische Regierung und andere Mechanismen genutzt, um unseren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Viel mehr ist nicht passiert. Damit haben wir den Griechen ├╝brigens die Gelegenheit genommen, ihre Banken in eine ordentliche Insolvenz zu schicken, so wie die Isl├Ąnder das dankenswerterweise getan haben.

Und jetzt stellen wir uns hin und behaupten, wir h├Ątten die Griechen „gerettet“ und sie w├Ąren zu „luxuss├╝chtig“ um zu sparen? Geht’s noch?! Ohne diese f├╝r uns ├╝beraus lukrative Kapitalrettungsaktion zuvor h├Ątten sie ├╝berhaupt nicht das Problem, da├č sie jetzt horrende Zinsen bedienen m├╝ssen und da├č gleichzeitig ihre Infrastruktur sich selbst kannibalisiert. Ohne unser Eingreifen, g├Ąbe es vielleicht ein paar Banken weniger, aber eben auch ein paar Schulden weniger und die Banken sind jetzt nichts, was einen Staat derartig erodieren lassen darf. Aber das ist wieder typisch Deutschland – Bankenlobby voraus, jeder schnappt sich was vom Kuchen und wenn wir alle was haben, giften wir gegen den Gastgeber, was der sich erdreistet zur Party einzuladen ohne genug f├╝r alle aufzutischen. Und dann leihen wir ihm was, damit er Kuchen f├╝r uns kaufen kann. Da├č er selbst dabei schon lange kein Brot gesehen hat, er├╝brigt sich zu erw├Ąhnen.

Liebe Leute, „die Griechen“, die „wir gerettet“ haben gibt es nicht. Gab es nie. Wir haben unser Geld abgezogen und die Schulden jemand anderem aufgehalst. Und da Schulden und Schuld in Deutschland eine lange verflochtene giftige Tradition haben, zeigen unsere Massenmedien f├╝r Hirnreduzierte und Schnappatmer jetzt mit dem Finger auf „die Griechen“, die „wir gerettet“ haben und sagen, sie seien Schuld. Und wenn schon nicht Schuld, dann uns was schuldig. Gib Deutschland Geld, dann machst Du alles richtig, immerhin sind wir der selbsternannte moralische Zeigefinger Europas. Der homophobe, kleinb├╝rgerliche, r├╝ckst├Ąndige, waffenexportierende Zeigefinger – aber immerhin der moralische.

Und unser peinlicher Haufen von Politikern setzt sich hin und ├╝bt sich belehrend einem Finanzminister gegen├╝ber, der an den besten Wirtschaftsuniversit├Ąten der Welt doziert hat und im Gegensatz zu unseren selbsternannten Wirtschaftsexperten (von denen keiner ein so solides Resum├ę vorweisen kann) seit Jahren mit Experten aus anderen L├Ąndern verschiedene L├Âsungsans├Ątze f├╝r die Eurokrise erarbeitet hat. Und die Medien berichten ├╝ber sein Hemd aus der Hose und sein Motorrad, anstatt sich mal eins seiner B├╝cher genauer anzugucken – kein Wunder, da├č wir im Ausland so gesehen werden, wie wir es verdient haben. Neue deutsche Selbstgerechtigkeit. Passt ja gut zum Zeitgeist, am deutschen Wesen soll die Welt verwesen genesen.

Am Ende opfert diese wirre Tante, die die letzten Jahre erfolgreich den Deutschen Stillstand als Stabilit├Ąt verkauft hat noch die EU f├╝r das „recht haben“. Und die Menschen hier kaufen und lesen hier weiter die Bild, vergiften ihren Geist mit zweitklassiger Information aus dritter Hand, alles nur um glauben zu k├Ânnen ihr Flei├č und Schwei├č ist der Motor Europas und was sie jeden Tag auf der Arbeit tun habe irgend eine Bedeutung. Da will man spontan vor lauter ├ťbermut in anderen L├Ąndern als bundesdeutscher B├╝rger mitregieren. Oder sie zumindest so sehr in die Pleite treiben, da├č sie auf Knien rutschen vor Dankbarkeit, wenn man bei ihnen Urlaub macht. W├Ąhrend Menschen dort aus Not, Armut und Verzweiflung Selbstmord begehen. Und ihre Jobs verlieren, keinen Strom und kein Essen haben. Sch├Ąbig nenn ich sowas.

Bevor hier ├╝brigens jemand wieder ankommt mit „Aber die Griechen..“ – ja, ich wei├č, die haben Steuer- und Transparenz- und Korruptionsprobleme. Die haben wir auch. Mit dem Unterschied, da├č wir sie institutionalisiert haben und sie aus unseren Bilanzen gemogelt bekamen. Mit einem Wirtschaftsminister, der wegen Schwarzgeld damals fast seine politische Karriere h├Ątte beenden m├╝ssen, sollten wir aber tunlichst nicht mit dem Finger auf andere Zeigen. Leute, lest doch mal lieber ein paar B├╝cher zu dem Thema als Zeitungen. Besch├Ąftigt Euch doch mal lieber mit ein paar – wenn auch nicht sch├Ânen – Fakten anstatt zu spekulieren. Schaut Euch die Vortr├Ąge mal an, die im Netz geboten werden von den Unis und Think Tanks, lest mal was Piketty oder meinetwegen Yanis Varoufakis geschrieben hat und bildet Euch eine Meinung zu den Themen anstatt nachzulullen was die Medien Euch jetzt wieder f├╝r eine Wurst verkaufen.

Das kanns doch echt nicht sein. Manchmal hab ich das Gef├╝hl, die Deutschen sammeln „den Euro“ und wenn sie alle haben, machen sie den Laden dicht, die anderen m├╝ssen dann zur├╝ck zu ihrer Drachme, ihrem Franc und ihrem Gulden und wir sind dann ganz allein Europa und keiner darf mitspielen. Wie ein fettes, gieriges enfant terrible. L’├ëtat, c’est moi! – Der Etat geh├Ârt mir! ­čśŤ

Now playing: Sentenced - We are but falling leaves | Stimmung: Entt├Ąuscht

Hammerpunch Knockdown..

..die zweite. Man kennt es ja, wenn es kommt, dann kommts ganz ganz dicke. Und ich hab gesundheitlich gerade wieder derartig in die Schei├če gegriffen, da├č man von Gesundheit an der Stelle kaum noch sprechen sollte. Gut, ich stecke das alles gerade erstaunlich gut weg, aber dennoch ist es wie ein Schlag in die Fresse. Mit Anlauf. Und Metallhandschuhen. Die Spikes haben. Rostige Spikes.

Ich hab neulich irgendwann eine Pizza im Ofen warmgemacht und urpl├Âtzlich hatte ich von unserem uralten Bosch-Ger├Ąt der 70er ├ära nur noch den Griff in der Hand. Ehe ich wusste, was geschehen war, brach die schwere hei├če Glasplatte vorn von ihren Halterungsschrauben und landete mit einer ihrer Ecken sch├Ân vertikal in meinem rechten Fu├čr├╝cken. Klingt episch, f├╝hlt sich schei├če an. Das olle Ding war n├Ąmlich so schwer, da├č der Ofen ohne sie jetzt nicht einmal mehr offen bleibt! Wie das bei meinen F├╝├čen ja bekannterma├čen ist, bleibt so ein Angriff nicht lange ohne Folgen.

Keine zwei Tage sp├Ąter begann die Wunde sich zu entz├╝nden trotz all dem guten Zuspruch und mir schwante schon wieder das alte Wundheilungsdefizit, was ich irgendwann 2007-08 rum gehabt hab mit allem drum und dran. Ich sollte nicht entt├Ąuscht werden, die notwendigen Ma├čnahmen zum Eind├Ąmmen meines Lymph-├ľdems, die Mumifizierungsverb├Ąnde und die G├Ąnge zu diversen Haut- und Gef├Ą├čspezialisten lie├čen nicht lange auf sich warten. Und als ob das nicht genug war, hab ich mir noch eine Influenza eingefangen, also eine richtige Grippe. Diejenige, bei der man f├╝r 2 Wochen erstmal weg vom Fenster ist, weil ansteckend.

Klingt schon mal ganz sch├Ân satt, oder? Denkste! Das war erst der Anfang, denn da Lymph-├ľdem-Patienten eine wesentlich h├Âhere Wahrscheinlichkeit haben, da├č bei der kleinsten Verletzung an ihrer Haut – vor allem den geschw├Ąchten Stellen – sich eine Wundrose (sprich: eine Infektionserkrankung der Haut, meist in Fl├Ąche) einschleicht, war mein Pech noch nicht alle. Neben Hautr├Âtung, Fieber, Sch├╝ttelfrost, Kopfschmerzen und anderen typischen Infektionsbeschwerden, Alptr├Ąumen, Desorientierung und mangelndem Hungergef├╝hl hatte ich zu allem ├ťberfluss auch noch schlechte Laune und durfte zur Ablenkung noch nicht einmal arbeien. Und das wo ich meinen neuen Job echt genie├če! ­čÖü

So lag ich hustend, schniefend, humpelnd, im Fieberwahn vor sich hin gestikulierend die letzten anderthalb Wochen auf der Schnauze und bis ich wusste was ich alles hatte, war das schlimmste gr├Â├čtenteils schon rum. Allem Anschein nach bin ich jetzt auf dem Wege der Besserung, ich kann wieder geradeaus gucken und schmecke jetzt Nahrung und Getr├Ąnk. Aber dieses Wundrose-Risiko-Souvenir wird mir wohl ein Leben lang bleiben, denn die Vaskulitis die ich habe ist offenbar chronisch oder zumindest wiederkehrend (wie so ein bl├Âder Zombie). Das hei├čt, in dem Moment wo ich auch nur wage mir eine Sch├╝rfwunde am Knie nicht zu desinfizieren, kann ich die Stunden z├Ąhlen, bis der ganze Affentanz den ich hier geschildert habe (abz├╝glich der Influenza) wieder von vorn losgeht.

Watt k├Ânnt ich Landminen kacken vor Freude!

Now playing: Cornerstone - Some people fly | Stimmung: Entt├Ąuscht und traurig