Tear down the walls..

..once again! Wir haben es geahnt, da├č wenn die Maurer hier eine Kernbohrung machen es irgendwie schlimmer werden wird als besser. Und wir hatten Recht. ­čÖü

Nachdem mir ein (dem Klang nach) ziemlich besoffener und verwirrter Handwerker bei mir angerufen hat und selbst nicht mehr genau wusste was er bei uns machen sollte, kam es irgendwann nach einem dritten Telefonat zu einem tats├Ąchlichen Termin. „Na das f├Ąngt ja gut an!“, dacht ich mir. Ich hatte bisher immer irgendwie Gl├╝ck mit den Handwerkern – mal inkompetent, mal unzuverl├Ąssig, mal beides. Auch dieses Mal sollte ich nicht entt├Ąuscht werden. (Hier bitte Werbeslogan-Ton dazudenken:) Die sind das Handwerk, die k├Ânnen das!

Als die Handwerker wieder weg waren, entdeckten wir auf der R├╝ckseite unserer Wohnzimmerwand (wo die gebohrt haben) im Schlafzimmer ein vergleichbar gro├čes Loch, wo uns ein St├╝ck Wand und Putz herausgebrochen ist. Einfach so. Weil auf der anderen Seite etwas gemacht wurde. Kr├╝meliges Zeug – „Schlackewand“ nannte das der Maurer. Super, jetzt haben wir ├╝berall au├čer im Bad und im Flur gro├če L├Âcher in der Wand. Die sehen keinen Cent f├╝r die Renovierung, wenn wir hier abziehn! -.-

Now playing: Poisonblack - Them Walls | Stimmung: Irritiert

Die Flugzeugentf├╝hrung der Germanwings 4U9525

Es ist bereits viel gesagt und geschrieben worden ├╝ber das abgest├╝rzte Flugzeug mit den 150 Menschen an Bord, einiges davon sogar sinnvoll. Viel zu viele private Details ├╝ber den Co-Piloten wurden ausgegraben und ans Tageslicht gebracht, viele geheuchelte Tr├Ąnen vergossen und pathetische S├Ątze gesagt. Trag├Âdie, Todespilot, Massenm├Ârder. Suizidgef├Ąhrdet, depressiv, krankgeschrieben. Unter Druck gesetzt, Fluggesellschaft versagt, Gesellschaft versagt. Ich k├Ânnte jetzt ewig die Fetzen aneinanderreihen, die selbst die etwas besseren Medien zu Geiermanieren und Ausschlachtung von sich gegeben haben.

Drama, Baby! That’s what makes the press world go round!

Irgendwie erinnert mich die Reaktion ein wenig an das was durch die Presse ging beim Amoklauf in Winnenden. Krampfartig sucht die Gesellschaft nach einem Schuldigen – und ist er schon tot, m├╝ssen eben die f├╝r ihn verantwortlichen herhalten. Wie die Fluggesellschaften mit Piloten, Kapit├Ąne mit ihren Co-Piloten umgehen – in Angesicht der Billigflieger-Konkurrenz und dem steigenden Druck nicht ├╝berraschend – ist eine Schweinerei, ja – mag sein. Aber das ist nicht der Grund daf├╝r, da├č diese 150 Menschen sterben mussten. Der Grund daf├╝r ist die un├╝berwindbare Sicherheitst├╝r. Der Co-Pilot h├Ątte auch einfach einen Schlaganfall oder Herzinfarkt haben k├Ânnen. Haluzinationen wegen einer Lebensmittelvergiftung oder gestolpert, den Kopf gesto├čen, bewusstlos. Die T├╝r war das Hindernis – Kind eines paranoiden Geistes, der seit dem 11. September 2001 die Welt nicht mehr aus seinem Griff l├Ąsst. Allen Studien, Widerlegungen, Praxistests, etc. zum Trotz.

Das zum tats├Ąchlichen Versagen von Fluggesellschaften, Entwicklern von Sicherheitskonzepten und unseren paranoiden Politikern.

Was mich aber grenzenlos angewidert hat, war nicht, da├č 150 Menschen sterben mussten weil jemand bei der Sicherheitst├╝r die Szenarien nicht zuendegedacht hat. Was mich angewidert hat, war die Reaktion von weiten Teilen der Presse und Gesellschaft auf Menschen mit Depressionen. Was hat man da nicht alles lesen m├╝ssen, Forderungen nach Gefahreinstufungen f├╝r diese Menschen, offene Anfeindungen, Fassungslosigkeit wie man denn „ungl├╝cklich“ sein k├Ânnte bei einem „erfolgreichen“ Leben. Und noch immer versteht die Gesellschaft das Konzept der geistigen Erkrankung der Depression nicht. Dieser Mensch, der sich (und 149 andere) umgebracht hat, war nicht blo├č ungl├╝cklich. Er hatte nicht nur eine Reihe mieser Tage/Monate/Jahre. Er sah sein Leben nicht als erfolgreich an, zumindest offensichtlich nicht in einem Ma├če, da├č ein Weiterleben ihm irgendwas bieten k├Ânnte an dem er glauben w├╝rde Freude haben zu k├Ânnen. Das ganze ist um L├äNGEN komplexer, als es abgefr├╝hst├╝ckt wird und es ist scheinheilig, da├č sich eine Nation aus 80+ Mio Autoexperten, alle paar Jahre auch Fu├čballexperten, vor 15 Jahren f├╝r ein paar Monate Terrorismusexperten sich aufschwingt allesamt Psychologieexperten zu sein.

Das l├Ącherlichste daran war noch die Darstellung von Depressiven als potenzielle gewaltbereite Amokl├Ąufer. Leute, wenn jemand depressiv ist, richtet sich seine Agression in der Regel gegen ihn selbst. Komorbidit├Ąten sind dann gro├č im Programm, Suchtgefahr, selbstverletzendes Verhalten, alles m├Âgliche – aber EBEN NICHT die Kanalisierung von Wut gegen jemand anderen. Oft sind depressive Menschen von Minderwertigkeitsgef├╝hlen geplagt, von ├ängsten, von Perspektivlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Lethargie. Eine alles fressende Ohnmacht hat sich in ihrem Leben breitgemacht und frisst sich wie ein Krebsgeschw├╝r durch alle Facetten ihres Daseins bis sie die Gedanken beherrscht. Der Gedanke an den eigenen Tod kommt bei den Meisten depressiven Menschen ├╝brigens eher fr├╝her als sp├Ąter, aus einem Gedanken werden leicht mehrere – oder eben auch nicht, das kann ├╝ber Jahre wieder in den Hintergrund treten, jedoch pl├Âtzlich durch irgendwas befeuert wieder auftauchen. Das T├Âten anderer steht dann aber nach wie vor nicht auf dem Programm.

Bei einer Depression spielen so endlos viele Faktoren eine Rolle, da├č es bis heute schwierig ist zu sagen, was da l├Ąuft. Von der Hirnchemie, die dem K├Ârper bestimmte Botenstoffe versagt bis zu Traumata aus einer Kindheit an die sich nur noch der K├Ârper erinnert, weil der Geist noch nicht in seiner jetzigen Form existiert hat und zwischen sich und der Au├čenwelt nicht unterscheiden konnte (siehe kognitive Entwicklung von Kindern). Da sind Prozesse im Spiel, die so individuell sind wie die pers├Ânliche Geschichte. Bei dem einen Menschen verursacht ein Klaps auf den Hinterkopf ein Trauma, bei dem anderen nichts. Bei dem einen Menschen wird aus einem gest├Ârten Verh├Ąltnis mit einem Elternteil ein von einer Neurose ├╝berdeckter und getarnter psychotischer Prozess, ein anderer streift das ab als w├Ąre nichts gewesen. Hinzu kommt noch eventuelle Hochsensibilit├Ąt (ca 20% der Lebewesen auf unserem Planeten sind „├╝bertaktet“ was ihre Nervenbahnen angeht), allt├Ągliche Faktoren, Ersch├Âpfung (Lebensm├╝digkeit?) und alle m├Âglichen anderen Facetten. Man kann Depressionen in der Regel nicht „heilen“, man kann nur daf├╝r sorgen, da├č der Patient sie bestm├Âglich „├╝berlebt“ und sich ihnen nicht hingibt, sich nicht aufgibt und immer einen Weg findet sich nicht zu sehr von ihnen am Leben hindern zu lassen.

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Depressive Menschen – und von ihnen gibt es erstaunlich viele, vermutlich ist die Dunkelziffer unvorstellbar hoch – sind krank. Eine sch├Âne Umschreibung, die ich mal geh├Ârt habe war, da├č sich alles was die Seele schlucken muss an ihrem Boden sammelt und wenn es zu viel wird, wird sie schwer und f├Ąllt ins Bodenlose. Und das ist in unserer Welt nicht besonders ├╝berraschend, lernen wir von klein auf doch unsere Gef├╝hle zu verstecken. Wenn jemand stirbt, sagen uns die Eltern „du musst jetzt ganz stark sein“ und vergleichbaren Mist, anstatt da├č sie einem beibringen wie man richtig trauert. Naja, sie haben es wohl selbst nie gelernt.

Gef├╝hle zu zeigen macht angreifbar und schwach, nein liebe Mitmenschen – Fresst Euch um den Verstand, setzt Kinder in die Welt, seid flei├čig und zufrieden mit dem was f├╝r Euch abf├Ąllt und haltet ansonsten Eure Schnauze. Das ist doch der Bullshit, der als Subroutine jedem in seine Programmierung graviert wird. Alice Miller hat in „Am Anfang war Erziehung“ und „Du sollst nicht merken“ ein paar echt gute Punkte auf den Tisch gebracht, die einem zu denken geben sollten. Und in einer kranken Gesellschaft, die wir zweifelsohne haben, als „gesund“ zu gelten ist in meinen Augen kein besonders gutes Zeichen.

Hinzu kommt – und das ist eher eine pers├Ânliche Einsch├Ątzung meinerseits – das immer noch vorhandene Tabu um den Tod. Man verbannt ihn immer weiter aus der Welt in der wir sind. Kinderkult ist ein Symptom der m├Âchtegern-Unsterblichen, genauso wie diese selbstdarstellende Spuren-im-Netz Hinterlasserei, wir klammern uns so heftig an Lebensimitat, da├č wir ganz sorglos den Tod ignorieren k├Ânnen, weil es eh keinen Unterschied macht ob wir heute oder morgen draufgehen, so belanglos ist diese Farce, die wir anderen und uns selbst als unser Leben pr├Ąsentieren.

Und da schlie├čt sich der Kreis zur Presse-Reaktion vom Anfang dieses Posts – Es gab 150 Tote bei dem Flugzeugabsturz – darunter auch Kinder einer Schule mit ihrem Lehrer. Muss mich das interessieren? Was ist mit den alten Menschen an Bord – blo├č weil die es ohnehin nicht mehr lange gemacht h├Ątten, sind die jetzt nicht so wichtig? W├Ąren meine Gro├čeltern an Bord gewesen und ich m├╝sste mir Tagelang in der Presse Schulkameradeninterviews und Elterntr├Ąnen angucken, was w├╝rde das wohl mit mir machen? Wenn meine Freundin Flugbegleiterin gewesen w├Ąre und ich h├Âre st├Ąndig nur ├╝ber tote Passagiere, wie angemessen f├╝hlt man seinen eigenen Verlust von au├čen wahrgenommen? Die Medien k├Ânnten ruhig mal weniger geiern und mal ein wenig menschlicher werden, das w├╝rde ihnen gut zu Gesicht stehen.

Kinder werden sowieso wieder besonders von der Presse hervorgehoben, um betroffen zu machen – potenziell viele Jahre vor sich, gr├Â├čtenteils schutzlos und unbek├╝mmert – werden sie zu kleinen Heiligen hochstilisiert, im Namen des Optimismus um die menschliche Zukunft. Wie viele von ihnen sp├Ąter als Erwachsene rassistische und sexistische Hohlbratzen werden und wie viele im selben Flug draufgegangen Erwachsenen m├Âglicherweise Dinge f├╝r unsere Gesellschaft geleistet haben f├╝r die ihnen noch k├╝nftige Generationen dankbar sein werden – das alles interessiert die Schlagzeile im Schockmoment kein St├╝ck. Hauptsache: Drama, Baby!

Aber gut, da├č es noch jemanden gibt, den das alles nicht interessiert. Sie bekommt ihren Anteil immer. Wenn ihre Zeit gekommen ist, macht sie alle Menschen gleich.

Now playing: Sentenced - We are but falling leaves | Stimmung: Entt├Ąuscht

Da fallen einem die W├╝rmer aus der Wand

Ich habs mit Altbauwohnungen ja ohnehin nicht so, ihr einziger Vorteil in meinen Augen ist die K├╝hle im Sommer. Da ich nicht allzu gro├č bin und von Prunk nicht viel halte, sind mir Decken, Stuck und die Optik von au├čen relativ egal. Hinzu kommt, da├č alte H├Ąuser konstruktionsbedingte Marotten haben, die von unerfreulich bis gesundheitsgef├Ąhrdend reichen k├Ânnen. Zum einen ist die Isolationsbeschaffenheit – und das gilt f├╝r Schall, Temperatur, Zugluft und dergleichen – oft sehr d├╝rftig, zum anderen ist selbst bei sanierten Bauten durch Einsparungen die Bausubstanz schimmelanf├Ąllig oder einfach instabil.

Letzteres ist bei uns auch der Fall, die SAGA hat der Verarbeitung nach zu urteilen vor ein paar Jahren die billigsten Pfuscher mit dem miesesten Material auf die Wohnung losgelassen und das dann Sarnierung genannt. Ende vom Lied ist, da├č wir feuchtigkeitsaffine W├Ąnde haben, die einfach hingezimmert wurden ohne die Nutzbarkeit zu bedenken. Das Material scheint Porenbeton zu sein, aufgesch├Ąumte Fertigwand aus mehlfein gemahlenem Kalk, Sand und Wasser. Das Zeug ist so hochpor├Âs, da├č man einen Nagel mit blo├čen H├Ąnden in die Wand dr├╝cken k├Ânnte und sie einem entgegenkommt, wenn man ein St├╝ck Tesafilm von ihr abmachen will. Wenn man versucht ein Loch zu bohren, wird es allein durch die Vibration des Bohrers etwa drei Mal so breit und oft genug ist nur wenige Zentimeter nach Beginn der Operation ein unverhoffter Stahltr├Ąger pl├Âtzlich im Weg, und das immer nur an einer Seite.

Regelm├Ą├čig passiert es uns mit den W├Ąnden, da├č irgendwas einfach runterkracht. Sei es ein Bild in Postkartengr├Â├če an einem Nagel oder auch einfach mal ein St├╝ck Wand, nachdem dort ein textil├╝berzogener Stuhlr├╝cken ein Mal zu oft beim Aufstehen dagegengeschoben wurde. Das Loch ├╝brigens mit Moltofill oder anderen Reparaturmitteln wieder zuzukitten hat nicht funktioniert: das Reparaturzeug hat sich beim trocknen um wenige Millimeter zusammengezogen und die es umgebenden Wandk├Ârner einfach mit sich genommen. Es passte, lie├č sich aber rausnehmen und sa├č fortan nur locker. Der Fl├Ąchendeckende Einsatz von Zwei-Komponenten-Fl├╝ssigd├╝bel wurde zur Pflicht, manchmal war aber sogar der Druck aus der Tube schon zu viel f├╝r die Wand, oder aber die anschlie├čende Verschraubung, die mit einer Dehnung einherging, brach gleich ein faustgro├čes Loch in die Verankerung.

Nur den Decken trau ich noch ├╝ber den Weg, die haben aber auch eine Probe von 9 kg pro Haken bestehen m├╝ssen, bis ich die 12 kg Leinwand dort anbringen wollte. Vermutlich liegt es an einer Verkleidungsschicht aus Holz und dem Umstand, da├č der Fl├╝ssigd├╝bel dahinter besonders gut griff. Ich habe f├╝r die Konstruktion auch wirklich epische D├╝bel und Haken genommen, alles andere w├Ąr mir zu riskant. Aber warum eigentlich gerade dieser Rant?

Ich sa├č gestern gegen 18 Uhr in der K├╝che und programmierte mir den Wolf, da tat es einen gewaltigen Schlag und am anderen Ende des Raumes krachte das Gew├╝rzregal mitsamt allem was da drin war nach zwei ruhigen Jahren auf den Kommodentisch darunter und begrub in einem Meer aus staub alles unter sich, was dort gestanden hatte. Die Wand hatte nachgegeben und unter entsprechenden Verlusten ihren Ballast abgeworfen, die Risse in der Farbschicht wurden deutlicher als je zuvor und in den L├Âchern schienen sie sich noch im innern der Wand fortzusetzen. Wenn das jetzt hinter jedem Riss in der Farbe steckt, ist es nur eine Frage der Zeit bis..

..ach Du Schei├če, die H├Ąngeregale m├╝ssen runter. Sofort! Ich hab seit ich sie angebracht habe jedes Mal ein mulmiges Gef├╝hl wenn ich den Geschirrsp├╝ler ausr├Ąume. Selbe Wand, etwas h├Âher, kurze Zeit sp├Ąter: das letzte Glas und die letzte Tasse verschwand unter dem bedrohlichen Knacken von hinter dem Regal auf den Tisch. Schrauben wurden leicht gedreht und schon konnte ich die Dinger runternehmen. Dann alles wieder reinr├Ąumen und erstmal stehen lassen. Alterfalter!

Nachdem wir letztens den endg├╝ltigen Wunsch zum Umzug artikuliert haben, ja sogar fast eine Wohnung bekommen h├Ątten die uns zusagte, steht die Entscheidung – wir m├╝ssen raus. Ich hab schon seit l├Ąngerem den Verdacht, da├č diese Bude, ihre guten Seiten in Ehren, uns ├╝bel zusetzt: Opas Elefantenohrgew├Ąchs, da├č sonst sprie├čt wie Zunder ist bei uns kleiner geworden. Wenn man die Pflanzen nur ein Mal zu oft gie├čt, beginnt die Erde direkt zu schimmeln. Der Zimmerbrunnen verlor seine Pumpe an nicht n├Ąher identifizierbaren Schleim. F├╝nf Haustierchen fanden bereits ihr Ende, die meisten waren an ihrem Lebenslimit nicht angekommen, es geschah einfach, als w├Ąre das Leben anstrengender hier. Die Lebensmittel die nicht im K├╝hlschrank lagern verfaulen so schnell, da├č man fast zugucken k├Ânnte. Kopfschmerzen, M├╝digkeit, Gereiztheit. M├Âglicherweise versucht uns diese Wohnung tats├Ąchlich abzumurksen, wer wei├č.

Ich bin jedenfalls froh, da├č wir bald umziehen und der Prozess jetzt beginnt. Vielleicht haben wir dann auch endlich den Raum, wir selbst zu sein. Eng ist es hier. Wobei wir bei der letzten Umstellung schon einiges gewonnen haben, nur eine Dauerl├Âsung ist das nicht. Aber dazu mehr zu einem anderen Zeitpunkt..

Now playing: Alice Cooper - House of Fire | Stimmung: genervt

Wir sind der europ├Ąische Kredithai

Machen wir uns nichts vor: Wir – sofern man von einem „wir“ hier ├╝berhaupt reden kann – haben die Griechen nicht gerettet, wir haben sie in den Ruin getrieben. Wir haben sie vergiftet mit unserem Geld. Kleines Beispiel? Wir haben ihnen vor der gro├čen Kriese regelm├Ą├čig Geld geliehen, damit sie sich bei uns Waffen kaufen k├Ânnen, so als tolle NATO-Partner die wir sind. Ist sowas nicht eigentlich Umverteilung von Geldern an die R├╝stungsindustrie, gewaschen durch eine andere Regierung?

Als die griechischen Banken alarmiert waren, da sich ihre Kredite im Zuge der Finanzkrise als immer unbedienbarer erweisen w├╝rden, haben wir da nicht der Regierung in Athen das Geld geliehen ihre Bankenrettung durchzuf├╝hren? Ja, das haben wir. Und wir waren mehr als froh, da├č sie darauf reingefallen sind, denn durch die Jahre voller typischer Misswirtschaft von OTCs bis CDSs sind die griechischen Banken zu einem Gro├čteil von unseren „deutschen“ Banken ├╝ber Besitzpapiere gehalten worden. Und damit wir nicht auf den Schulden sitzen bleiben, die auch auf die schlechten Ideen unserer Geldinstitute zur├╝ckzuf├╝hren sind, haben wir die griechische Regierung und andere Mechanismen genutzt, um unseren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Viel mehr ist nicht passiert. Damit haben wir den Griechen ├╝brigens die Gelegenheit genommen, ihre Banken in eine ordentliche Insolvenz zu schicken, so wie die Isl├Ąnder das dankenswerterweise getan haben.

Und jetzt stellen wir uns hin und behaupten, wir h├Ątten die Griechen „gerettet“ und sie w├Ąren zu „luxuss├╝chtig“ um zu sparen? Geht’s noch?! Ohne diese f├╝r uns ├╝beraus lukrative Kapitalrettungsaktion zuvor h├Ątten sie ├╝berhaupt nicht das Problem, da├č sie jetzt horrende Zinsen bedienen m├╝ssen und da├č gleichzeitig ihre Infrastruktur sich selbst kannibalisiert. Ohne unser Eingreifen, g├Ąbe es vielleicht ein paar Banken weniger, aber eben auch ein paar Schulden weniger und die Banken sind jetzt nichts, was einen Staat derartig erodieren lassen darf. Aber das ist wieder typisch Deutschland – Bankenlobby voraus, jeder schnappt sich was vom Kuchen und wenn wir alle was haben, giften wir gegen den Gastgeber, was der sich erdreistet zur Party einzuladen ohne genug f├╝r alle aufzutischen. Und dann leihen wir ihm was, damit er Kuchen f├╝r uns kaufen kann. Da├č er selbst dabei schon lange kein Brot gesehen hat, er├╝brigt sich zu erw├Ąhnen.

Liebe Leute, „die Griechen“, die „wir gerettet“ haben gibt es nicht. Gab es nie. Wir haben unser Geld abgezogen und die Schulden jemand anderem aufgehalst. Und da Schulden und Schuld in Deutschland eine lange verflochtene giftige Tradition haben, zeigen unsere Massenmedien f├╝r Hirnreduzierte und Schnappatmer jetzt mit dem Finger auf „die Griechen“, die „wir gerettet“ haben und sagen, sie seien Schuld. Und wenn schon nicht Schuld, dann uns was schuldig. Gib Deutschland Geld, dann machst Du alles richtig, immerhin sind wir der selbsternannte moralische Zeigefinger Europas. Der homophobe, kleinb├╝rgerliche, r├╝ckst├Ąndige, waffenexportierende Zeigefinger – aber immerhin der moralische.

Und unser peinlicher Haufen von Politikern setzt sich hin und ├╝bt sich belehrend einem Finanzminister gegen├╝ber, der an den besten Wirtschaftsuniversit├Ąten der Welt doziert hat und im Gegensatz zu unseren selbsternannten Wirtschaftsexperten (von denen keiner ein so solides Resum├ę vorweisen kann) seit Jahren mit Experten aus anderen L├Ąndern verschiedene L├Âsungsans├Ątze f├╝r die Eurokrise erarbeitet hat. Und die Medien berichten ├╝ber sein Hemd aus der Hose und sein Motorrad, anstatt sich mal eins seiner B├╝cher genauer anzugucken – kein Wunder, da├č wir im Ausland so gesehen werden, wie wir es verdient haben. Neue deutsche Selbstgerechtigkeit. Passt ja gut zum Zeitgeist, am deutschen Wesen soll die Welt verwesen genesen.

Am Ende opfert diese wirre Tante, die die letzten Jahre erfolgreich den Deutschen Stillstand als Stabilit├Ąt verkauft hat noch die EU f├╝r das „recht haben“. Und die Menschen hier kaufen und lesen hier weiter die Bild, vergiften ihren Geist mit zweitklassiger Information aus dritter Hand, alles nur um glauben zu k├Ânnen ihr Flei├č und Schwei├č ist der Motor Europas und was sie jeden Tag auf der Arbeit tun habe irgend eine Bedeutung. Da will man spontan vor lauter ├ťbermut in anderen L├Ąndern als bundesdeutscher B├╝rger mitregieren. Oder sie zumindest so sehr in die Pleite treiben, da├č sie auf Knien rutschen vor Dankbarkeit, wenn man bei ihnen Urlaub macht. W├Ąhrend Menschen dort aus Not, Armut und Verzweiflung Selbstmord begehen. Und ihre Jobs verlieren, keinen Strom und kein Essen haben. Sch├Ąbig nenn ich sowas.

Bevor hier ├╝brigens jemand wieder ankommt mit „Aber die Griechen..“ – ja, ich wei├č, die haben Steuer- und Transparenz- und Korruptionsprobleme. Die haben wir auch. Mit dem Unterschied, da├č wir sie institutionalisiert haben und sie aus unseren Bilanzen gemogelt bekamen. Mit einem Wirtschaftsminister, der wegen Schwarzgeld damals fast seine politische Karriere h├Ątte beenden m├╝ssen, sollten wir aber tunlichst nicht mit dem Finger auf andere Zeigen. Leute, lest doch mal lieber ein paar B├╝cher zu dem Thema als Zeitungen. Besch├Ąftigt Euch doch mal lieber mit ein paar – wenn auch nicht sch├Ânen – Fakten anstatt zu spekulieren. Schaut Euch die Vortr├Ąge mal an, die im Netz geboten werden von den Unis und Think Tanks, lest mal was Piketty oder meinetwegen Yanis Varoufakis geschrieben hat und bildet Euch eine Meinung zu den Themen anstatt nachzulullen was die Medien Euch jetzt wieder f├╝r eine Wurst verkaufen.

Das kanns doch echt nicht sein. Manchmal hab ich das Gef├╝hl, die Deutschen sammeln „den Euro“ und wenn sie alle haben, machen sie den Laden dicht, die anderen m├╝ssen dann zur├╝ck zu ihrer Drachme, ihrem Franc und ihrem Gulden und wir sind dann ganz allein Europa und keiner darf mitspielen. Wie ein fettes, gieriges enfant terrible. L’├ëtat, c’est moi! – Der Etat geh├Ârt mir! ­čśŤ

Now playing: Sentenced - We are but falling leaves | Stimmung: Entt├Ąuscht

Gesch├╝tzt: Wenn der Wein schal wird..

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Now playing: Savatage - Castles Burning | Stimmung: Schadenfreudig

Retrospecflection

Im Novembernebel durch die Nacht, ab durch den Tunnel und in die h├╝gelige Finsternis zwischen Nord und S├╝d. Vor mir rote Lichter, hinter mir grelle wei├če – ich schalte den Spiegel auf stumm und drehe Deadbolt mit „Buy a gun, get a free guitar“ etwas weiter auf. Links neben mir springen massig entgegenkommende Autos gef├╝hlt in den Hyperraum und sind auf nimmerwiedersehen verschwunden. Irgendwo bei Hannover springt mein Chip um auf die Leningrad Cowboys und ich mache einen kurzen Break f├╝r Speis, Trank und Tank.

Nach dem zweiten Glockenschlag komme ich im frankfurter Stadtkern an, biege irgendwann links ab und male ein U auf den Stra├čenbelag vor den Friedhofstoren. Memories. Ich parke mein Gef├Ąhrt und schnappe mir den Krimskrams, der sich mittlerweile im Innenraum verteilt hat. Die letzten Akkorde von Malukah’s Reignite kriechen mir noch durch den Kopf und alte Bilder aus den Welten von Mass Effect ziehen vor mein geistiges Auge als ich die Treppen hochstapfe.

Haarloses Sofamonster awaits! Hab sie vermisst, meine kleine wuselige vierbeinige Schwester. Sie mich offenbar auch, so aufgedreht wie sie war. Ich mache mir das Lager fertig und falle in einen tiefen und traumlosen Schlafmodus. Ich kenne diese Stadt besser als jede andere, ich lebte hier l├Ąnger als irgendwo sonst und doch fremdel ich mit ihr wie mit einem Kleidungsst├╝ck von dem ich wei├č, da├č es mir einst passte. Ich kenne den Stoff, wei├č wie er sich auf meiner Haut anf├╝hlt und erinnere mich daran, wie ich ihn trug – aber nichts davon hat mit dem jetzt zu tun – nicht mehr. Allerdings nicht auf eine distanzierte Weise, es ist alles noch immer Teil von mir, Teil meiner Vergangenheit, meiner Selbst und meiner Erinnerung – bestimmt es dennoch nicht mein Leben. Not anymore.

Ich komme mir ein wenig vor, als w├╝rde ich nach Drehschluss die gigantische Kulisse eines Films an dem ich Jahre mitgearbeitet habe betreten, Realit├Ąten und Erinnerungen ziehen in einem unbeschreiblichen Tempo an mir vorbei, Spuren und Reste von Gef├╝hlen und Gedanken die ich das letzte Mal hatte als ich dort war, wo ich gerade entlanggehe. Hier eine eigenartige Situation erlebt, dort einen Anruf bekommen, da dr├╝ben diese leckeren Pistazien gekauft, nebenan von einem M├╝nzh├Ąndler fast ├╝bers Ohr gehauen worden, dort geparkt und Strafzettel kassiert, da entlang besoffen nach Hause gewankt, hier Wohnung besichtigt, gegen├╝ber zum ersten Mal eine Schawarma probiert, unweit einer Schl├Ągerei aus dem Weg gegangen, dahinter ein Neujahrsfr├╝hst├╝ck im Freien genossen bei Schnee und Sonnenschein. Mir ist in dieser Stadt unendlich viel passiert, in nahezu jedem Winkel gibt es irgendwas spezielles was ich damit verbinde – und dennoch wirkt es auf mich nicht mehr wie ein Zuhause. Vielleicht liegt das daran, da├č ich nicht in meinem alten Leben lebe, mich nicht durch meine Vergangenheit definiere oder gar definieren m├Âchte, mir Teile meines damaligen Daseins unbewusst nie gepasst haben aber die ich nur hinter mir lassen konnte, indem ich ging.

Es hei├čt, wenn man vor irgendwas davonl├Ąuft, holen einen die Sachen fr├╝her oder sp├Ąter ein. Man nimmt Probleme mit, egal wohin man auch geht, denn sie sind das erste was im Koffer landet. Allem Anschein nach bin ich nicht geflohen – alles was ich nicht wollte ist hier geblieben, genau so wie ich es hinter mir gelassen habe. Es ist mehr mit dem Ort und seinen Eigenheiten verbunden als mit mir – genau wie ich es von Anfang an gesagt habe. Doch nicht alles was ich zur├╝ck lie├č fehlt mir nie, genauso wenig wie bei weitem nicht alles was da geblieben ist schlecht oder in meinem Leben unerw├╝nscht war. Aber je ├Âfter ich wieder in die ehemalige Heimat fahre, desto ├Âfter merke ich – eine R├╝ckkehr wird es nicht geben. Nicht in diese Stadt. Nicht in diese Region. Und auch irgendwie nicht in diese Epoche. Dieses Gef├╝hl hat manchmal etwas davon, einen Teil von sich zu begraben – andererseits hat das gef├╝hlt auch was mit dem Druck im Sch├Ądel und dem abgeworfenen Ballast zu tun. Paradox? Nicht wirklich.

Ich nahm mir die Zeit mit Phillip, Flo und Marlene zu fr├╝hst├╝cken, mit Liz irgendwann Nachmittags auf einen Kaffee im Plazz einzufallen und ansonsten Jochen und G├Âhrk einen Besuch abzustatten. Diese hatten mittlerweile einen Konsolen-Tempel ins Leben gerufen, der K├╝hlschrank produzierte nach wie vor Eisw├╝rfel und eine relativ unbespielte Dartscheibe hing an der Wand. Ich hab den Jochen kaum gesehen oder gesprochen seit er Vater geworden ist und es gab beiderseits eine ganze Menge zu erz├Ąhlen, G├Âhrk war indes an einem Jobwechsel dran weil ihm seine aktuelle Arbeit nicht mehr die Erf├╝llung bot die er sich von ihr versprach – also war alles wie immer, nichts blieb wie es war. Die Clique (oder was man davon noch als solches Konstrukt bezeichnen konnte) war weitestgehend unver├Ąndert geblieben und jeder ging so seinem Leben nach.

Ich traf mich mit Jan zur Whisky-Messe, schaute in der Zapp vorbei und besuchte Kosta, Vio und Tharros, fuhr mit Opa f├╝r ein paar Tage an den Mittelrhein und schaute mir die neuen Praxisr├Ąumlichkeiten von meiner Mutter an – kein Vergleich mit den alten in die Jahre gekommenen R├Ąumen von davor. Die Gro├čeltern besuchen, ein Spaziergang auf der Leipziger, zum ersten Mal in dem Geb├Ąudemonstrum der MyZeil (die mich entfernt an die Malls von Dubai erinnerte – nur ohne die Ninjas) – viel zu tun und viel zu sehen.

Immer wieder beschleicht mich in Frankfurt dieses Museums-Gef├╝hl, das Herumgef├╝hrt werden und das Abklappern der Ausstellung. Eine kleine Welt f├╝r sich als Miniatur. Ein Bi├čchen wie Legoland. Nur ohne Lego.

Now playing: Malukah - Reignite | Stimmung: Bleeding

Resident Evil Homework

Es ist eine Weile her, da├č ich ein Game aus der Resident Evil Reihe vor mir hatte. Das letzte welches ich durchgespielt habe war Nemesis, also Teil 3. Die danach folgenden und zT davor oder zeitgleich spielenden Resident Evil Zero und Code Veronica habe ich aus Konsolengr├╝nden damals ausgelassen, den 4. Teil v├Âllig vergessen und dann verschwand das Ganze auch mehr oder weniger aus meinem Blickfeld. Dabei fand ich die ersten beiden Teile spitze (f├╝r die damalige Zeit und Umsetzung waren sie auch durchaus beeindruckend) – der Dritte war eher Naja. Ich bin kein gro├čer Fan von immer wiederkehrendem Supergegner-Konzept, das haben sie in meinen Augen bereits in Nemesis bis zur Unn├Âtigkeit ausgereizt.

Aber zur├╝ck zum wieder aufgegriffenen Gezocke der legend├Ąren Trash-Reihe aus dem Hause Capcom. Letztens war RE 5 bei Steam im Angebot und zur Abwechslung von unseren haushalts├╝blichen Zombies beschlossen Kiki und ich, die Serie an dieser Stelle aufzugreifen. Da man das ganze Ding im Ko-op zu zweit durchzocken konnte, es war dank der Doppelbesetzung daf├╝r ausgelegt (entweder das oder 1 Player + KI Sidekick), hat es sich echt angeboten! Die neuen Gegner, wieder irgend so ein menschenmutierendes B.O.W.-Virus-Teil, waren in diesem Game in dem Setting Westafrika beheimatet. Chris Redfield und Sheva Alomar schlagen sich durch Wellblechh├╝ttend├Ârfer, urzeitliche Ruinen, gef├╝hlt irgendwo zwischen Black Hawk Down und Tomb Raider mit einem Haufen Mutationen.

Dieser seltsame Parasit um den es in der Handlung geht soll (mal wieder) Menschen und andere Kreaturen in lebende Waffen verwandeln die (mal wieder) von irgendwem kontrolliert werden k├Ânnen sollen. Aber das ist alles Show, nat├╝rlich ist die Wahrheit viel schlimmer – dieser Erreger soll auf die gesamte Menschheit losgelassen werden und damit das Ende der Zivilisation besiegeln und niemand geringerem als (mal wieder) Albert Wesker ist diese brilliante Idee gekommen. Mittlerweile ist er von einem nervigen und korrupt wirkenden eiskalten Vorgesetzten (Resident Evil 1) zu einer Mischung von Neo-aus-Matrix und Duke Nukem mutiert – interessant, aber keineswegs bahnbrechend und nat├╝rlich ein wenig albern. Die hochgestochene Art zu sprechen, die seine Arroganz konzeptionell mit einem twist britisch-kolonialem Herablassungsgehabe verbindet, steht ihm in diesem Fall durchaus zu Gesicht.

Trash-Kino vom allerfeinsten, auch wenn es nach einer Weile erst so richtig spielbar wird, wenn man sich an die konsolenlastige Steuerung gew├Âhnt hat. Die sog. QTEs, also das wilde spontane Tastengedr├╝cke um in den Zwischensequenzen handeln zu k├Ânnen bringen etwas Dynamik in das Spiel und abgesehen von der leichten ├ťberdosis Geballer, sind auch ein paar f├╝r die Reihe typische R├Ątsel dabei. Die dummen Spr├╝che kommen nat├╝rlich auch nicht zu kurz, genausowenig wie das obligatorische zeigen mit Pistolen auf Gegner die so gro├č sind wie ein Haus. Aber der Spa├č hat wiederspielwert, zwei bis drei Mal haben wir das Game auf verschiedenen Graden gezockt, lief fl├╝ssig und entspannt. Am Ende rettet man noch Jill Valentine vor dem bitterb├Âsen Albert „Schmalzfrisur“ Wesker, der sie seit dem Ende des letzten Teils kontrollierte.

Zwischen dem f├╝nften und sechsten Resident Evil Teil gab es noch den 5,5ten, wenn man so m├Âchte. Resident Evil Revelations hie├č der Titel und obwohl man da auch ├╝berwiegend zu zweit unterwegs war, haben sie auf einen Koop-Modus f├╝r die Kampagne verzichtet – sehr schade. Immerhin konnte man danach zusammen die Levels einzeln unter Zeitdruck oder bestimmten anderen Kriterien nochmal losgel├Âst von der Story zocken – aber eben kampflastig. Also bissen wir uns durch, beendeten die Kampagne und begannen dann zusammen nochmal von vorn. Bei Revelations wechselt man regelm├Ą├čig Team und Setting, Zeitpunkt und Ausstattung. Ein guter Teil sind R├╝ckblenden, einige Spr├╝nge wirken zun├Ąchst verwirrend, andere wiederum passen perfekt ins Bild – aber alles in allem, nette Idee und ganz sch├Ân umgesetzt. Die Steuerung war aber auch hier ganz sch├Ân im Weg, wenngleich wir damit nicht ganz so sehr am Stock gingen wie bei RE 5, da wir noch davon in ├ťbung waren.

Die Story war ein wenig *hust* konspirativ: Es gab mal eine Modellstadt, die zum Paradies auf Erden hochstilisiert wurde, irgendwo an der K├╝ste von irgendwas. Dann kamen die Terroristen und lie├čen eine ganze Menge B.O.W.s auf die arme Stadt los – und um das Desaster einzud├Ąmmen, wurde eine riesige satellitengest├╝tzte Sonnenwaffe genutzt, die selbige Stadt und alles in ihr komplett einschmolz. Offenbar war es aber einigen der Terroristen gelungen zu entkommen und sie betreiben seit dem ein Katz-und-Maus Spiel mit der B.S.A.A. (die Beh├Ârde f├╝r die Chris Redfield und seine Freunde nach dem Fall von Umbrella begonnen haben zu arbeiten) – eine andere Organisation, das FBC, war ebenfalls in die ganze Geschichte verstrickt und irgendwie gibts ein Tauziehen zwischen den Leitern der beiden Beh├Ârden, was damit endet da├č einer herausfindet, da├č der andere ihn benutzt und verschaukelt hat. Und nebenbei einen Meeresbasierten Virus aus der typischen BOW-Klitsche entwickelt hat und die Stadt damals (mal wieder) nur ein Testgel├Ąnde und ein Rechtfertigungsgrund f├╝r seinen Machtausbau war.

Das Einzige (abgesehen von den verwirrenden und zT ├╝bertrieben trashigen Storyumst├Ąnden), was mich wirklich irgendwann angefangen hat zu nerven war das Schiffsszenario. St├Ąndig im Bauch eines – wenn auch gelungenen – Stahlkolosses umherzulaufen und dort nicht nur eine Kreuzfahrtumgebung, sondern auch noch eine komplette Forschungseinrichtung vorzufinden, immer wieder in die rostunterlaufenen Bullaugeng├Ąnge zur├╝ckzukehren und einen weiteren sehr linear gehaltenen Verlauf der Geschichte zu folgen war gelinde gesagt unbefriedigend. Zwar nicht zu einem katastrophalen Ma├če, aber merklich. Vielleicht lags aber auch daran, da├č wir den Storykram alleine spielen mussten, entt├Ąuscht weil wir etwas anderes erwartet haben. Alles in allem aber ein sch├Ânes Game, da├č gut in die Reihe passt. Vor allem das Finale hat mir sehr gefallen, ein w├╝rdiges und durchweg episches Tyrant-Revival!

Resident Evil 6 geht beim Storytelling f├╝r die Reihe neue und eigent├╝mliche Wege: Man kann die Handlung insgesamt vier mal spielen, aus der Sicht von vier verschiedenen Teams zu je zwei bzw im letzten Fall einem Charakter. Chronologisch ├╝berschneiden sich die Ereignisse und die Figuren begegnen sich immer wieder, landen in den selben Locations oder zumindest in der N├Ąhe davon, helfen oder behindern einander, je nach dem was gerade passiert und erst beim kompletten Durchspielen f├╝gt sich das Puzzle endg├╝ltig zusammen. Das ist schon mal ein ganz dickes Plus vom letzten erschienenen Teil, was ihm nicht nur innerhalb der Reihe einen ganz eigenen Twist gibt, in dieser Form kannte ich das noch ├╝berhaupt nicht – daf├╝r schon mal Hut ab.

Zwei H├╝te runter gibts jedoch wegen der Konsolenartigen Steuerung, die hier mehr noch als in den beiden Teilen zuvor den Spielfluss st├Ârte oder gar g├Ąnzlich behinderte, so da├č man einige recht simple Sequenzen am PC nur mit extremer Anstrengung und ca. 20 mal sterben hinbekommen konnte – gruselig, auf eine ganz eigene Art! Dagegen sind die drei anderen negativen Punkte die mir quer im Magen lagen fast schon trivial: Das un├╝bersichtliche, schwer zug├Ąngliche und unhandliche Inventarsystem – sieht alles fancy aus, ist aber vollkommen bescheuert zu bedienen und eine Zumutung f├╝r jeden, der es mehr als nur gelegentlich nutzen muss oder m├Âchte. Ein weiteres Manko stellten die Zwischensequenzen dar, die keine waren – oft konnte man bestenfalls drei Schritte tun, bevor das n├Ąchste geskriptete Video einen wieder aus dem Fluss riss, zum Teil 7-8 Mal in der Minute. Und das alles wof├╝r? Einen Film in dem man was vorgekaut bekommt? ├ťbertrieben. Und zu guterletzt die nicht konsequent gehaltene 2-Char-Systematik – im letzten Teil ist man alleine unterwegs, als Ada Wong. Das w├Ąre jetzt nicht mal tragisch, aber sie kann optional als Zweitchar einen gesichts- und namenlosen Agenten mitnehmen, einen zweiten Spieler. Nur hat dieser keine Interaktion mit ihr, wird mit-teleportiert, kann noch nicht einmal T├╝ren ├Âffnen und ist auch sonst nicht zuendegedacht – also bitte, Capcom, entweder gleich richtig oder bleiben lassen.

Ein sch├Ânes Gimmick gab es jedoch am Ende: wenn man alles durchgespielt hat, kann man eine Art Survival-Modus in den bekannten Karten spielen. Und das mit den Chars und der Mucke von Left 4 Dead 2! Wenn man mal von der gurkigen Steuerung absieht, ein Hammer! Das macht sehr viel Vorfreude auf L4D3 und l├Ąsst die Zeit bis dahin einigerma├čen ├╝berbr├╝cken.

Aber zur Story: Alles beginnt mit Leon und Helena, mitten in einer zerfetzten und Zombieverseuchten Stadt – dann die R├╝ckblende, Leon und Helena waren wohl dabei den Pr├Ąsidenten zu bewachen als alles in den Eimer ging und mussten ihn (als Zombie) dann schlie├člich erledigen. Ein Obermotz vom Secret Service hat inzwischen versucht den beiden den Mord anzuh├Ąngen und irgendwie war Ada Wong darin verstrickt und wusste, da├č jener den Schlamassel mit zu verantworten hatte, weswegen sie von Leon auch als Zeugin gesehen wurde. Nach und nach schlagen sich Leon und Helena durch die Stadt, einen Friedhof, ein Zisternenlabyrinth und durch noch mehr Stadt – bis sie endlich den ├ťbelt├Ąter stellen k├Ânnen.

W├Ąhrenddessen wird der mittlerweile v├Âllig versoffene Chris Redfield in Osteuropa von einem BSAA-Agenten namens Piers Nivans aufgelesen, der ihn noch aus Vorbildzeiten kannte. Er rekrutiert ihn wieder und versucht mit ihm zusammen gegen die steigende Bedrohung durch BOWs anzugehen. Chris hat aber schwer daran zu kauen, da├č er sein komplettes Team bei seinem letzten Einsatz verloren hat und zeigt sich schwer motivierbar. Dazu tr├Ągt auch Ada Wong nicht bei, die vor seinen eigenen Augen (wieder einmal) sein komplettes Team auf schreckliche Weise ausradiert. Nur noch Piers an seiner Seite, versucht er Ada und die ihr offenbar gehorchende „New Umbrella“ dingfest zu machen, die wilde Verfolgungsjagd f├╝hrt gef├╝hlt durch halb China und endet schlie├člich in einem Flugzeugtr├Ąger. Nein, da endet Ada Wong, sie endet in einem Unterwasserlabor, einem kompletten Forschungskomplex verseucht mit allerhand miesen Viechern.

In Osteuropa ist parallel dazu U.S. Agent Sherry Birkin mit dem S├Âldner Jake Muller – dem rotzfrechen und streitlustigen Sohn von Albert „Duke Nukem“ Wesker unterwegs – er tr├Ągt in seinem Blut die Antik├Ârper f├╝r den aktuell grassierenden C-Virus um den es in diesem Resident Evil teil geht. Jake und Sherry versuchen einigerma├čen unbeschadet aus dem BOW-verseuchten Areal rauszukommen und haben dabei mehr Pech als ihnen gut tut, schlittern also von einer Katastrophe in die n├Ąchste. Irgendwann geraten die beiden auch in die fragw├╝rdige Gastfreundschaft von Ada Wong und ihrer New Umbrella Truppe, aus der sie sich aber schaffen zu befreien. Offenbar waren sie in einer Art Unterwasser-Komplex, treffen dort Chris und Piers auf dem Weg raus und schaffen es irgendwie zu verduften.

In all dieser Zeit schl├Ągt sich Ada Wong alleine durch und begegnet dem einen oder anderen Charakter und hilft ihm aus der Patsche. Sie erf├Ąhrt vom Leiter des Secret Service, da├č sie eine Doppelg├Ąngerin hat, die einen vernichtenden BOW-Anschlag auf die Welt ver├╝ben will und den Kopf daf├╝r hinhalten soll. W├Ąhrend sie versucht ihre Kopie zu stellen, f├╝hren sie ihre wege mal mehr mal weniger orthodox an die selben Orte bisher im Spiel. So schlie├čen sich auch alle L├╝cken in der Story, die noch nicht gekl├Ąrt waren.

Die neuen Gegner dabei sind eine Art mutierte und bei beschuss weiter mutierende BOW-Soldaten, J’avo genannt. Sie tragen eigenartige Masken, haben aber sonst eher was von einer Gang als was von Milit├Ąrs, auch wenn einige von ihnen uniformiert zu sein scheinen, denen wachsen aber ihre Kl├Âten offensichtlich aus den H├Ąlften ihres Unterkiefers. Ein neues Element ist das Stase-Schl├╝pfen, ein Effekt des C-Virus, der infizierte in einen Kokon verwandelt aus dem sich nach einer kurzen Zeit etwas .. sagen wir zuf├Ąlliges und monstr├Âses pellt. Das Achievement „Keiner mag die neuen“ spricht B├Ąnde ├╝ber ihre Popularit├Ąt, sie sind nette Gegner f├╝r zwischendurch, aber zum selber spielen (einer der Modi f├╝r den Online-Multiplayer) mehr als beschr├Ąnkt und den BSAA-Leuten v├Âllig unterlegen. Das Punktesystem mit dem Fertigkeitenkauf und -wechsel ist auch eine Neuerung, ganz nett aber noch nicht wirklich ausgereift wie ich finde.

Alles in allem ist Resident Evil ein w├╝rdiger Teil der Serie mit all seinen Vor- und Nachteilen, aber eben auch mit dem typischen Verbesserungsbedarf – vor allem was immer wieder kehrende Endbosse angeht, die dann nach dem dritten Gemetzel immernoch nicht tot sind und sich von einem Godzilla-inspirierten Vieh ins n├Ąchste verwandeln. Aber das tut der Atmosph├Ąre nicht wirklich einen abbruch und wer sich darauf einlassen kann und auf Trashkino steht, wird dabei voll auf seine Kosten kommen.

Now playing: Midnight Riders - One bad man | Stimmung: Bestens unterhalten

Back in Wacken Town

Um die Festivalsaison ein wenig abzurunden und ein paar Freunde wiederzutreffen, beschloss ich dieses Mal in Wacken vorbeizuschauen. Allerdings anders als man denken mag – nur auf einen Kaffee! Ich koordinierte mich mit Eugen und Arthur, die wie gewohnt seit Montag oben waren und bin am Mittwoch nach der Arbeit direkt hochgefahren. Da Tornesch auf halbem Wege liegt, versprach es eine z├╝gige Anreise zu werden. Doch weit gefehlt! Die Autobahnen waren bis jenseits von Hamburg dicht und ich lie├č mich von ein paar Eingeborenen beraten, welche Wegalternativen f├╝r mich in Frage k├Ąmen um die zulaufenden Besucherscharen zu umgehen. Am Ende gabs nur einen Weg, der was her gegeben hat – ein mal von hinten durch die Brust ins Auge schie├čen, an F├Ąhre und Br├╝cke vorbei ├╝bers Umland – so konnte ich von der anderen Seite des St├Ądtchens anreisen und w├╝rde mir das Warten und die zahllosen Autoschlangen ersparen.

In dem Dorf angekommen suchte ich vergebens einen Parkplatz, war doch alles vollgestellt mit B├╝dchen die Getr├Ąnke verkauften oder Rettungskr├Ąften. Ich ignorierte ein paar „Durchfahrt nur mit Genehmigung des Veranstalters“ Schilder und suchte mir irgendwo in den Seitengassen hinter der Apotheke ein ruhiges Pl├Ątzchen abseits der Leder- und Shirt-Bev├Âlkerung. Ich kam „Zur Post“ und traf dort sogleich die Truppe, Eugen hatte inzwischen Arthur ausfindig gemacht, Uli, Bj├Ârn und Mark waren auch mit dabei. So sa├čen wir, quatschten ein wenig und beseitigten Radler, Biere und Kaffees in der Fr├╝habendhitze. Nach einer Weile wurde es aber ein wenig frisch und etwas dunkler, also beschlossen alle langsam wieder zum Zeltplatz zu stiefeln und ich machte mich auf den Heimweg.

Obwohl es ein nettes Gef├╝hl gewesen war wieder in dem Kaff vorbeizuschauen, welches mir fast 7 Jahre eine Heimat abseits des Alltags war, war ich mehr als froh, wieder zu gehen und mit Wacken nichts mehr zu tun zu haben. Es war recht befreiend, dem Dorf den R├╝cken zu kehren und festzustellen – das war f├╝r mich jetzt genug Wacken-Feeling. Am Horizont klappte auch schon die erste Gestalt zusammen, die ich mitbekommen habe, die Sanit├Ąter kamen mit einer Trage. Offenbar bin ich ein bi├čchen zu alt f├╝r diese Art von jugendlichem Exzess. Ist auch ganz gut so. Sch├Ân wars nat├╝rlich trotzdem, die Bande zu sehen.

Now playing: Arija - Goodbye Norfolk | Stimmung: Irgendwo zwischen happy, nostalgisch und angewidert

From Banoi to Palanai..

..oder von Praslin nach LaDigue. Die Seychellen sind auf der Karte ├Âstlich von Tansania, direkt oberhalb von Madagaskar – ziemlich genau am ├äquator. Sie sind ber├╝hmt f├╝r traumhafte Str├Ąnde, die gr├Â├čte Kokosnuss der Welt, wild lebende Flughunde, Piraten├╝bergriffe und riesige Schildkr├Âten. Bis auf die Piraten haben wir auch alles zu Gesicht bekommen, aber ich fange wohl am besten chronologisch an. Als wir gelandet sind, habe ich eigentlich eine ├Ąhnlich feucht-dr├╝ckende Luft erwartet wie auf Mauritius, aber die blieb irgendwie aus. Vielleicht war ich an die klimatischen Verh├Ąltnisse bereits gew├Âhnt, vielleicht aber waren die Inselgr├Â├čen ausschlaggebend und der Meereswind sorgte f├╝r alles ├ťbrige. Wir warteten an dem s├╝├čen kleinen Flughafen auf den Bus zu unserer F├Ąhre und nahmen zahlreiche bunte Vogel- und Pflanzenarten n├Ąher in Augenschein. Da wir einen fr├╝hen Morgenflug genommen hatten und ich im Flugzeug noch einige Momente schlafen konnte, war ich noch entsprechend Deliri├Âs und kam noch nicht auf die Idee zu viel berichtenswerten Unfug anzustellen. An dem F├Ąhrhafen angekommen, schnappten wir uns die dicken Plastiktickets und gingen an Bord – unser Zielhafen Praslin war etwa eine Dreiviertelstd von Mah├ę, der Hauptinsel, entfernt.

Dort angekommen schnappten wir uns ein Taxi und lie├čen uns an Grande Anse (einer der zwei Siedlungen auf der Insel) vorbei zu unserem kleinen gemieteten H├Ąuschen bringen, wo man uns schon erwartete. Mit Kokosn├╝ssen aus denen Strohhalme ragten nahm man uns in Empfang und f├╝hrte uns hinauf zum h├Âchsten Haus des Seaview-Lodge-H├╝gels, vorbei an dem Schildkr├Âtengehege (offensichtlich Haustiere) und einigen Eidechsen. Wir machten es uns erstmal gem├╝tlich und genossen ein wenig den Ausblick vom Balkon, w├Ąhrend uns unser Hauswirt in die Details der R├Ąumlichkeiten einwies und uns Hinweise gab, wo wir Nahrung, Getr├Ąnke und Souvenirs kaufen konnten. Wir fackelten nicht lange und packten ein paar Strandsachen zusammen, ab ins Auto und ab in den Sand. Es gab diese eine wundersch├Âne Stelle, an der leider vor ein paar Jahren ein Hai eine frischverm├Ąhlte Braut in eine Witwe verwandelt hat, dort hat man dann ein Unterseenetz aufgespannt (von dem wir hinterher erfahren haben, da├č es nicht mehr intakt ist weil f├╝r Wartungsarbeiten schon bald die Mittel gefehlt haben) – malerisch und sehr einladend, also ab ins Wasser allen Gefahren zum Trotz.

M├╝de von der Reise und dem Strandtrip kehrten wir aber auch bald schon heim, immerhin wurde es auf den Seychellen jeden Tag um ziemlich genau 18 Uhr dunkel und die Welt schaltete in den Nachtmodus. Die kurze D├Ąmmerung machte den Effekt noch dramatischer, innerhalb von nicht einmal zwanzig Minuten konnte sie von „fast taghell“ auf „stockfinster“ schalten, w├Ąhrend die heimischen Flughunde den Abendhimmel bekreisten. Einen leckeren Fisch zu Abend, noch ein paar Kokosn├╝sse von unserem sehr herzlichen und stets l├Ąchelndem nepalesischen Haushelfer und wir warfen die Klimaanlage an, damit wir in der Nacht wenigstens eine angenehme Schlaftemperatur hatten.

Am n├Ąchsten Tag zog es uns in ein Naturschutzgebiet, dem Vall├ęe de Mai (UNESCO) – von hier stammte die gr├Â├čte Nuss der Welt, die Coco de Mer – eine Frucht von einer Palmenart, die m├Ąnnliche und weibliche B├Ąume hat und so wie die Ausw├╝chse aussehen, geben die Pflanzen ein grandioses Fruchtbarkeitssymbol ab. Die Ausfuhr einer Coco de Mer ist ├╝brigens nur mit Zertifikat legal, sagte man uns, es stehen hohe Strafz├Âlle f├╝r diejenigen an, die kein solches vorweisen k├Ânnen. Wir lie├čen uns viel ├╝ber die einheimischen Pflanzen und Tiere erz├Ąhlen, w├Ąhrend wir durch die Dschungelanlage staksten, lasen viele Schilder und bewunderten die ├ähnlichkeit mit Banoi und Palanai. Den seltenen grauen Papagai haben wir auch ein paar Mal gesehen, genauso wie einige S├╝├čwasserkrebse und Pilze. Ein erstaunliches Areal, dieses Valley!

Wir nutzten die Gelegenheit schon halb um die Insel rumgefahren zu sein, um die andere Seite von Praslin zu erkunden – mit der anderen Siedlung. Seltsamerweise f├╝hrt um die Insel eine Stra├če, die an einem Punkt in ihrer Durchg├Ąngigkeit unterbrochen ist, hinter dem kleinen Flugplatz kommt man nicht mehr rum und muss den ganzen Weg zur├╝ck um wieder zu uns zur├╝ck zu kommen. Im Dunkeln im Dschungel ├╝brigens nur sehr bedingt empfehlenswert, diese Stra├čen. Mangels Beleuchtung und wegen rasenden Einheimischen ist es, sagen wir, etwas tricky. Wir h├Ątten auch eine Abk├╝rzung nehmen k├Ânnen gem├Ą├č Karte, aber irgendwie hat der Wagen von der anderen Seite schon den Anstieg nicht verkraftet gehabt, also sparten wir uns den zweiten Versuch und fuhren nochmal von au├čen an Grande Anse vorbei. Olga hatte am Abend Kartoffeln mit Knoblauch gemikrowellt und ich hab den K├Ąse und die Nudeln zu irgendwas ansatzweise essbarem verarbeitet und wir verkrochen uns in Zimmern und B├╝chern. Ich hatte das im Deus Ex Universum spielende „Icarus Effect“ zu meiner Reiselekt├╝re erw├Ąhlt und war damit auch schon gut unterwegs. Das Buch bringt einen zu bekannten Gesichtern und Schaupl├Ątzen, skizziert die abgebildete Welt noch etwas feiner und macht Spa├č, so wie es ein guter Cyberpunkroman sollte. Abends leisteten uns ├╝brigens anstatt bef├╝rchteten Mosquitos kleine gr├╝ne und braune Geckos Gesellschaft: im Haus, an den Lampen, im Dachgeb├Ąlk der Terasse, einfach ├╝berall. Putzige Viechers, wenn auch sehr scheu.

Am n├Ąchsten Morgen ging es f├╝r uns bereits weiter auf die Nachbarinsel – LaDigue. Eine der sch├Ânsten Inseln der ganzen Gruppe, hie├č es. Wir nahmen die guten-Morgen-F├Ąhre und machten es uns auf dem Oberdeck mittig bequem. Nah genug an der Plastikplane an der sich einige spanische Yuppietouristen vorbeigeschmuggelt hatten, um auf den noch komplett unbesetzten Pl├Ątzen mit gutem Ausblick und ordentlich Wind im Haar Platz zu nehmen. Das Boot nahm Fahrt auf und es dauerte nicht lange, bis wir miterleben durften warum die Pl├Ątze dort abgesperrt waren: Der Seegang spuckte bei fast jeder Welle einen ordentlichen Eimer Wasser frontal auf diese Sitzgelegenheiten und nach wenigen dieser Erg├╝sse waren die Spanier v├Âllig durchn├Ąsst, hatten ihre Kopfbedeckungen verloren und versuchten verzweifelt ihre iPhones zu retten, w├Ąhrend das gesamte obere Deck sich vor Lachen um diese Show hinter dem durchsichtigen Plastikvorhang kaum halten konnte. Durchgefroren vom Fahrtwind und klatschnass kamen sie nach der kurzen Fahrt leise fluchend wieder heraus, sehr zum Amusement des Personals, was die beiseitegezogene Absperrung jetzt erst entdeckte. Reinster Slapstik. Vers├╝├čt einem den Tag.

Und tats├Ąchlich, die Insel auf der wir ankamen war unbeschreiblich h├╝bsch – ├╝berall kleine H├Ąuschen, die mich an kubanische Touristenviertel erinnerten – abgeranzt aber herzlich, ebensolche Schilder, Fahrr├Ąder und entspannt wirkende Leute. Wir brauchten keine zwei Minuten zu unseren K├Ąmmerlein, die Blick auf den Hafen hatten. Die Fahrr├Ąder hier werden ├╝brigens nicht abgeschlossen, man l├Ąsst sie einfach stehen und fertig. Naja, wohin sollen sie auch schon verschwinden – hier kennt jeder jeden seit Jahren, wei├č wer was hat und woher, insofern ist das entwenden selbiger sinnlos. Da Alla und Olga sich ausruhen wollten bevor sie loszogen die Insel zu erkunden, machten wir uns alleine auf den Weg. Im Visier war der meistfotografierte Strand der Welt und die Anlage drumherum. Zugegeben, diese Insel war weit mehr auf Touristen ausgelegt als die vorherige, aber das tat weder der Natur noch dem Erlebnis einen Abbruch. Wir spazierten s├╝dw├Ąrts und betraten nach einigem Suchen und Finden das Strandareal, wo es vor Felsen, Buchten, Kokosdrinkh├Ąndlern und Krabben nur so wimmelte. Die Algen in denen die Sandm├╝cken br├╝teten waren erfreulicherweise dieses Halbjahr auf der anderen Seite der Insel, wo es raus zum indischen Ozean ging und das Schwimmen wegen dem Sog ohnehin gef├Ąhrlich war.

Wir streiften ein wenig umher, sahen uns die sch├Ânen Str├Ąnde und Klippen an, suchten nach einem nicht von Touristen ├╝berv├Âlkerten Teil und wurden schlie├člich f├╝ndig. Dort hockten wir uns in den Schatten und genossen die Szenerie, den Wind und das Ger├Ąusch der Wellen. Auf dem R├╝ckweg begegneten wir Olga und Alla, die wohl gerade ihre Fahrr├Ąder geparkt hatten und hielten auf einen Drink in irgendeiner kleinen Strandbar, bevor wir mit m├╝den F├╝├čen wieder nach Hause gehen wollten. Die Abk├╝rzung f├╝r die wir uns aber entschieden hatten war jedoch keine. Irgendwo sind wir zu fr├╝h westw├Ąrts abgebogen und weil man auf den Seychellen die Stra├čen nicht zuende baut standen wir schlussendlich irgendwo im Nirgendwo und gingen einen ├Ąhnlichen Weg zur├╝ck wie den auf dem wir gekommen waren. In der Zwischenzeit hatten wir jedoch das Vergn├╝gen wild lebende Flughunde an so manchem Baum klettern und h├Ąngen zu sehen. Fluffig-orange mit schwarzen Schnauzen baumelten sie leicht im Wind und schauten uns an oder kletterten zu komischen Fr├╝chten, die oben im Ge├Ąst verborgen waren.

Als wir die uns bekannte Weggabelung erreicht hatten, passierten wir ein paar nahezu ausgehungerte Pferde (ein trauriger Anblick) und kamen dann an ein recht gro├čes Schildkr├Âtengehege, wo ein einheimischer W├Ąrter gerade selbige f├╝tterte und daraus eine ziemliche Show machte. Einige Fu├čschmerzen sp├Ąter waren wir aber bereits zuhause und konnten duschen und uns etwas ausruhen. Ich hatte mir unterwegs ein paar ├╝bertrieben teuere Urlauberhemden zugelegt und so zog ich mich um und wirkte nun endg├╝ltig wie der letzte Tourist. Am Abend wollten wir die Empfehlung von unserem Hauswirt Ben annehmen und in einem kleinen Restaurant in der N├Ąhe speisen, welches von seinen Verwandten betrieben wird. Dort sollte es das beste Chicken Creole der Insel geben. Leider befand es sich direkt gegen├╝ber eines frisch ged├╝ngten Feldes und bot dem Besucher eine Geruchspalette, die mit frischem Essen nicht viel gemein hatte. Also sind wir von diesem Vorhaben wieder abger├╝ckt und haben uns entlang der Hauptstra├če eine Speisegelegenheit gesucht. Was sich seltsamerweise durch unseren ganzen Besuch zog war das seltsame Verhalten der Einheimischen. In dem Moment, wo sie uns Essen verkauften (egal ob fertige Gerichte oder nur Zutaten) wirkten sie unfreundlich, kalt und irgendwie unwillig. Es gab nur zwei Ausnahmen – die eine sollten wir am folgenden Tag erleben, die andere waren eingewanderte Inder, die eher indisch als einheimisch wirkten.

Die kreolische K├╝che war faszinierend aber recht schnell erkundet. Nat├╝rlich gab es Fisch und Schalentiere in allerhand Variationen, aber vor allem Gefl├╝gel oder auch Rind fand man auf der Karte. Schweinefleisch war eher eine Seltenheit – ich vermute das h├Ąngt mit den beschr├Ąnkten K├╝hlm├Âglichkeiten und der leichten Verderblichkeit zusammen. Seit ich den Jackfruit-Tree in dem Reservoir gesehen habe, habe ich es mir aber in den Kopf gesetzt unbedingt die Jackfrucht zu probieren, diese Gelegenheit sollte ich aber erst auf Mah├ę bekommen. Reis und Kartoffeln, sowie importierte Pasta stellten hier einen Gro├čteil der Beilagen, vieles war scharf oder das was wir Touris daf├╝r halten. Wir zogen uns nach dem Essen wieder auf unsere Zimmer zur├╝ck und planten f├╝r den n├Ąchsten Tag eine kleine Radtour in die andere Richtung als heute.

Nach dem Fr├╝hst├╝ck packten wir unsere Strandsachen aufs Fahrrad und bewegten uns nordw├Ąrts, vorbei am schicken Friedhof in wei├č und auf zum nahezu verlassenen Strand, wo wir Muscheln sammelten und ein wenig im Wasser umherschwammen. Der Boden war Korallen- und Steinhaltig, so mussten die Wasserschuhe herhalten, aber es war sch├Ân anzusehen und gefunden haben wir auch viel Kleinod. Wir lie├čen die betagteren und weniger sportlichen Damen zur├╝ck und radelten nach einiger Zeit alleine weiter, immer die Stra├če entlang, H├╝gel um H├╝gel. Am Wegesrand begr├╝├čten uns einheimische Tiere (zB eine riesige aber gem├╝tliche Schildkr├Âte, ein Hahn und eine Kuh), links ging es steil die Klippen runter – dorthin, wo die Wellen einschlugen und der wei├če Schaum in die Luft sprudelte. In Europa h├Ątte es vermutlich Absperrungen gehagelt, hier war am Ende der Stra├če eine Handbreit Platz bis zum Abgrund.

Aber auch auf dieser Insel baute man die Stra├čen nicht zuende ringsherum und so kamen wir nach einiger Zeit an das Ende. Sie h├Ârte einfach auf. Dahinter sah man nur noch Felsen emporragen und den Ozean auf selbige einpeitschen. Wir machten kehrt und genossen die Strecke ein zweites Mal, hielten hier und da kurz an, badeten unsere F├╝├če und sammelten Gaben des Meeres ein. Als wir wieder zuhause angekommen waren, war es nicht lange hin bis wir zu unserem Abendmahl in ein ans├Ąssiges Lokal mit einem (seltsamerweise) russischen Namen aufbrechen mussten. In Ermangelung einer Stra├čenbeleuchtung improvisierten wir mit Taschenlampen und Rufen eine Menschenkette auf Fahrr├Ądern und trafen so relativ bald dort ein wo wir hin wollten. Die Gastst├Ątte war charmant angelegt, mit kleinem Garten in dessen Mitte einige St├╝hle und Tische Platz boten. Ein St├╝ck dahinter befand sich die Terasse unweit der Bar. Wir suchten uns ein sch├Ânes Eckchen und schauten durch die Karte. In der Zwischenzeit brachte man uns Getr├Ąnke und Eisw├╝rfel – wir haben eine gro├če Freude am einheimisch produzierten Ginger Ale gehabt. Da wir nicht sicher sein konnten ob die W├╝rfel aus abgekochtem Wasser gemacht waren, lie├čen wir der H├Âflichkeit halber einige verschwinden und den Rest zur├╝ckgehen. Kiki hatte mit ihrer spontanen Eis-hinfort-Technik Olga in der Zwischenzeit so zum Gackern gebracht, da├č die arme fast die ganze Zubereitungszeit gebraucht hat, sich wieder zu beruhigen.

Das Essen war k├Âstlich, scharf, knoblauchig und reichhaltig. Zum Nachtisch gab es noch einige Portionen Speiseeis. Oder das was die Bewohner dieser Inselgruppe daf├╝r halten. Es schien offensichtlich aus einer Instant-Pulver-Variante gewonnen zu sein, man schmeckte den mehligen Geschmack – zus├Ątzlich zu dem synthetischer Aromen. Aber auch mal interessant, was Einheimische so aus ihren logistischen M├Âglichkeiten machen.

Wir h├Ątten gerne noch einen oder zwei Tage mehr auf der Insel gehabt, um sie bis in ihre bergig wirkende Mitte zu erkunden, aber am n├Ąchsten Morgen gings f├╝r uns schon wieder weiter zur├╝ck auf Mah├ę. Dort haben wir dann ein paar Sachen geplant zu denen wir bisher noch nicht gekommen sind – Schnorcheln gehen am Korallenriff und die Schildkr├Âteninsel besuchen. Und nat├╝rlich wollten wir noch in Victoria, der kleinsten Hauptstadt der Welt, ein wenig Sightseeing betreiben. Damit begannen wir auch ziemlich direkt, nachdem wir uns in unser wundersch├Ânen Villa im S├╝den der Insel niedergelassen hatten und die Koffer ein letztes Mal auseinandernahmen.

Victoria erinnerte mich stark an eine Mischung aus Henderson (Palanai Island) und Port Louis (Mauritius) – abgeranzt und doch lebendig, vielseitig und doch nicht ungef├Ąhrlich. Wir versorgten uns im Supermarkt mit den Sachen, die wir sp├Ąter brauchen w├╝rden und suchten uns zu Fu├č den Weg zum st├Ądtischen Marktplatz, der erschreckende ├ähnlichkeit mit dem Sea Market auf Palanai hatte. Allerdings gab es da keine Zombies und die Souvenirs waren ganz nett anzusehen. Dort hab ich auch ein P├Ąckchen bereits gesch├Ąlte und geschnittene Jackfruit ergattert, die ich sp├Ąter zuhause auch probiert habe. Eine sehr faszinierende Frucht war das – von der Konsistenz und dem ersten Geschmack erinnerte sie ein wenig an eine faserig-weiche Art Ananas, doch dann kamen Aromen auf, die eher nach Honigmelone und Apfel und zum Schluss zitrusartig schmeckten. Ich habe noch nie etwas derartig kurioses gegessen, muss ich sagen. Wir wuschen und trockneten die Kerne, nahmen sie mit nach Deutschland und mittlerweile sind vier von sechs kleinen Jackfruchtb├Ąumen gekeimt und stehen bei uns auf dem Fensterbrett.

Aber zur├╝ck zum Markt – Olga schaute sich noch ein paar Kleider an, Kiki machte einen Ausflug in die Welt der Gew├╝rze und ich stahl mich davon um ein paar Blumen zu kaufen. Alla hatte Geburtstag und obwohl es ├╝berall wo wir gefragt haben hie├č „Keine Blumenl├Ąden auf den Tropeninseln“, wurde ich am Markt f├╝ndig in einem kleinen eher nach Metzgerei aussehenden Gesch├Ąft in dem es so kalt war wie in einem K├╝hlschrank. Bei den Au├čentemperaturen, verst├Ąndlich – das w├╝rden die Blumen nicht mitmachen. Da Kiki die Alla lang genug ablenken konnte, da├č mein Verschwinden zun├Ąchst unbemerkt blieb, war die ├ťberraschung sp├Ąter um so gr├Â├čer. ­čśÇ Well played.

Mit Speis und Trank gings dann wieder zur├╝ck nach Hause, zumindest nachdem wir ├╝ber Umwege f├╝r den n├Ąchsten Tag einen kleinen Trip um die Insel gebucht hatten. Man gew├Âhnt sich irgendwie ein anderes Tempo an, wenn die Tage so kurz sind und die Abende lang, hab ich das Gef├╝hl. Da ist 16 Uhr schon reichlich sp├Ąt, wenn das Licht gegen 18 Uhr fast komplett verschwunden ist. Seltsames Gef├╝hl das, immer wieder surreal. Wie dem auch sei, am n├Ąchsten Tag waren wir morgens an der Pier und lie├čen uns von unserem leicht bekifft wirkenden Erique in seinem Glasbodenboot zum Schnorcheln an die Korallen bringen. Die Fische waren zum Greifen nah, sprangen fast aus dem Wasser als wir sie unterwegs f├╝tterten. Das Wasser war perfekt, die Korallen und ihre Bewohner ein Augenschmau├č und diese Ruhe, weit und breit nichts – einfach herrlich.

Nach einer ganzen Weile des Auf- und Untertauchens, Schnorchelns und Fotografierens waren wir wieder ins Boot geklettert und los in Richtung Schildkr├Âteninsel, wo ein kleiner Rundgang auf uns wartete. Und mehrere Dutzend Schildkr├Âten! :O Die Insel selbst war vom Schmugglernest ├╝ber Mission ├╝ber Naturreservat schon so ziemlich alles gewesen und ├╝berall fand man kleine Geb├Ąude, ihre Ruinen oder Geschichten und Legenden aus der Region auf netten Schildchen angebracht. An einigen Passagen mussten wir ganz sch├Ân klettern, manchmal auch echt vorsichtig runter um uns nicht zu maulen, aber alles in allem hatte das ganze ein Bi├čchen was vom Monkey Island Feeling f├╝r mich. Es h├Ątten echt nur noch ein paar ├äffchen gefehlt und einige Zettel in denen „Die Monkey Island Kannibalen“ und „LeChuck und die Geisterpiraten“ einander schreiben. Sehr sehr h├╝bsch.

Bevor es zur├╝ck auf die Hauptinsel ging, gab es noch einen Zwischenstop bei einem BBQ am Strand und so kehrten wir wohl ges├Ąttigt, nass und noch immer etwas von Eindr├╝cken ├╝berw├Ąltigt zur├╝ck. Kurze Zeit sp├Ąter pl├╝nderten wir den Inder unseres Vertrauens (Kumar & Kumar) und krallten uns ein paar dekadente Fertiggerichte aus der Region, sowie Reis, Nachtisch und allerhand anderes Zeug, was man f├╝r eine Geburtstagsparty im kleinen Kreis so brauchen kann. Wir genossen die letzten Abende in unserem Domizil sehr, es war ein gro├čr├Ąumiges zweist├Âckiges Geb├Ąude mit Terrasse an einem Hang, mit einem Garten drumherum und Meerblick.

Und so neigte sich die sch├Âne Zeit leider unausweichlich dem Ende zu, wir packten die Koffer ein letztes Mal, fuhren noch einmal zum Strand in der N├Ąhe, doch am Abend ging es bereits in den Flieger und f├╝r ein paar Stunden nach Dubai, wo wir uns soweit m├Âglich im Flughafen lang machten. Zwischen Klunkern und plattem Kitsch ein letztes Auftauchen von Ninjas, Schneem├Ąnnern und pomp├Âsen Shops – dieser Airport war wirklich mehr eine Mall als alles andere. Nach so vielen Tagen in unbeschreiblich sch├Âner Natur ist das was einem auf den zweiten Blick in Dubai geboten wird doch eher bedenklich und ein kleines bi├čchen mitleidserregend als beeindruckend. Trotz allem.

Alles in allem: ein sehr vielschichtiger und abenteuerlicher Urlaub war das! Seltsamerweise weder Sonnenbrand noch M├╝ckenstiche, daf├╝r aber jede Menge bleibende Eindr├╝cke und Erinnerungen.

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United Arab Emirates – Dubai

Viel wusste ich nicht ├╝ber Dubai, nur da├č da ├╝bertrieben pomp├Âs experimentiert wurde, was man mit Geld in einer W├╝ste alles machen kann. Das ging mit den k├╝nstlichen Inseln in Palmenform los und endete mit einer Indoor-Skianlage von beachtlicher L├Ąnge bei ca 50┬░ Au├čentemperatur. Und ich wusste, da├č dort „schwarze Magie“ – wie auch immer man in dieser Variante „schwarz“ definieren wollte – illegal war und von Gesetzes wegen mit mehrj├Ąhriger Haft und Geldbu├čen geahndet wurde. Ganz sicher hatte ich keinerlei Bestreben, mich mit dem okkult wohl kaum gebildeten und bestenfalls vom Islam indoktrinierten Grenzp├Âbel ├╝ber die farbliche Auslegung von praktizierter Seelenkunst zu debattieren. Aber auf unserem kleinen Trip in Richtung Seychellen w├╝rden wir wohl oder ├╝bel das Einkaufsemirat f├╝r einen ganzen Tag besichtigen, also Z├Ąhne zusammengebissen und gucken, was man dem abgewinnen konnte.

Der erste Quatsch begann schon an der Grenze – mein Gep├Ąck beinhaltete diverse Pfeifentabake (unter anderem Jans ganz hervorragende Eigenkreation), Schnupftabak, Knaster (rauchbare Wiesenkr├Ąuter) und andere Konsumg├╝ter und das versetzte die ahnungslosen und offensichtlich paranoiden Zollbeamten dieser wunderbaren kleinen Diktatur in hehre Panik. Nicht nur, da├č meine Habseligkeiten komplett auseinandergenommen und immer und immer wieder von einem schmierigen und unh├Âflichen Kerl ohne Handschuhe (kann sich in Dubai der Staat keine leisten?), Englischkenntnisse und nennenswerten Horizont gesch├╝ttelt, bewegt und begrabbelt wurden, man erwies mir noch nicht einmal die H├Âflichkeit, jemanden heranzukarren der eine Sprache sprechen konnte die ├╝ber das Arabische hinausging. Es h├Ątte echt noch gefehlt, da├č der Zollbeamte an den CDs geleckt h├Ątte wie ein Schimpanse – eine ├Ąhnliche Mimik legte er verwirrt wie er war ja bereits an den Tag. Mit Erstaunen stellte er fest, da├č ich mehrere B├╝ndel aneinandergeheftetes buntes Papier mit Zeichen die er nicht kannte in meinem Koffer hatte. B├╝cher. Warum um alles in der Welt sollte jemand sowas mitnehmen? Reicht nicht, da├č einer immer morgens aus so einem Ding vorsingt? Mittelalter.

Nachdem also ich wegen vermuteten Drogenbesitzes – ohja, es ist gr├╝n, war fr├╝her mal eine Pflanze, muss also illegal sein – beiseitezitiert wurde, kamen irgendwann immer mehr gleichrangige Kollegen von ihm und versuchten – wenn ich das jetzt richtig deute – auf mich durch ihre Anwesenheit Druck zu machen. Aber letzten Endes schauten sie nur ratlos drein und riefen irgendwann den Vorgesetzten, der mich auf einen Wagen verfrachtete und zu anderen Mit-Vorgesetzten karrte, die dann mit ihm zusammen genau das selbe gemacht haben wie die Jungs zuvor, nur offenbar auf Offiziersebene. Ratlos gucken und warten, ob ich nerv├Âs werde oder irgendwas anderes komisches mache. Ein Hoch auf meine Geduld (sie ist ja nicht meine St├Ąrke, aber wenn man die Wahl hat zwischen einem Knast auf der arabischen Halbinsel oder einem Urlaub auf den Seychellen, nehm ich letzteres) – und ich hab ja nichts illegales dabei gehabt. Nicht, da├č es willk├╝rhalber irgendwas ge├Ąndert h├Ątte – die d├╝rfen in so Regimes ja ohnehin mehr oder weniger alles, das Rechtssystem ist f├╝r unsere Verh├Ąltnisse bestenfalls als Atrappe einzustufen. Sie imitieren etwas, von dem sie keine Ahnung haben, warum es da ist – da es aber zum guten Ton geh├Ârt, tun sie es. Das ganze ist ├╝brigens exemplarisch f├╝r den Prunk, Pomp und das Gehabe, was mir die folgenden Stunden darauf zu Gesicht kam. Nichts gegen fremde Kulturen – aber Kulturimitat? Danke.. -.- Klingt jetzt fies wertend, ich wei├č, aber letzten Endes ist das alles k├╝nstlich an einen Standard angepasst worden, um Gesch├Ąfte zu machen, alles andere ist hier ohnehin nur Deko.

Aber zur├╝ck zur Stadt in der W├╝ste. Dubai besteht gef├╝hlt zu 3/4 aus Hotels, der Rest sind Malls und Einkaufspassagen, B├╝rogeb├Ąude und Firmensitze. Wir sind am Abend gelandet und fuhren durch eine – zugegeben saubere und ordentliche – aber leergefegte Stadt in Richtung unseres Hotels. Die gro├čartig ausgeleuchteten Geb├Ąude, die breiten Stra├čen und gro├čfl├Ąchigen Baustellen zeugten von einem unglaublichen Zaster, der dahinter lag. Aber Leben war hier mit der Richtschnur gezogen, jede Palme, jeder Brunnen und jeder Stein schien angelegt, vermessen und genormt zu sein. Kein Wunder, schlie├člich waren es zu gro├čen Teilen deutsche Architekturb├╝ros, die das Emirat ma├čgeblich mitgestaltet haben. Die Bauten selbst waren nat├╝rlich beeindruckend und gaben eine sch├Âne Skyline her, auch wenn man eher den Eindruck hatte in einem Legoland-Modell-Universum spazierenzufahren, nirgendwo in den Geb├Ąuden gab es Licht, daf├╝r waren sie von au├čen um so ausgestrahlter und verzierter.

Wir kamen in unserem echt luxuri├Âsen Hotel an und lie├čen die Reiseerm├╝dung sacken. Schlie├člich hatten wir am darauffolgenden Tag noch viel vor und wollten bald weiterfliegen. Und so begab es sich, da├č wir am Morgen eingesammelt und zur Palmeninsel gebracht wurden. Leider sieht sie nur von oben aus wie eine Palme, wenn man ersteinmal dort ist, nunja – dann sieht man einen Strand und im Hintergrund die pastellfarbene Skyline von Dubai-Stadt. F├╝r eine k├╝nstliche Insel, nicht schlecht – aber alles in allem leider nicht ganz so ├╝berw├Ąltigend wie aus der Luft und wie erhofft. Interessant war es trotzdem – wobei meine F├Ąhigkeit, mich bei den Temperaturen f├╝r Sehensw├╝rdigkeiten zu erw├Ąrmen sich echt in Grenzen h├Ąlt. Immerhin sind ausnahmslos alle Geb├Ąude vollklimatisiert, das selbe gilt f├╝r Fahrzeuge.

Als n├Ąchstes stand das 6-Sterne-Hotel Burj Al-Arab auf dem Programm, wir hatten einen Tisch reserviert und sollten dort f├╝rstlich speisen. Das Buffet lie├č in der Tat keine W├╝nsche offen und so viel Rosengetr├Ąnke, -S├╝├čigkeiten und -Dekoration lie├č einen fast schon glauben nach Rosen duften zu m├╝ssen, wenn man das Geb├Ąude wieder verlassen w├╝rde. Es gab Nachtisch aus Kamelmilch, alle erdenklichen Arten von Schalentieren und Champagner in dem Blattgold schwamm. Dekadent. Einfach nur dekadent. Das Essen bot eine bunte Palette – von der indischen und persischen K├╝che ├╝ber arabische Spezialit├Ąten und Klassiker der westlichen gehobenen K├╝che. Sehr beeindruckend und mehr als f├╝llend. Wen es dort mal hinverschl├Ągt, der sollte sich das nicht entgehen lassen.

Wir besichtigten nach unserem kulinarischen Exzess die beiden gr├Â├čten Malls des Landes, in dem einen war eine ca 1,5 km lange Skipiste mit Lift und Pinguinen aufgebaut, in der anderen ein begehbares (untertunneltes) Aquarium mit Haien und Rochen und anderen Fischen von mehreren Metern H├Âhe. Je l├Ąnger ich dar├╝ber nachdenke, desto eher komme ich zu dem Schluss, da├č ich bis an mein Lebensende nur noch im Dunkeln sitzen k├Ânnte – ohne Strom zu verbrauchen – und die dort pro Minute dennoch mehr Kilowatt durch den Schornstein jagen als ich je einsparen k├Ânnte. Alles ist goldverziert, vermarmort.. oder beides.

Hinter der letzteren Mall befand sich das Burj Khalifa, das h├Âchste Geb├Ąude der Welt – also nix wie hoch. Wir erklommen nach kurzer Warteschlange die 124 Etage und begaben uns raus auf die Aussichtsplattform (just dort gab meine Kamera akkuhalber den Geist auf und ich musste auf Tante Olgas Sekund├Ąrmodell umsteigen). Der Ausblick war erstaunlich, alles so urban aber gleichzeitig auch so weit weg, da├č man sich fast f├╝hlt als h├Ątte man damit ├╝berhaupt nichts zu tun und es w├Ąre nur Spielzeug. Kurz nachdem wir uns umgesehen haben, begann die Sonne unterzugehen und die Stadt erwachte in ein elektrisches Lichtermeer aus Stra├čen, Brunnen und ausgeleuchteten Geb├Ąuden. Ein sch├Âner Wandel, den wir mitgenommen haben.

Als wir wieder unten waren, zog es uns zu den Springbrunnen am Fu├če des Geb├Ąudes. Selbige schossen bis zu 200m in die H├Âhe, wurden ebenfalls mit Licht untermalt und auch mit Musik. Wir beobachteten das Schauspiel von einem nahegelegenen Caf├ę aus einige Male und staunten nicht schlecht ├╝ber die Wasserchoreographie. Doch letzten Endes zog etwas M├╝digkeit in unsere Glieder und wir bewegten uns zur├╝ck zum Hotel, wo wir uns den Spa├č erlaubten gegen ein paar lokale Gesetze zu versto├čen. Am n├Ąchsten Morgen, noch bevor der erste Muezzin kr├Ąhte, waren wir bereits auf halbem Wege zum Flughafen. Die Seychellen waren nur noch wenige Flugstunden entfernt und wir verabschiedeten uns von Dubai f├╝rs erste.

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