..and it wont quit! Im Gegensatz zum letzten und vorletzten H:O:A konnte ich dieses Jahr leider keine komplette Woche vorher freischaufeln und musste zum Festivalgelände direkt anreisen. Donnerstag früh um Sechs gings also zu dritt in zwei Karren mit Kosta und Vio raus aus der Stadt und ab nach Norden wie der geölte Blitz. Nach einem kurzen aber heftigen Stau am Elbtunnel (den ich bisher immer irgendwie umgehen konnte, weil ich mich bei in HH bei C. oder W. einquartiert hatte) wurden die Straßen leerer, der Sprit billiger und die Gegend ländlicher. Am Treffpunkt angekommen, ab in den Edeka und Grillzeug holen. Während des Einkaufs schlug auch der Rest der Belegschaft auf – Thorsten und Anne und leicht später auf dem Parkplatz Daniel und Dana. Damit fehlten nur noch drei, aber die sollten auf dem Platz zu uns stoßen.
Wir kamen an, suchten uns ein schönes und ruhiges Plätzchen und ich lehnte mich zurück und sah den anderen beim Aufbauen zu. Mein Zelt stand ja schon. Die Alubeklebung kam erst später. Deutlich später. Erstmal gemütlich auf die Ankunft einen Heben und dann ab aufs Schlachtfeld, schauen was ansteht. Am ersten Tag standen für mich Steel Horse und Grand Magus auf dem Programm, sowie Destruction. Erstere waren ein schöner Opener, brachten gute Laune mit altklassischem Hard’n'Heavy, nichts exorbitant ausgefallenes aber sehr Stimmungsförderlich. Wie ich später hörte, haben sie mit ihrem Auftritt einen ziemlichen Erfolg hingelegt, der Bassist erwähnte daß er von all den CDs die sie mit hatten, um sie unter das Volk zu bringen nur noch eine Handvoll mit zurück nehmen können würde. Vergriffen wie warme Semmeln. Sei ihnen gegönnt. Grand Magus sind ja eigentlich überhaupt nicht mein Ding, aber seit ich die neue Scheibe gehört habe war ich gespannt auf das was sie live zu bieten hatten und wurde keinesfalls enttäuscht. Die Atmo erinnerte mich ein wenig an BLS und vom Stil her war das alles nicht ganz so doomig wie ich anfangs befürchtet hatte. Während ich das alte Zeug nicht wirklich gut hören kann, stößt das aktuelle bei mir auf Zustimmung. Destruction haben an dem Abend reingehauen wie wahnsinnig. Der Sound war super, die Stimmung schön geladen und auch wenn ich nicht in der perfekten Stimmung dafür gewesen bin (wäre auf einem Festival gelinde katastrophal) war das ein würdiger Gig.
Eins vorneweg: Ich vermisste sehr unsere dekadenten Kochorgien. Aber was zu retten war, wurde gerettet. Immerhin haben wir das Improvisationstalent so gut wie gepachtet. Thorsten hat an die Nudeln gedacht, ich habe es mir nicht nehmen lassen Unmengen von Fleisch anzuhäufen und unser alter Kumpel Jack sorgte für den Rest. Schön war dieses Jahr auch, daß Daniel aka Privateer mit von der Partie war und wir einen heben konnten. 2 Jahre hab ich ihn jetzt nicht gesehen gehabt, weil wir das große “Glück” hatten uns ständig irgendwo zu verpassen. Hab mich ganz schön gewundert wie er in die Breite geschossen ist, hat jetzt ein Kreuz mit dem er Bäume ausreißen könnte. Da merk ich erst wirklich wie wahnsinnig viel Zeit vergangen ist. Mist, ich werd alt. -.- Wiebke und die beiden Andreasse haben sich kaum verändert – gut bis auf das rote Haar, was wie ich finde besser zu dem schwarzen Leder passt – aber das sieht man unten besser als ich es hier beschreiben könnte. Overall war die Truppe harmonisch und locker und alles griff ganz gut ineinander. Ich hatte natürlich die Hälfte meines Krempels zuhause vergessen (passiert mir immer wenn ich überstürzt nach der Arbeit eine Reiseausrüstung zusammenwerfen muss), aber zum Glück hatte der Metal Bus alles in seinen Innereien, was man nur brauchen konnte. Die üblichen Verdächtigen – Till und Fabian – traf man selbstverständlich auch, genauso wie unseren Lieblingsholländer bei dem ich mir immernoch nicht sicher bin ob der überhaupt wegfährt jedes Jahr oder da dauerzeltet.
Wir zogen uns am Freitag die Show von Roxxcalibur rein (irgendwer hat sie mir empfohlen vor langer Zeit, aber ich hab vergessen wer) – war ein feiner Einstieg. Ich mag es, wenn ich sehe, daß die Musiker derb viel Spaß haben bei dem was sie auf der Bühne abliefern und das sah man denen an. Ähnlich wie Steel Horse hat sie die recht frühe Uhrzeit nicht gestört und der Platz war auch durchaus gut gefüllt. Zu Stormwarrior ging es nach einem legeren und leggeren Mittagessen ein zweites Mal vor – diesmal nach vorn. Wie jedes Mal. Ich weiß nicht warum, aber Stormwarrior ist bisher die einzige Band, die mich wirklich jedes Mal bis in die erste oder zweite Reihe zieht. Das war seit ich die das erste Mal gesehen hab nicht anders, zumindest nicht daß ich mich erinnern kann. Privateer war bereits vor Ort als ich eintraf und wir ließen es vorn so richtig krachen, Matte schütteln und mitsingen was das Zeug hielt. Lars war in Bestform und legte als letzten “Song” das Axeley hin, ein 6-Stücke Medley mit all dem Material was zu lang wär zu spielen von der Zeit, was so geil war daß die Fans es hören wollten und er nicht übers Herz brach es wegzulassen. Boah war das geil. Das war perfekt. Das war genau das was ich seit langem gebraucht hab. Heiser und fertig nach diesem Gig gings für mich erstmal zurück zum Zeltplatz – was bin ich gespannt auf das neue Material im Dezember. Mal gucken, wenn die Releaseparty in meinen Urlaub fällt, werd ich mir das nicht nehmen lassen..
Aber damit noch nicht genug, denn für den Abend gabs noch zwei Bands die ich mitnehmen wollte – das eine waren Angel Dust und das andere waren niemand geringeres als unsere gutgelaunten britischen Gentlemen DEMON. Obwohl ich so manchen Song bei Angel Dust verpasst habe, bis ich wieder unten am Platz war, konnte ich mich doch definitiv davon überzeugen, daß sie Live noch eine ganze Ecke wuchtiger daherkommen als man denken mag. Direkt im Anschluss an sie spielten Demon auf, mit ihrer locker-charmanten Art begeisterten sie das Publikum auf eine Weise, die man sonst nur selten zu Gesicht bekommt. Es ist vor allem das Herz, was bei Demon mitsingt und das freudige Lächeln der Künstler auf der Bühne, warmherzig und unkompliziert, straight to the point und mit feinem Humor. Es war ihnen nicht anzusehen, daß sie geschlaucht waren von Flug und Busfahrt, slightly genervt von Verspätungen und Verzögerungen – sie waren wegen dieser Bühne hier, sie sollten ihre Bühne bekommen. Nachdem mein Chip letztes Konzert voll wurde und ich den neuen in die Kamera drückte, wurde mir offenbar, daß mein einer Akku auch schon weg vom Fenster war. Egal, was solls, dachte ich mir, packte das Ding weg und genoss so viel von dem Gig wie ich konnte – und das war ziemlich direkt nach den ersten Songs. Und ich tat gut daran. Ich glaube ich habe den Terminus “Gute Laune” neu definiert. Nachdem ich bei Stormwarrior schon Power getankt hab, gings hier auf die Laune – and then indeed I was a happy man. Hinterher kamen die Jungs noch raus zum Meet & Greet, was vorher wegen des Fliegers ausfallen musste – und waren bester Dinge, offenbar war für die der Gig genauso belebend wie für mich. Was haben die gegrinst.
Schade daß ich zu Culprit schon zu durch war, aber ich glaube ich war so bedient an dem Tag, ich hätte das nur bedingt noch genießen können. Am nächsten Tag geschah allerdings etwas sonderbares. Es wirkte, als hätte irgendjemand den Soundtechniker verschleppt und durch eine Kopie, ein billiges nordkoreanisches Fabrikat, ersetzt. Bei Not Fragile, die mir Liz irgendwann bei einem Melodic Speed exkurs mal nahegelegt hatte, hielt es sich in Grenzen – bei Omen hingegen wars absolut unhaltbar. Vielleicht waren die 4-5 Positionswechsel alle in dem Bereich der mies klang (Daniel erzählte mir später, daß es mittig weit vorne völlig okay war) aber das ist halt so eine Sache – bei Omen sind die Gitarren auf eine sehr eigentümliche Art eingestellt und entweder hat jemand bei der Abmischung so sehr Scheiße gebaut, daß sich da was überlagerte oder der Leadgitarrist spielte dieses Mal sonderbarerweise ein Dauersolo, was übers Echo so befremdlich rüberkam. Ich hab mich noch nicht mal wirklich an die Songs koppeln können, die Setlist war super, aber der Klang hatte es mir nach dem Abend zuvor irgendwie verdorben. Naja – bester Demon-Gig (von 2) und bislang schlechtester (von 4) Omen-Gig auf einem Festival – auch eine Range.. oO
Ich zog etwas enttäuscht vom Platz und machte mir erstmal meine Hoaburger und nahm einen ordentlichen Zug aus der Metpulle, konsultierte Jack zu einem kurzen Gespräch und lümmelte bei guter Beschallung und guter Gesellschaft noch etwas auf dem Zeltplatz herum. Zu Virgin Steele kamen wir wieder auf den Platz runter und stellten fest, der Doom Metal hatte zugeschlagen. Solitude Aeternus haben in ihrer Spielzeit offenbar nicht nur die Takte langsam und genüsslich vor sich hin gespielt, nein – offenbar verzerrten sie mit ihrer Musik das komplette Zeitgefüge der Bühnenumgebung. Je näher man der Bühne kam, desto langsamer wurde alles um einen herum.. und.. nach.. einer ziemlichen.. Weile.. haben.. die dann.. auch.. eine Zugabe.. hingelegt.. bevor.. sie fertig.. waren. Boah. Ich weiß nicht warum, aber Doom fühlt sich für mich Geschwindigkeits und Powerjunkie immernoch an wie heißes Blei, welches man trinken muss. Das ist mal so garnicht meine Welle. Und das obwohl die musikalisch wirklich nicht schlecht waren – einfach nicht mein Ding. Und wir warteten. Anscheinend brauchte diese Realität eine ganze Weile um sich wieder in die Normalzeit zurückzumanövrieren.
Und dann endlich der langersehnte Hauptact – grandios mit “Immoral I stand” eröffneten Virgin Steele ihr Konzert, leider starb in dem Moment das Mikro vom guten David eines schnellen und schmerzhaften Todes und gab trotz gutem Soundcheck gar keinen Ton mehr von sich. Es dauerte wenige Sekunden, bis ein 2-Mann-Team im Hintergrund auf der Bühne herumkrachselte und versuchte das Ding wiederzubeleben. Unterdessen nahm sich DeFeis das Mikro zu seiner Linken und machte gute und vor allem laute Miene zum tontechnischen Spiel. Fast vier Songs waren die Techniker nicht von der Bühne zu bekommen, versuchten dies und das und versagten immer wieder. Gut, in deren Haut möchte ich nicht gesteckt haben, das was da passiert ist, ist der Alptraum jedes Veranstalters – die Fans trugens mit Fassung. Sie wussten, sie würden noch bekommen weswegen sie hier waren und David gab sein bestes einen brillianten Gig abzuliefern. Was ihm und seinen Mannen schließlich auch gelang. Der Sound war stellenweise okay, aber größtenteils nicht zu gebrauchen und doch die Musik zu gut um zu gehen wie ich das bei Manowar auf dem Earthshaker gemacht habe, als es zu einer ähnlichen tontechnischen Katastrophe gekommen ist. “Lieber kein Konzert als ein schlechtes!” war seit dem mein Motto geworden und das hier war beileibe kein schlechtes. Es hätte nur nahezu endlos ungenutztes Potenzial nach oben gehabt. Irgendwann ließ ich den Klang hinter mir und sprang auf die Musik auf wie auf einen fahrenden Zug. In solchen Momenten IST man Musik. Und das ist auch gut aufgegangen – ich hatte eine Menge Spaß und offenbar waren Künstler wie Zuschauer trotz der technischen Flaute über die Maßen begeistert. Das ganze ging auch gut ne halbe Stunde länger als angedacht – inklusive Verspätung und allem drum und dran war ich bedient und fertig im Auto gegen drei, halb vier oder so.
Am nächsten Morgen aufgewacht stellte ich fest “Oh, fast alle weg..” – Gut, die Nordlichter hatten nur kurz zu fahren bis Heim, da kann man es ihnen nicht verübeln, wenn sie sich nicht 2 h hinsetzen und warten bis man ausgepennt aufwacht – Wiebke und Andreas waren jedoch noch da. Offenbar auch beide etwas länger unterwegs gewesen. Unpraktisch wars für sie, daß die Truppe, die ihnen ihr Zeug hier angekarrt hatte schon weg war mit den Autos. Sehr verantwortungsvoll, jaja. Naja – mir kams gerade recht mit den beiden noch einen Moment abseits des Trubels zu verbringen also packten wir ihr Zeug in meine Karre und sahen zu, daß wir nach einem Futter- und Tankstopp in HH (wie vermiss ich diese Stadt) in Richtung Hannover zogen. Immer schön langsam, damit Andreas auf dem Bike noch hinterherkam ohne, daß ihm der Kopf platzte. Dort angekommen, kurze Kaffeepause, mal Wohnung angucken – gemütlich haben die es. Ich stellte mit Erstaunen fest, wie wenig Sprit ich verbraucht hatte und entschloss mich dazu das Tempo auf der Heimfahrt nicht über 120 gehen zu lassen – einfach mal um zu sehen wie lang die Tankfüllung für sagenhaft günstige 134 ct reichen würde. Ich kam nach kurzen Querelen, die in den Kasseler Bergen an letztjährige Probleme erinnern, um 22 Uhr rum zuhause an. Das nächste Mal tanken musste ich im Odenwald, nach meinem Besuch die Woche darauf. Und das obwohl ich nur 35 L hab. Vielleicht sollte ich meinen Fahrstil ein wenig überdenken.
Fazit: Alles in allem eine geile Gartenparty, dieses Headbanger’s Open Air – war jetzt mein drittes und die Karte für das vierte liegt im Auto. Nächstes Jahr freu ich mich besonders auf Striker, Torch und natürlich Crystal Viper. Und wie dieses Mal und eigentlich jedes Mal – auf eine Menge Bands die selbst an mir bisher vorbeigezogen sind und die einfach super Entdeckungen und Eindrücke zum mit zurücknehmen sind.
Hail to The Kingdom of Steel!
Brother Arnoc
Videos:
Grand Magus – The Shadow Knows
Grand Magus – Ulvaskall (Vargr)
Angel Dust – Bleed
Not Fragile – Medley
Virgin Steele – On the Wings of the Night
Bilder unseres glorreichen Gartenfestes: