..ist schon lang überfällig. Ich arbeite jetzt seit gut und gerne zwei Jahren mit Linux – im Speziellen mit Kubuntu, der KDE-Betriebenen Variante vom sonst mit dem GNOME laufenden Ubuntu. Und nach einigem hin und her, sprich also gesammelter Erfahrung, trag ich in diesem Post mal das an Handhabungswissen zusammen, was ich mir als Einsteiger und Anfänger mühsam zusammenkratzen durfte. Einige der Fetzen die hier auftauchen werden entstammen auch diversen Foren und wurden von mir hierfür aufbereitet. Was hier zu Programmen und Einstellungen steht spiegelt aber im Grunde meine Sicht aufs Ganze und meine Methoden wieder und soll nur ein paar Lösungsansätze liefern, ich übernehme keine Haftung für kaputte Systeme oder sonstig verwuselte Einstellungen.
Ich muss immer wieder an die Zeit zurückdenken (und als Neuling in der Linuxwelt komme ich mir komisch nach 2 Jahren einen Satz so zu beginnen) als man die Grafikkartentreiber mühsam per Hand in die xorg.conf eintragen durfte, Dinge nicht auf anhieb liefen wie sie sollten, man Laufwerke per Konsole einhängen musste und vieles derart mehr – und bin sehr froh was wir mit der 9.04 version mittlerweile haben: Ein stabiles, modernes und nutzerfreundliches System, daß schnelles und freies Arbeiten mit dem Rechner ermöglicht. Aber ich fange für die Querleser vielleicht noch weiter hinten an:
Was ist Linux?
Linux ist in meinen Augen mittlerweile ein Sammelbegriff für UNIX-Stämmige (freie) (opensource) Betriebssysteme. Wer möchte, kann sich die unglaubliche Vielzahl an Derivaten gern bei Wikipedia angucken – da gibt es das Arch-Linux für die Leute mit Abneigung gegen Interfaces, das Ubuntu für die mal mehr mal weniger geübten Quereinsteiger, Mandriva, Red Hat, Fedora Core, SUSE und viele mehr. Was geschichtlich für meine Lieblingsversion relevant ist zu wissen: Ubuntu entwickelte sich aus Debian heraus. Mittlerweile ist es das kompatibelste und (soweit getestet) einfachst zugängliche Betriebssystem der Pinguinwelt.
Was ist die Philosophie von Linux?
Ich bin natürlich nicht in der Position hier irgendwelche verbindlichen und omnivalenten Äußerungen zu machen, aber so wie ich bisher die Leute in den Foren erlebt hab, den hilfsbereiten Support in jeglichem Umfang, die verschiedenen Nutzer – ist mir eines klar: Wer Freiheit will, wird mit Linux gut fahren. Es geht hierbei nicht nur um kostenfreie Software in Form eines Betriebssystems, sondern viel mehr um eine Art gemeinsamen Arbeiten an und gemeinsames Erleben von einigen noch nicht ganz klar definierten Rechten eines jeden Menschen im Informationszeitalter – dem Recht mit der Technik gut, sicher und zuverlässig zusammenarbeiten zu können und dem Recht sie möglichst effizient, nutzbringend und fortschrittlich einzusetzen. Denn jeder Nutzer wird, früher oder später entweder jemandem über Linux erzählen, der es noch nicht kennt – einen Beitrag schreiben, der anderen Nutzern hilft – einen Comment hinterlassen weil irgendwo ein Error aufgetaucht ist – verschiedene Programme testen, bewerten und durch Verbreitung oder durch das drücken des Paypal-Spendenbuttons fördern. Es ist ein selbstläufer, der auf genau diese Art und Weise den Teilnehmenden etwas zurückgibt, nämlich den Support einer ganzen Community. Man ist mit keinem Problem, daß man hat, der erste und es gibt fast immer jemanden der einen Workaround gefunden hat. Reichlich altruistisch das ganze. Funktioniert aber genau so. In einer Zeit, wo Lizenzen hunderte von Euro kosten, wenige Megacons den Markt für Betriebssysteme dominieren und die amtierende Generation von Computerkennenlerner immernoch denkt “gut kann nur sein was Geld kostet” ist Linux gefragter denn je. Sicherheitslücken werden schneller gefunden und direkt gekillt, Ideen zeitnah umgesetzt und in Gedankenpools vorangetrieben. Und nutzen kann, darf und soll die freie opensource Software jeder, denn davon lebt sie. Aber genug, ich glaube die Message kam an – wen dieses Thema noch tiefer interessiert, kann sich ja mal reinlesen.
Für wen ist Linux geeignet?
Prinzipiell für jeden, der am Computer zu tun hat. Zugegeben, die Spieleindustrie und so spezialanwendungen wie CAD und Co. sind dank der bislang gefahrenen Politik diverser Konzerne im Linuxsektor nur bedingt vertreten (wobei die meisten älteren Anwendungen mit WINE mittlerweile zum Laufen gebracht werden können und Cadega gibt es ja auch noch), aber sowohl Office-Anwendungen, Grafikbearbeitung, Audio- und Videoschnitt, Datenmanagement als auch die gesamte Fülle des Internets kommt unter Linux zum Einsatz. Das heißt im Grunde, daß diejenigen die nur zocken wollen oder nur am Rechner hängen, um CAD zu nutzen die einzigen sind die dem nix abgewinnen können – und selbst die können ihr altes Betriebssystem behalten und sich über Wubi (ein Linux-Als-Windowsprogramm-Installator) die Virtualbox OSE (eine Virtuelle Maschine die verschiedene Betriebssysteme in einem Fenster laufen lassen kann) oder mit einer Live-CD (Bootfähige CD mit vollem Umfang) einen Eindruck davon verschaffen, was Linux für sie bereithält. Und wems gefällt – der braucht sein altes System nicht wegschmeißen, er kann sich am Anfang aussuchen was gebootet werden soll – man kann nur gewinnen.
Wie bin ich auf Linux gekommen?
Es kam an dem Tag wie es früher oder später immer kommt: Ein Systemabsturz im Windows, keine Rettung mehr durch irgendwelche obskuren Versuche meinerseits das System wieder in Gang zu bekommen und die Suche nach einer Möglichkeit für Datenrettung. An genau dieser Stelle kam Knoppix ins Spiel – selbiges war für genau solche Fälle ausgelegt und ließ sich auch perfekt von CD starten, ich konnte intuitiv alles finden, sichern, runterbrennen und die Datenbestände aus dem Dreck ziehen. Schnell, sicher, unkompliziert. Das hat mich beeindruckt. Einige Monate später erzählte mir Kosta von dem Linux, daß er nutzte und wir quatschten ein bißchen darüber. Ich hatte noch immer meine Vorurteile, die aus der Zeit stammten wo man jeden Treiber noch per Hand kompilieren musste und erstaunlich wenig Ahnung wie weit entwickelt das alles mittlerweile war. Also entschloss ich mich, ein bißchen was auszuprobieren und fand immer mehr gefallen dran. Linux wird dir nicht sagen “Zugriff verweigert! Kontaktieren Sie den Administrator, wenn das Problem wieder auftritt.” – denn die Kiste macht was ihr gesagt wird und wenn man root ist, sprich der Gottkönig und Alleinherrscher des Systems mit dem Zaubermacht(pass)wort bestückt, kann man alles und darf es auch. Ob man es sollte, steht natürlich auf einem anderen Blatt. So hab ich es geschafft mir damals eine externe Festplatte zu killen, als ich “mount … -force” eingegeben habe und mit dem Force-Befehl sämtliche Warnungen überbrücken konnte. Was ich nicht wusste: Hätte ich die Logfile der Festplatte mit den ntfs3g-tools geleert, wär das auch ohne gegangen. Aber diese Art Laufwerke ans System anzugliedern ist auch schon einige Distributionen her. Ich glaub irgendwann bei der 7.10er oder so war das. Heute ist alles Plug’n'Play. Naja, so tastete ich mich heran und da ich fast jeden Tag vor dem Rechner sitze, ist Erfahrung nur eine Frage der Zeit.
So viel zu meiner persönlichen Vorgeschichte mit und um Linux. Ab hier kommen die Klassiker, die Probleme die jeder irgendwann hat und jeder irgendwann löst oder umgeht. Nicht alphabetisch, nicht chronologisch, nicht nach dringlichkeit oder Programmsortiert, sondern einfach mal nach Gefühl.
Basics:
Born to be root: Wenn Du willst, daß was passiert hau auf den Tisch! Wenn Du willst, daß die Kiste macht was Du sagst, beginnst Du Deinen Befehl mit
“sudo” oder gibst
“sudo -i” ein, damit der Rechner auch weiß wer da vor ihm sitzt und daß widerrede sinnlos ist. Wenn man im KDE arbeitet, mit Hilfe von Ausführleiste “Alt + F2″ heißt der
Superuser-
do-Befehl dann
“kdesu” – besonders nützlich, wenn man Kate darum bitten will eine File zu öffnen die im Systemordner klebt und die man bearbeiten können soll. Nett veranschaulicht hat
XKCD die sudo-command
hier.
Know where to get it: Pakete haben Quellen und wenn Du was installieren willst über die übliche “
apt-get install“-Technik und er nichts findet, kann es sein daß es aus Lizenzgründen nicht in der Starterpackung der Paketquellen enthalten ist. So ist es zum Beispiel mit dem Medibuntu Multimedia Keyring, mit diversen Codecis und anderem Zeug. Mit Amarok 1.4 (die alte aber immernoch deutlich bessere Version des legendären Musikplayers) verhält es sich seit 8.04 ähnlich. Bei Kubuntu 9.04 muss man zum Beispiel mit “
kdesu kate /etc/apt/sources.list” die Liste mit den Paketquellen um die Launchpad-Adressen “
deb http://ppa.launchpad.net/bogdanb/ppa/ubuntu jaunty main” und “
deb-src http://ppa.launchpad.net/bogdanb/ppa/ubuntu jaunty main” bereichern, damit die Kiste weiß woher sie es zu nehmen hat. (An der Stelle sei noch erwähnt, daß man einen Key braucht den man mit
“sudo apt-key adv –recv-keys –keyserver keyserver.ubuntu.com AE74AE63″ erhalten kann.) Erst dann nämlich kann man – nachdem man durch
“apt-get update” die Quellen neu eingelesen hat mit
“apt-get install amarok14″ die klassische Version des Players installieren (Die ggf mitgelieferte Amarok 2 Version kann man mit den schlichten aber geheiligten Worten
“apt-get remove amarok” loswerden). Einfaches aber schönes Beispiel. Quellenmodifikation, Reload, Installation. Und immer schön root sein dabei.
I talk this strange tongue of thine: Wir hatten gerade ja schon diverse Lizenzgeschichten angesprochen – wie zum Henker bekommt man WMA-Dateien zum laufen? WMA sind eigentlich der Urbegriff von Windowsdateien mit Audio-Hintergrund. Und das kann Ubuntu normalerweise nicht auf Anhieb. Aber es gibt da diese eine Paketquelle die weiterhilft: “
deb http://packages.medibuntu.org/ hardy free non-free“ – also ab damit in die Quellenliste und dann das Paket “
medibuntu-keyring” installieren – Tadaaa! Ach ja, was man übrigens noch bei Quellen beachten sollte – die Version die man hat (in diesem Fall gerade Hardy Henron aka 8.04) ggf. anpassen – nicht einfach nur Copypasta kochen was in irgendwelchen Boards oder Blogs steht, immer mit einem wachen Auge dabeibleiben!
Cooking terminal Copypasta, it’s delicious: Und wo wir bei Kopieren und Kommandozeile sind, mit einem einfachen Ctrl+V ist es in der Konsole nicht getan, damit könnt ihr das Terminal nur wenig beeindrucken. Was ihr an der Stelle benutzen solltet ist Shift + Einfg. Was die Konsole generell angeht, hab ich meinen Favoriten gefunden – es ist “yakuake”. Eine Quake-Artige Konsolenumgebung die sich wie eine Spinne von der Decke herabseilt. Diejenigen von Euch die sich noch an Quake 1 erinnern wissen sicher noch was das damals für eine Neuerung war direkt im Spielgeschehen dieses Schätzchen an der Hand zu haben. Ich kanns jedem nur empfehlen – bei mir liegts außerdem auf F1, damit ich mich nicht ständig mit der Hilfe rumschlagen muss die der Rechner aufruft wenn ich ausversehen an die Taste komme.
Alien Invasion ain’t always bad: Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten Programme zu installieren. Die zwei verbreitetesten nach der Installation aus der Aptitude heraus, war die Nutzung sog. Fertigpäckchen. Der Red Hat Paketmanager ist der Grund für das gehäufte Auftreten von .rpm Dateien und die andere, Ubuntu nähere Möglichkeit ist eine Debian-Intallationsdatei, üblicherweise mit .deb am Ende. Beide Typen finden sich in Sammlungen auf
rpmSeek, einer Suchmaschine für solche Pakete und mittlerweile ist es normal, daß man sie einfach öffnen kann. Früher gab es ein Programm namens “alien”, welches aus einer Vielzahl verschiedener Pakete ein .deb machen konnte und es somit an die Routine des Ubuntu angepasst hat. Außer diesen bin ich auch schon mal über .bin Installationsdateien gestolpert – diese kann man in ihrem Ort mit dem Befehl “
sudo chmod -x datei.bin” vorbereiten und im Anschluss mit dem Aufruf inklusive Pfad “
sudo sh /home/nutzername/Desktop/datei.bin” in Betrieb nehmen. Was für mich nach Jahren immernoch recht rätselhaft ist, sind die sogenannten Tarballs – gepackte .tar.gz Archive, die den Quellcode des Programms enthalten. Diese muss man kompilieren mit “
./configure“, “
make” und “
make install” – oder so ähnlich. Ganz raus hatte ich es noch nie, was das betrifft. Wobei das laut dem Output der Config damit zusammenhängt, daß mir manche Development-Tools zum Kompilieren fehlen. Hat bisher nur ein Mal geklappt und mir nicht wirklich weitergeholfen, also schaut da am besten woanders wenn ihr es genau wissen wollt.
Know where to get it – Part II: Wem die Optik und Handhabe so noch nicht reicht, kann sich jederzeit unter
kde-look.org und
kde-apps.org umgucken – da findet man immer was zum Stöbern, Plasma-Apps, nützliche Tools, nette Icons und all den Krimskrams, der dem System den Zuckerguss verpasst.
Shall I push the button: Manche Programme benötigen eine gedrückte Alt-Taste mit Klick und Co. Darunter auch Photoshop. Wenn man aber gerade am Auswahl-Abziehen ist mit dem Markierwerkzeug, ist das letzte was man möchte, daß man auf einmal das Fenster in der Hand hat. Also was tun? Bei
K-Menü – Systemeinstellungen – Fensterverhalten – Fenster: die Sondertaste von ALT auf Meta setzen, damit die Windoof-Taste die Aufgaben übernehmen kann. Und schon hat man diesbezüglich seine Ruhe.
What has been seen, cannot be unseen: We keine Lust hat sich von selbsgefälligen Providern DNS-Zensur gefallen zu lassen und wem das Engagement der ehemaligen Familienministerin Zensursula gegen die Balalaika geht, möge sich in seine Konsole “
sudo echo nameserver 213.73.91.35 > /etc/resolv.conf” eintragen und dann “
/etc/init.d/networking restart” feuern. Damit stellt Ihr euren bevorzugten DNS-Server auf den Berliner Server vom CCC, der (ideo)logischerweise nicht zensiert.
So, damit seid ihr schonmal gut gerüstet gegen allerhand nervtötende Anfangsprobleme, die man sich entweder zeigen lassen oder ergooglen muss. Ich hoffe damit konnte ich einigen Leuten den Ein-/Umstieg einfacher machen und weiterhelfen. An dieser Stelle bedanke ich mich übrigens bei den ganzen Leuts, die selbst Tips ins Netz gestellt haben, bei denen ich Rat fand und Hilfe. Weiter so!
Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc