..verabschieden sich ein weiteres Mal. Nachdem wir auf dem Swordbrothers vor kurzem den letzten Gig von Goddess of Desire in Deutschland gesehen hatten, konnten wir es noch nicht ganz glauben, daß es vorbei sein sollte. So nicht. Noch nicht. Es gab noch ein Konzert auf dem Meesterlijk Metaal 4, einen letzten Schwertstreich bevor die Göttin sich verabschiedet. Das letzte Konzert, in der Heimatstadt der Band – in Almere (NL). Nach einigem hin und her in der Planung stellten wir also eine abenteuerliche Expedition auf die Beine: Mittags von hier aus los, ca 430 km nach Holland fahren, würdig bei einigen Bier und Gegröhle Abschied nehmen und nach dem Auftritt noch direkt zurück. Das klingt für manche wie Wahnsinn. Das ist es glücklicherweise auch.
Am 21. November, um 14 Uhr standen wir unten einsatzbereit, tankten die Karre auf, schoben die Musik in den Player und gaben Gas. Raus aus der Stadt, über die bei Köln vollgesperrte A3 hoch, Oberhausen und Arnheim passierend ab ins Land deer Hoolzschuuhe, Tulpeen Windmühleen und doppelten Vookale. Die Hinfahrt gestaltete sich ganz angenehm, bis zu genau dem Punkt wo wir die Stadt erreicht haben. Ich dachte eigentlich, es wäre schon rum und ein Klacks den “De Meester” hier zu finden, den Club unseres Vertrauens, für den heutigen Abend. Weit gefehlt. Es ging gerade erst los.
Nachdem wir durch die Stadt gurkten, die übrigens entfernt an ein Industrie- und Handelsviertel erinnerte, drei Mal den Bahnhof passierten, uns in sämtlichen Kreiseln verfuhren und wahrscheinlich jede erdenkliche Verkehrsregel brachen, kamen wir vor einem Chinfood-Schuppen an und fragten dort nach dem Weg. Einer vagen Beschreibung nach folgten wir wieder durch das Gewirr der endlosen mit dem Lineal gezogenen Häuserblöcke. Abermals am Bahnhof angekommen, ging es von der anderen Seite durch die Stadt, mal hier abgebogen, mal dort, bis wir wieder vor dem Imbiss standen. Von da aus, nochmal hierher und dorthin, das ganze zog sich dann schon etwa eine Stunde, bis wir eine der Straßen gefunden haben, die bei uns auf der Liste stand und die nächste und übernächste dann auch. Und wir erblickten ein paar langhaarige in schwarzes Leder gekleidete Gestalten und wussten – da lang.
Der Club selbst ist eigentlich ganz angenehm, man kommt unten rein, hat direkt die Garderobe links und rechts den Treppenaufgang zur Halle selbst. Der Hallenraum teilt sich in den Thekenbereich, den Merchbereich und den Bühnenabschnitt. Man kommt durch den Thekenbereich zu den beiden anderen, von der Treppe aus und wenn man sich dann mit Getränken versorgt hat, kann man entweder am Rand auf schmucklosen Holzbänken platz nehmen oder sich nach vorn zur Bühne stellen. Das Ambiente ist ganz klassisch auf Live gebaut, egal ob Jazz, Rock oder Metal. Wenn man von dem Abend ausgehen sollte, war der Laden gut besucht und auch wenn das Publikum sehr gemischt war, man hatte durchaus den Eindruck die meisten wussten warum sie hier waren. Die Altersspanne zog sich von 17 – 60+ und bei dem unterschiedlichen Programm was an dem Abend geboten wurde, ist das auch durchaus nachvollziehbar.
Wer die erste Band des Abends war – nun, keine Ahnung, wir haben sie verpasst. Die zweite Band waren Jurassic Park. Die etwas betagteren Herrschaften lieferten ein klassisches Sortiment eingängiger und lockerer Hardrock’n'Roll-Songs. Die Menge in Schwung brachten sie durch die üblichen Bühnengrimassen ihres Sängers, die gelegentlichen Mitsingeinlagen und nicht zuletzt dem Rose Tattoo Cover “Nice Boys”. Alles in allem hat mich das natürlich nicht so von den Socken gerissen wie die Band wegen der ich hier war, aber es hat schon gut gerockt und die anfänglich etwas mittelprächtige Stimmung bei der Ankunft gut aufgelockert.
Nach einer recht aufwendigen Umbaupause und einem etwas dusseligen “Satan Clause” folgte dann der Headliner. Nach dem traditionellen Dreischwerterstreich, eröffneten Goddess wider meines Erwartens nicht mit einem Fullspeed Track, sondern gingen es eher mittelschnell an, was sich aber recht bald änderte. Klassiker wechselten sich mit vergleichsweise neuem Material ab und fliegende Haare mit fliegenden Menschen. Jedes Mal, wenn wieder einer dieser grenzenlosen Ohrwürmer angespielt wurde, konnte man das Publikum jubeln sehen und hören. Und obwohl ich weder die Sprache kenne, noch die Gestik gut genug deuten konnte, entbehrten die Ansagen nicht einer gewissen Komik. Und wie es bei GoD eben so ist, es geht recht ruppig und ne deutliche Spur härter zur Sache als es den sanftmütigen Hammerfall-Fans lieb sein dürfte, aber das ist ja schließlich auch ne gänzlich andere Dreckigkeitsskala, was man hier zu erwarten hat. Oder ums anders auszudrücken, polierte Rüstung is hier nich, hier gibts Blut an der Klinge. Ach war das wieder schön. Das Feuerspucken. Die Flammenzungen im Hintergrund. Das Singen und Schreien der Menge. Ich werde es vermissen. Und ob ich das vermissen werde. Ich habe Goddess jetzt schon so einige Male gesehen und noch nie gabs einen Gig den sie nicht geil abgeliefert haben. Noch nie endete es anders als daß davonziehende Fans auf dem Rückweg zu Zelt oder Auto noch immer die anfeuernden Rufe von sich gaben.
Wir packten unser Zeug zusammen und kletterten ins Auto. Jetzt hieß es wieder zurückzufinden. Einige wenige Stunden später, einen ekligen Blitzer der mir mindestens einen Punkt in Flens verpassen wird und einige Kaffees später waren wir dann im Morgengrauen wieder hier. Entspannt und doch irgendwo ziemlich fertig. Zufrieden.
Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc
Blood, Glory & Steel