..andere als linear. Nach acht Jahren ohne Fernseher ist für mich die Zeit gekommen, ein Fazit zu ziehen aus dem letzten Schritt gezielter technologischer Umentwicklung. Und es fällt überraschend positiv aus – denn meine Abkehr von Fernsehern, Videotimern mit Showview und Spielkonsolen hat genau das erreicht was sie erreichen sollte: Die Konzentrationsstörungen sind nicht mehr so schlimm wie früher, ich bin in meiner Zeitplanung flexibler, da ich zB nicht aus Reflex mit einem Schnipp die Glotze starten und mich berieseln kann, sondern habe da die Kontrolle drüber. Kontrolle ist vielleicht zu viel gesagt – es handelt sich dabei eher um ein “nochmal drüber nachdenken was man wirklich tun will” bevor man schon mittendrin ist und sich zwischendurch mit Werbung berieseln lässt. Alle Jubeljahre die ich mal den Fernseher mitbekommen habe, sei es daß er irgendwo lief oder daß tatsächlich mal was kam was ich sehen wollte, spontan und mit anderen zusammen, stellte ich fest – dieser Entschluss war wahrscheinlich einer der besten die ich je getroffen habe. Mittlerweile habe ich eine gesunde Antipathie gegen die Glotze entwickelt und merke erst wie böse das Geflimmer wirklich ist, was für ein Energiedieb und Schlaffmacher das ist und wie sehr er bremst. Ich geb dem Kasten wirklich nicht für alles die Schuld, es gehören immer zwei dazu, aber ich muss sagen: Ich habe nie bedauert, daß ich kurz nach der letzten Jahrtausendwende aufgehört habe fernzusehen.
Zeit für den nächsten logischen Schritt:
Ich gebe hiermit bekannt, daß ab dem 25.03.2009 meine Mobilfunknummer gekündigt wird und ich mein Mobiltelefon in den Ruhestand schicke.
Seit geraumer Zeit habe ich festgestellt, daß es eins gibt, was ich noch weniger vertrage als das Geflimmer eines Fernsehers – und das sind Mobiltelefone und die damit zusammenhängende Industriepropaganda. Mir gehen diese Jambae auf den Nerv, Klingeltöne von jedem Mist, Telefone die von Gameboy und PDA nicht zu unterscheiden sind, der ganze iMassenwahn und alles was damit zusammenhängt. Nicht nur, daß es omnipresent ist – es ist sogar noch viel schlimmer: Ich besitze eins davon. Und ich merke mittlerweile wie übel das für meine Psyche ist, wenn das Ding wie ein verdammtes Damoklesschwert über mir hängt und entscheidet, wie ich mich fühle, wie ich denke, was ich als nächstes tue und wo ich gerade bin.
Klar gehören da wieder zwei dazu und jeder normal denkende Mensch würde sagen “Hey, Du bist ein Trottel, daß Du Dich davon so beeinflussen lässt..” – und würde beim nächsten verpassten Anruf des geliebten Weibchens/Männchens in Sorge aufgehen, sich über eine SMS ärgern, weil irgendwas wieder nicht geklappt hat wie es soll oder sonstwas. Alle kennen es, nur nicht allen ist bewusst wie weit das ganze psychologisch geht, und denen es klar ist – die würden den Teufel tun es zuzugeben. Ist doch so, nich wahr? Ich wär nicht überrascht wenn in 5 Jahren die ersten Klinischen Einweisungen erfolgen, wegen verstärkter Ringxiety oder Phantomvibrationen die irgendwann in Epilepsie ausufern. Ich beobachte immer mehr was für wahnhafte Züge dieses Gerät in mir und anderen freisetzt und habe mich dazu entschlossen, es abzulegen. Gewiss wird in meinem Auto eine SIM liegen, ein altes Gerät, und ein thermal abgeschirmter Akku, für den Fall der Fälle. Auf der SIM wird die 110 und die 112 sein und das wars. Damit hätte ich die nützliche Seite völlig ausgeschöpft.
Wer noch immer nicht ganz versteht warum ich das tue, der möge sich die Zeit für diesen schönen und bildhaften Artikel nehmen und dann sich einfach mal vorstellen, wie krankhaft mir manche meiner eigenen Handlungen vorkommen. Und damit muss Schluss sein!
Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc
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Leider notwendiger Nachtrag:
Ich habe die Feststellung gemacht, daß viele Mitmenschen mit diesem Schritt von mir ein Problem haben. Wenn man aber genauer hinschaut, sind egoistische Gründe das Hauptmerkmal der Äußerungen. Entweder sind diejenigen sich zu fein, mich über meine alltäglichen Medien (eMail, ICQ, etc) zu erreichen oder aber sie wollen mich in eine Abhängigkeit von sich zwingen, die sie mir dann als meinen eigenen Vorteil verkaufen. Eines vorweg: Mein Entschluss ist nicht verhandelbar. Es tut mir leid, wenn ich irgendwo den Eindruck erweckt habe, dieser Schritt sei ein Vorschlag oder eine Idee. Zweitens, sollten sich die Herrschaften die so argumentieren mal Gedanken darüber machen, was sie sich da eigentlich anmaßen. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Menschen, die meinen Wert für sie an meiner Benutzung eines einzelnen Mediums ermessen, sollten sich die Frage stellen, ob sie bei mir nicht eventuell ganz falsch sind. Niemand der mir gutes will, würde diesen Entschluss in Frage stellen.
Blood, Glory & Steel
Fyne, fyne….Arnoc hat kein Handy mehr. War ein abzusehender Schritt und ist absolut nachvollziehbar. Hut ab für den Mut, der zu der Entscheidung führte, diese technische Unterjochung zu unterbinden. Ich weiß ja, wie ich dich erreichen kann. Wer dies nicht weiß: Mein Beileid. Gilt auch für die, die es nicht nachvollziehen können.
Lucy
Glückwunsch zur Entscheidung, das ganze nun wirklich offiziell unter Dach und Fach zu bringen. Es winkt die Freiheit, endlich mal “sein” zu können, ohne hinterher angepöbelt zu werden, wieso man denn nicht an sein Handy ging.
Meine Variante ist das “mein Handy liegt lautlos seit 2 Tagen in meiner Tasche”. Besonders schön ist die meines Vaters beim Klingeln: “Das hört auch wieder irgendwann auf – siehst du? Ist schon wieder still.” Du bist also beiweitem nicht alleine mit dem Wunsch, Ruhe vor dem kleinen Quakkasten zu haben. Ging vor 10 Jahren doch auch ohne.
Wer das nicht nachvollziehen kann hat ein Stück weit das Leben mißverstanden und was es heißt, Respekt vorm Privatleben des anderen zu haben. Auch wenn man der Meinung ist, derjenige habe oder benötige/verdiene keines. Es ist nur konsequent, das mobile Belästigungsgerät abzuschaffen. Daumen hoch!
Das find ich wirklich super. Ich steh auch mit dem Ding auf Kriegsfuß. Das ist immer lautlos in der Tasche und ich merke dann nach einer Woche: 36 Anrufe in Abwesenheit mit unterdrückter Nummer…. sehr witzig, denn wenn es wichtig war könnte ich mich nicht mal melden darauf. Eigentlich würde ich es nich vermissen, aber ich denke dennoch, wenn man als Frau alleine unterwegs ist, dann ist es vielleicht irgendwann man hilfreich…auch wenn ich hoffe dass ich es so nie benutzen muss.
Ich find es gut, dass du dich davon befreit hast, wenn es dich in deinem Leben so einschränkt (einige der Symptome die du beschreibst hätten vor ein paar Jahren auch noch auf mich zugetroffen)…
Gratuliere! Du hattest mich ja schon vorgewarnt. Zum TV: Kenn ich, hab ich auch gemacht, kann ich total gut verstehen. Warum wohl schlafen so viele Leute vorm Fernseher ein? Energiestaubsauger! Noch gemeiner ist das Internet, aber ohne das würde ich total desozialisieren und Dich samt unserer ICQ-Orgien garantiert extrem vermissen
Was ich in Sachen Handy an der Reaktion der Leute nicht verstehen kann: Kennen die Dich? Du gehst immer ran, wenn es wichtig ist. Und man kriegt Dich immer irgendwie, wenn das denn sein soll. Die gehören wahrscheinlich zu der Kategorie:” Ich rufe an, es geht keiner ran. Beim zweiten Mal geht einer ran und ich motze sofort los, ohne darauf zu hören, daß derjenige gerade – ohne Handy – kacken gegangen war.” Oder zu meinen Favoriten: “Ich rufe an, es nimmt keiner ab. Ich warte zehn Sekunden, bis das Display wieder das Foto von mir und meinem Schatzeboppes zeigt, und ich rufe nochmal an. Das mache ich innerhalb von zehn Minuten zwanzig Mal. Daß ich die ersten drei Male schon weggedrückt wurde, ignoriere ich einfach.”
Ganz zu schweigen natürlich davon, daß Du schon groß bist, Deine Entscheidungen alleine treffen kannst und sicherlich nicht die Unvernünftigste nimmst. Und Du die Rechnung bezahlst. Und es vielleicht seinen Grund hat, warum Leute Dich nicht erreichen? Weil Du es nicht willst, vielleicht?
Als ich klein war, hat man bei Verabredungen eine halbe Stunde gewartet. Ohne anzurufen. Als ich klein war, bin ich zu jemandem nach Hause gelaufen (!) und habe geklingelt, wenn ich mich treffen wollte. Ich bin sicher, Füße und einen Zeigefinger hat jeder in Deinem Freundeskreis.
Und schlußendlich: Gut, daß Du es gemacht hast, ich mag Dich auch weiterhin, mit oder ohne Handy.
Glückwunsch zu dem Entschluss das Handy abzuschaffen! Du bist ja die letzten Monate sowieso nicht dran gegangen, also wieso noch lange warten…? Übrigens, für das Notfallgerät in deinem Auto brauchst du keine SIM-Karte – 110 und 112 gehen auch ohne!
[...] das nicht und ich nehme auch nicht an jedem Mist teil der für allgemein gehalten wird (wie zB die Abschaffung meines Mobiltelefons oder das Boykottieren des Fernsehens) und das gehört respektiert. Was ich mich aber strikt weigere [...]
[...] genug drumherum. Ich habe ja vor einer Weile mein Telefon abgeschafft. Der scheinbar günstige Zeitpunkt dafür entpuppte sich als schlecht [...]