..oder auch bekannt als mein Post zum auskotzen. Hier gibt es keine Bilder, hier folgen keine Videos, hier achte ich nicht auf die ganzen guten Seiten. Denn hier gehts darum Mängel aufzuzeigen und nicht klarzumachen wie geil man sich das alles TROTZDEM geben kann wenn man nur weiß wie. Und um nichts anderes. Und dabei meine ich nicht die Fälle wo es “anders nicht ging” wie beim R:H:O:A wo der Veranstalter plötzlich mit ein paar Grillmeistern alleine dastand und sehen musste daß das Fest läuft.
Eins noch vorneweg: Glaubt bloß nicht, daß ich Euch hier was bahnbrechend neues erzähle. Ich mache mir hier nur etwas Luft. Nichts weiter. Heißt aber andererseits auch nicht daß alles bekannt ist.
Sicher wird dem einen oder anderen meiner Leser nicht entgangen sein, daß ich während der Sommersaison einiges hatte worüber ich mich wenig erfreut zeigte – ich hab mittlerweile schon genug dazu gesagt und es muss nicht wiedergekaut werden. Für die die es noch nicht mitbekommen haben (die Stammleserschaft darf getrost überspringen):
Auszug Thema Szene, Zeitwandel und Lockerheit (Quelle)
“Denn mal ganz offen gesagt, die ‘Metalszene’ brüstet sich ja immer mit sog. Offenheit, aber je mehr allgemeiner Zustrom dazukam, desto allgemeiner wurden dann die Ausgrenzungen auf den Partygrounds. Klar gibts immer ein paar Freaks mit denen man was unternehmen kann, aber wie sieht die Realität in den letzten Jahren aus? Dieses ‘Gruppe sitzt, man kommt dazu, bleibt Außenseiter bis man geht weil alle schweigen’ ist bei der selbsternannten Partyelite ja fast schon Mode geworden. Bei irgendwelchen schnorrenden Saufkids aufm Wacken versteh ich das ja auch durchaus, aber das als allgemeine Stimmung anderen gegenüber ist doch wohl kaum als angenehm zu bezeichnen.”
Auszug Thema Szene, Medienübersättigung und Neugier von Außen (Quelle)
“An dieser Stelle würd ich eigentlich gern eine tierisch lange und unfreundliche Abgrenzungsdebatte lostreten, weil mir dieser Medienrutsch, diese Verharmlosung und Verspielplatzung der Festivals, Konzerte und Meetings so sehr auf die Balalaika geht, daß ich mich ernsthaft frage, wann eine Metalparty den Status eines Beachclub-Cocktailabends erreicht. Jeder der früher dazustieß hat gemerkt daß er was besonderes mitgemacht hat, ist herangeführt worden oder hat selbst angefangen zu lernen was für ihn wichtig ist und es zu schätzen gewusst. Metal ist etwas besonderes, schon immer gewesen – aber einige die heutzutage auf den Festivals rumhängen haben das nicht nur vergessen, sie scheißen drauf. Oder werden hereingedrängt noch bevor sie klar denken können, als Kinder. Das ist doch kein Hort. Hier werden Kinder gemacht, nicht erzogen, hier wird Schlagsahne auf Titten serviert und einige Leute benehmen sich nach allen Regeln der Kunst daneben, lernen draus und feiern sich und andere wie sie es seit Jahrzehnten tun. Aber die beherrschen das auch, im Gegensatz zu den Flaschen die man heute überall zu sehen bekommt, die aufkreuzen weil in ihrem Tausend-Seelen-Kaff um die Ecke nichts los ist und die Bild geschrieben hat daß Metaller freundliche und nette Menschen sind, nur eben laut und langhaarig. Sind einige vielleicht ja auch, aber wen zum Teufel geht das was an?!”
Dem sei zunächst nichts hinzuzufügen.
Was mir aber noch zu fehlen scheint ist die logische Kette die zwischen [gelangweilte Jugendliche] – [Musikindustrie am Abgrund] – [Musik "erleben"] – [extrem sein um des Extrems willen] – [Profitgepushter Verkauf von Anteilen an der Szene in Form von (beliebiges begehrtes Gut einsetzen)]. Jeder kann sich sicherlich unter den Begriffen das eine oder andere vorstellen. Sehr schön. An Phantasie mangelts nich. Nur irrelevant, weil wir es riskieren aneinander vorbeizuschreiben/-lesen wenn ich nicht erkläre was ich hier meine.
Beginnen wir mit dem was wir heutzutage en masse haben, in Großstädten, Dörfern und im Internet bei Youtube und WoW: den Jugendlichen von heute, immer auf der Suche nach einem Kick den er vorher noch nicht hatte, immer motiviert sich wenigstens in irgendetwas außer seinem Konsum von (beliebige Substanz oder Beschäftigung einsetzen) zu übertreffen. Lange Jahre hatten wir ruhe vor diesen komplett gelangweilten, völlig in sich eingesperrten Alltagstrotteln. Sie haben sich abgekapselt oder sind anderen Beschäftigungen nachgegangen. Bis sie gemerkt haben müssen (unter anderem durch die satte Medienmaschinerie) daß es etwas gibt was extrem anders ist als alles was sie bisher so kennenlernten. Und eine gänzlich andere Rolle einnehmen konnten. Sie waren jetzt nicht mehr einfach nur Schulkids die nachmittags nix zu tun hatten, nein, sie planten Besäufnisse unter Metalbeschallung und Fahrten zu Festivals. Versteht mich richtig: Es gibt einen Haufen ehrlicher, herzlicher und neugieriger junger Metaller heutzutage die es ernst damit meinen und für die nur weniges wenn überhaupt was über Metal geht. Ich meine hier gerade die anderen.
Früher war es Mühe und Zeit die man investieren musste, man musste sich mit den Leuten befassen, mit den Bands, mit den Gepflogenheiten.. und heute? Heute googlet man eine Runde, meldet sich zum Mitreden in nem Forum an und schon hält man sich für einen waschechten Metalhead. Und das so lange bis man damit irgendwie auf die Schnauze fliegt und dann gehts heulend zurück zu Mama, die Shirts werden bei eBay verhökert und der PC wird wieder der beste Freund und man erzählt allen im sog. TS von seinen “krassen” Erfahrungen. Es ist so wie bei der Musik – früher musste man ein Instrument erlernen, Stunden, Tage und Wochen proben, hier und da mal ein Gig, Touren durch rauchige Spelunken, bierluftige Volksfestzelte bis man mal das Glück hatte daß die Band natürlich an ihrem Erfahrungsschatz groß oder “entdeckt” wurde. Heute gibts Talentscouts, Trendsetter, Castingshows und Synthies bis zum Brechen – im Grunde also ein Ernten – Säen – Ernten -Säen.. wir klatschen sie alle an die Wand, mal sehen wer wie lange klebenbleibt. Auch das ist nichts neues und so kommen wir zum nächsten Punkt unser medial völlig überfressenen Welt.
Zum Thema Musikindustrie brauche ich wahrscheinlich nicht viel zu sagen. Jeder der auch noch so Themenfremd ist hat sicherlich von dem “epic fail” gehört, wo der Onlinehandel mit Musikdateien um Jahre verpennt wurde und die Verwerter – so viel sie auch manchem Künstler gegeben haben mögen vor ewigen Jahren – haben nichts auch nur annährend so qualitativ wie die Kunst selbst weiter erschaffen. Und sich dann daran versuchten, sich eifersüchtigst um “ihre” Ware zu kümmern, was letzten Endes immer mehr daran erinnert, daß man beim Verlassen eines Landes seine Urlaubsfotos hergeben müsste, weil man ja nur Besucher war und nicht mehr als das. Nicht mal Gast. Es gibt genug Blogs, Bürgerrechtsbewegungen und Zeitungen die über die aktuellen Geschehnisse wie auch künftige Alternativen schreiben, also spar ich mir das jetzt alles – wichtig ist: sie haben den Krieg um die Freiheit der Kunst verloren. Schon sehr lange. Und sie wissen es. Und nun? Wie geht es weiter mit der Branche? Events sind das Zauberwort. Man organisiert Konzerte und Festivals, bietet den Leuten ein Erlebnis, verkauft ihnen eine Erinnerung. Ja, ganz recht, das sind die Einnahmequellen die laut den Topmanagern Zukunft haben sollen. Es ist Zeitlich begrenzt – Vorteil für die Industrie – man kann jede Menge Zusatzgewinne verbuchen wie Merch, CDs, DVDs, Speis und Trank, etc. – weiterer Vorteil – man kann es wiederholen ein mal im Jahr – also ist es noch lukrativer.. und fertig war das Geschäftsmodell. Ach ja, huch – das gibts schon und das auch nicht erst seit gestern? Egal, solang genug Leute da sind. Machen wir eben NOCH EIN (beliebigen Ortsaspekt oder Motto einsetzen) Open Air. Wie Pilze aus dem Boden. Nicht das Vielfalt schlecht wäre, ganz im Gegenteil, aber durch den restlosen Überlauf isses letztlich so, daß alles aufs gleiche hinausläuft: Früher fuhr zum BYH ein anderer Schlag Leute als zum Breeze oder zum WOA. Heute, wenn man sich mal auf den Plätzen umguckt – wirkt alles so gleichgeschaltet. Ich hab beileibe kein Problem damit wenn sich Leute verschiedenster Art die Festivals alle angucken, aber der Menschliche Kitt der die große “graue” Masse bildet geht mir gegens Gerüst. Jeder der länger als nur ein paar Jährchen dabei ist, wird wissen was ich meine. Es wird langsam unspektakulär, lediglich exzessiver, vulgärer und für manche durchaus frustrierend, weil das verloren geht was es früher ausgemacht hat. Klar, mag einem nich so auffallen wenn man nur auf einem Festival rumhängt, am besten noch aufm Wacken und das wars – aber schaut Euch um – alles strebt auf den verschiedensten Events nach “Wacken-Verhalten” – was bei so schönen kleinen Sachen wie dem KIT oder sogar dem RockHarz völlig deplaziert ist. Vor allem weil Wacken mittlerweile dem Rock am Ring immer ähnlicher wird. Kleiner Auszug aus deren kürzlichen News in Stichpunkten mit jeweils nem Comment von mir:
1) “Das verstärkte Anzünden von Toilettenhäuschen könnte für erhöhte Ticketpreise im nächsten Jahr sorgen.” – Weckt irgendwie die Illusion die Preise senken zu können wenn mal kein Dixi brennt, oder? Rechtfertigung leicht gemacht, dann isses eben nächstes mal nicht Maiden, sondern Dixi was am W:O:A so kostspielig war. Gut für den Veranstalter: Dixi will keine 300 K an Gage für den Donnerstag.
2) “Ein weiteres Problem auf den Zeltplätzen war in diesem Jahr das vermehrte Abbrennen von Feuerwerk.” – Früher war eine Rakete oder zwei ein gefeiertes und willkommenes Ereignis. Und heute kann man happy sein wenn die Leute sich nicht gegenseitig damit beschießen, irgendwelche Zelte anzünden wo am besten noch Leute drin liegen, usw. Große Klasse.
3) “..das Aufschneiden und Ausräumen von Zelten..” – Hat es früher nie gegeben, nicht in Wacken. Bis zum großen Rutsch vor paar Jahren war es kein Problem seine Habe im Zelt zu lassen und heute muss man selbst die Becher wegräumen weil die sonst die Putze vom Klohäuschen um halb fünf morgens klaut. (So beobachtet 2005)
4) “Beim Crowdsurfen schlugen miese Taschendiebe zu.” – Auch das gabs damals nicht. Ich frage mich wie es bloß dazu kommen konnte daß solche Leuts jetzt vom W:O:A angezogen werden. Wie heißts auf Russisch so schön “Zum Pfaffen kommt die Gemeinde die er verdient.” Andere frage bzgl. Sprachgebrauch, gibts heutzutage auch noch Taschendiebe die nicht mies sind?
5) “Im nächsten Jahr gibt es dann ein Ampelsystem, um freien Ausgänge deutlich zu markieren. Bitte beachtet zukünftig die Durchsagen und orientiert euch an den Ampeln.” – Wär ich jetzt zynisch würde mir sicher ein Vergleich mit einem Lager einfallen, wo NICHT gezeltet wurde. Lämmer für die Schlachtbank. Organisieren wir ein paar Massen zum Melken. Großartig. Jeder nur ein Kreuz.
6) “Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, damit der Spaß und die Gemeinschaft der Metal-Anhänger in ihrer gewohnten Form erhalten bleiben – beim größten Heavy Metal Festival der Welt.” – Die gewohnte Form ist bereits vor Jahren gebrochen worden und wurde immer schlimmer. Früher hatten wir es nicht nötig uns als Fans so behandeln zu lassen wie heutzutage von irgendwelchen trotteligen Securities die keine Ahnung von ihrem Job haben, mussten nicht aufpassen daß man unseren Mädels GBH oder sonstwas an Sachen in die Drinks kippt, wie mir dieses Jahr aus erster Hand berichtet wurde oder so schöne Sachen wie bei den Schubsereien von 1,90 Kerl vs. 1,60 Frau nur um Richtung Bühne zu kommen letztes Jahr.
Ach wie ich Propaganda liebe. Mir ist an dieser Stelle jetzt einfach mal egal wie geil Du mein werter Leser Wacken fandest und was Du da tolles erlebt hast, tatsache ist und bleibt, daß das alles was es am Metal in der Gemeinschaft schätzenswertes gab auf solchen Festivals mittlerweile vor die Hunde geht und es nicht mehr lang dauert bis Leute mit Überdosis vom Campground gekarrt werden wie aufm RaR und das zum Alltag gehört. Und bevor einer mit Totschlagargumenten kommt á la “Das sind alles Einzelfälle” oder “Irgendwas ist aber immer” oder “Deppen gibts aber überall” oder oder oder, komme ich auf das Thema der Kette zurück.
Das Extrem ums Extrems Willen läuft in den perspektivlosen Köpfen der aktuellen Generation von Jugendlichen schon seit etlichen Jahren, wie wir dank phänomenen wie Krankenhausreifsaufen und ähnlichem zumindest in den Städten regelmäßig beobachten dürfen – wobei ich nicht denke daß es auf dem Land anders zugeht in der Hinsicht. Metal ist extrem. Und in diesem Extrem gibt es noch andere Extreme und Extremitäten. Und wer extrem wenig Ahnung hat, landet auf einmal an einer Stelle, wie sagt man so schön auf englisch? Not easy to handle. Und da stehn sie nun, aufgereiht wie Schaulustige bei einem Autounfall. Jung, extrem, überfordert. Und dann wundern die sich, was es Jahre später aus ihrer Psyche macht. Es heißt nicht harte Szene weil es hier besonders hart zugeht, wie so mancher meinen mag. Es heißt so weil die Leute aus etwas anderem Holz geschnitzt sind die herfinden. Klar gehts dabei auch mal hart zu, aber das ist normal. Nicht umgekehrt.
Und wie ich es schon oft gehört, gesagt und geschrieben habe. Metal war noch nie eine Musik für die breite Masse und das was aus der Szene heutzutage geworden ist, seien es Strampelanzüge mit Slayer drauf, Sonnenbrillen mit Wackenhologrammen drin oder Vibratoren mit eben jenem Logo, Emo-Pussy-Shirts in Rosagestreift mit weißen Schädeln auf dem größten Festival dieser Art, daß angeblich sooooo “Heavy Metal” ist.. es ist ein Trauerspiel. Wie es auch in der Doku “A headbanger’s Journey” hieß: “Und wenn Euch das nicht gefällt? Wir kommen auch glänzend ohne Euch klar..” – Frag ich mich, wer sagt, daß wir MIT denen klar kommen müssen? Oder sollen? Oder wollen? Sind wir zu lieb und freundlich und und und daß wir es zulassen sollten daß das alles verwässert und demontiert wird, wir die stellenweise Jahrzehnte damit zugebracht haben diese Subkultur am Leben zu erhalten? Ist es das worauf es hinauslaufen soll?
Jochen sagte zurecht, es wird Zeit daß sich die Szene gesundschrumpft. Es wird verdammt nochmal höchste Zeit!
Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc