Die größte Insel..
19th April 2009
..dieses Landes hat einiges zu bieten. Sei es die salzige Luft an der Küste, sei es die abwechslungsreiche Natur oder die gute Küche. Reich an Flora und Fauna, faszinierende Landschaften, malerische Buchten und historische Denkmäler aller Art, das alles bietet Rügen. Eigentlich viel zu viel für nur eine Woche, auch wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Aber ich glaube wir haben die Zeit gut genutzt und einen großen Teil des Möglichen angeschaut. Mein Opa war mit seinen 81 Jahren noch erstaunlich fit auf den Beinen, wir haben viel gekocht und ich hatte die Gelegenheit viel zu lesen, wenn auch der recht frostige Wind eine gemütliche Stunde auf dem Balkon mit einer Pfeife in der Hand nicht ermöglicht hat. Die neun Stunden Fahrt gestalteten sich recht gemütlich, wir hatten ein paar leckere Brote für Unterwegs einstecken und ich konnte es mir nicht nehmen lassen einen Umweg über die Hamburger Innenstadt zu machen. Die Stadt lässt einen nicht mehr los, ich freu mir jedes Mal den Wolf wenn ich dort bin. Nach einer kurzen Pause ging es weiter in Richtung Lübeck und Rostock und dann weiter auf die Insel. In unserer Herberge angekommen, richteten wir uns erstmal im Zimmer ein und planten die nächsten Ausflugsziele. Wie immer haben wir genug Material dabeigehabt, um uns im Vorfeld über das was wir sehen wollten zu informieren. Da dieser Bericht aber zu üppig geworden wäre um ihn komplett am Stück abzuhaken und danach die Bilderflut zu servieren, habe ich ihn in mehrere Teile aufgeteilt, chronologisch und thematisch gruppiert. Viel Vergnügen!
Unsere Unterbringung in “klein Helgoland”
Die Ferienwohnung hatte Meerblick und Küchenzeile und wäre nicht der eisnahe Wind, würde man nachts auf dem Balkon sich zurücklehnen und die unglaubliche Weite des Sternenhimmels beobachten können und zu den Geräuschen der Wellen einschlafen. Aber dafür hätten wir wohl ein bis zwei Monate später kommen müssen, denn so warm und sonnig wie die Tage waren, so frisch waren die Nächte. In unserer Behausung mangelte es uns an nichts, auch wenn ich bei dem Sofa in der Ecke feststellen musste, daß man herunterkullert, wenn man sich drauflegt anstatt sich draufzusetzen, wär mir beim Lesen mal fast passiert.

Sassnitz - Hafen und Brücke
Sassnitz ist ein gemütliches kleines Hafenstädtchen mit einem riesigen Wellenbrecher, einer Menge Ferienwohnungen und Pensionen und liegt am nordöstlichen Ende von Rügen. Direkt nördlich von hier beginnt der Nationalpark Jasmund, wo auch der berühmte Königsstuhl und seine Kreidefelsen liegen. Unten in Sassnitz selbst findet man all die tollen Sachen wie man sie in jedem Kurort finden kann, Cafés, Fischmärkte mit lokalen Spezialitäten, Infostände mit Ausflugszielen und vieles dergleichen mehr.

Sassnitz - U-Boot Museum HMS Otus
Über die nicht allzu alte Brücke vom Ratsplatz herunter kamen wir hinunter. Vorbei am Museum für Unterseearchäologie, runter zum längsten Wellenbrecher weit und breit und was sehen wir da? Ein U-Boot der Oberonklasse von der Britischen Marine, liegend direkt unten am Pier. Die 90m lange und über 8m breite dieselbetriebene Stahlwurst konnte früher mal bis 300 m unter Wasser, und das immerhin mit einer Geschwindigkeit von 17 Knoten. Wenn sie nur 10 kn fuhr, konnte sie sogar an die 9.000 sm zurücklegen. 1963 mag zwar eine Weile zurückliegen, aber dieses anthropogene Seeungeheuer hatte die Falklands und den persischen Golf besucht, seinerzeit. Beeindruckend, wenn man bedenkt wie sehr sich die Technik damals von der heute unterscheidet. Ich war schon eine ganze Weile auf keinem U-Boot mehr, das letzte Mal wo ich überhaupt bei einem militärischen Seefahrzeug an Bord ging ist sogar schon eine ganze Ecke her, das war damals zu Zeiten meines Austauschs in England, wo wir in London die HMS Belfast, eine Fregatte, besichtigt haben die dort vor Anker liegt. Ach, schön ist das. Solange ich nicht Monate damit unterwegs sein muss wie die Matrosen, fühl ich mich auf diesen schwimmenden Stahlbooten wohl. Es ist nicht nur dieser JAG-Charme, den es hat, nicht nur die Jagd auf Rote Oktober. Es ist irgendwie mehr. Schönes Bootchen. Ich will auch so eins. Da bekommt das “Untertauchen” eine gänzlich andere Dimension!

Nationalpark Jasmund - WWF Museum
Als wir am Königsstuhl ankamen, verschlug es uns zuerst in die Ausstellung des lokalen Museums. Was wir da antrafen, war eine interessante zeitgenössische Variante interaktiver Techniken kombiniert zu einem Erlebnisrundgang. Man konnte zu beginn wählen, ob man es gern abenteuerlich hätte, romantisch-schön oder eher der Neugier zuliebe informativ und genau - dadurch unterschied sich die Darreichung im Kopfhörer. Die Stimmen und die Musik, die sich von Punkt zu Punkt änderte war entweder spannend, gemütlich oder verspielt, je nach getroffener Wahl. Die Informationen an bestimmten Objekten konnte man durch das Berühren oder Herunterdrücken in seinem portablen Erzähler auslösen, der Fahrstuhl stellte eine Zeitreise dar und bewegte sich erst, als man die gigantische Sanduhr in seiner Mitte mit einem Ventil drehte. Und er bewegte sich unmerklich, interessant aufgebaute Sekundär- und Tertiärillusionen. Fallbeispiele zum Anfassen - wie zum Beispiel der Abschnitt über die Eiszeit: Eis. Ein Maßstabsblock zur Veranschaulichung wie groß ein Findling, ein Mensch und eine Klippe für die Eismasse wäre. Daneben hing ein 4 Tonnen Stein (of Rock) zum Drunterlegen, damit man mal fühlt wie es ist, daß über einem so ein riesiges Gewicht hängt. Verschiedenste Tiere, Laute von Vögeln und Fröschen überall aus der Rügener Gegend. Modelle mit echtem Wasser, Lupen und Lichtern veranschaulichten währenddessen die verschiedenen Bodentypen die man hier antraf und man konnte überall irgendwo dran ziehen, irgendwo dran drehen und mehr erfahren. Die Blitz-und-Donner-Kammer war mein Favorit. Boden, Decke, Wände - alles aus Spiegeln und langsam begann ein Sturm zu toben bis es plötzlich einen Blitzschlag tat und der Donner den Raum erbeben ließ. Fehlt echt nur noch ein wenig Wasser von oben und die Simulation wäre perfekt gewesen. Ein erfrischend anderes Museumserlebnis und in jeder Hinsicht sehenswert und nicht ohne moralische Nachricht an groß und klein: Unsere Welt ist schön, lasst uns sie behalten und erhalten!

Königsstuhl - Ausguck
Die Legende besagt, daß die Könige Rügens den Königsstuhl von der Seeseite aus erklimmen mussten, um sich würdig zu erweisen. In Anbetracht der durchaus stattlichen 118 Meter Höhe ein nicht ungefährliches Unterfangen. Die Aussicht wurde von so manchem schon bewundert, so hat sogar ein gewisser Monarch von den britischen Inseln einen Ausblick sogar nach seiner - ich glaube - Tochter Viktoria benannt. Der Viktoriablick. Die Kreideküste ist vom Wasser aus sicherlich noch interessanter, aber die Schluchten da oben lassen einem auch so schon den Atem stocken, vor Schönheit wie vor schwindelnder Höhe. Die Feuerfelsen haben ihren Namen von dem brennenden Reisig den man zur Belustigung und Beeindruckung von bedeutenden Seefahrtsgästen von eben selbigen rollte, was ein beeindruckendes Schauspiel gewesen sein mag.

Flächendenkmal am Kap Arkona - Vitt
Vitt ist ein kleines verstecktes Fischerdorf, welches seit langer langer Zeit in einer kleinen Bucht beim Kap Arkona liegt. Die Fischerfamilien sind dort seit generationen verwurzelt, sehr bodenständig und trotz vieler Touristen noch sehr Traditionsbewusst. Dies zumindest sagte uns der Reiseleiter im Bus auf dem Weg hin. Die Bucht selbst, die Häuser, das gesamte drumrum wirkten sehr malerisch und entspannt, aber ich glaube ich würde durchdrehen, wenn ich hier mein Leben fristen müsste. Dennoch war die Landschaft wunderschön, die herrliche Seeluft und die Sanddornschorle, sowie fangfrisch geräucherter Fisch kamen hier voll zum Tragen. Nachdem wir den Weg von Vitt nach Arkona gefunden und erklommen hatten, zeigte sich uns ein farbenreiches Schauspiel wie es diese Insel uns nur bieten konnte. Aussichten, eine schöner als die anderen, mal mit Blick hinunter zum Steinstrand, mal mit Blick zum Kap wo die Türme zu sehen waren, reihten sich entlang des Weges und so kamen wir auch zügig an unser Ziel.

Kap Arkona - Jaromarsburg
Am Kap angekommen, schauten wir uns zunächst den slawischen Burgwall an, die Infoschilder (habe sie hier zum Durchlesen in genügend großer Auflösung mit reingestellt) und die in Holz gearbeiteten Götzen, die als Nachbaute wohl aufgestellt wurden. Hauptsächlich wurde die vierköpfige Gottheit Swantevit hier verehrt, aber es gab wohl auch andere Entitäten die bei den Rügenslawen von Bedeutung waren und denen an diesem Ort ebenfalls Tribut gezollt wurde. Die drei Türme waren von weitem sichtbar. Der erste an dem wir vorbeigingen, war ein Marinepeilturm aus den dreißiger Jahren, die anderen beiden die wir später nebeneinander vorfanden waren Leuchttürme. Der höhere von beiden ist seit etwas über einem Jahrhundert noch immer in Betrieb und hat eine Reichweite von über 20 Seemeilen, was ca. der doppelten Zahl in Kilometern entspricht, wenn ich das ganze richtig verstanden habe. Die Bunkeranlage, direkt vor den Leuchttürmen, beherbergte wohl die 6. Flotte der DDR-Marine, sie war aber leider zur Besichtigung geschlossen. Alles in allem nicht besonders überraschend, daß eine gewisse Band sich nach dieser Kultsiedlung benannt hat und ich kann mir lebhaft vorstellen wie es wohl gewesen sein muss, vor allem bevor ein Teil der Tempelruinen ins Meer abgesackt ist.

Binz - Strand und Meer
Das Städtchen Binz ist eine absolut typische Kurort-Hochburg und hier reihen sich Hotels und Ferienwohnungen quer durch die Ortschaft aneinander. Die Strandpromenade ist voll von kleinen bis mittelgroßen Souvenirgeschäften, Fischbrötchenständen und allem möglichen Zeug. Wäre es nicht so windig und das Wasser nicht so kalt, könnte man fast auf die Idee kommen, man wäre irgendwo deutlich südlicher gelandet, so sehr ballerte die Sonne runter. Wir machten einen Spaziergang und ließen die entspannende Atmosphäre des Kurorts auf uns wirken. Allem Anschein nach ist die Stimmung hier so gelassen, daß gewisse Regelüberschreitungen hier zum Alltag gehören. Warnschilder? Epic Fail!

Jagdschloss Granitz
Eigentlich hatten wir das Schlösschen gar nicht in unsere Route eingeplant - also zumindest nicht heute, jedoch bot es sich mit etwa 2 km Entfernung von unserem jetzigen Standort an, einen Abstecher dorthin zu machen. Wir ließen also das Auto stehen und setzten uns in die Pendellokomotive (die wie sich später herausstellte ein umgebauter Geländewagen von Nissan war) und ließen uns vor dem Schloss wieder abladen. Der Wind war nicht ohne also gingen wir ohne Umschweife hinein und machten einen Rundgang im Museum. Das Schloss selbst, sowie die Möbel und die dargestellte Lebensart ist mäßig beeindruckend, zumindest was meine geschmackliche bewertung betrifft. Ich mag die Epoche in der es hauptsächlich genutzt wurde nicht besonders, die verfehlt meinen Sinn für Ästhetik. Ich wäre nie auf die Idee gekommen diesen prachtvollen Bau rosa streichen zu lassen oder die Treppen in die Mitte zu legen, aber andererseits, ich bin auch kein Architekt, vielleicht hatte das seine Gründe. Beeindruckend ist es in jedem Fall, wenn man die 150 kunstvoll verzierten gußeisernen Stufen erstmal erklommen hat und auf den Zinnen des obersten Turmes steht. Die Aussicht ist herrlich (wenn um diese Zeit gelinde nichtssagend, weil die Bäume noch nicht in vollem Grün stehen und das halbbraun der Wälder von oben etwas dreckig wirkt). Ein wenig durch die Räume gestreift, an dem einen oder anderen Punkt stehengeblieben und den vorgelesenen Notizen über an den Infopulten angebrachten Displays gelauscht, schwupps waren wir wieder draußen wo uns der Wind mit Staub eindeckte. Wir warteten auf den Rücktransport und fuhren weiter nach Putbus.

Putbus - Circus
Putbus selbst war nichts besonderes, aber die Stadtmitte zierte ein majästetischer Obelisk mit einer Fürstenkrone, die wie auch das Jagdschloss der hiesige Fürst Malte hat bauen lassen. Drumherum waren kreisrund etwa 15 Häuser in gleißendem Weiß angeordnet und der sorgfältig nach Pizzaschnitt aufgeteilte Garten um den Obelisk gab auch gute Sicht darauf, wenn man sich im Kreis drehte von der Mitte aus.

Prora - KdF Bad
Der karge Bau aus den dreißigern beherbergt heute ein Museum für das “Kraft durch Freude” Programm. Die leeren Wände und die ganze Atmosphäre des Kurbads bringen die drückende Stimmung der Gleichschaltung und Massenanonymität voll zur Geltung. Inhaltlich arbeitet das “Bad der zwanzig Tausend” eher weniger mit Objekten aus dem Leben vor Ort - da es nicht in Betrieb war, kein Wunder - doch mit erklärenden Kollagen zur Propaganda und der Macht des KdF-Programms. Wie die Arbeiterfront aufgeteilt war, was für Funktionen und Veranstaltungen die organisierte Zwangsgestaltung der Freizeit mit sich brachte und was es sonst links und rechts davon an Propaganda gab, im Sport und in der Technik. Gleichzeitig räumt es aber auch mit so Sachen wie dem Mythos Reichsautobahn und Arbeitsbeschaffung auf. Es wird einem kein bahnbrechend neues Wissen serviert, wohl aber Details zu dem was man schon wissen sollte und ein Eindruck wie nahezu unmöglich es wohl damals war, sich dem ganzen zu entziehen.

Stralsund - Hafen
Dieses Städtchen am Festland ist seit eh und je das Tor nach Rügen. Hier führt nicht nur die alte Brücke auf die Insel, sondern mittlerweile sogar ein unglaublich langes Autobahnbrücken-Konstrukt, was mit seiner Höhe von über 80m bequem jedes Schiff unten drunter durchlässt. Stralsund selbst wirkt auf den ersten Blick recht lebendig, aber wenn man näher hinsieht, entdeckt man wie zerfallen es wirklich ist. Man sieht Häuser in verschiedenen Verwahrlosungs- und Verwesungsstadien direkt nebeneinander und nicht wenige haben die von Fotografen aus der schwarzen Szene so begehrte verlassene Industrieromantik eingeschmissener Fensterscheiben und heruntergekommenen Putzes. Es ist sehr schade, daß so viele Gebäude in einem desolaten Zustand sind, man erkennt das deutliche Desinteresse der Eigentümer, damals vermutlich noch zu DDR-Zeiten natürlich des Staats. Und so reiht sich ein guterhaltenes Fachwerkhaus an eine halb eingefallene Backsteinmauer, an einen modern wirkenden Stahl-Glas-Bau und dieser wiederum an eine gotische Kirche oder Kapelle. Dennoch gibt es in der Stadt so manches zu sehen, ein Kloster haben die hier was über die meisten Häuser hinwegragt wie ein Dom und natürlich das ein oder andere Museum.

Stralsund - Meeresmuseum
Die Stadt beherbergt einige interessante Einrichtungen, allem voran zeigt das Meeresmuseum, dessen Schwerpunkt die Geschichte der Fischerei darstellt und die Entwicklung verschiedener Techniken im Rahmen dessen. Es gibt viele Anschauungsobjekte und weiter unten auch Aquarien mit Lebewesen aus dem Wasser. Man kann hier vieles über die Techniken, den Vorgang und die Industrialisierung des Fischfangs erfahren, aber auch eine Menge über die Artenvielfalt und die Tiere selbst. Und obwohl für die jüngeren das Ozeaneum aufgrund der Erlebniswelt interessanter sein dürfte, sind hier ein paar Basics dabei, die man wissen sollte wenn man sich mit dem Meer auskennen möchte.

Stralsund - Ozeaneum
Das Ozeaneum ist wohl ein Kofferwort aus Ozean und Museum, das triffts aber nur halb weil was es hier zu sehen gibt trotz des vielen Publikums und der abgedunkelten Räume ein Erlebnis ist, daß seines Gleichen sucht. Allem Anschein nach wurden weder Kosten noch mühen gescheut, die Besucher zu beeindrucken und zu bilden, ihnen einen Eindruck zu vermitteln wie es ist wenn man in den endlosen Weiten des Wassers zu Hause ist. Ob es nun die vergrößerte Plangton-Deckenaufhängung ist oder eine gigantische Halle in der verschiedene Wale im Maßstab von 1:1 an der Decke und im Raum hängen, wo man sich darunterlegen und den Walgesängen lauschen kann - es ist eindrucksvoll! Die Fische sind je nach Lebensraum unterteilt, so daß sogar jene die in Brandungsgewässern heimisch sind ihre Welle abbekommen und sich wohlfühlen können. Kleine Haie, Rochen, Flundern, Aale und Störe, Meereskrebse und allerhand anderes tierisches wie pflanzliches Leben gibt es hier zu bewundern. In der Galerie gibt es natürlich auch fotografische Kunst und im Museumsshop eine Reihe von interessanten Andenken. Wenn es einen Ort gibt, der Kindern das Meer nahebringen kann und sollte, dann ist es wohl hier - ich erinnere mich an die Museen zu der Zeit wo ich noch klein war, damals war das alles viel weniger imposant, da gab es viel zu lesen und nicht ganz so viele Räume die ganze Stimmungen vermittelten, aber in der heutigen Zeit ist klargeworden, daß es mehr sein muss als nur ein “sehen” - man muß fast schon regelrecht fühlen können wie etwas ist und warum. Und als ich unter diesem riesigen Blauwal stand, mich umsah, und die Atmosphäre auf mich wirken ließ, habe ich um so mehr ein Bild davon bekommen wie es wohl sein müsste unter Wasser zu sein und diese friedlichen Giganten schwimmen zu sehen.

Sassnitz - Schmetterlingszoo
Am letzten Tag waren wir des vielen Laufens müde und entschlossen uns, etwas zu besichtigen was es in der Nähe gab. Auf diese Einrichtung bin ich durch einen Flyer bei uns auf dem Zimmer aufmerksam geworden und obwohl ich deutlich älter war als die Zielgruppe die vom Veranstalter beabsichtigt war, hat es mich dennoch dorthin verschlagen. Aus dem Wasser in die Luft. Die Halle war ein wenig größer von innen als man von außen denken mochte, aber die Population an bunten und verschiedenen Faltern die sie beherbergte war schön anzusehen. Man musste aufpassen wenn man irgendwo entlanglief nicht ausversehen eins dieser Tierchen anzurempeln, weil sie wirklich überall waren. Sie hingen zwanglos am Strauch, als wären sie ausgestopft, begannen sich dann aber zu bewegen wenn ein anderes ihrer Art dazukam und alles in allem war es ein schönes Spektakel.

Sassnitz - Rügenstube
Unten am Hafen fanden wir ein verträumtes Lokal mit Meerblick und wunderbaren regionalen Fischgerichten. Während wir uns den Dorsch zu Gemüte führten und rätselten ob der wundersamen Dinge die wir gesehen haben, beobachteten wir die Wellen und die Gewächse im Wind und ließen nochmal die ganze Stimmung der Insel auf uns wirken. Wenn Rügen eins ist, dann ist es abwechslungsreich. Sollte es mich noch ein mal hierher verschlagen, werde ich wohl sehen, daß ich nach Hiddensee fahre und vielleicht bin ich dann mit dem Schiff mal unterwegs und sehe mir die Kreidefelsen vom Wasser aus an.

Es waren faszinierende sechs Tage voller Entspannung, aber auch viel Beinarbeit (was mir die Füße nicht sonderlich dankten), immerhin habe ich es so hinbekommen auf einen Rutsch die Black Magician Trilogy zu fressen, ein wunderbares Stück Fantasyliteratur. Was mir besonders gefallen hat war die augenscheinliche Affinität der Rügener zur Piraterie, die Flaggen und Shirts überall, Augenklappen, Rumflaschen in jedem Souvenirshop - da fühlte ich mich mit der gehissten Fahne auf meinem Auto doch sehr zuhause. Und ich werde mich demnächst etwas mehr mit dem Dorsch befassen, ich habe mit Fisch bislang nur begrenzte Erfahrungen in der Küche gesammelt (Lachs und Forelle mal ausgenommen), aber das Essen auf der Insel hat mich von seinem Potenzial endgültig überzeugt. Nur gut, daß ich den Lappy mitgenommen habe um schon im Vorfeld ein paar Eindrücke festzuhalten, sonst hätte ich das mit dem Bericht hier erst wesentlich später und vermutlich ungenauer hinbekommen.
Hail to the Kingdom of Steel!
Brother Arnoc
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